In dieser Arbeit soll der Schwerpunkt auf der Lehrkraft liegen und der zentralen Fragestellung nachgegangen werden, ob sich das Goffmansche Bühnenmodell auf den Unterricht übertragen lässt und welche Schlussfolgerungen sich davon auf die Lehrerrolle im Unterricht ziehen lassen. Hierbei werden im Theorieteil der Begriff der Interaktion sowie weitere, für das Verständnis wichtige Bestandteile der Interaktion vorgestellt, um diese anschließend im zweiten Teil der Hausarbeit speziell auf das Unterrichtsgeschehen bzw. vor allem auf die Lehrkraft zu übertragen. Schließlich endet die Hausarbeit mit einem Fazit, in dem auf die eingangs gestellte Problemstellung eingegangen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Goffmansche „Theatermodell“
2.1 Interaktion
2.2 Vorder- und Hinterbühne
2.3 Eindrucksmanagement
2.4 Rolle
2.5 Identität
2.6 Ausdruckskontrolle
2.7 Ist die Maske unser wahreres Selbst?
3. Was bedeutet das für die Lehrkraft?
3.1 Schüler-Lehrer-Interaktion
3.2 Die Schule als Theater?
3.3 Die Rolle der Lehrkraft
3.4 Die Identität der Lehrkraft
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Übertragbarkeit des dramaturgischen Theatermodells von Erving Goffman auf das schulische Unterrichtsgeschehen. Ziel ist es, das Handeln der Lehrkraft im Klassenzimmer als soziale Inszenierung zu analysieren und aufzuzeigen, wie Ausdruckskontrolle, Rollengestaltung und die Nutzung von Vorder- sowie Hinterbühnen die Lehrer-Schüler-Interaktion beeinflussen.
- Grundlagen der Interaktionsanalyse nach Erving Goffman
- Konzeptualisierung des Klassenzimmers als theatrale Bühne
- Einfluss von Eindrucksmanagement auf die Lehrperson
- Rolle und Identitätsentwicklung von Lehrkräften im Unterricht
Auszug aus dem Buch
2.2 Vorder- und Hinterbühne
Nach Goffman (2009) wird die Bühne in die Vorder- und Hinterbühne gegliedert. Während auf der Vorderbühne die Darstellung stattfindet und einzelne Schauspieler und Schauspielerinnen vor dem Publikum auftreten, handelt es sich bei der Hinterbühne um eine Region, an der keine Zuschauer zugegen sind (Vgl. ebd., S.100ff.).
Im Bereich der Hinterbühne studieren die Darsteller eine Rolle ein, um diese dann vor dem Publikum, also auf der Vorderbühne, aufführen zu können (Vgl. Goffman 2011, S.217). Die Hinterbühne bietet dem Darsteller bzw. der Darstellerin daher die Chance, sich so vorzubereiten, dass sein bzw. ihr Selbst mit Erfolg auf der Vorderbühne inszeniert werden kann (Vgl. Knoblauch, 1994, S.18).
Im Bereich der Vorderbühne treten die Darsteller, während das Publikum anwesend ist, in Erscheinung und bieten dort die eingespielten Szenen (eingeübtes Rollenverhalten) dar, so dass ein Urteil über ihr Agieren aufgrund der darstellerischen Fähigkeiten gefällt wird (Vgl. Goffman, 2011, S.114). Dabei probiert der Darsteller bzw. die Darstellerin durch seine bzw. ihre Rolleninszenierung die Deutung der Situation unter Kontrolle zu bekommen, also eine gewisse Fassade aufrechtzuerhalten, indem dieser bzw. diese den gewünschten Eindruck zu vermitteln versucht. Das Publikum übernimmt den Gegenpart der Eindrucksvermittlung und überprüft, reflektiert und fällt ein Urteil über die Rolle des Darstellers bzw. der Darstellerin.
Zudem ist die Zugangskontrolle zwischen Vorderbühne und Hinterbühne nach Goffman (2002, S.217, zitiert nach Geise, 2011, S.135) wichtig: „Der Zugang zu diesen Regionen wird unter Kontrolle gehalten, um das Publikum daran zu hindern, hinter die Bühne zu schauen, und um Außenseiter davon fernzuhalten, eine Aufführung zu besuchen, die nicht für sie bestimmt ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die soziologische Perspektive von Erving Goffman ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob das Theatermodell auf den schulischen Unterricht und die Rolle der Lehrkraft angewendet werden kann.
2. Das Goffmansche „Theatermodell“: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe des dramaturgischen Ansatzes wie Interaktion, Vorder- und Hinterbühne sowie die Konzepte von Rolle, Identität und Ausdruckskontrolle.
3. Was bedeutet das für die Lehrkraft?: Hier wird der theoretische Input auf das Klassenzimmer übertragen, um die Lehrer-Schüler-Interaktion, die Rolle der Lehrperson und die Bedeutung des schulisches Raums als Bühne zu untersuchen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen und resümiert, dass Goffmans Modell eine zeitlose und hilfreiche Perspektive für das Verständnis professionellen Lehrerhandelns bietet.
Schlüsselwörter
Erving Goffman, Theatermodell, soziale Interaktion, Lehrerrolle, Unterricht, Eindrucksmanagement, Vorderbühne, Hinterbühne, Identität, Ausdruckskontrolle, Selbstinszenierung, Soziologie, Lehrkraft, Rollenverhalten, Klassenzimmer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Unterrichtsgeschehen mithilfe des dramaturgischen Ansatzes von Erving Goffman, um das Verhalten von Lehrkräften als soziale Rolleninszenierung zu begreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen Begriffe wie Interaktion, die Aufteilung in Vorder- und Hinterbühne, Eindrucksmanagement sowie die Konstruktion der Identität der Lehrperson.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, zu prüfen, ob und inwiefern sich Goffmans „Theatermodell“ auf den Unterricht übertragen lässt, um die Lehrerrolle soziologisch besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf der Analyse soziologischer Fachliteratur sowie der Anwendung von Goffmans Interaktionsmodell auf den schulischen Kontext basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Einführung der Goffmanschen Begriffe und deren konkrete Anwendung auf die Schüler-Lehrer-Interaktion sowie die räumliche Gestaltung der Schule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Besonders prägend sind Begriffe wie Theatermodell, Eindrucksmanagement, Rollenverhalten und Bühnenkonzepte im schulischen Umfeld.
Inwiefern beeinflusst das „Bühnenbild“ den Unterricht laut der Arbeit?
Die räumliche Gestaltung (z.B. Lehrerpult, Sitzordnung) schafft Rahmenbedingungen, die Privatheit von Öffentlichkeit trennen und somit die Interaktionsmöglichkeiten zwischen Lehrkraft und Schülern steuern.
Wie unterscheidet die Autorin/der Autor zwischen aufrichtigen und zynischen Lehrkräften?
Eine aufrichtige Lehrkraft ist überzeugt von ihrer Rolle, während ein zynischer Darsteller Zweifel an Lerninhalten hat, diese jedoch vor der Klasse verbergen kann, um das gewünschte Bild aufrechtzuerhalten.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Fritz (Autor:in), 2020, Die Schule als Theater? Ein Goffmanscher Blick ins Klassenzimmer, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/974399