Dieser Unterrichtsentwurf handelt von der "Menschenfresser-Kontroverse". Thema soll die Beurteilung der Anthropophagie-Praxis unter amerikanischen Ureinwohnern am Beispiel des Reiseberichts „Mundus Novus“ von Amerigo Vespuccis anhand von kontroversen Darstellungen in arbeitsteiliger Partnerarbeit sein.
Das Kernanliegen liegt an der Beurteilung der Schülerinnen und Schüler zu den Anthropophagie-Schilderungen im Reisebericht, in dem sie einen Auszug ebenjener Quelle Aspekt geleitet vor dem Hintergrund zweier kontroverser Darstellungen diskutieren und erweitern so ihre Sach- und Urteilskompetenz.
Die Teilziele setzen sich aus fünf Punkten zusammen.
Zum Beispiel werden im ersten Teil werden die geschichtskulturell geprägten Filmausschnitte aus „Fluch der Karibik 2“ vor dem Hintergrund ihres Vorwissens zur Fremdwahrnehmung interpretiert. Sie zeigen dies, indem sie die stereotypische Darstellung der amerikanischen Ureinwohner beschreiben.
Und im zweiten Teil analysieren und erläutern die Schüler in Partnerarbeit je arbeitsgleicheinen Quellenauszug und eine Darstellung, indem sie kriterienorientiert Textstellen herausarbeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Diagnose der Lernausgangslage
2. Ziele und Kompetenzzuwachs
2.1. Kernanliegen
2.2. Teilziele
3. Didaktische Analyse
4. Methodisch-mediale Entscheidungen
5. Geplanter Verlauf der Stunde
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Unterrichtssequenz besteht darin, dass die Schülerinnen und Schüler die Authentizität von Kannibalismusschilderungen in frühneuzeitlichen Reiseberichten kritisch hinterfragen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Konstruktion von Fremd- und Selbstbildern durch europäische Entdecker und deren Bedeutung für die Identitätsbildung sowie deren Auswirkungen auf die Gegenwart.
- Analyse der Fremd- und Selbstwahrnehmung in kolonialen Quellen
- Kritische Auseinandersetzung mit der „Menschenfresser-Kontroverse“
- Methodenkompetenz: Quellenkritik und Umgang mit historischen Darstellungen
- Transferleistung: Zusammenhang von historischen Stereotypen und heutiger Diskriminierung
Auszug aus dem Buch
3. Didaktische Analyse
Sowohl der Kernlehrplan für das Fach Geschichte für die gymnasiale Oberstufe in NRW sowie der schulinterne Lehrplan der Robert-Jungk-Gesamtschule schreiben die Thematisierung von Erfahrung mit Fremdsein in weltgeschichtlicher Perspektive (Inhaltsfeld 1 des Kernlehrplans) vor. In dieser Unterrichtssequenz wird dieser Gegenstand aufgegriffen: Die historisch überlieferten und kritisch zu hinterfragenden Wertvorstellungen beeinflussen auch heute noch das Medienbild und prägen das Bild des jeweils „Anderen“ auf der Welt.
In diesem Zusammenhang thematisiert die jüngere historische Forschung den Begriff des Postkolonialismus. So lautet zum Beispiel in den USA eine Kundgebung von indigenen Völkern „I´m not a mascott!“, die den historisch überlieferten, stereotypischen Vorurteilen immer noch ausgesetzt sind. Insbesondere in einer multikulturell geprägten Gemeinschaft sollen die Mechanismen der Identitätsbildung durch das Abgrenzen reflektiert und kritisch hinterfragt werden. In der kolonialen Epoche spielten koloniale Sehnsüchte und Begierden, Exotismus und Unterwerfungsfantasien eine wichtige Rolle.
Die Konstruktion von Fremdheit erfüllt eine elementare Funktion für die Herausbildung und Aufrechterhaltung von Ordnungsstrukturen. Diese bilden Grenzlinien zum Anderen und implizieren ein Abgrenzen, Unter- oder Überordnen, wodurch die Welt für den Betrachter verständlich und im gewissen Maße beherrschbar wird. Aus historischer Perspektive bieten Reiseerzählungen und -berichte Einblicke in die Mentalitätsgeschichte. Die historische Forschung hat sich lange Zeit nur in geringem Maße mit Reiseberichten auseinandergesetzt, da der stark subjektiv gefärbte Charakter dieser Quellen den Kriterien der früheren historischen Quellenforschung nicht stand hielt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Diagnose der Lernausgangslage: Analyse der Lerngruppe, der Raumsituation sowie der vorhandenen methodischen und sozialen Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler.
2. Ziele und Kompetenzzuwachs: Definition des zentralen Kernanliegens und der konkreten Teilziele für die fachliche und methodische Entwicklung der Lernenden.
3. Didaktische Analyse: Herleitung des Unterrichtsvorhabens aus dem Kernlehrplan und wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Reiseberichten und der Konstruktion von Fremdheit.
4. Methodisch-mediale Entscheidungen: Begründung der didaktischen Vorgehensweise, insbesondere der Nutzung des Think-Pair-Share-Prinzips und der Einbindung filmischer und quellenkritischer Impulse.
5. Geplanter Verlauf der Stunde: Strukturierte Übersicht über die Unterrichtsphasen mit Angabe der Sozialformen, Medien und didaktischen Kommentare.
Schlüsselwörter
Geschichte, Frühe Neuzeit, Amerigo Vespucci, Mundus Novus, Kannibalismus, Fremdbild, Selbstbild, Quellenkritik, Postkolonialismus, Identitätsbildung, Stereotypen, Sachkompetenz, Urteilskompetenz, Diskriminierung, Menschenwürde.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die didaktische Planung einer Geschichtsstunde in der gymnasialen Oberstufe zum Thema der „Menschenfresser-Kontroverse“ in Reiseberichten der Frühen Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themenfelder umfassen die kritische Quellenarbeit mit Reiseberichten, die Konstruktion von Fremd- und Selbstbildern in der Kolonialgeschichte sowie die Relevanz dieser historischen Konstruktionen für heutige Diskriminierungserfahrungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist, dass Schülerinnen und Schüler die Authentizität der Kannibalismusschilderungen bei Amerigo Vespucci kritisch hinterfragen, um so ihre Sach- und Urteilskompetenz zu erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einem konstruktivistischen Lernansatz, der unter anderem durch Quellenanalyse, das Think-Pair-Share-Prinzip und eine abschließende Podiumsdiskussion bzw. kriteriengeleitete Urteilsbildung umgesetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die didaktische Analyse des Themas, die methodischen Entscheidungen für den Unterrichtsverlauf sowie der konkrete geplante Stundenverlauf dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Kannibalismus-Diskurs, Fremdwahrnehmung, Quellenkritik, historische Identitätsbildung und Interkulturalität charakterisiert.
Warum ist das Thema heute noch relevant?
Das Thema zeigt, wie historische Stereotypen bis heute in Medien fortbestehen und Menschen aus indigenen Kulturkreisen diskriminieren können, was die Bedeutung der Menschenwürde unterstreicht.
Welche Rolle spielt die „kognitive Dissonanz“ im Unterricht?
Sie dient als Einstiegsmethode, um durch den Widerspruch zwischen dem Bild der „edlen Wilden“ und den Kannibalismusschilderungen ein Problembewusstsein bei den Schülern zu schaffen.
Warum wurde die Partnerarbeit als Sozialform gewählt?
Sie wird aus präventiven Gesundheitsgründen der aktuellen Schulpolitik gewählt und ermöglicht gleichzeitig eine effiziente Ko-Konstruktion von Ergebnissen zwischen zwei Lernenden.
Wie wird mit leistungsstärkeren Schülern umgegangen?
Für diese Gruppe wird die Diskussion von Bildquellen als „Sprinteraufgabe“ angeboten, um eine weiterführende Reflexion über die Authentizität und Deutungsperspektiven zu ermöglichen.
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- Anonym (Author), 2021, Die Menschenfresser-Kontroverse. Vespuccis Kannibalen-Reiseberichte aus der frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/997592