In dieser Arbeit wird folgender Fragestellung nachgegangen: Inwiefern unterscheiden sich die Beschreibungen bzw. die Darstellungen des Charakters Z in Buch und Film? Ödön von Horváth schuf mit dem Roman Jugend ohne Gott ein gesellschaftskritisches Werk, dass die Unmenschlichkeit der Bildungsinstitutionen in der Vorkriegsära darstellt. Horváth kombiniert in diesem Buch teils eine Kriminalgeschichte, teils ein Zeitdokument mit historischen, sowie religiösen Elementen, aber auch eine psychologische Studie, da viele Charaktere auf der Suche nach der eigenen Identität und dem eigenen Glauben sind und die menschlichen Verhaltensweisen gewissermaßen dargestellt werden. Der Autor schafft es, den Charakteren im Buch eine gewisse Gleichgültigkeit und menschliche Kälte zu verschaffen und dem Ich-Erzähler an seinen moralischen Standards zweifeln zu lassen.
Indem er die Schüler nur mit den Anfangsbuchstaben erwähnt und diese gewissermaßen nummeriert, nimmt er ihnen ihre eigene Individualität und bringt so die rohe seelische Verfassung und fehlende Nächstenliebe des damaligen diktatorischen Systems sehr gut zur Geltung. Obwohl der Lehrer immer wieder dem Prinzip „Nichteinmischung“ folgt, und versucht systemkonform zu handeln, damit er sein Einkommen nicht aufs Spiel setzt, steht er mit den Mitläufern des nationalistischen Regimes immer wieder in Konflikt und versucht dieser ideologischen Verblendung standzuhalten. Anhand dieser Kriterien vergleiche ich einen Charakter mit der filmischen Adaption des Romans.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeines – theoretischer Input
2.1. Literaturepoche
2.2. Das Werk
2.3. Die filmische Adaption
3. Empirie: Der Vergleich
3.1. Darstellung des Protagonisten Z im Buch
3.2. Darstellung des Protagonisten Z im Film
3.3. Unterschiede
3.4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Darstellung des Protagonisten Z in Ödön von Horváths Roman "Jugend ohne Gott" sowie in der filmischen Neuadaption aus dem Jahr 2017, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Charakterzeichnung und Erzählweise aufzuzeigen.
- Analyse der literarischen Vorlage im Kontext der Exilliteratur
- Gegenüberstellung von Romanhandlung und filmischer Interpretation
- Charakterisierung des Protagonisten Z bzw. Zacharias
- Untersuchung der Perspektivenwahl und narrative Unterschiede
- Vergleich der thematischen Ausrichtung zwischen Vorkriegszeit und naher Zukunft
Auszug aus dem Buch
3.1. Darstellung des Protagonisten Z im Buch
Der Charakter Z tritt erst ab dem Einzug in das Lager in Erscheinung und hat gleich zu Beginn schon seine Differenzen mit dem Charakter N. Die beiden prügeln sich öfters und man kann schnell erkennen, dass N der Todfeind von Z ist. Eindeutig ist auch schon von Anfang an, dass Z eine wichtige Rolle im Laufe der Geschichte spielt und zu den Hauptcharakteren zählt. Bis auf die Unstimmigkeiten mit N weist Z keine verbalen und körperlichen Aggressivität auf und erscheint sonst eher sehr ruhig und unauffällig. Durch den Perspektivenwechsel wird ein kleiner Einblick in das Tagebuch von Z gewährt und dadurch darf man kurz in seine Gefühls- und Gedankenwelt eintauchen, in denen er auf den Leser einen sympathischen und willensstarken Eindruck hinterlässt. Ebenfalls ist sehr gut herauszulesen, dass Z über sich nachdenkt und das ist ein starker Unterschied im Gegensatz zu seinen systemtreuen Mitschülern, es lässt ihn menschlicher und offener wirken. Zudem wird man über seine Liebesbeziehung mit Eva in Kenntnis gesetzt.
Dadurch, dass der Lehrer in dem Tagebuch von Z geschnüffelt hat, eskalieren die Differenzen zwischen Z und N gewaltig und kurz darauf wird auch schon N tot in einem Graben aufgefunden und die Schuld fällt sofort auf Z. Obwohl er keinerlei verbrecherische Instinkte aufweist, gesteht Z die Tat sofort und zu Beginn wird sein Geständnis nicht in Frage gestellt, dass er wohl seiner Drohung „Jeder, der mein Kästchen anrührt, stirbt!“ [Roman: S.69] in seinem Tagebuch zu verdanken hat. Im Laufe der Zeit kann man gewisse Ähnlichkeiten zwischen dem Lehrer und Z erkennen, da sie beide sehr kritisch gegenüber dem Plebejern sind. [Roman: S. 61]. Bei der Gerichtsverhandlung erscheint Z als vollkommen anders, er stellt sich als vernachlässigter und einsamer Junge dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Romans als gesellschaftskritisches Werk und Formulierung der Forschungsfrage zum Vergleich des Charakters Z in Buch und Film.
2. Allgemeines – theoretischer Input: Einordnung des Werkes in die Literaturepoche der Exilliteratur, Betrachtung der Entstehungsgeschichte sowie kurzer Überblick über die filmische Adaption.
3. Empirie: Der Vergleich: Detaillierte Analyse der Charakterdarstellung des Protagonisten in beiden Medien, Aufarbeitung der wesentlichen narrativen Unterschiede und abschließende Zusammenfassung der Ergebnisse.
Schlüsselwörter
Jugend ohne Gott, Ödön von Horváth, Exilliteratur, Literaturvergleich, Filmadaption, Charakteranalyse, Protagonist Z, Zacharias, Nationalsozialismus, Vorkriegszeit, Science-Fiction, Identitätssuche, Systemkritik, Nadesh, Romanverfilmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einem vergleichenden Blick auf den Roman "Jugend ohne Gott" von Ödön von Horváth und dessen Verfilmung aus dem Jahr 2017.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Fokus stehen die literarische Epoche der Exilliteratur, die Charakterzeichnung des Protagonisten Z sowie die mediale Transformation des Stoffes.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung und Beschreibung des Protagonisten Z im Buch und im Film herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Analyse, die sowohl den Originaltext als auch die filmische Umsetzung systematisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten empirischen Untersuchung der Figurenkonstellation, der Handlungsverläufe sowie der narrativen Unterschiede zwischen Buch und Film.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Exilliteratur, Systemkritik, Literaturvergleich und Charakteranalyse beschreiben.
Warum wird der Roman "Jugend ohne Gott" der Exilliteratur zugeordnet?
Aufgrund der historischen Entstehungszeit und der kritischen Haltung des Autors gegenüber dem Nationalsozialismus wird das Werk der Exilliteratur (1933–1945) zugerechnet.
Inwiefern unterscheidet sich das Ende der Geschichte im Film vom Buch?
Während im Buch das Ende durch Täuschung geprägt ist, bietet die filmische Adaption eine abgewandelte Form mit einem gemeinsamen Happy End für die Hauptfiguren.
Welche Bedeutung hat das Tagebuch für den Protagonisten Z?
Das Tagebuch dient sowohl im Buch als auch im Film als zentrales Instrument, um die innere Gefühlswelt, die Wissbegierde und die kritische Distanz des Protagonisten zum herrschenden System zu verdeutlichen.
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- Anonym (Autor:in), 2020, Das Werk "Jugend ohne Gott" von Ödon von Horvath, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/985626