Das Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Frage, wie in Bilderbüchern die Wirkung von Fremdheit auf visueller Ebene für Kinder dargestellt wird. Zu diesem Zwecke wird in einem ersten Teil das komplexe Konstrukt der Fremdheit definiert sowie die Fremdheit, die Sprache haben kann, erklärt. Im zweiten Teil werden die theoretischen Analysekriterien des Bilderbuches nach Tobias Kurwinkel und Jens Thiele aufgeführt. Dabei wird hauptsächlich die visuelle Ebene des Bilderbuches beleuchtet, wobei die Farbgebung, Symbolik und Typografie einen besonderen Stellenwert einnehmen. Anschließend werden die zuvor theoretisch vorgestellten Analysekriterien in einer vergleichenden Bilderbuchanalyse untersucht.
Schon seit der Antike beschäftigt die Menschen das Konstrukt der Fremdheit. Dieses Konstrukt wurde in verschiedenen Gesellschaften und Kulturen betrachtet und aus vielfältigen Motiven, Theorien und Perspektiven beleuchtet. In unserer heutigen globalisierten Welt, die durch Kommunikation und Vernetzung, globale Beziehungen und weltweite Migrationsbewegungen geprägt ist, sind Begegnungen mit dem Fremden, dem Anderen selbstverständlich geworden. Als Reaktion auf den starken Zustrom von Geflüchteten ab 2015 nach Europa wurde das Konstrukt der Fremdheit neu aufgegriffen und diskutiert. Die Menschen, die aus anderen Kulturen mit anderen Sprachen nach Europa kamen und immer noch kommen, erleben eine andere Kultur, die ihnen zunächst fremd ist.
Auch in der Medienlandschaft wurden Filme, Bücher und Theaterstücke zum Thema Migration und Fremdheit veröffentlicht, die sich kritisch mit den Themen auseinandersetzen. Ebenso in dem Medium Bilderbuch wurden die Themen aufgegriffen und somit ein Zugang geschaffen zur Thematisierung des Fremden mit Kindern. Denn bereits Kinder in der Grundschule haben Kontakt mit geflüchteten Kindern und es ist wichtig, dass sie verstehen lernen, mit welchen Gefühlen und Schwierigkeiten diese Kinder konfrontiert werden. Dennoch gelten Themen wie Flucht und Migration als pädagogisch belastete Themen und ihr Einbezug in die Kinderliteratur muss mit viel Sensibilität einhergehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Konstrukt der Fremdheit – Die Xenologie
2.1 Definition: Fremdheit
2.2 Die Fremdheit der Sprache
3 Das Bilderbuch
3.1 Charakteristika des Bilderbuches
3.2 Visuelle Narration im Bilderbuch
3.2.1 Textexterne Aspekte – Der Paratext
3.2.2 Textinterne Aspekte
4 Vergleichende Analyse der relevanten Aspekte
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, wie das Konstrukt der Fremdheit in Bilderbüchern für Kinder auf visueller Ebene dargestellt wird, um ein Verständnis für die Lebenssituation geflüchteter Kinder zu fördern. Im Zentrum steht dabei die Analyse gestalterischer Mittel, die helfen, Unsicherheiten und kulturelle Differenzen visuell erfahrbar zu machen und Wege zur Integration aufzuzeigen.
- Grundlagen der Xenologie und des Fremdheitsbegriffs
- Charakteristika des Mediums Bilderbuch und seiner visuellen Narration
- Vergleichende Analyse der Bilderbücher „Am Tag als Saída zu uns kam“ und „Zuhause kann überall sein“
- Die Rolle von Farbgebung, Symbolik und Typografie als Ausdrucksmittel für Fremdheitserfahrungen
- Der Zusammenhang zwischen Sprache, Identität und bildlicher Gestaltung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Textinterne Aspekte
In der Analyse der textinternen Aspekte wird zwischen der histoire (Was wird dargestellt?) und discours (Wie wird es dargestellt?) unterschieden. „Viele Kategorien [der Ebenen histoire und discours] sind transmedial“ (Kurwinkel 2017: 52) und können in Bild- und Schrifttext dargestellt werden. Im Weiteren wird sich hautsächlich auf die Aspekte des Bildtextes fokussiert.
3.1.2.1 Histoire
Auf der Ebene der histoire werden u.a. Kategorien der Handlung und des Raumes untersucht.
Eine Handlung wird als eine „Zustandsveränderung in der Zeit“ verstanden und kann auf bildlicher Ebene durch die Unterscheidung von mono- und pluriszenischen Bildern geschehen (Vgl. Kurwinkel 2017: 83). Monoszenische Bilder sind Einzelbilder, die einen markanten Augenblick der Handlung visualisieren und autonom stehen. Dagegen werden in einem pluriszenischen Bild mehrere handlungsbezogene Momente, die gleichwertig nebeneinanderstehen, dargestellt. Mono- und pluriszenische Bilder sind analytisch in dem Rahmen des Buches eingebunden und verdeutlichen die Wirkung eines Bildes (vgl. Thiele 2000: 56-60).
Eine dem Film verwandte Methode um Bilder in einem Bilderbuch zu verknüpfen sind die Bild-Bild-Montagen. Wenn zwischen den Bildern inhaltlich-symbolische bzw. formalästhetische Zusammenhänge bestehen, werden unterschiedliche Bildinformationen zu einem Vorstellungsbild zusammengefügt. Zusätzlich wird der Erzählkontext oder die Leserichtung von links nach rechts einbezogen (vgl. Thiele 2000: 68f.). Getrennt stehende Bilder können durch eine Brücke miteinander verbunden werden, wobei in vielen Bilderbüchern die Buchmitte als Trennlinie fungiert (Vgl. Thiele 2000: 69f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet das Konstrukt der Fremdheit vor dem Hintergrund globaler Fluchtbewegungen und formuliert das Ziel der Arbeit, die visuelle Darstellung von Fremdheit in Bilderbüchern zu untersuchen.
2 Das Konstrukt der Fremdheit – Die Xenologie: Dieses Kapitel definiert Fremdheit wissenschaftlich und führt in die theoretischen Grundlagen der Xenologie sowie in die Problematik der sprachlichen Fremdheit ein.
3 Das Bilderbuch: Hier werden die theoretischen Analysekriterien für Bilderbücher erläutert, wobei ein besonderer Fokus auf visuellen Erzählstrategien wie Paratext, Symbolik, Farbgebung und Typografie liegt.
4 Vergleichende Analyse der relevanten Aspekte: Dieses Hauptkapitel führt eine detaillierte Gegenüberstellung der zwei gewählten Bilderbücher durch, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der visuellen Vermittlung von Fremdheitserfahrung und Integration aufzuzeigen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass visuelle Gestaltungsmittel wie Farben und Symbole essenziell sind, um komplexe Themen wie Flucht und Ankommen für Kinder verständlich zu machen.
Schlüsselwörter
Fremdheit, Xenologie, Bilderbuchanalyse, Visuelle Narration, Migration, Flucht, Interkulturelles Lernen, Farbpsychologie, Bild-Text-Interdependenz, Typografie, Integration, Kinderliteratur, Symbolik, Identität, Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie das komplexe Gefühl von Fremdheit in Bilderbüchern visuell für Kinder aufbereitet und dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Konstrukt der Fremdheit, die Möglichkeiten des visuellen Erzählens im Medium Bilderbuch sowie die didaktische Vermittlung von Migrationserfahrungen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, herauszuarbeiten, durch welche visuellen Mittel (Farben, Symbole, Typografie) Bilderbücher die Wirkung von Fremdheit und den Prozess der Integration thematisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine vergleichende Bilderbuchanalyse basierend auf theoretischen Modellen von Kurwinkel und Thiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Xenologie, Bildanalyse) und eine praktische, vergleichende Analyse zweier spezifischer Bilderbücher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Fremdheit, Migration, Visuelle Narration, Integration und die Interdependenz von Bild und Text.
Warum spielt die Farbgebung eine so entscheidende Rolle in den analysierten Büchern?
Farben wie Blau und Rot dienen als visuelle Codierung für Kälte/Fremdheit und Wärme/Vertrautheit und verdeutlichen so den emotionalen Prozess des Ankommens.
Wie unterscheidet sich der Einsatz von Typografie in den zwei untersuchten Büchern?
Während in „Zuhause kann überall sein“ vor allem mit Symbolen gearbeitet wird, nutzt „Am Tag als Saída zu uns kam“ explizit die Typografie und die Einbindung fremdsprachiger Elemente als grafisches Stilmittel.
Welche Funktion hat das Vorsatzpapier in den untersuchten Bilderbüchern?
Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern ist das Vorsatzpapier hier ein bewusst gestaltetes visuelles Element, das bereits im Vorfeld auf die Farben und Themen des Haupttextes verweist.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Wie wird die Wirkung von Fremdheit visuell für Kinder dargestellt? Eine vergleichende Bilderbuchanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/968754