Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt in Deutschland stellt sich für die Bewer-ber in den letzten Jahren äußerst negativ dar. Laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung (2004, S. 1) konnte im Jahr 2003 an 35.015 Bewerber keine Lehrstelle vermittelt werden. Seit 1999 sinkt das Angebot an Ausbildungsstel-len kontinuierlich. Bis zum Jahr 2003 ist ein Rückgang um 12,5 Prozent auf 572.452 angebotene Plätze zu verzeichnen. Demgegenüber stehen 592.627 Nachfrager, so dass die Angebots-/Nachfragerelation im Jahr 2003 bei 96,6 Prozent liegt. (Bundesministerium für Bildung und Forschung, 2004, S. 1)
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1980 sollte die Relation bei 112,5 Prozent liegen, da erst ab diesem Wert gewährleistet werden kann, dass die Nachfrager mit einer Lehrstelle versorgt werden kön-nen, die ihrem Berufswunsch und ihren geographischen Präferenzen ausrei-chend entspricht. (Sell, 2004, S. 2)
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
1.1. Ausbildungsplatzmangel in Deutschland
1.2. Zielsetzung und Gang der Untersuchung
2. Ausbildungsplatzabgabe als politisches Thema
2.1. Entwicklung und Stand der politischen Diskussion
2.2. Der Inhalt des Berufsausbildungssicherungsgesetzes
3. Möglichkeiten und Grenzen der Ausbildungsplatzabgabe
3.1. Die Argumentation der Befürworter
3.2. Problematische Aspekte der Ausbildungsplatzabgabe
3.2.1. Die Anwendung in der Praxis
3.2.2. Kontraproduktive Auswirkungen
3.3. Die Schaffung neuer Ausbildungsplätze als Ziel der Ausbildungsplatzabgabe
4. Die Auswirkungen der Abgabe auf ein mittelständisches Unternehmen am Beispiel der Unternehmensgruppe A
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit analysiert, inwieweit die geplante Ausbildungsplatzabgabe ein effektives Instrument zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze darstellt. Dabei wird sowohl die politische Genese des Gesetzes beleuchtet als auch die praktische Umsetzbarkeit sowie die möglichen ökonomischen Auswirkungen auf Unternehmen kritisch untersucht.
- Entwicklung und Stand der politischen Diskussion um die Ausbildungsplatzabgabe.
- Analyse des Berufsausbildungssicherungsgesetzes und seiner inhaltlichen Regelungen.
- Diskussion der Argumente von Befürwortern und Kritikern.
- Untersuchung der praktischen Hürden und kontraproduktiven Effekte.
- Fallbeispielanalyse zur Verdeutlichung der betrieblichen Konsequenzen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Argumentation der Befürworter
Die Befürworter der Ausbildungsplatzabgabe sehen in ihr das geeignete Mittel zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze. Durch die finanzielle Unterstützung, die den ausbildenden Unternehmen durch die Ausbildungsplatzumlage gewährt werden kann, sind sie motiviert in größerem Umfang auszubilden. Nur durch ein größeres Ausbildungsplatzangebot kann allen Bewerbern eine Stelle vermittelt werden. Dies ist wichtig für die Zukunftschancen der Auszubildenden auf dem Arbeitsmarkt und für die Wirtschaftsunternehmen, deren zukünftiger Fachkräftebedarf ansonsten nicht gedeckt werden kann. (Sehrbrock, 2004, S. 5)
Für die Einführung der Ausbildungsplatzumlage spricht auch, dass die Ausbildungskosten ungerecht verteilt sind. Nur 23 % der 2,1 Mio. Betriebe in Deutschland bilden aus. Die anderen Betriebe bekommen daraus in zweifacher Hinsicht einen Wettbewerbsvorteil. Auf der einen Seite bleiben ihnen die Kosten für die Ausbildung erspart, auf der anderen Seite ziehen sie aber den Nutzen aus der Ausbildung, indem sie Personen einstellen, die in anderen Betrieben ausgebildet wurden. (Sehrbrock, 2004, S. 5)
Da die Unternehmen nicht genügend Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen, müssen durch Steuergelder schulische Ersatzangebote finanziert werden. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Dezember 1980 sind die Arbeitgeber für ein ausreichendes Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen verantwortlich und der Gesetzgeber müsste mit entsprechenden Verordnungen die Durchsetzung dieses Urteils ermöglichen. Die Ausbildungsplatzumlage könnte dafür sorgen, dass die Unternehmen ihrer Aufgabe nachkommen und die Last nicht auf die Allgemeinheit umgewälzt wird. (Schierholz, 2004, S. 6 f.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in die Thematik: Darstellung des Ausbildungsplatzmangels in Deutschland und Erläuterung des Ziels sowie des Aufbaus der vorliegenden Untersuchung.
2. Ausbildungsplatzabgabe als politisches Thema: Historischer Abriss der politischen Diskussion und detaillierte Erläuterung des geplanten Berufsausbildungssicherungsgesetzes.
3. Möglichkeiten und Grenzen der Ausbildungsplatzabgabe: Analyse der Pro-Argumente sowie der erheblichen praktischen Probleme und der Gefahr kontraproduktiver Folgen für Unternehmen.
4. Die Auswirkungen der Abgabe auf ein mittelständisches Unternehmen am Beispiel der Unternehmensgruppe A: Praxisnahe Fallstudie, die aufzeigt, wie die Abgabe die Unternehmensstruktur und Ausbildungsbereitschaft tatsächlich beeinflussen würde.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung, dass die Abgabe kein adäquates Instrument zur Lösung der Ausbildungsproblematik darstellt und die Suche nach strukturellen Alternativen fordert.
Schlüsselwörter
Ausbildungsplatzabgabe, Berufsausbildungssicherungsgesetz, Ausbildungsplatzmangel, Ausbildungsumlage, Personalwirtschaft, Ausbildungsquote, Fachkräftenachwuchs, Unternehmensgruppe A, Arbeitsmarkt, Mittelstand, Gesetzgebung, Ausbildungspakt, Wirtschaftsverbände, Fördergelder, Bildungspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht das umstrittene Instrument der Ausbildungsplatzabgabe und bewertet deren Wirksamkeit bei der Schaffung neuer Lehrstellen im deutschen Wirtschaftskontext.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die politische Entstehungsgeschichte des Berufsausbildungssicherungsgesetzes, die theoretische Argumentationslinie der Befürworter sowie eine kritische Prüfung der praktischen Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob die Ausbildungsplatzabgabe tatsächlich als effektives Instrument zur Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze dienen kann oder ob sie zu kontraproduktiven Ergebnissen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse mit einer praxisnahen Fallstudie anhand der Unternehmensgruppe A, inklusive eines Interviews mit der Personalleitung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit analysiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Diskussion, die rechtliche Ausgestaltung durch das Berufsausbildungssicherungsgesetz sowie die Abwägung von Chancen und Risiken in der betrieblichen Praxis.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ausbildungsplatzmangel, Berufsausbildungssicherungsgesetz, Ausbildungsplatzabgabe und betriebliche Ausbildungspraxis zusammenfassen.
Wie wirkt sich die Abgabe konkret auf das untersuchte Fallbeispiel aus?
Die Untersuchung der Unternehmensgruppe A zeigt, dass die Abgabe in diesem Fall nicht zu mehr Ausbildungsplätzen führt, da das Problem eher in der mangelnden Verfügbarkeit geeigneter Bewerber liegt als in der mangelnden Ausbildungsbereitschaft.
Warum ist die Stichtagsregelung im Gesetz problematisch?
Die Stichtagsregelung kann dazu führen, dass Unternehmen geplante Einstellungen zeitlich verschieben, um Fördergelder zu erhalten, was die Planungsqualität und die statistische Datenbasis verfälscht.
Was wird als Alternative zur Ausbildungsplatzabgabe vorgeschlagen?
Im Fazit wird betont, dass anstatt staatlicher Zwangsregulierung die grundlegenden Ursachen, wie das Konjunkturtief und die mangelnde Eignung vieler Bewerber durch die Bildungspolitik, angegangen werden sollten.
- Quote paper
- Marietta Sophia Dieckmann (Author), 2004, Die Ausbildungsplatzabgabe als Instrument zur Schaffung neuer Arbeitsplätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/111187