In vielen Kindertagesstätten wird inzwischen auf das offene Konzept umgestellt. Doch vor allem vielen Erzieher*innen behagt die Umsetzung dessen im Alltag Sorge. Wie kann man den Überblick über die Gruppe behalten, obwohl sich doch alle Kinder frei bewegen können? Ist eine individuelle Förderungen im gleichen Maße möglich oder gehen ruhigere Kinder unter? Wie soll die Beziehungsgestaltung aussehen, wenn man einige der Kinder doch gar nicht zu Gesicht bekommt?
Die Arbeit setzt genau an dieser Stelle an. Dabei wird der Fokus auf die Beziehungsgestaltung gelegt und welche Erfolgsfaktoren dafür nötig sind. Dafür werden einerseits fachtheoretische Grundlagen und andererseits Beobachtungen aus der Praxis hinzugezogen. Eine Verknüpfung von Theorie und Praxis - zwei Seiten einer Medaille werden zusammen gebracht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorstellung der Einrichtung
2.1 Sozialraum, Räumlichkeiten und Gruppen
2.2 Pädagogischer Ansatz der Einrichtung
2.3 Mitarbeitende und Vorstellen des eigenen Tätigkeitsfelds
3. Theoretische Hintergründe
3.1 Bindung als Basis
3.2 Charakteristika, Funktionen und Faktoren von Beziehungsgestaltung
3.3 Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
3.4 Konzept der offenen gestalteten Pädagogik
3.5 Konsequenzen für die Beziehungsgestaltung in Kindertagesstätten
4. Reflektion und Praxisbezug
4.1 Beziehungsgestaltung und Beziehungsaufrechterhaltung
4.2 Elternarbeit
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Herausforderungen, die sich durch die Einführung einer offen gestalteten Pädagogik in einer Kindertagesstätte für die pädagogische Beziehungsgestaltung ergeben, und zeigt praxisnahe Bewältigungsstrategien auf.
- Bedeutung von Bindung als Grundlage pädagogischen Handelns
- Anforderungen an die Beziehungsgestaltung im offenen Konzept
- Die Rolle der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern
- Reflektion der praktischen Umsetzung und Prozessgestaltung im Einrichtungsalltag
Auszug aus dem Buch
4.1 Beziehungsgestaltung und Beziehungsaufrechterhaltung
Es ist Freitagmorgen während der Bringzeit. Draußen ist gutes Wetter und das Team ist am heutigen Tag gut aufgestellt. Max betritt nach einem zweiwöchigen Urlaub den Konstruktionsbereich, welcher am größten ausfällt und an mehrere andere Bereiche sowie den Flur angrenzt. Die Erzieherin Ute begrüßt ihn mit einem freundlichen Lächeln und einer ruhigen angenehmen Stimme: „Hallo Max! Schön, dass du heute wieder da bist. Wie war dein Urlaub?“ Max grinst und beginnt zu erzählen. Währenddessen geht die Erzieherin in die Hocke und behält Augenkontakt zu ihm. Zwischendurch wiederholt sie seine Aussagen und fragt noch einmal nach. Am Ende des Gespräches sagt Ute noch einmal: „Das hört sich wirklich aufregend an. Vielleicht können wir nachher ja den anderen Kindern im Morgenkreis davon erzählen, was hältst du davon?“ Max bejaht die Idee und findet danach schnell und gut gelaunt ins Spiel auf dem Bauteppich.
Anhand dieser Situation lässt sich vieles ablesen. Zunächst einmal knüpft die Erzieherin an die unmittelbaren Erfahrungen des Kindes an, wodurch sie vor allem Interesse äußert und dem Kind Aufmerksamkeit schenkt. Auch durch die Begrüßung mit dem Namen sowie der Frage nach dem Wohlbefinden zeigt sie dies. Zudem handelt sie durch ihr konkretes Verhalten sehr wertschätzend. Dies zeigt sich etwa dadurch, dass sie aktiv zuhört. Sie wiederholt, was Max gesagt hat und stellt darauf aufbauend Nachfragen. Außerdem begibt sie sich währenddessen auf Augenhöhe und wahrt den Blickkontakt. Durch eine Kongruenz von Aussagen und Körperhaltung sowie Mimik wirkt sie dabei darüber hinaus sehr authentisch. Insgesamt gilt diese Situation als äußerst gelungen und wichtige Kriterien für die Beziehungsgestaltung finden sich wieder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verdeutlicht den hohen Stellenwert einer positiven Beziehungsgestaltung als Basis pädagogischer Arbeit und definiert die Forschungsfrage im Kontext des gesellschaftlichen Wandels und der Einführung offener Pädagogik.
2. Vorstellung der Einrichtung: Dieses Kapitel beschreibt die räumlichen, personellen und konzeptionellen Gegebenheiten der untersuchten evangelischen Kindertageseinrichtung, einschließlich des pädagogischen Ansatzes und der Arbeitsweise der Fachkräfte.
3. Theoretische Hintergründe: Hier werden die bindungstheoretischen Grundlagen, die Faktoren gelungener Beziehungsgestaltung sowie die konzeptionellen Besonderheiten der offenen Pädagogik und deren Einfluss auf die Erziehungspartnerschaft theoretisch fundiert.
4. Reflektion und Praxisbezug: Dieser Abschnitt überträgt das theoretische Wissen auf den Praxisalltag der Kindertagesstätte, wobei konkrete Beobachtungen zur Beziehungsgestaltung im offenen Konzept und zur Elternarbeit reflektiert werden.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Beziehungsgestaltung auch im offenen Konzept das wichtigste pädagogische Werkzeug bleibt, dessen Gelingen jedoch eine stetige prozesshafte Reflektion und Anpassung an Rahmenbedingungen erfordert.
Schlüsselwörter
Beziehungsgestaltung, Offene Pädagogik, Kindertagesstätte, Bindungstheorie, Erziehungspartnerschaft, Partizipation, Prozessorientierung, Fachkraft, Selbstwirksamkeit, Raumgestaltung, Elternarbeit, Reflexion, Professionelles Handeln, Entwicklungsförderung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Aufgabe der Beziehungsgestaltung zwischen pädagogischen Fachkräften und Kindern in einer Kindertagesstätte, die ihr Konzept auf eine „offene Pädagogik“ umgestellt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit beleuchtet die Bindung als Basis der Entwicklung, die Merkmale gelungener Beziehungsarbeit, das Konzept der offenen Pädagogik sowie die Zusammenarbeit mit Eltern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Herausforderungen zu analysieren, die das Konzept der offenen Pädagogik für die Beziehungsgestaltung mit sich bringt, und aufzuzeigen, wie diese im Alltag bewältigt werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus einer theoretischen Aufarbeitung der Fachliteratur und der reflektierten Beobachtung von Situationen aus ihrer eigenen zweijährigen Praxis in der Einrichtung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Bindung und offener Pädagogik sowie einen praktischen Teil, in dem die Reflexion der pädagogischen Arbeit und der Elternarbeit im Vordergrund steht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Beziehungsgestaltung, offene Arbeit, Bindung, Partizipation, Prozesshaftigkeit und Erziehungspartnerschaft.
Wie beeinflusst das offene Konzept die Arbeit der Erzieherinnen?
Das Konzept erfordert eine höhere Flexibilität und einen stetigen Austausch im Team, da feste Gruppenstrukturen wegfallen und die Fachkräfte ihre Rolle situativ neu definieren müssen.
Welche Rolle spielt die Beobachtung im Alltag der Einrichtung?
Beobachtung und Dokumentation sind essenziell, um die Lernfortschritte und Bedürfnisse der Kinder trotz weniger direkter Kontakte im Vergleich zum früheren Gruppenmodell zu erfassen und zu begleiten.
- Arbeit zitieren
- Katharina Müller (Autor:in), 2019, Beziehungsgestaltung in der offen gestalteten Pädagogik einer Kindertagesstätte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/948614