In der Arbeit werden die wichtigsten Arten der außergerichtlichen Streitbeilegung in der Baubranche vorgestellt, welche in Deutschland bereits verwendet werden.
In der Baubranche sind Konflikte allgegenwärtig und enden häufig auch mit gegenseitigen Schuldzuweisungen vor Gericht. Diese Gerichtsverfahren sind in aller Regel recht langwierig und kostenintensiv. Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt in der ersten Instanz sechs bis neun Monate, bei einer Berufung sogar 1,5 Jahre. Das führt dazu, dass die jeweiligen Parteien enorme Kapazitäten über einen langen Zeitraum aufbringen müssen. Zudem kann es zu einer Entfremdung der Parteien führen und dazu, dass das Projektinteresse aus den Augen verloren wird. Die Schuldfrage kann bei Bauprojekten häufig nicht eindeutig geklärt werden. Dies liegt daran, dass bei Bauprojekten eine hohe Komplexität vorhanden ist und meistens viele verschiedene Parteien beteiligt sind. Aufgrund dessen ist der Ausgang von Gerichtsprozessen in der Baubranche mit einer starken Unsicherheit behaftet. Deshalb werden in der Baubranche zunehmend Forderungen nach außergerichtlichen Verfahren zur Streitbeilegung gestellt. Solche außergerichtlichen Einigungen werden international bereits sehr häufig verwendet, innerhalb von Deutschland jedoch noch selten. Allerdings werden diese in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Konfliktmanagement in der Baubranche
2. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung
2.1 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne Dritte
2.1.1 Partnering
2.1.2 Interessenorientiertes Verhandeln
2.2 Außergerichtliche Streitbeilegung ohne entscheidungsbefugten Dritten
2.2.1 Moderation
2.2.2 Mediation
2.2.3 Mini-Trail
2.2.4 Schlichtung
2.2.5 Frühe neutrale Bewertung
2.3 Außergerichtliche Streitbeilegung mit entscheidungsbefugten Dritten
2.3.1 Adjudikation
2.3.2 Disput Boards
2.3.3 Schiedsgutachten
2.3.4 Schiedsgericht
3. Favorisiertes Streitbeilegungsverfahren – Adjudikation
3.1 Gründe für die Favorisierung
3.2 Genaue Beschreibung des Adjudikations-Verfahrens
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz und Anwendung verschiedener außergerichtlicher Verfahren zur Streitbeilegung bei Baustreitigkeiten, um die langwierigen und kostenintensiven Auswirkungen von Gerichtsprozessen in der Baubranche zu vermeiden.
- Analyse der Konfliktentstehung und der Nachteile klassischer Gerichtsverfahren im Bauwesen.
- Systematische Übersicht der Verfahren zur außergerichtlichen Konfliktlösung (ohne Dritte, mit Vermittlern, mit Entscheidungsbefugten).
- Detaillierte Untersuchung der Adjudikation als bevorzugtes Verfahren für Baustreitigkeiten.
- Evaluation von Empfehlungen für eine gesetzliche Regelung und Standardisierung von Adjudikations-Verfahren in Deutschland.
Auszug aus dem Buch
3.2 Genaue Beschreibung des Adjudikations-Verfahrens
Die Adjudikation ist ein summarisches Verfahren für die außergerichtliche Streitbeilegung bei Bauprojekten. Ein unparteiischer Dritter (der Adjudikator), der von den beiden Parteien gewählt wird ist mit Amtsermittlungsbefugnissen ausgestattet und dient zur Leitung des Verfahrens und zur Prüfung der Sachverhalts- und Rechtslage. Der Adjudikator schließt das Verfahren mit einer vorläufigen Entscheidung ab, die für beide Parteien zunächst bindend ist. Diese Entscheidung muss innerhalb einer sehr kurzen Frist getroffen werden, meist beträgt diese nur wenige Wochen. Dies bedeutet, dass dieses Verfahren vergleichsweise günstig ist, da die Verfahrenskosten abhängig von der Dauer sind. Der Adjudikator wird mit einem monatlichen Grundhonorar vergütet und zusätzlich kommt ein variables Honorar auf Stundenlohnbasis hinzu. Das Grundhonorar bekommt der Adjudikator für seine Verfügbarkeit und dafür, dass er sich mit der Vertragslage vertraut macht. Das variable Honorar bekommt er für die Zeit, die er für Treffen und Besprechungen aufwenden muss. Das Honorar muss von beiden Parteien zu gleichen Teilen bezahlt werden. Die Entscheidung des Adjudikators ist hierbei nachvollziehbar zu erläutern und zu begründen. Auf Antrag einer Partei kann diese Entscheidung jedoch noch einmal überprüft werden. In Deutschland gibt es noch keine einheitlichen rechtlichen Vorschriften für die Adjudikation. Es werden jedoch von verschiedenen Vereinen Vorschläge für zukünftige Regelungen gemacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konfliktmanagement in der Baubranche: Einführung in die Problematik langwieriger Bauprozessstreitigkeiten und die Notwendigkeit außergerichtlicher Konfliktlösungsmechanismen.
2. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung: Detaillierte Darstellung und Einordnung verschiedener Lösungsansätze, unterteilt nach dem Grad der Einbindung Dritter.
3. Favorisiertes Streitbeilegungsverfahren – Adjudikation: Analyse der Adjudikation als effizientes Werkzeug zur schnellen Streitbeilegung bei komplexen Bauprojekten.
Schlüsselwörter
Konfliktmanagement, Baubranche, Streitbeilegung, Adjudikation, Mediation, Schlichtung, Partnering, Disput Boards, Schiedsgericht, Schiedsgutachten, Bauprojekte, Rechtssicherheit, Projektmanagement, Baurecht, Konfliktprävention
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik von Konflikten im Baugewerbe und evaluiert außergerichtliche Verfahren, um diese effizient und kostengünstig beizulegen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die verschiedenen Formen der Konfliktbewältigung, von präventiven Methoden wie dem Partnering bis hin zu entscheidungsbasierten Verfahren wie der Adjudikation und Schiedsgerichtsbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Konflikte in Bauprojekten schnell gelöst werden können, ohne die hohen Kosten und langen Zeiträume von ordentlichen Gerichtsverfahren in Kauf nehmen zu müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Literaturanalyse und Zusammenstellung existierender Verfahrensordnungen sowie Empfehlungen einschlägiger Fachinstitutionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung unterschiedlicher Streitbeilegungsarten und die tiefergehende Analyse der Adjudikation als favorisiertes Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Baustreitigkeiten, außergerichtliche Streitbeilegung, Adjudikation, Mediation und Konfliktmanagement.
Warum wird die Adjudikation in der Arbeit als "favorisiert" hervorgehoben?
Sie wird favorisiert, da sie eine schnelle, fachkundige und vorläufig bindende Entscheidung ermöglicht, die den Baufortschritt kaum unterbricht.
Welche Rolle spielt der "Adjudikator" in dem Verfahren?
Der Adjudikator fungiert als unparteiischer Dritter mit Amtsermittlungsbefugnissen, der den Sachverhalt prüft und eine vorläufige, für beide Parteien bindende Entscheidung trifft.
- Quote paper
- Timo Hess (Author), 2016, Konfliktmanagement. Verfahren zur außergerichtlichen Streitbeilegung von Baustreitigkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/947911