In der Blütezeit der Popliteratur veröffentlichte Benjamin von Stuckrad-Barre 1998 seinen Debütroman Soloalbum und trat somit als neuer sowie erfolgreicher Popautor auf. Sein Erstlingswerk, das hohe Auflagezahlen erbrachte, stand durch literaturkritische Diskussionen von Rezensenten und Autoren in der Öffentlichkeit und gewann somit einen festen Platz in den Popliteratur-Debatten.
In Stuckrad-Barres Werk Soloalbum geht es um einen namenlosen Ich-Erzähler, der mehrerer Versuche unternimmt, die Trennung von seiner Ex-Freundin Katharina zu verarbeiten und diese gleichzeitig wieder für sich zu gewinnen. Oberflächliche Ablenkung findet der Protagonist, indem er sich auf Partys begibt und sich in Alkohol- und Drogenexzesse flüchtet. Dabei spielen Frauen in seinem Leben auch nach seiner Beziehung immer noch eine große Rolle, da er weibliche Bekanntschaften ebenfalls als Ablenkung von seinem Trennungsschmerz nutzt.
Immer wieder wird dem Ich-Erzähler bewusst, dass seine Gedanken und Gefühle dennoch von seiner Ex-Freundin beherrscht werden und er emotional von ihr abhängig ist. Die Versuche, sie zurückzugewinnen, scheitern dennoch. Dadurch ist sein Leben geprägt von Chaos, Isolation durch Abgrenzung zur Gesellschaft und Probleme mit seinem Äußeren.
Nicht nur durch den Roman selbst ist Stuckrad-Barre ein nennenswerter Autor der Popliteratur geworden, auch durch seine multimedialen Aktivitäten rückte er sein Erstlingswerk in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit: „Es ist kein Wunder, dass Benjamin
von Stuckrad-Barre, der ohnehin als der exemplarische Popliterat gilt, zuvor in der Musikindustrie gearbeitet hat. Angesichts solchen Hintergrundes hat er in der Folge alle medialen Chancen genutzt […] [und] in wirklich jeder deutschen Talkshow gesessen, just so wie andere Stars und Starlets der bunten Medienwelt auch“. Stuckrad-Barre kann nahezu als Künstler der Selbstinszenierung gelten, da er neben öffentlichen Fernsehauftritten auch mit seinen Lesungen das Interesse und die Aufmerksamkeit der Menschen für sich als Autor gewann. Als bekannter Autor der Popliteratur beherrschte er somit das Werkzeug der Autorinszenierung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2.1. Popliteratur im Literaturbetrieb der Gegenwart
2.1.1. Definition: Popliteratur
2.1.2. Charakteristika der Popliteratur
2.1.3. Themen in der Popliteratur
2.2. Stuckrad-Barres Soloalbum als Exempel der Popliteratur
2.2.1. Paratextuelle Elemente
2.2.2. Der Pop-Protagonist
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit Benjamin von Stuckrad-Barres Debütroman "Soloalbum" als repräsentatives Werk der Popliteratur eingestuft werden kann. Dabei steht die Analyse der theoretischen Grundlagen des Genres sowie deren konkrete Umsetzung und Charakteristika im Werk im Vordergrund.
- Definition und Merkmale der Popliteratur
- Stilistische Charakteristika im Vergleich zu hochliterarischen Standards
- Die Rolle der Popmusik als Strukturmerkmal und Referenzrahmen
- Die Figur des Pop-Protagonisten zwischen Isolation und Konsum
- Paratextuelle Gestaltungsformen als Brücke zwischen Musik- und Buchmarkt
Auszug aus dem Buch
2.1.2. Charakteristika der Popliteratur
Der Verweischarakter gilt als prägendes Merkmal der Popliteratur, dabei werden die Verweise „zitiert, indirekt oder direkt; textuell, akustisch und/oder visuell [...] [und] Zitate sind grundsätzlich Form- und Strukturprinzip von Pop und damit auch der Popliteratur“13. Für das Einfügen von Zitaten und Verweisen gibt es verschiedene Techniken und Möglichkeiten, um popliterarische Werke zu strukturieren. Der Verweis kann dabei als fremdes und externes Mittel den Text transformieren, dass dieser Verweis gleichzeitig ein Teil des literarischen Textes wird und somit ein Wandel von der intertextuellen Fremdreferenz zur Selbstreferenz stattfindet. Und auch dieses Zitat stellt ein literarisches Muster für andere weitere Verweise dar, welche sich hierbei wieder transformieren und von ihrem Ursprung abwandeln.14
Eben dies stellt eine Verbindung zwischen der Popliteratur und dem Pop her, welcher sich stets im Wandel befindet, „im Sinne einer dynamischen Bewegung, bei der kulturelles Material und seine sozialen Umgebungen sich gegenseitig neu gestalten und bis dahin fixe Grenzen überschreiten“15.
Die Sprache der Popliteratur grenzt sich ab von hochliterarischen Sprachstandards und ist gekennzeichnet von der Alltags- und Mediensprache bis hin zur Szene- und Fäkalsprache, so dass man einer „flotten Sprechsprache“16 reden kann, die vor allem das jüngere Publikum größtenteils bevorzugt. Nicht selten ist es die Direktheit und Schlichtheit, mit der sich die Popautoren in ihren literarischen Werken ausdrücken und so die Nüchternheit der Lebenswirklichkeit widergespiegelt wird. Auffällig ist außerdem, dass Namen von Bands und Songtitel häufig verwendet werden und diese zum Vergleich der Stimmung und Gemütslage herangezogen werden. Denn so wird „die Musik wesentlicher Teil der Textstruktur [...] und [dient] der Personen- und Situationscharakterisierung“17. Die Popliteratur thematisiert außerdem die „gegenwärtige Alltagskultur [und] zitiert Werbeslogans und die Boulevardpresse“18.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Werk "Soloalbum" von Benjamin von Stuckrad-Barre ein und beleuchtet dessen Bedeutung sowie die Rezeption im Kontext der Popliteratur der 90er Jahre.
2.1. Popliteratur im Literaturbetrieb der Gegenwart: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Popliteratur erarbeitet, indem Definitionen, strukturelle Charakteristika wie der Verweischarakter sowie zentrale Themenfelder des Genres beleuchtet werden.
2.2. Stuckrad-Barres Soloalbum als Exempel der Popliteratur: Dieses Kapitel wendet die theoretischen Erkenntnisse auf das konkrete Werk an, wobei die Gestaltung des Paratextes sowie die spezifische Konstruktion des Pop-Protagonisten analysiert werden.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Roman "Soloalbum" durch seine spezifischen Merkmale wie den Verweischarakter und die Darstellung des isolierten Protagonisten als exemplarisches Werk der Popliteratur gelten kann.
Schlüsselwörter
Popliteratur, Benjamin von Stuckrad-Barre, Soloalbum, Popmusik, Pop-Protagonist, Identität, Konsum, Alltagskultur, Mediensprache, Literaturwissenschaft, Selbstinszenierung, Isolation, 90er Jahre, Intertextualität, Lifestyle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der literaturwissenschaftlichen Einordnung des Debütromans "Soloalbum" von Benjamin von Stuckrad-Barre in das Genre der Popliteratur der 1990er Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Im Zentrum stehen die Definition von Popliteratur, der Verweischarakter, die mediale Selbstinszenierung der Autoren sowie die Charakterisierung eines typischen "Pop-Protagonisten".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass "Soloalbum" durch formale und inhaltliche Kriterien ein Paradebeispiel für die zeitgenössische Popliteratur darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sowohl theoretische Definitionen als auch die konkrete Textanalyse des Romans und dessen paratextueller Elemente angewandt werden.
Was sind die wesentlichen Inhalte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Begriffs Popliteratur und eine praktische Anwendung dieser Theorie auf Stuckrad-Barres Werk, insbesondere hinsichtlich Sprache, Struktur und Protagonistendarstellung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Schlagworten gehören Popliteratur, Identitätsfindung, Konsumkritik, Popkultur, Medialisierung und der typische Habitus des Pop-Protagonisten.
Inwieweit spielt die Musik im Roman eine Rolle für die Struktur?
Die Musik fungiert als zentrales Strukturmerkmal; dies zeigt sich unter anderem an der Verwendung von Songtiteln der Band Oasis als Kapitelüberschriften und dem ständigen Verweis auf die Musikästhetik der 90er Jahre.
Wie wird der Protagonist in "Soloalbum" dargestellt?
Der Protagonist erscheint als namenloser Ich-Erzähler, der in einem Zustand der sozialen Isolation, emotionalen Leere und Ziellosigkeit agiert, wobei er versucht, seinen Trennungsschmerz durch Konsum und Oberflächlichkeit zu betäuben.
- Arbeit zitieren
- Ann Chef (Autor:in), 2016, Popliteratur im Literaturbetrieb der Gegenwart. Stuckrad-Barres Soloalbum, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/944067