In der Arbeit wird thematisiert, welche Ursachen es für Radikalisierungsprozesse, insbesondere bei Jugendlichen gibt und wie darauf in angemessener Form reagiert werden kann. Da vor allem die Phase der frühen Adoleszenz (ca. 12.-16. Lebensjahr) für die politische Sozialisation und die Entstehung politischer Einstellungen entscheidend ist und die Identitätsbildung in dieser Phase noch nicht vollständig abgeschlossen ist.
Dabei liegt der Fokus auf der Radikalisierung innerhalb des rechten politischen Spektrums, da sich die Ideologien der extremistischen Standpunkte prinzipiell stark voneinander unterscheiden. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass Radikalisierungsprozesse zwar dynamisch sind und von etlichen, auch individuell verschiedenen, Faktoren abhängen, aber dennoch in den meisten Fällen ähnlich verlaufen. Zudem lässt sich als zentrale Gemeinsamkeit der extremistischen Positionen feststellen, dass sie alle unser demokratisches Grundprinzip , welches Partizipation und Pluralität in unserem Zusammenleben in den Vordergrund stellt , abwerten und zunehmend infrage stellen.
Inhaltsverzeichnis
1.Einleitung
2.Begriffsbestimmung Radikalisierung und Extremismus
2.1 Rechtsextremismus und Rechtsradikalisierung
3.Wege in den Rechtsextremismus
3.1 Radikalisierung als Sozialisationsprozess
3.2 Individuelle Faktoren und Dispositionen
3.3 Soziale Identität und Gruppenzugehörigkeit
4.Prävention, Intervention und Deradikalisierung
5.Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und Entstehungsbedingungen von Radikalisierungsprozessen bei Jugendlichen innerhalb des rechten politischen Spektrums sowie die Möglichkeiten präventiver und intervenierender Maßnahmen zur Stärkung demokratischer Grundwerte.
- Prozessdynamik und Sozialisationsbedingungen in der Adoleszenz
- Psychologische und sozialpsychologische Erklärungsansätze für Radikalisierung
- Bedeutung von Jugendkulturen und Gruppenidentität
- Modelle und Handlungsfelder der Deradikalisierung
- Rolle der politischen Bildung und Demokratiepädagogik
Auszug aus dem Buch
3.1 Radikalisierung als Sozialisationsprozess
Um die facettenreichen Aspekte, die zu einer Radikalisierung von Jugendlichen führen können, zu untersuchen, erscheint es als sinnvoll, sie zunächst im Kontext von Sozialisation und den verschiedenen Sozialisationsinstanzen zu betrachten. Zentrale Bestandteile von Sozialisation sind die Vermittlung und Verinnerlichung von gesellschaftlichen Werten, Normen und Rollen mit dem Ziel der gesellschaftlichen Integration, stattfinden tut dies als ein zeitlicher Prozess der Persönlichkeitsentwicklung (vgl. Becker, 2012). Dazu gehören im Kern persönliche Erfahrungen innerhalb der Instanzen Familie, Schule und Peer Groups (vgl. ebd.). Zu verorten sind sie vordergründig, um im Modell der Systemebenen zu bleiben, auf der Mikro- und Mesoebene (vgl. Frindte/ Geschke, 2016). Betrachtet man zunächst die Familie bzw. das Elternhaus als Sozialisationsort, so spielen elterliche Erziehungspraxen- und Stile eine bedeutende Rolle (vgl. Becker, 2012). Gerade ein autoritärer Stil in Form von Machtausübung und Kontrolle durch die Eltern bei gleichzeitig fehlender emotionaler Unterstützung kann die Entwicklung von Radikalisierung begünstigen (vgl. ebd.). Somit kann nicht nur der innerfamiliäre Habitus in Form von Erziehverhalten, sowie Bindungs und Beziehungsqualität zwischen Eltern und Kindern eine Gefährdungsneigung erzeugen, sondern auch das Konzept der sozialkognitiven Lerntheorie nach Bandura ist ein zentraler Punkt (vgl. Srowig/ Roth/ Pisoiu/ Seewald/ Zick, 2013). Dabei stehen menschliche Vorbilder, in diesem Fall die Eltern im Vordergrund, da das individuelle Verhalten und Denken oftmals auf dem des Vorbildes beruht (vgl. Frank, 2019).
Zusammenfassung der Kapitel
1.Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Abwendung von demokratischen Grundwerten und definiert das Ziel der Arbeit, Ursachen für Radikalisierung bei Jugendlichen im rechten Spektrum zu analysieren.
2.Begriffsbestimmung Radikalisierung und Extremismus: Dieses Kapitel erarbeitet ein analytisches Begriffsverständnis und differenziert zwischen verschiedenen Formen der Radikalisierung und Extremismus.
2.1 Rechtsextremismus und Rechtsradikalisierung: Es werden die spezifischen Merkmale des Rechtsextremismus sowie die Veränderung des Diskurses durch modernisierte Aktionsfelder und Internetnutzung beschrieben.
3.Wege in den Rechtsextremismus: Hier werden Entstehungsbedingungen und prozessorientierte Entwicklungen in die rechte Szene unter Berücksichtigung von Nachfrage- und Angebotstheorien diskutiert.
3.1 Radikalisierung als Sozialisationsprozess: Dieses Kapitel betrachtet die Rolle von Familie, Schule und Peer Groups bei der Herausbildung politischer Einstellungen und als potenzielle Radikalisierungsinstanzen.
3.2 Individuelle Faktoren und Dispositionen: Der Fokus liegt auf der Mikroebene, insbesondere auf Persönlichkeitseigenschaften, psychologischen Vulnerabilitäten und Coping-Strategien Jugendlicher.
3.3 Soziale Identität und Gruppenzugehörigkeit: Es wird analysiert, wie rechtsextreme Jugendkulturen durch Identitätsangebote, Gruppenzugehörigkeit und maskuline Inszenierungen Jugendliche an sich binden.
4.Prävention, Intervention und Deradikalisierung: Das Kapitel stellt das Modell der drei Präventionsebenen vor und erläutert konkrete Handlungsansätze für Pädagogen und Beratungsangebote.
5.Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Prozesshaftigkeit der Radikalisierung zusammen und leitet einen gesellschaftlichen Appell zur Stärkung der politischen Bildung ab.
Schlüsselwörter
Radikalisierung, Rechtsextremismus, Sozialisation, Jugendliche, Adoleszenz, Prävention, Deradikalisierung, Gruppenidentität, politische Bildung, Demokratiepädagogik, Sozialisationsinstanzen, Risikofaktoren, Persönlichkeitsdispositionen, politische Einstellung, Menschenfeindlichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit den Prozessen, die Jugendliche in rechtsextreme Milieus führen, und analysiert Möglichkeiten der pädagogischen Prävention und Deradikalisierung.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Sozialisation in der Adoleszenz, die psychologische und soziale Anfälligkeit für rechtsextreme Ideologien sowie die Interventionsmodelle im schulischen und gesellschaftlichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Ursachen für Radikalisierung bei Jugendlichen zu verstehen, um darauf aufbauend wirksame Strategien für Prävention und Deradikalisierung ableiten zu können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse soziologischer, politikwissenschaftlicher und psychologischer Erklärungsmodelle zum Thema Radikalisierung und Rechtsextremismus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Wege in den Rechtsextremismus, die Untersuchung von Sozialisationsinstanzen, individuelle psychologische Faktoren sowie die Darstellung von Interventionsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Radikalisierung, Rechtsextremismus, Sozialisation, Adoleszenz, Prävention und demokratische Grundwerte charakterisieren.
Warum spielt die Phase der frühen Adoleszenz eine so wichtige Rolle?
Die Phase (ca. 12.-16. Lebensjahr) ist entscheidend für die Identitätsbildung und die politische Sozialisation, wodurch Jugendliche in dieser Zeit besonders empfänglich für externe Einflüsse und Identitätsangebote sind.
Wie unterscheidet sich die tertiäre Prävention von der primären Prävention?
Die primäre Prävention richtet sich an alle jungen Menschen zur allgemeinen Demokratieförderung, während die tertiäre Prävention bei bereits radikalisierten Personen ansetzt, um Deradikalisierung und gesellschaftliche Wiedereingliederung zu erreichen.
- Arbeit zitieren
- Lena Peters (Autor:in), 2020, Radikalisierungsprozesse bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/983858