Können Präsenzinterviews durch Video- oder Telefoninterviews ersetzt werden? Durch die Corona-Pandemie haben sich grundlegende Veränderungen für die Personalauswahl der Unternehmen ergeben. Das hat auch einen Einfluss auf Personalauswahlgespräche, da diese meist durch ein persönliches Aufeinandertreffen und Kennenlernen in Form eines Präsenzinterviews geprägt sind.
Schmidt und Rader kommen durch ihre Untersuchung zu der Erkenntnis, dass Video- und Telefoninterviews bedeutsame Gemeinsamkeiten mit einem Präsenzinterview haben und die berufliche Eignung eines Kandidaten gleichsam hervorsagen. Dennoch ist das Präsenzinterview, außerhalb der momentanen Pandemie betrachtet, sehr beliebt. Blackman kommt in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die Einschätzung der Persönlichkeitsmerkmale in einem Präsenzinterview signifikant exakter sind als in einem Telefoninterview.
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung
B. Klassische Personalauswahlgespräche im Wandel
I. Definition und Ziele des Präsenzinterviews
II. Beurteilungsfehler innerhalb Präsenzinterviews
III. Einsatz von Video- und Telefoninterviews
IV. Chancen und Herausforderungen von Video- und Telefoninterviews
C. Empirische Untersuchung
I. Vorgehensweise
II. Die wichtigsten Ergebnisse
D. Schlussbetrachtung
I. Einordnung der Befunde
II. Fazit
E. Graphische Veranschaulichungen
I. Die Situation im Unternehmen
II. Eigene Erfahrungen
III. Häufigkeiten Personalauswahlgespräche
IV. Chancen
V. Herausforderungen
VI. Zukünftige Entwicklung
VII. Bewertung Einsatz Video- und Telefoninterviews
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Corona-Pandemie auf die Durchführung von Personalauswahlgesprächen ausgewirkt hat und ob digitale Alternativen, wie Video- oder Telefoninterviews, die klassischen Präsenzinterviews ersetzen können.
- Veränderungen in der Personalauswahl infolge der Pandemie.
- Vergleich zwischen Präsenzinterviews und digitalen Interviewformaten.
- Analyse von Chancen und Herausforderungen durch Video- und Telefoninterviews.
- Empirische Bewertung durch eine Umfrage unter Personalern.
- Diskussion der Eignung digitaler Formate für hochwertige Personalentscheidungen.
Auszug aus dem Buch
II. Beurteilungsfehler innerhalb Präsenzinterviews
Die nonverbale Kommunikation spielt eine wichtige Rolle im Auswahlgespräch, da sie die verbale Kommunikation in den Hintergrund rücken lassen kann. Imada und Hakel zeigen in ihrer Untersuchung, dass 43 % der Bewertungsentscheidung innerhalb eines Auswahlgesprächs anhand nonverbaler Kommunikation getroffen werden. Nonverbale Kommunikation ist dabei all jene Kommunikation, die nicht verbal vermittelt wird und teilweise auch unbewusst übermittelt wird. Man kann beispielsweise durch den Gesichtsausdruck, Gesten, Blickkontakt, Mimik, Körperhaltung und Kleidung kommunizieren. Durch vermehrten Blickkontakt wird das Interesse des Bewerbers gezeigt. Ein abgewandter Blick kann Desinteresse vermitteln, oder auf die Unsicherheit des Bewerbers hinweisen. Auch das konstante Lächeln eines Bewerbers lässt auf hohes Interesse schließen und löst Sympathie aus. Ein Nicken mit dem Kopf gibt dem Gegenüber positives Feedback und zeigt, dass dem Gesagten zugestimmt wird. Verschränkte Arme und eine abgewandte Körperhaltung weißen auf Ablehnung und Desinteresse hin.
Viel Aufmerksamkeit kommt in der Forschung der Sozialpsychologie zu Verzerrungseffekten der Informationsverarbeitung dem Effekt des ersten Eindrucks zu. Der erste Eindruck bedeutet, dass innerhalb kürzester Zeit ein Urteil über eine bisher unbekannte Person gebildet wird. Die gesamte weitere Wahrnehmung wird durch diesen ersten Eindruck beeinflusst. Hierdurch wird auch das Verhalten des Interviewers beeinflusst, da er bei einem negativen ersten Eindruck weniger wohlwollend sein wird. Todorov und Willis zeigen in ihrer Untersuchung mit 245 Teilnehmern, dass bereits das Betrachten eines Gesichts für 100 Millisekunden genügt, um sich ein Urteil über eine bestimmte Person zu bilden. Auch ohne zeitliche Begrenzung wurde dasselbe Urteil gebildet. Barrick et al. fanden durch ihre Studie mit 98 Teilnehmern heraus, dass ein fester und langer Händedruck zu einer positiveren Einschätzung der Person führt. Er lässt den Bewerber kompetent und selbstbewusst wirken. Äußerlichkeiten, wie die Attraktivität oder die Kleidung eines Bewerbers lassen ebenfalls Vermutungen über dessen Persönlichkeit anstellen. Weitere Komponenten, wie z.B. Geruch, Frisur, Haltung oder Stimme verleiten dazu anzunehmen, wie gepflegt, intelligent, vertrauenswürdig oder selbstsicher eine Person ist.
Zusammenfassung der Kapitel
A. Einleitung: Beleuchtet die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das Recruiting und führt die Leitfrage ein, ob digitale Interviews Präsenzinterviews ersetzen können.
B. Klassische Personalauswahlgespräche im Wandel: Diskutiert die Grundlagen des Präsenzinterviews, typische Beurteilungsfehler und die Notwendigkeit digitaler Alternativen aufgrund der Pandemie.
C. Empirische Untersuchung: Stellt die Methodik der durchgeführten Umfrage unter Personalern vor und präsentiert die daraus gewonnenen Erkenntnisse.
D. Schlussbetrachtung: Ordnet die Ergebnisse in den theoretischen Kontext ein und beantwortet im Fazit die Leitfrage zur Ersetzbarkeit von Präsenzinterviews.
E. Graphische Veranschaulichungen: Präsentiert die Ergebnisse der Umfrage übersichtlich anhand von Diagrammen und Abbildungen.
Schlüsselwörter
Personalauswahl, Corona-Pandemie, Präsenzinterview, Videointerview, Telefoninterview, Personaler, Recruiting, Digitalisierung, Beurteilungsfehler, Nonverbale Kommunikation, Empirische Untersuchung, Personalentscheidung, Home-Office, Bewerberauswahl, Einstellungsinterview.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Personalauswahl und untersucht, wie Unternehmen in dieser Zeit Auswahlgespräche durchführen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Themen zählen das klassische Präsenzinterview, die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Recruiting sowie die Vor- und Nachteile von Video- und Telefoninterviews.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die Frage zu beantworten, ob Präsenzinterviews durch Video- oder Telefoninterviews dauerhaft ersetzt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse und einer eigenen empirischen Umfrage unter Personalern zur aktuellen Situation der Auswahlgespräche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Auswahlgesprächen, der Bedeutung nonverbaler Kommunikation, den Chancen und Herausforderungen digitaler Formate sowie der Auswertung der eigenen Umfrage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Personalauswahl, Videointerviews, Präsenzinterview, Recruiting, Digitalisierung, Beurteilungsfehler und Personalentscheidungen.
Warum sehen viele Befragte das Fehlen des persönlichen Kontakts als Herausforderung?
Weil bei digitalen Interviews die nonverbale Kommunikation – wie Mimik und Gestik – nur eingeschränkt wahrnehmbar ist, was die Einschätzung der persönlichen Passung eines Bewerbers erschwert.
Welches Fazit zieht der Autor zur vollständigen Digitalisierung der Auswahlgespräche?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass trotz der Vorteile digitaler Alternativen eine vollständige Digitalisierung abgelehnt wird, da das persönliche Kennenlernen für hochwertige Personalentscheidungen essenziell bleibt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Können Präsenzinterviews durch Video- oder Telefoninterviews ersetzt werden? Personalauswahlgespräche während der Corona-Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/992478