Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Verhältnis von Bank- und Industriekapital, deren Vereinigung Hilferding als „Finanzkapital“ bezeichnet. In seinem gleichnamigen Buch stellt er nach seiner einführenden Geld- und Kredittheorie den Aufstieg der Banken zu Finanziers der Industrie mittels Fremdkapitalfinanzierung dar, die den Banken den Weg zur weiteren Machtentfaltung ebnete. Zentrale Punkte der für Hilferding damals „jüngsten Entwicklung des Kapitalismus“ waren die Entstehung von Aktiengesellschaften, kapitalistische Konzentrations-, Monopolisierungs- und Expansionstendenzen, wobei letztere zum Streben nach imperialistischen Märkten führten.
Anhand der Analysen Hilferdings sollen aktuelle Bezüge dargestellt werden. Sind die Erkenntnisse Hilferding heute noch aktuell? Sind die aktuellen Vorgänge auf dem Finanzsektor und in der realen Wirtschaft gar eine Fortschreibung der Entwicklung des Finanzkapitals im 19 Jh.? Eine Antwort findet sich vor allem bei Thomas Piketty in seinem Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“. Zunächst soll aber die Person Rudolf Hilferding kurz dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biographie Hilferdings
3 Die Herrschaft der Banken
3.1 Geld und Kredit
3.2 Kapitalkredit: Banken als Finanzier der Industrie
3.3 Aktiengesellschaft: Autonomie des Finanzsektors
3.4 Kapitalexport: „Imperialismus“ des Finanzkapitals
4 Aktualität des Finanzkapitals
4.1 Dominanz der Finanzwirtschaft über die Realwirtschaft
4.2 Der Kapitalistischer Konzentrationsvorgang: Das Piketty’sche Gesetz r > g
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Aktualität von Rudolf Hilferdings Werk „Das Finanzkapital“ (1910) vor dem Hintergrund moderner ökonomischer Entwicklungen, insbesondere der zunehmenden Dominanz des Finanzsektors über die Realwirtschaft und der globalen Kapitalakkumulation.
- Analyse des Verhältnisses zwischen Bank- und Industriekapital
- Untersuchung der Entstehung und Funktion des Finanzkapitals
- Vergleich der klassischen Imperialismustheorie mit der gegenwärtigen Globalisierung
- Kritische Einordnung durch das „Gesetz r > g“ von Thomas Piketty
Auszug aus dem Buch
Kapitalexport: „Imperialismus“ des Finanzkapitals
Der Kapitalexport ergibt sich aus dem Expansionszwang der kapitalistischen Wirtschaftsweise. Die Vermögenskonzentration bei Wenigen (Kapitalisten) einerseits und die damit verbundene Unterkonsumtion bei der Mehrheit (Arbeitern) führen dazu, dass langfristig innerhalb einer geschlossenen Volkswirtschaft kein Mehrwert mehr entstehen kann, da nur so viel an Waren abgesetzt werden kann wie durch Löhne an Kaufkraft entstanden ist, also ein Teil der Waren nicht verkauft werden kann. Im Warenüberschuss steckt der Gewinn des Unternehmens. Dieser Gewinn kann nur realisiert werden, wenn dieser Warenüberschuss abgesetzt wird. Dazu bedarf es zusätzlicher Konsumenten, die nicht von den Lohnzahlungen des Unternehmens abhängig sind. Volkswirtschaftlich bedeutet das, dass neue Absatzmärkte erschlossen werden müssen. Diese Absatzmärkte werden in Schulbüchern oft als Rohstoffergänzungsräume bezeichnet. Die Bezeichnung Profitrealisierungsräume trifft die wahre Funktion dieser Absatzmärkte besser. In der Sprache des Marxismus liegt diesem Vorgang die Differenz zwischen Tausch- und Gebrauchswert bzw. die Trennung des produzierenden Arbeiters von Konsumenten zugrunde. Deswegen muss der Markt über den der produzierenden Arbeiter hinaus ständig erweitert werden. Dieser Mechanismus gilt nicht nur für den Produktionsmarkt, sondern für alle kapitalistisch fungierenden Märkte und auch für den Kapitalmarkt selbst (s. Abb. 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung thematisiert die rasante Expansion des Finanzsektors seit der Reagan/Thatcher-Ära und führt in die wissenschaftliche Fragestellung bezüglich der Aktualität von Hilferdings „Finanzkapital“ ein.
2 Biographie Hilferdings: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg Rudolf Hilferdings vom Medizinstudenten und Autodidakten hin zum führenden SPD-Politiker und marxistischen Theoretiker.
3 Die Herrschaft der Banken: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Finanzkapitals, die Geld- und Kredittheorie sowie die strategische Rolle der Banken als Finanzierer der Industrie erläutert.
4 Aktualität des Finanzkapitals: Das Kapitel vergleicht Hilferdings Thesen mit der heutigen globalen Finanzwirtschaft und verknüpft sie mit der aktuellen Debatte um das Piketty’sche Gesetz r > g.
5 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bestätigt die fortdauernde Relevanz von Hilferdings Analysen für das Verständnis der heutigen Dominanz des Finanzsektors über reale Werte.
Schlüsselwörter
Finanzkapital, Rudolf Hilferding, Bankenmacht, Industriekapital, Kapitalexport, Imperialismus, Aktienkapital, Finanzmärkte, Realwirtschaft, Kapitalakkumulation, Thomas Piketty, Shareholder-Value, Geldtheorie, Monopolbildung, Weltwirtschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Rudolf Hilferdings Analyse des „Finanzkapitals“ aus dem Jahr 1910 dazu beitragen kann, die heutige Macht des globalen Finanzsektors zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Rolle der Banken, die Entstehung der Aktiengesellschaft, den Kapitalexport und das Spannungsfeld zwischen Finanz- und Realwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die historischen Erkenntnisse Hilferdings auf ihre heutige Gültigkeit zu prüfen und zu untersuchen, ob moderne Phänomene eine Fortschreibung seiner Theorie darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und dem Vergleich historischer marxistischer Ökonomie mit zeitgenössischen Daten und Analysen, insbesondere denen von Thomas Piketty.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die Geld- und Kredittheorie Hilferdings dargelegt, gefolgt von einer Analyse der Machtentfaltung der Banken durch Aktiengesellschaften und den Export von Kapital.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Finanzkapital, Bankenmacht, Kapitalakkumulation, Realwirtschaft und Imperialismus.
Inwiefern hat sich die Rolle der Banken seit Hilferding verändert?
Laut der Arbeit agieren heute neben traditionellen Universalbanken verstärkt internationale Investmentfonds und Hedgefonds als dominierende Kapitalsammelstellen, die noch direkter in die reale Wirtschaft eingreifen.
Was besagt das Piketty’sche Gesetz r > g im Kontext der Arbeit?
Die Formel r > g zeigt empirisch auf, dass die Kapitalrendite (r) das Wachstum der Wirtschaft (g) übersteigt, was die von Hilferding beschriebene Konzentrationstendenz des Kapitals statistisch untermauert.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Aktualität des "Finanzkapitals" von Rudolf Hilferding. Verhältnis von Bankkapital und Industriekapital, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/979375