Die Arbeit stellt sich die Frage, ob sich sagen lässt, dass das NS Regime von rein patriarchalen Strukturen geprägt war und man es wirklich pauschalisieren kann, dass das Geschlecht der Frau mehr Mitläufer als Täter war? Betrachtet man diesen Aspekt zusätzlich vor dem Hintergrund der durchaus zahlreichen weiblichen Widerstandskämpferinnen, so wird deutlich, dass das allgemein vertretene Frauenbild dazu führt, dass man Frauen sehr selten mit einer aktiven Täterrolle assoziiert.
Dass dies zu kurz gefasst und vor allem falsch geschlussfolgert ist, wird im Folgenden behandelt. Ebenso wird die Rolle der Frau in der Kriegsgesellschaft, ihr Idealbild und die Anforderungen an sie, untersucht, da diese Aspekte die Grundlagen für Schuld oder Unschuld liefern. Danach geht diese Arbeit auf bestimmte Frauentypen in unterschiedlichen Abteilungen der Kriegsmaschinerie Hitlers ein und befasst sich intensiv mit der Auseinandersetzung, ob eine Pauschalisierung des weiblichen Geschlechts entweder als Widerstandskämpferinnen oder als Täterinnen möglich und vertretbar ist. Dazu werden beide Ansichten faktisch untersucht, um sich ein detailliertes Bild von der damaligen Situation machen zu können.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Das Nationalsozialistische Frauenbild
1.1 Das Idealbild der Frau
1.2 Gesetzliche Durchsetzung
1.3 Mutterkreuzkult und Lebensborn
1.4 Folgen und Erfolge
2. Frauen im Kriegsalltag
2.1 Rolle in der Familie
2.2 Rolle in der Wirtschaft
3. Bildung und Erziehung junger Mädchen
3.1 Bund Deutscher Mädel
4. Frauen im NS-Regime
4.1 Frauen im Konzentrationslager
4.2 Frauen in der Verwaltung
4.3 Frauen als SS-Ehefrauen
4.4 Frauen im Sozial- und Gesundheitsdienst
4.5 Frauen als Mitläuferinnen und Zuschauerinnen
5. Fazit und Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Frau im Nationalsozialismus kritisch, um die Frage zu beantworten, ob Frauen lediglich als passive Opfer oder Mitläuferinnen zu betrachten sind oder ob sie eine aktive Täterrolle im Kontext des Holocaust einnahmen.
- Historische Analyse des nationalsozialistischen Frauenbildes und dessen ideologischer Durchsetzung.
- Untersuchung der Frau in der Kriegsgesellschaft sowie ihrer Rolle in der Wirtschaft und Familie.
- Analyse der politischen Erziehung junger Mädchen durch den Bund Deutscher Mädel.
- Differenzierte Betrachtung verschiedener Frauentypen innerhalb der NS-Kriegsmaschinerie, von KZ-Aufseherinnen bis hin zu Verwaltungsangestellten.
Auszug aus dem Buch
4.1 Frauen im Konzentrationslager
In der gerichtlichen Aufarbeitung der Kriegsverbrechen, stellten sich die KZ-Aufseherinnen durchwegs als „willenloses Rädchen an einer Maschine“14, als manipulierte Opfer, die selbst keine Schuld tragen. Dass dies jedoch meistens nur zu einem klugen Schachzug gehörte, wird im Folgenden erläutert.
Die Zahl aller KZ-Aufseherinnen wird zwischen 1939 und 1945 auf 3500 bis 4000 geschätzt, da die Dunkelziffer der tatsächlich registrierten Aufseherinnen sehr hoch ist. So waren etwa 10 Prozent des KZ-Personals im deutschen Reich weiblich. 15 Die Arbeit im Konzentrationslager sprach vor allem gering qualifizierte Frauen an, da „es sich lediglich um die Bewachung der Häftlinge handelt“16 Dieser Euphemismus lockte viele Frauen in den Dienst der Konzentrationslager, aber dennoch handelte es sich um eine gewöhnliche Stellenausschreibung, der die Frauen freiwillig folgten, sich also bewusst in das NS-Regime eingliederten.
Um die Ambitionen der Frauen nachvollziehen zu können, muss man das Umfeld betrachten: viele der Frauen waren erst zwischen 19 und 25 Jahren alt, gerieten in diesem Alter in ein verrohtes Umfeld, bekamen die grenzenlose Macht über Leben und Tod und mussten keine Konsequenzen erwarten.17 Dazu kam die patriarchale Unterdrückung im häuslichen Bereich, die Weichzeichnung der Frau und die Einschränkung durch Mutterschaft und Haushalt - war die Ausübung von roher, männlich anmutender Gewalt eine Art Ausbruch vom weiblichen Idealbild? Das kann man im Nachhinein nur als Hypothese aufstellen, aber Fakt ist, dass der Dienst in den Konzentrationslagern die Frauen verändert hat, so berichten auch die überlebende Insassin Danuta Medryk über eine Aufseherin: „Luise Danz macht anfangs den Eindruck, als sei die in die Bande der ordinären Deuten nur zufällig hineingeraten. [...] Aber nach einem Monat ist auch sie verändert. [...] Später hält sie Häftlinge an, stellt ihnen ein Bein, tritt sie. Das alles betrachtet sie als Vergnügen“18 Letztendlich kann man trotz einer beschönigten Darstellung der angeklagten Aufseherinnen davon ausgehen, dass Frauen gleiche Gewaltverbrechen wie Männer in den Konzentrationslagern begangen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Nationalsozialistische Frauenbild: Dieses Kapitel erläutert das vom NS-Regime vorgeschriebene Idealbild der Frau, welches auf Mutterschaft, häuslicher Rolle und rassistischen Kriterien basierte.
2. Frauen im Kriegsalltag: Hier wird der Spagat der Frauen zwischen traditioneller Mutterrolle und den kriegsbedingten Anforderungen in Wirtschaft und Familie analysiert.
3. Bildung und Erziehung junger Mädchen: Das Kapitel befasst sich mit der ideologischen Formung von Mädchen durch das NS-Schulwesen und den Bund Deutscher Mädel.
4. Frauen im NS-Regime: Hier wird untersucht, wie Frauen in verschiedenen Bereichen wie Konzentrationslagern, Verwaltung oder medizinischen Diensten aktiv zu Täterinnen wurden.
5. Fazit und Schlusswort: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Frauen maßgeblich an den Verbrechen des Holocaust beteiligt waren und sich bewusst für Täterrollen entschieden.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Frauenbild, Holocaust, Täterinnen, Mitläuferinnen, Mutterkreuz, Lebensborn, Bund Deutscher Mädel, Kriegsalltag, KZ-Aufseherinnen, NS-Verwaltung, Zwangssterilisation, Rassenideologie, Antisemitismus, NS-Regime.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Frau im Nationalsozialismus und der kritischen Hinterfragung der These, ob Frauen lediglich als Opfer oder Mitläuferinnen anzusehen sind.
Welche thematischen Schwerpunkte setzt die Autorin?
Die Schwerpunkte liegen auf der Ideologie des NS-Frauenbildes, der Rolle der Frau in Wirtschaft und Krieg, der Erziehung in BDM-Strukturen sowie der aktiven Täterschaft in Lagern und Verwaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Pauschalisierung der Frau als „unschuldiges Opfer“ zu widerlegen und aufzuzeigen, inwieweit Frauen aus eigenem Antrieb zu Täterinnen im Holocaust wurden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Literaturanalyse und der faktischen Untersuchung von Fallbeispielen sowie Verhaltensweisen von Frauen im NS-Regime.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die gesetzliche Durchsetzung des Frauenideals, den Alltag in der Kriegsgesellschaft und die konkreten Handlungsfelder von Täterinnen in verschiedenen NS-Institutionen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Nationalsozialismus, Täterinnen, Mitläuferinnen, Holocaust, Mutterkreuzkult und NS-Frauenideologie.
Welche Rolle spielte der "Lebensborn e. V." bei der Umsetzung der NS-Ideologie?
Der Lebensborn sollte die „arische Rasse“ züchten, indem er Frauen förderte, die von SS-Männern schwanger waren, was die ideologische Instrumentalisierung des weiblichen Körpers verdeutlicht.
Warum wird die Rolle der "Schreibtischtäterinnen" in der Verwaltung als passiv-verantwortlich eingestuft?
Obwohl diese Frauen nicht direkt in Gewaltverbrechen involviert waren, ermöglichten ihre bürokratische Arbeit, die Anordnung und das Absegnen von Dokumenten erst die reibungslose Umsetzung der Deportationen und Morde.
Wie veränderten sich Frauen laut der Arbeit im Dienst in Konzentrationslagern?
Berichte deuten darauf hin, dass Frauen nach einer gewissen Zeit in der Machtposition der Aufseherin eine Verrohung zeigten und aktiv Gewalt gegen Häftlinge ausübten, anstatt lediglich als „Mitläuferinnen“ zu agieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Die Rolle der Frau im Nationalsozialismus. Die Frage ihrer Täterschaft im Regime, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/959015