Ist das Kinderbuch „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe ein Ausreißer seiner Entstehungszeit und seines eigentlich sehr politisch geprägten Kontexts? Oder verbirgt sich doch mehr dahinter?
Dieser Fragestellung soll nachgegangen und eine aussagekräftige Antwort auf die Frage der Repräsentativität gefunden werden. Hierzu müssen zunächst die für die Zeit typischen literarischen Merkmale der Kinder- und Jugendliteratur der Zweiten Moderne und die der antiautoritären Kinder- und Jugendliteratur dargestellt werden. Dies erfolgt sowohl auf thematischer, erzähltheoretischer als auch auf bildgestalterischer Ebene. Darauf aufbauend werden die einzelnen Ebenen innerhalb des Kinderbuches analysiert und in Verbindung zu den zuvor herausgestellten Merkmalen der Entstehungszeit gesetzt. Das Fazit bündelt die Ergebnisse der Analyse und beantwortet die Forschungsfrage.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung des Paradigmenwechsels: Merkmale antiautoritärer Kinder- und Jugendliteratur und der der Zweiten Moderne
2.1 Thematische Ebene
2.2 Erzähltheoretische Ebene
2.3 Bildgestalterische Ebene
3 Analyse des Kinderbuches Das kleine Ich bin Ich unter Bezugnahme auf die Merkmale der Entstehungszeit
3.1 Thematische Ebene
3.2 Erzähltheoretische Ebene
3.3 Bildgestalterische Ebene
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Kinderbuch "Das kleine Ich bin Ich" (1972) als repräsentativ für die Strömung der antiautoritären Kinder- und Jugendliteratur der Zweiten Moderne gelten kann, indem sie das Werk systematisch auf thematischer, erzähltheoretischer und bildgestalterischer Ebene analysiert.
- Paradigmenwechsel der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur um 1970
- Merkmale der antiautoritären Literatur und der Zweiten Moderne
- Identitätsfindung als zentrales Motiv in der Kinderliteratur
- Intermodale Analyse von Text und Bild bei Susi Weigl
- Verhältnis von Tradition und Moderne in der erzählerischen Gestaltung
Auszug aus dem Buch
3.1 Thematische Ebene
Das kleine Ich bin Ich handelt von einem „bunten Tier“ (S.5), welches sich auf eine Reise der besonderen Art begibt. Angestoßen durch die Frage eines Laubfrosches, wer es denn sei, beginnt es, nach seiner eigenen Identität zu suchen und befragt Tiere wie Pferd, Kuh, Schaf, Ziege, Fisch, Nilpferd, Papagei und Hund. Nach zahlreichen Ablehnungen endet die Identitätsreise mit dem eigenständigen Entschluss des bunten Tiers, ein Ich-Bin-Ich zu sein.
Das zentrale Thema des Kinderbuches liegt offenkundig in der Identitätsfindung, in der Frage nach dem Selbst. Ein bisher undefiniertes Wesen sucht in einer stark definierten Welt verzweifelt nach einer Eigenbezeichnung, die es bis zum Zeitpunkt der Begegnung mit dem Frosch gar nicht benötigt hatte. Die Frage nach der eigenen Identität lässt sich in der Zweiten Moderne der deutschen KJL als Teilbereich des Themenspektrums wiederfinden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Repräsentativität des Buches im Kontext des gesellschaftlichen und literarischen Wandels der 1970er-Jahre.
2 Darstellung des Paradigmenwechsels: Merkmale antiautoritärer Kinder- und Jugendliteratur und der der Zweiten Moderne: Theoretische Erarbeitung der Merkmale der antiautoritären Kinderliteratur unterteilt in thematische, erzähltheoretische und bildgestalterische Kriterien.
3 Analyse des Kinderbuches Das kleine Ich bin Ich unter Bezugnahme auf die Merkmale der Entstehungszeit: Detaillierte Untersuchung des Werkes auf Basis der zuvor definierten Kriterien, um das Verhältnis des Buches zu den zeitgenössischen Strömungen aufzuzeigen.
4 Fazit: Synthese der Analyseergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass das Buch kein eindeutiger Vertreter der Zeit ist, sondern eine individuelle Synthese aus traditionellen und modernen Elementen darstellt.
Schlüsselwörter
Das kleine Ich bin Ich, Mira Lobe, Susi Weigl, antiautoritäre Kinderliteratur, Zweite Moderne, Identitätsfindung, Paradigmenwechsel, Kinder- und Jugendliteratur, Literaturanalyse, Bild-Text-Relation, 68er-Bewegung, problemorientierte Kinderliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kinderbuch "Das kleine Ich bin Ich" von Mira Lobe und Susi Weigl auf seine Übereinstimmung mit den literarischen und pädagogischen Merkmalen der antiautoritären Kinder- und Jugendliteratur der frühen 1970er-Jahre.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen den gesellschaftlichen Wandel der Kindheitsvorstellung (Zweite Moderne), die antiautoritäre Pädagogik, Identitätsfindung in der Kinderliteratur sowie die visuelle Gestaltung von Bilderbüchern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das Buch als repräsentativer Vertreter seiner Entstehungszeit oder als "Ausreißer" innerhalb des politisch geprägten literarischen Kontextes der 68er-Bewegung zu betrachten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die das Werk auf drei Ebenen untersucht: thematisch, erzähltheoretisch und bildgestalterisch, wobei diese Ergebnisse mit zeitgenössischen wissenschaftlichen Definitionen abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Merkmale der Zweiten Moderne und der antiautoritären Literatur, gefolgt von einer konkreten, ebenspezifischen Analyse des Kinderbuch-Klassikers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie "Identitätsfindung", "Zweite Moderne", "antiautoritäre Kinder- und Jugendliteratur", "Bild-Text-Komposition" und "Bilderbuchanalyse" aus.
Inwieweit spielt die visuelle Gestaltung für die Analyse eine Rolle?
Die visuelle Ebene ist essenziell, da die Arbeit untersucht, wie Susi Weigl künstlerische Stile wie die Pop-Art oder die Collage nutzt, um kindliche Autonomie und die Interaktion von Bild und Text zu fördern.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich der Repräsentativität des Buches?
Das Buch lässt sich nicht eindeutig als klassischer Vertreter oder reiner Ausreißer einordnen, sondern als eine geschickte Kombination aus traditionellen und modernen Elementen, die zeitlos und unabhängig wirkt.
- Arbeit zitieren
- Nicole Fabian (Autor:in), 2020, Der Paradigmenwechsel der Zweiten Moderne in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/943438