Die Magisterarbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen analytischen Teilbereich. Zunächst wird ein Blick auf den aus der Migrationsforschung stammenden Migrationssystemansatz geworfen, der vor allem in der Lage ist, Pendelbewegungen von Migranten zwischen Herkunfts- und Aufnahmeländern konzeptionell zu erfassen. Um dem politikwissenschaftlichen Ansatz der Arbeit gerecht zu werden, wird darüber hinaus Bezug genommen auf neogramscianische Überlegungen von Robert Cox, der insbesondere sozio-ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Staaten im Zuge zunehmender Globalisierung beschreibt und Rückschlüsse auf weltweite Migrationsbewegungen vornimmt.
Für das Fallbeispiel der Philippinen ließ sich feststellen, dass der rapide Anstieg von temporären Arbeitsmigranten zusammenfällt mit einer zunehmenden Deregulierung der staatlichen Steuerungsfunktion. Zwar gehören die Philippinen zu den ersten Auswanderungsländern, in denen der Staat aufgrund der hohen Deviseneinnahmen durch remittances Migration gezielt unterstützt hat, jedoch vor allem seit den 90er Jahren ist die Betreuung von Migranten weitestgehend privatisiert worden, sodass der Staat vor allem eine Kontrollfunktion über Migrationsagenturen wahrnimmt. Der Einfluss bleibt jedoch auf das Inland beschränkt, da sich Arbeitsmärkte zwar globalisieren, Arbeitnehmerrechte jedoch weiterhin national bestimmt werden.
Das Fallbeispiel Spanien konnte zeigen, dass in Einwanderungsländern der Staat zunehmend Einfluss auf Migrationsbewegungen nimmt. Gerade sicherheits- und wirtschaftspolitische Interessen veranlassten Spanien dazu, bilaterale Verhandlungen mit afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern aufzunehmen. Im Gegensatz zu den zentraleuropäischen Staaten wird Einwanderung nicht grundsätzlich als ein Problem wahrgenommen, sondern auch als notwendiges Element einer global konkurrenzfähigen Wirtschaft. Daraus ergibt sich, dass Spanien in jüngster Zeit über Migrationsabkommen gezielt internationale Politik betrieben hat und administrativ-logistischen Voraussetzungen für temporäre Arbeitsmigration immer weiter ausbaut.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Methodische und theoretische Grundannahmen
2.1. Arbeitsmigration, Globalisierung und der Nationalstaat
2.2. Migrationssysteme
2.2.1. Die Krise der Push- und Pull-Ansätze
2.2.2. Verknüpfung von Mikro- und Makro-Ebenen
2.2.3. Migrationssystem-Ansätze
2.2.4. Typologie von Einflussfaktoren
2.3. Neo-Gramscianismus
2.3.1. Das Konzept transnationaler Hegemonie
2.3.2. Erklärung strukturellen Wandels
2.3.3. Migrationssteuerung – ein neoliberales Projekt?
3. Erstes Fallbeispiel: Die Philippinen
3.1. Sozio-ökonomischer und politischer Wandel
3.2. Institutionalisierung von Migrationsprozessen
3.2.1. Rekrutierung
3.2.2. Betreuung im Ausland
3.2.3. Reintegrationsprogramme
3.3. Feminisierung und Flexibilisierung transnationaler Arbeit
4. Zweites Fallbeispiel: Spanien
4.1. Sozio-ökonomischer und politischer Wandel
4.2. Externalisierung von Migrationspolitik
4.2.1. Legalisierungen
4.2.2. Quotensysteme
4.2.3. Bilaterale Migrationsverträge
4.3. Ethnische Segmentierung von Arbeitsmärkten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Möglichkeiten staatlicher Steuerung internationaler Arbeitsmigration im Kontext der Globalisierung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit Nationalstaaten durch zirkuläre Migrationsprozesse in ihrer Steuerungsfunktion beeinflusst werden und welche Strategien sie entwickeln, um den globalen Arbeitsmarkt optimal für nationale Interessen zu nutzen.
- Analyse der Rolle des Nationalstaates in globalen Migrationssystemen
- Anwendung neo-gramscianischer Theorie auf Migrationsprozesse
- Vergleichende Untersuchung der Migrationssteuerung am Beispiel der Philippinen
- Analyse der Externalisierung von Migrationspolitik am Beispiel Spaniens
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Arbeitsmigration und sozio-ökonomischer Stabilität
Auszug aus dem Buch
2.2.3. Migrationssystem-Ansätze
„A migration system, than, is any movement of persons between states, the social, economic, and cultural effects of such movements, and the patterned interactions among such effects.”
Ende der 80er Jahre führte die Erkenntnis, dass Migranten als Arbeitssuchende, Flüchtlinge, Studenten oder Geschäftsleute nicht langfristig, sondern zeitlich begrenzt im Ausland leben und migrationspolitische Maßnahmen zunehmend in Absprache mit anderen Staaten getroffen wurden, zu einer Neuausrichtung des migrationstheoretischen Diskurses über die bis dahin angewandten Konzepte der Migrationsforschung.
Einer der umfassendsten Ansätze aus dieser Zeit ist die Beschreibung internationaler Migration als einen Prozess interaktiver Verknüpfungen zwischen zwei, oder mehreren Länder. Bisher waren Migrationsprozesse in der Regel entweder aus der Perspektive des Ausreise- oder des Einreiselandes betrachtet worden, sodass die inhärente Dynamik von Migrationsströmen nur unzureichend erklärt werden konnte. Die Entwicklung eines systematischen Analyserahmens wechselseitiger Verbindungen und Kontextfaktoren bietet die Möglichkeit, neu erkannte Phänomene wie Re-Migration oder Rücküberweisungen zu erklären und die politischen und strukturellen Abhängigkeiten, die an beiden Enden des Migrationsflusses betrachtet werden, nachzuvollziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des Paradigmenwechsels in der Migrationspolitik hin zu temporären Programmen (TMPs) und Einführung der systemanalytischen Fragestellung zur Rolle des Staates.
2. Methodische und theoretische Grundannahmen: Theoretische Herleitung der Migrationssysteme sowie Anwendung der neo-gramscianischen Theorie zur Analyse von Machtverhältnissen und staatlicher Handlungsfähigkeit.
3. Erstes Fallbeispiel: Die Philippinen: Untersuchung der institutionellen Migrationssteuerung eines führenden Auswanderungslandes und der sozialen Folgen der strukturellen Abhängigkeit von Rücküberweisungen.
4. Zweites Fallbeispiel: Spanien: Analyse der spanischen Einwanderungspolitik, der Legalisierungsprogramme und der Externalisierung von Migrationssteuerung durch bilaterale Abkommen.
5. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über die Begrenztheit staatlicher Steuerungsansätze gegenüber globalen Migrationsdynamiken bei gleichzeitiger Anpassung nationaler Strategien.
Schlüsselwörter
Internationale Arbeitsmigration, Nationalstaat, Globalisierung, Migrationssysteme, Neo-Gramscianismus, Transnationale Hegemonie, Philippinen, Spanien, Remittances, Migrationssteuerung, Arbeitsmarktsegmentierung, Bilaterale Migrationsverträge, Migrationsnetzwerke, Politische Ökonomie, Arbeitsmarktflexibilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse staatlicher Möglichkeiten zur Steuerung internationaler Arbeitsmigration vor dem Hintergrund globaler sozio-ökonomischer Veränderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Rolle des Nationalstaates, die Auswirkungen von Globalisierung auf Migrationsprozesse sowie die Verknüpfung von ökonomischen und politischen Interessen bei der Migrationssteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss temporärer und zirkulärer Migrationsprozesse auf die staatliche Handlungsfähigkeit zu untersuchen und zu bewerten, wie Staaten diese Prozesse "managen".
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein systemanalytischer Ansatz verfolgt, der durch die neo-gramscianische Theorie ergänzt wird, um transnationale Macht- und Herrschaftsverhältnisse historisch-analytisch zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Fallstudien: Die Philippinen als klassisches Auswanderungsland mit einem institutionalisierten Migrationssystem und Spanien als Einwanderungsland mit einer zunehmend externalisierten Migrationspolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Migrationssysteme, Arbeitsmarktsegmentierung, globale Ökonomie, staatliche Steuerungsautonomie und transnationale soziale Räume beschreiben.
Warum wurden gerade die Philippinen und Spanien als Fallbeispiele gewählt?
Die Auswahl begründet sich durch die gegensätzliche Ausgangslage als Auswanderungs- bzw. Einwanderungsland, die beide massiv durch Migrationsprozesse in ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Struktur geprägt sind.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der "remittances" auf den philippinischen Staat?
Der Autor konstatiert eine strukturelle Abhängigkeit, die den Staat dazu zwingt, Migrationsprozesse aktiv zu fördern und zu institutionalisieren, um die Deviseneinnahmen und die soziale Stabilität zu sichern.
Welche Rolle spielen "Pateras" in der spanischen Migrationsdebatte?
Pateras (Flüchtlingsboote) symbolisieren die Herausforderung der illegalen Einwanderung, auf die Spanien mit einem Ausbau der Grenzsicherung (SIVE) und der Forcierung bilateraler Rücknahmeabkommen reagiert hat.
Wie verändert die "Internationalisierung des Staates" nach Cox die Migrationspolitik?
Staaten agieren zunehmend als Vermittler, die nationale Rahmenbedingungen an die Erfordernisse des globalen kapitalistischen Wettbewerbs anpassen, anstatt Migrationsströme rein nach nationalen Kriterien zu kontrollieren.
- Arbeit zitieren
- Robert Westermann (Autor:in), 2007, Internationale (Arbeits-) Migration - Analyse der Möglichkeiten staatlicher Steuerung auf den Philippinen und in Spanien, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/94232