Im Rahmen dieser Hausarbeit wird folgende Forschungsfrage untersucht: Sind Unfallpräventionskampagnen für alle Untergruppen der privaten Haushalte vorhanden? Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen werden vorhandene Interventionskampagnen betrachtet und die Zielgruppenerreichbarkeit kritisch hinterfragt. Die Bedarfsanalyse schließt mit konkreten Handlungsempfehlungen.
Unfälle stellen einen bedeutsamen Kostenfaktor für das Gesundheitssystem dar und verursachen hohes persönliches und finanzielles Leid. Die BAUA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin) veröffentlichte aus dem Jahre 2015 die Verteilung der Unfälle nach Kategorien. Hiernach stehen 3,15 Millionen Unfallverletzten und 9,816 Unfalltoten aus dem häuslichen Umfeld lediglich 0,99 Millionen Unfallverletzte und 480 Unfalltote im Betrieb gegenüber. Im Jahre 2014 hatten circa 11 % aller Männer und 7 % aller deutschen Frauen aus Deutschland einen Unfall. Im Alter von 18 - 29 Jahren sind die Unfallzahlen geschlechterübergreifend am höchsten (m: 18,1 %, w: 9,8 %) und nehmen im Folgenden stetig ab.
Auch in Prävention und Gesundheitsförderung sind Ressourcen limitiert und somit zu schonen. Ziel der Hausarbeit ist die Grundlagenarbeit. Auf dieser Grundlage könnten ressourcenschonend Interventionskampagnen für relevante Schwerpunktthemen auf Mikro- und Meso-Ebene (Personen direkt und Settings/Lebenswelten) erstellt werden. Leodolter hält hierzu fest, dass in der Unfallverhütung ganzheitliche und integrative Interventionsmodelle angewendet werden müssen, bei dem die Menschen eigenverantwortlich die vorhandenen Sicherheitsvorkehrungen auch nutzen.
Die Anwendung von Marketing-Techniken zur Erstellung und Optimierung von Präventionsinterventionen sowie zur Erreichung der Zielgruppe stellt eine moderne Herangehensweise dar. Im Rahmen der Leistungspolitik (Produktpolitik) werden u.a. Situationsanalysen der Zielgruppe(n) herangezogen, um Präventionsinterventionen zu designen. Somit empfiehlt sich zumindest anteilig die Verwendung des sog. Familienlebenszyklus zur weiteren Unterteilung der Individuen des Settings privater Haushalt. Der Familienlebenszyklus beschreibt die realen Lebensumstände besser als z.B. die sog. A und E Segmentierung (Alter und Einkommen). Der Familienlebenszyklus wird in Kapitel 2.5 näher beschrieben, ebenso eine für diese Hausarbeit notwendige Modifizierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1. Unfälle & Public Health
2.2. Unfallstatistik in Deutschland
2.3. Besonderheiten und rechtliche Rahmenbedingungen
2.4. Das DALY-Konzept als Beispiel einer Kennzahl
2.5. Der Familienlebenszyklus
3. Methodisches Vorgehen
4. Ergebnisse
4.1. Zielgruppenorientierte Interventionskampagnen
4.1.1. Zielgruppen
4.1.2. Tabellarische Übersicht der Rechercheergebnisse
4.1.3. Beschreibung von 5 Kampagnen
4.1.3.1. Die Aktion „Das sichere Haus“
4.1.3.2. AXA Kindersicherheit
4.1.3.3. VDEK
4.1.3.4. BIVA
4.1.3.5. BFR – Bundesinstitut für Risikobewertung
4.1.3.6. Exkurs: DGUV – Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
4.2. Sturzprävention als besonderer Schwerpunkt
5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2. Zielgruppenerreichbarkeit/Präventionsdilemma
5.3. Handlungsempfehlungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit führt eine Bedarfsanalyse von Unfallpräventionskampagnen für private Haushalte durch, um zu untersuchen, ob für alle Untergruppen angemessene Angebote vorhanden sind. Angesichts fehlender systematischer Datenerfassung für Heimunfälle in Deutschland beleuchtet die Arbeit die theoretischen Grundlagen, methodische Ansätze der Recherche und diskutiert die Erreichbarkeit relevanter Zielgruppen durch bestehende Interventionsansätze.
- Analyse der Unfallstatistik und Risikofaktoren in privaten Haushalten
- Entwicklung eines modifizierten Familienlebenszyklus zur Zielgruppensegmentierung
- Systematische Recherche und Bewertung aktueller Interventionskampagnen
- Evaluation der Sturzprävention als zentraler Schwerpunkt
- Diskussion des Präventionsdilemmas bei der Zielgruppenerreichbarkeit
Auszug aus dem Buch
4.1.3. Beschreibung von 5 Kampagnen
Präventionsansätze unterscheiden sich in den unterschiedlichen Settings teilweise maßgeblich. Eine dem Setting Betrieb vergleichbare Verpflichtung zur Unfallprävention besteht jedoch im privaten Haushalt nicht. Dort ist der Arbeitgeber für die Prävention (auch theoretischer Risiken gem. Risikobewertung) und die Einhaltung von Vorgaben der gesetzlichen Unfallversicherung zuständig (§2 DGUV Vorschrift 1). Die Individuen im Setting privater Haushalt erhalten ihre Informationen zumindest anteilig auch aus anderen Lebenswelten. Laut der nationalen Präventionskonferenz kann ein Transfer über ein anderes Setting in den privaten Haushalt erfolgen. Die nationale Präventionskonferenz benennt hierzu konkret das Setting Kita (vgl. NPK 2018, S. 17).
Kampagnen für Kinder (z.B. im Setting Kita) sind im Gegensatz zu Kampagnen für Eltern direkt an die Zielgruppe gerichtet. Methodik, Didaktik, Sprache, Design sind an die besonderen Anforderungen dieser Zielgruppe angepasst. Es konnten jedoch bisher keine aktuellen Kampagnen mit dem Schwerpunkt häusliche Unfallprävention aufgefunden werden, jedoch zu den Schwerpunkten Verkehrsunfallprävention (z.B. ADACUS (vgl. ADAC Stiftung o.J.)), Suchtmittelprävention (z.B. P.A.R.T.Y. - Prevent Alcohol and Risk related Trauma in Youth (vgl. AUC o.J.)), Prävention von Sexualgewalt (z.B. Präventions-Brettspiel „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ (vgl. Bistum Trier 2018, o.S.)), Gewaltprävention (z.B. Sicher-Stark-Initiative (vgl. Sicher-Stark-Team o.J.)) und Gesundheitsprävention (z.B. Tigerkids (vgl. Stiftung Kindergesundheit, o.J.)). Hingegen sind bei der Recherche vermehrt Kinderbücher zu diesen Themen aufgefunden worden. Besonders nennenswert, da zumindest einige Aspekte der häuslichen Unfallprävention berührt werden, sind die Upsi Bücher und begleitenden Medien der Unfallkasse Berlin (vgl. UK Berlin). Die Baderegeln oder das Buch „Der Struwwelpeter“ bzw. „Die Geschichte vom Zappelphilipp“ (vgl. Hoffmann 1845) sind hier prominente Vertreter dieses Genres. Des Weiteren ist das historische Werk „Kinderschutz gegen Unfälle – 300 Regeln für Eltern, Erzieher und Kinder“ zu nennen (vgl. Fleck 1908).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Relevanz des Themas häusliche Unfälle als Kostenfaktor und identifiziert die Forschungsfrage nach der Verfügbarkeit von Präventionskampagnen für alle Untergruppen privater Haushalte.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert den Public Health Kontext, die aktuelle Unfallstatistik in Deutschland, rechtliche Rahmenbedingungen sowie das DALY-Konzept und den Familienlebenszyklus als Analysebasis.
3. Methodisches Vorgehen: Hier wird die systematische Online-Recherche sowie die Sichtung von Datenbanken und Fachliteratur beschrieben, die zur theoretischen Fundierung und Identifikation von Kampagnen genutzt wurden.
4. Ergebnisse: Das Kapitel präsentiert die Analyse zielgruppenorientierter Interventionskampagnen, segmentiert diese nach dem modifizierten Familienlebenszyklus und stellt die Rechercheergebnisse tabellarisch sowie inhaltlich dar.
5. Diskussion: Die Ergebnisse werden im Kontext des Präventionsdilemmas diskutiert und es werden Handlungsempfehlungen für zukünftige, zielgruppenspezifische Interventionsansätze abgeleitet.
Schlüsselwörter
Unfallprävention, Private Haushalte, Bedarfsanalyse, Sturzprävention, Familienlebenszyklus, Gesundheitsförderung, Interventionskampagnen, Public Health, Unfallstatistik, Zielgruppenerreichbarkeit, Präventionsgesetz, Sturzprophylaxe, Gesundheitskompetenz, Kindersicherheit, Lebenswelten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob für unterschiedliche Untergruppen in privaten Haushalten ausreichend Unfallpräventionskampagnen in Deutschland existieren und wie diese zielgruppengerecht gestaltet sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unfallprävention im häuslichen Umfeld, die Analyse von Zielgruppen mittels Familienlebenszyklus, die Rolle der Sturzprävention sowie die Evaluation bestehender Kampagnen von Versicherern und Organisationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Sind Unfallpräventionskampagnen für alle Untergruppen der privaten Haushalte vorhanden? Ziel ist die Aufdeckung von Versorgungslücken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine systematische Online-Recherche durchgeführt, kombiniert mit der Sichtung von Datenbanken der Krankenkassen, der BZgA sowie Fachliteratur, um den Ist-Zustand der Präventionslandschaft zu erfassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Einordnung, der methodischen Vorgehensweise, der detaillierten Auswertung der gefundenen Kampagnen nach Zielgruppen und der Diskussion des Präventionsdilemmas.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Unfallprävention, private Haushalte, Sturzprävention, Familienlebenszyklus, Zielgruppenerreichbarkeit und Gesundheitsförderung.
Warum spielt der Familienlebenszyklus eine so zentrale Rolle?
Er dient als Hilfsmittel zur Zielgruppensegmentierung, da er die realen Lebensumstände von Individuen in privaten Haushalten besser abbildet als eine reine Einteilung nach Alter oder Einkommen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Kampagnen?
Der Autor stellt fest, dass während für Kinder und Senioren Kampagnen verfügbar sind, Angebote für Erwachsene ohne spezifische Erkrankung stark unterrepräsentiert und oft schwer auffindbar sind.
Was empfiehlt der Autor für die Zukunft?
Empfohlen werden die Schaffung einer gesetzlichen Datengrundlage zur Erhebung häuslicher Unfalldaten, der Aufbau einer integrativen Datenbank für Kampagnen und eine stärkere Honorierung von präventivem Verhalten.
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- Sebastian Boeken (Author), 2019, Unfallpräventionskampagnen für private Haushalte. Eine Bedarfsanalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/988322