Dieser Essay beschäftigt sich mit folgender Frage: Inwiefern wird die schulische Leistungsbeurteilung dem gesamtgesellschaftlichen „Prinzip Leistung“ gerecht und entwickelt dadurch ein pädagogisch verantwortungsvolles Leistungsprinzip in der Institution Schule?
Das Thema Leistungsbeurteilung in der Schule bildet für Studierende jeglicher Lehrämter genauso wie für erfahrene Praktiker ein stets kritisch zu hinterfragendes Kapitel des beruflichen Alltags, deren Auseinandersetzung zur Professionalisierung von Lehrkräften beitragen sollte. Insbesondere im Zusammenhang mit der Debatte um die Bildungsreform in den 1960er Jahren wurde eine öffentliche Diskussion zur pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Problematik der Leistungsbewertung in der Institution Schule geführt. Das gesellschaftlich anerkannte Leistungsprinzip und dessen Übertragung und dementsprechende Kontroverse der Gültigkeit innerhalb der Schul-mauern stellt ein grundlegendes Entscheidungsproblem jedweder pädagogischen Praxis dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Leistungsbeurteilung in der Schule
2. Leistungsprinzip & pädagogische Diagnostik
3. Theoretische Grundlage: Schulgesetz NRW
4. Konsequenzen für den eigenen Professionalisierungsprozess
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die schulische Leistungsbeurteilung mit dem gesamtgesellschaftlichen Leistungsprinzip vereinbar ist und wie daraus ein pädagogisch verantwortbares Leistungsprinzip für die Institution Schule abgeleitet werden kann.
- Das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Leistungsprinzip und schulischer Erziehung
- Grundlagen und Aufgaben der pädagogischen Diagnostik
- Die gesetzlichen Rahmenbedingungen der Leistungsbewertung in NRW
- Transparenz und die Bedeutung verschiedener Bezugsnormen für die Leistungsrückmeldung
Auszug aus dem Buch
Leistungsprinzip & pädagogische Diagnostik
Nach Hartfiel (1977) kann die Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland als eine Leistungsgesellschaft bezeichnet werden, welche ein regulierendes Prinzip darstellt, das sämtliche Teilkulturen der Industriegesellschaft erfasst hat. Das Leistungsprinzip, auf das sich moderne Gesellschaften stützen, fundiert auf vier Grundsätzen: 1.) Gewährleistung einer Verteilungsfunktion, 2.) Sicherung von Produktivität, Lebensstandard und Fortschritt, 3.) Verteilung von beruflichen und sozialen Positionen, 4.) Ausübung einer Allokationsfunktion. Jürgens (2010) unterstellt nach dieser Maxime „dass die berufliche und soziale Position […] von der individuellen Leistung abhängig [ist]“ (S. 14).
Eine lückenlose Duplizierung der gesellschaftlichen Prämissen im Hinblick auf das Leistungsprinzip auf die Institution Schule und damit auch auf das Feld der Erziehung scheint wenig tauglich bis nicht verantwortbar. Nichtsdestotrotz muss für Schüler ebenso ein Leistungsprinzip bestehen, welches pädagogisch verantwortbar ist und dadurch eher dem gesellschaftlichen Verständnis von Leistung widerspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
Leistungsbeurteilung in der Schule: Das Kapitel führt in die Problematik der Leistungsbewertung ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen gesellschaftlichem Leistungsanspruch und pädagogischem Bildungsauftrag.
Leistungsprinzip & pädagogische Diagnostik: Hier werden die gesellschaftlichen Grundlagen des Leistungsprinzips erläutert und die Funktion der pädagogischen Diagnostik als Grundmittel für fundierte pädagogische Entscheidungen definiert.
Theoretische Grundlage: Schulgesetz NRW: Dieses Kapitel behandelt die rechtliche Verankerung der Leistungsbewertung im Schulgesetz für das Land Nordrhein-Westfalen und betont die Bewertungspflicht als Teil der Berufsrolle von Lehrkräften.
Konsequenzen für den eigenen Professionalisierungsprozess: Es werden die Bedeutung von Transparenz sowie die Relevanz der verschiedenen Bezugsnormen (sozial, sachlich, individuell) für eine valide Leistungsbeurteilung und den Professionalisierungsprozess von Lehrkräften erörtert.
Schlüsselwörter
Leistungsbeurteilung, Schule, pädagogische Diagnostik, Leistungsprinzip, Schulgesetz NRW, Bezugsnorm, Transparenz, Leistungsgesellschaft, Schulentwicklung, Leistungsbewertung, Professionalisierung, Bildungsauftrag, Diagnostik, Leistungsrückmeldung, Lernprozesse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Auseinandersetzung der schulischen Leistungsbeurteilung im Kontext des gesellschaftlichen Leistungsprinzips.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Leistungsprinzip, die pädagogische Diagnostik, die rechtliche Situation in NRW sowie die Bedeutung von Bezugsnormen für die Leistungsbewertung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein pädagogisch verantwortbares Leistungsprinzip zu entwickeln, das dem gesellschaftlichen Verständnis von Leistung entgegensteht oder es modifiziert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen Essay, der auf einer theoretischen Aufarbeitung erziehungswissenschaftlicher Literatur und gesetzlicher Grundlagen basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Funktionen des Leistungsprinzips, die Aufgabenfelder der pädagogischen Diagnostik, das Schulgesetz NRW sowie die verschiedenen Bezugsnormen nach Rheinberg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Leistungsbeurteilung, pädagogische Diagnostik, Bezugsnormorientierung und Transparenz.
Welche Rolle spielen die Bezugsnormen für Lehrkräfte?
Bezugsnormen (sozial, sachlich, individuell) dienen als Grundlage für die Leistungsbewertung; die Arbeit empfiehlt dabei die Kombination aus sachlicher und individueller Bezugsnorm als besonders transparent.
Warum ist das Schulgesetz NRW für die Untersuchung relevant?
Das Gesetz bildet die verbindliche Grundlage für die Bewertung von Schülern und definiert die Pflichten von Lehrkräften bezüglich der Leistungsrückmeldung und Versetzung.
Was ist unter dem Begriff der „Leistungsschule“ nach Klafki zu verstehen?
Dieser Begriff beschreibt, dass Lernen so in den Erziehungsprozess eingebunden sein muss, dass die Selbst- und Mitbestimmungsfähigkeit der Schüler gefördert wird.
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- Tobias Fröbel (Author), 2018, Leistungsbeurteilung in der Schule und das gesamtgesellschaftliche „Prinzip Leistung“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/944014