Die Erfolgsgeschichte der Leasingbranche scheint auch zum Anfang des einundzwanzigsten Jahrhunderts keinen Abbruch zu nehmen. Im Jahr 2007 konnte der Leasingmarkt in Deutschland abermals ein weiteres Wachstum verzeichnen. Leasing wird immer häufiger von Unternehmen einem zumeist fremdfinanzierten Erwerb vorgezogen. Eine genauere Betrachtung der aktuellen Wachstumszahlen deckt jedoch bereits einen leichten Rückgang der Investitionen im Bereich des Immobilienleasings auf. Eine gewisse Verunsicherung der potentiellen LN scheint vor dem Hintergrund der Unternehmenssteuerreform 2008 bereits stattgefunden zu haben.
Die vorliegende Arbeit hat das Ziel, die ökonomische Vorteilhaftigkeit des Immobilienleasings im Vergleich zum Erwerb von Immobilien zu bestimmen. Die Kauf-Leasing-Entscheidung stellt in der Regel eine kombinierte Investitions- und Finanzierungsentscheidung dar. Der Investor hat grundsätzlich nicht nur über die Vorteilhaftigkeit möglicher Finanzierungsalternativen zu entscheiden, sondern in erster Linie über die Durchführung der Investition zu bestimmen. Die Bestimmung einer Vorteilhaftigkeit der Investitionsentscheidung und die Antwort auf die Frage, ob Umsatzerlöse generiert wer-den können, welche eine Legitimation fundieren, soll hier jedoch nicht beantwortet werden. Die Untersuchung unterstellt eine bereits getroffene Investitionsentscheidung. In diesem Fall kann die Analyse auf die Ermittlung der vorteilhaften Finanzierungsform für den Investor beschränkt werden.
In eine umfassende Vorteilhaftigkeitsanalyse sind grundsätzlich neben quantitativen Faktoren auch mögliche Abweichungen qualitativer Faktoren mit einzubeziehen. Der zu vernachlässigende Einfluss qualitativer Aspekte auf die Finanzierungsentscheidung konnte jedoch bereits schon mehrfach in der Literatur nachgewiesen werden. Daher wird sich der Fokus der Arbeit auf einen quantitativen Vergleich der Finanzierungsalternativen beschränken. Die Bestimmung des Steuereinflusses auf die Finanzierungsentscheidung soll den Mittelpunkt der Analyse darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Grundlagen des Immobilienleasings und die Bestimmung untersuchungsrelevanter Finanzierungsformen
2.1 Der Leasing-Begriff und seine Facetten
2.2 Vertragsformen beim Leasing
2.3 Vertragsgestaltung und steuerliche Zurechnung beim Immobilienleasing
2.3.1 Vollamortisationsverträge und ihre steuerliche Zurechnung
2.3.2 Teilamortisationsverträge und ihre steuerliche Zurechnung
2.4 Bestimmung untersuchungsrelevanter Finanzierungsformen
3. Quantitativ optimale Finanzierungsform unter Vernachlässigung von Steuern
3.1 Bestimmung des Entscheidungskriteriums
3.2 Allgemeine Prämissen der Untersuchung
3.3 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LG
3.4 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LN
3.5 Analyse und Ermittlung der Vorteilhaftigkeit des Leasingsystems
4. Quantitativ optimale Finanzierungsform unter Berücksichtigung von Steuern
4.1 Einfluss von Verkehrsteuern auf die Finanzierungsentscheidung
4.1.1 Einfluss der Umsatzsteuer
4.1.2 Einfluss der Grunderwerbsteuer
4.2 Einfluss von Substanzsteuern auf die Finanzierungsentscheidung: Grundsteuer
4.3 Einfluss von Ertragsteuern auf die Finanzierungsentscheidung
4.3.1 Allgemeine Prämissen zur Ertragsbesteuerung
4.3.1.1 Die Ertragsbesteuerung der KapG
4.3.1.2 Die Ertragsbesteuerung der PersG
4.3.2 Einfluss der Ertragsteuern auf die Kapitalwertkalkulation
4.3.3 Einfluss einer einfachen Ertragsteuer auf die Finanzierungentscheidung
4.3.3.1 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LG
4.3.3.2 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LN
4.3.3.3 Analyse und Ermittlung der Vorteilhaftigkeit des Leasingsystems
4.3.4 Einfluss des aktuellen Ertragsteuerrechts auf die Finanzierungsentscheidung
4.3.4.1 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LG
4.3.4.2 Ermittlung der Kalkulationsgrundlagen des LN
4.3.4.3 Analyse und Ermittlung der Vorteilhaftigkeit des Leasingsystems
4.3.4.4 Einfluss des Gewerbesteuerhebesatzniveaus auf die Vorteilhaftigkeit des Leasingsystems
4.3.5 Einfluss von einer linearen Leasingraten divergierenden Zahlungsstruktur
4.3.5.1 Effekte einer Mietsonderzahlung
4.3.5.2 Effekte degressiver Leasingraten
4.3.5.3 Effekte progressiver Leasingraten
5. Schlussbetrachtung und kritische Würdigung
6. Summary
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die ökonomische Vorteilhaftigkeit des Immobilienleasings im direkten Vergleich zur kreditfinanzierten Immobilienanschaffung für Unternehmen zu bestimmen. Im Fokus steht dabei die Quantifizierung steuerlicher Einflüsse, insbesondere unter Berücksichtigung der durch die Unternehmensteuerreform 2008 eingeführten Hinzurechnungsregelungen für Finanzierungsaufwand.
- Grundlagen des Immobilienleasings und steuerliche Zurechnungskriterien
- Entscheidungskalkül bei der Wahl zwischen Leasing und Kreditkauf
- Einfluss von Verkehrsteuern, Substanzsteuern und Ertragsteuern
- Quantitative Analyse der Vorteilhaftigkeit unter verschiedenen Unternehmensformen (KapG, PersG)
- Auswirkungen von Leasingratenstrukturen (Mietsonderzahlung, degressive/progressive Raten)
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Leasing-Begriff und seine Facetten
Für den Leasing-Begriff existiert keine einheitliche zivil- oder steuerrechtliche Legaldefinition. Als Folge liegen zahlreiche unterschiedliche Erscheinungsformen mit abweichenden Nutzungsmöglichkeiten und Bezeichnungen vor. Abhängig von der Vertragsgestaltung beinhaltet Leasing Elemente des Miet-, Pacht- oder auch des Kaufvertrages. Grundsätzlich gilt der Leasingvertrag jedoch als ein atypischer Mietvertrag und unterliegt dem Mietrecht gem. § 535 ff. BGB. Als wesentlicher Bestandteil jeden Leasinggeschäfts kann die Gebrauchsüberlassung eines Wirtschaftsguts gegen ein Entgelt auf Dauer eines vertraglich festgelegten Zeitraums durch den LG an den LN herauskristallisiert werden.
Anhand des Investitionsobjekts wird zwischen Mobilien- und Immobilienleasing unterschieden. Grundsätzlich werden alle beweglichen Leasingobjekte dem Mobilienleasing, alle unbeweglichen Leasingobjekte dem Immobilienleasing zugeordnet. Eine klare Abgrenzung zwischen Mobilienleasing und Immobilienleasing im Steuerrecht erweist sich jedoch als sehr kompliziert, da teilweise ein fließender Übergang besteht. Der Begriff des Immobilienleasings in einer weiten Fassung beinhaltet u.a. die langfristige Vermietung von Betriebsanlagen, Flugzeugen und Schiffen. Demnach werden unter dem Begriff Immobilienleasing i.w.S. alle Objekte mit hohen Gesamtinvestitionskosten und relativ langer Nutzungsdauer und Vertragslaufzeit gefasst. Steuerrechtlich werden diese Leasingobjekte jedoch teilweise nach den Grundsätzen des Mobilienleasings behandelt. Die vorliegende Arbeit beschränkt sich ausschließlich auf die Betrachtung des Leasings von Gebäuden und Grundstücken, welche als Immobilienleasing i.e.S. angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Zielsetzung, der ökonomischen Relevanz des Immobilienleasings und der thematischen Abgrenzung der Arbeit.
2. Allgemeine Grundlagen des Immobilienleasings und die Bestimmung untersuchungsrelevanter Finanzierungsformen: Erläuterung der Leasingformen, rechtlichen Rahmenbedingungen und der steuerlichen Zurechnung von Immobilienobjekten.
3. Quantitativ optimale Finanzierungsform unter Vernachlässigung von Steuern: Festlegung des Entscheidungskriteriums (Kapitalwertmethode) sowie Bestimmung der Vorteilhaftigkeit ohne steuerliche Einflüsse.
4. Quantitativ optimale Finanzierungsform unter Berücksichtigung von Steuern: Detaillierte Analyse des Steuereinflusses (Verkehr-, Substanz- und Ertragsteuern) auf das Leasinggeschäft unter verschiedenen unternehmenssteuerlichen Konstellationen.
5. Schlussbetrachtung und kritische Würdigung: Synthese der Untersuchungsergebnisse, Diskussion der Einschränkungen und Fazit zur Vorteilhaftigkeit.
6. Summary: Kurzfassung der wesentlichen Erkenntnisse in englischer Sprache.
Schlüsselwörter
Immobilienleasing, Finanzierungsleasing, Kauf-Leasing-Entscheidung, Kapitalwertmethode, Ertragsbesteuerung, Gewerbesteuer, Hinzurechnung, Leasingrate, Objektgesellschaft, Teilamortisationsvertrag, Vollamortisationsvertrag, Steuerarbitrage, Unternehmenssteuerreform 2008.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomische Vorteilhaftigkeit des Immobilienleasings im Vergleich zum kreditfinanzierten Immobilienerwerb unter Berücksichtigung steuerlicher Faktoren.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die steuerliche Zurechnung beim Leasing, die Auswirkungen der verschiedenen Steuerarten auf das Leasinggeschäft sowie der Vergleich der Finanzierungsformen bei unterschiedlichen Unternehmensformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist die Identifizierung von Vorteilhaftigkeitspotenzialen beim Immobilienleasing für den Leasingnehmer unter Anwendung eines quantitativen Vergleichs.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es werden dynamische Investitionsrechnungen, primär die Kapitalwertmethode, genutzt, um die Zahlungsreihen der Finanzierungsalternativen nach Steuern zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Einfluss von Verkehr-, Substanz- und insbesondere Ertragsteuern, der gewerbesteuerlichen Hinzurechnung von Leasingraten sowie verschiedenen Zahlungsstrukturen wie Mietsonderzahlungen und degressiven Leasingraten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Immobilienleasing, steuerliche Zurechnung, Kapitalwert, Gewerbesteuer, Finanzierungsentscheidung und Hinzurechnungsregelung.
Wie beeinflusst die Unternehmensteuerreform 2008 das Modell?
Die Arbeit analysiert, wie die Hinzurechnung von Leasingaufwand zum Gewerbeertrag („Leasingsteuer“) das Leasing im Vergleich zum Erwerb verteuert oder benachteiligt.
Welchen Einfluss haben Mietsonderzahlungen auf das Ergebnis?
Mietsonderzahlungen führen zu einer Veränderung der Zahlungsstruktur und damit zu einem Steuereffekt, der je nach Besteuerung des Leasinggebers und Leasingnehmers die Vorteilhaftigkeit beeinflussen kann, meist aber das Finanzierungsvolumen und damit die Steuervorteile einschränkt.
Warum wird das Bankenprivileg im Kontext des Leasinggebers diskutiert?
Das Bankenprivileg wird als eine Möglichkeit zur Vermeidung gewerbesteuerlicher Hinzurechnungen erörtert, was die Kalkulationsgrundlagen des Leasinggebers verbessern und somit die Konditionen für den Leasingnehmer positiv beeinflussen könnte.
- Quote paper
- Sebastian Merla (Author), 2008, Die Vorteilhaftigkeit von Leasing im Vergleich zum Erwerb von Immobilien, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/94173