Der verzweigte Zwangsarbeiter-Lagerkomplex im Umfeld des Werkes Tanne in Clausthal-Zellerfeld ist mit über 2000 Zwangsarbeitern der größte im Westharz. Diese Tatsache ist aufgrund der Kriegsrelevanz des dortigen Sprengstoffwerkes, das eines der größten des Dritten Reiches war, nicht verwunderlich.
An zweiter Stelle der Liste der größten Zwangsarbeiterlager im Westharz folgen die Lager der Metallwerke im Sankt Andreasberger Ortsteil Silberhütte.
Inhaltsverzeichnis
1. Sankt Andreasberg als Rüstungsstandort
2. Zur Entstehungsgeschichte des Werkes
3. Das Werk I
4. Das Werk II
5. Das Werk III
6. Kriegsende
7. Umwelteinflüsse der Werke
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dokumentiert die historische Bedeutung und den Betrieb der Metallwerke Silberhütte in Sankt Andreasberg während des Zweiten Weltkriegs, untersucht die Zwangsarbeit vor Ort sowie die rüstungsbedingten Altlasten im heutigen Harz-Gebiet.
- Historischer Hintergrund der Rüstungsproduktion in Sankt Andreasberg.
- Strukturelle Gliederung der Werke I, II und III.
- Einsatz von Zwangsarbeitern und deren Lebensumstände.
- Ökologische Bestandsaufnahme und rüstungsspezifische Kontaminationen.
- Nachkriegsentwicklung und Sanierung der Industrieanlagen.
Auszug aus dem Buch
Das Werk I
Das ehemalige Werk I der Metallwerke Silberhütte liegt im Wäschegrund am Zusammenfluss des Talbachs mit der Sperrlutter südöstlich des ehemaligen Bahnhofs Sankt Andreasberg. Die Straßen L520 und L521 teilen das Gelände in drei Bereiche.
In Silberhütte wurde ab 1936 Infanteriemunition, im wesentlichen Patronen für die Standardgewehre der Deutschen Wehrmacht, hergestellt. Hülsen wurden in der Zieherei gefertigt, im Laboriergebäude mit einem Treibsatz verfüllt, anschließend das Geschoss aufgezogen (Stahlmantel mit Bleikern) und der Zünder eingepresst. Es ist wahrscheinlich, dass die Patronen mit Nitrozellulose verfüllt wurden.
Die Produktionszahlen liegen nur unvollständig vor. 1938 wurden 16.562.000 „gezogene Erzeugnisse" hergestellt. Später stiegen die Anforderungen der Obersten Heeresleitung ständig, sodass von wesentlich höheren Zahlen ausgegangen werden muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sankt Andreasberg als Rüstungsstandort: Gibt einen Überblick über die Bedeutung des Standortes und die dort eingesetzten Zwangsarbeitergruppen.
2. Zur Entstehungsgeschichte des Werkes: Beschreibt die Firmenverlagerung der Hoesch-Tochter und den Erwerb der notwendigen Grundstücke für die Rüstungsproduktion.
3. Das Werk I: Detailliert die Fertigung von Infanteriemunition und den Aufbau der Produktionsanlagen am Standort Wäschegrund.
4. Das Werk II: Behandelt die Herstellung von Ladestreifen für Gewehrmunition und die spätere Umnutzung für Fremdarbeiter-Baracken.
5. Das Werk III: Beschreibt die Produktion von Geschosshülsen im Sperrluttertal unter der Schmiedag AG und die damit verbundenen technischen Prozesse.
6. Kriegsende: Dokumentiert die Demontage der Anlagen durch die Alliierten und die Delaborierung vorgefundener Kampfmittel.
7. Umwelteinflüsse der Werke: Analysiert die Bodenkontaminationen und rüstungsspezifischen Altlasten anhand von Bodenproben und Laboruntersuchungen.
Schlüsselwörter
Metallwerke Silberhütte, Sankt Andreasberg, Rüstungsindustrie, Zwangsarbeit, NS-Lagersystem, Infanteriemunition, Werk I, Werk II, Werk III, Rüstungsaltlasten, Bodenkontamination, Schwermetalle, Hoesch AG, Kriegsgeschichte, Umweltschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte der Metallwerke Silberhütte in Sankt Andreasberg von 1934 bis 1945 und den damit verbundenen ökologischen Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen den industriellen Aufbau im Dritten Reich, die Arbeitssituation unter den Nationalsozialisten und die spätere Untersuchung der Altlasten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine historische Aufarbeitung der Rüstungsproduktion sowie die Dokumentation der Umweltbelastung an diesem ehemaligen Industriestandort.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Der Autor stützt sich auf die Auswertung historischer Belegungsdaten, Firmenberichte, Archivdokumente und geotechnische Bodenuntersuchungsberichte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die technologische Beschreibung der drei Werke sowie die detaillierte Analyse der Umweltgefährdungen durch Schadstoffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Besonders prägend sind die Begriffe Rüstungsaltlasten, Zwangsarbeit, Metallwerke Silberhütte und Bodenkontamination.
Welche Rolle spielte die Schmiedag AG?
Die Schmiedag AG (eine Hoesch-Tochter) war der Betreiber von Werk III im Sperrluttertal und für die Produktion von Artilleriekartuschen verantwortlich.
Wie war die gesundheitliche Belastung durch den Betrieb?
Neben den rüstungsspezifischen Belastungen durch Treibmittel wies der Standort bereits durch die historische Erzverhüttung hohe Schwermetallkonzentrationen im Boden auf.
- Quote paper
- Friedhart Knolle (Author), 2000, Die Metallwerke Silberhütte in Sankt Andreasberg - ein kriegswichtiger Rüstungsstandort im Harz, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/97375