Im Jahr 1995 erschien Faserland, der Debütroman von Christian Kracht, der bei seinen Lesern und in der Presse ganz unterschiedliche Reaktionen auslöste. Die Rezensionen bewegten sich in einem Spektrum von bedingungsloser Verehrung und vernichtender Kritik.
Faserland wurde in der Folge als Grundstein für einen Wandel in der modernen deutschen Literatur angesehen. Ihm folgten Autoren wie Benjamin v. Stuckrad-Barre oder Alexa Hennig von Lange, deren Bücher zu Bestsellern wurden.
Neben persönlichen Anfeindungen warf man Kracht vor, dass er in seinem Werk lediglich den Stil von seinem amerikanischen Vorbild Brett Easton Ellis kopiert habe. Es ist vielfach auf Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Autoren und ihren Werken hingewiesen worden. In dieser Arbeit soll anhand der beiden Debütwerke - Krachts Faserland und Unter Null von Ellis - untersucht werden, wo sich Gemeinsamkeiten finden lassen und wo Unterschiede zwischen den Romanen bestehen. Außerdem ist zu prüfen, ob diese Gemeinsamkeiten kennzeichnend für die beiden Romane bzw. Autoren sind, oder ob sie als typisch für Werke gelten können, die unter dem Begriff Pop-Literatur subsumiert werden. Vor diesem Hintergrund soll dann die Frage beantwortet werden, ob es zutrifft, dass Kracht den Stil von Ellis kopiert oder imitiert hat, wie ihm viele Kritiker vorwerfen.
Vielfach wurde der Pop-Literatur vorgeworfen, dass sie eine dekadente Spaß- und Feierkultur unkritisch abbilde, zum Teil sogar propagiere. Doch der Topos der Spaßkultur ist sowohl in Bezug auf Unter Null als auch auf Faserland nicht haltbar.
In der Arbeit liegt der Schwerpunkt beim Vergleich der Romane auf den Gestaltungsmerkmalen, den Erinnerungssequenzen, der Rolle der Eltern und der Darstellung von Tod, Gewalt und Grausamkeit.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1 GESTALTUNGSMERKMALE
1.1 Die Darstellungsweise
1.2 Der Protagonist in Faserland
1.3 Der Protagonist in Unter Null
1.4 Die Protagonisten als Reisende
1.5 Vergleich und Zwischenergebnis
2 DIE ERINNERUNGSSEQUENZEN
3 DIE ROLLE DER ELTERN
4 TOD, GEWALT UND GRAUSAMKEIT
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Christian Krachts Debütroman „Faserland“ und Bret Easton Ellis’ „Unter Null“. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellung der Protagonisten, der Erzählweise und der zugrunde liegenden Thematik zu analysieren, um kritisch zu hinterfragen, ob Kracht den Stil von Ellis lediglich kopiert oder imitiert hat, wie es oft in der Literaturkritik behauptet wird.
- Literarische Analyse der Erzählstruktur und Darstellungsweise
- Untersuchung der psychologischen Profile beider Protagonisten
- Bedeutung von Erinnerungssequenzen für die Charakterisierung
- Die elterliche Rolle und ihr Einfluss auf die soziale Isolation
- Die Darstellung von Gewalt, Konsum und gesellschaftlicher Oberflächlichkeit
Auszug aus dem Buch
1.1 Die Darstellungsweise
Es lässt sich zunächst festhalten, dass nach der Terminologie von Genette sowohl bei Faserland als auch bei Unter Null ein intradiegetisch-autodiegetischer Erzähltyp vorliegt. Das bedeutet, der Protagonist, der selbst Teil der erzählten Welt ist, berichtet seine eigene Geschichte. Diese Erzählsituation ist typisch für das Genre, denn ein objektiver Erzähler wäre ein Bruch in der subjektiven Wahrnehmung und würde eine Distanz schaffen anstelle der Unmittelbarkeit, die eine zentrale Kategorie der Popliteratur ist.
Die Ordnung der Erzählung ist in beiden Fällen weitgehend chronologisch, doch ist die „Handlung“ an manchen Stellen durch Analepsen unterbrochen, die man als „Erinnerungsszenen“ bezeichnen kann. Allerdings zeigt sich hier trotz der scheinbaren Gemeinsamkeit ein deutlicher Unterschied zwischen den Werken. In Faserland ist der räumliche und zeitliche Rahmen durch die Reiseetappen klar vorgegeben und vom Leser nachzuvollziehen. „Der Text wird somit von einer zeitlichen und einer geographischen Achse (von Nord nach Süd) strukturiert.“ (Möckel, 2007, S. 27)
Bei Unter Null verhält es sich anders. Steur (1995) hat zwar nachgewiesen, dass in dem Roman versteckte Hinweise enthalten sind, die erlauben, die genauen Daten zu rekonstruieren, aber trotzdem wirkt die Erzählweise viel diskontinuierlicher als in Faserland. Es fehlen oft kausale oder temporale Verknüpfungen zwischen den Kapiteln. Der Leser bleibt oft im Unklaren, wie viel Zeit zwischen dem einen und dem anderen Ereignis vergangen ist und was in der Zwischenzeit passierte.
Zusammenfassung der Kapitel
GESTALTUNGSMERKMALE: Dieses Kapitel analysiert literaturwissenschaftliche Kriterien wie Erzähltyp, Ordnung der Handlung und Kompositionstechniken der beiden Romane.
DIE ERINNERUNGSSEQUENZEN: Der Fokus liegt auf der Funktion kursiv gesetzter Rückblenden, die psychologische Tiefe und gesellschaftliche Prägung der Protagonisten verdeutlichen.
DIE ROLLE DER ELTERN: Hier wird das Verhältnis der Protagonisten zu ihren Eltern als Ursprung von Entfremdung und emotionaler Isolation untersucht.
TOD, GEWALT UND GRAUSAMKEIT: Dieses Kapitel beleuchtet, wie die Konfrontation mit existenziellen Krisen und physischer Gewalt in beiden Werken als Kontrapunkt zur dekadenten Oberflächenkultur fungiert.
FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die Romane trotz inhaltlicher und stilistischer Parallelen unterschiedliche kritische Sichtweisen auf ihre jeweilige Gesellschaft vermitteln.
Schlüsselwörter
Pop-Literatur, Christian Kracht, Bret Easton Ellis, Faserland, Unter Null, Erzähltheorie, Protagonist, Entfremdung, Erinnerungssequenzen, Identifikationsfigur, Gesellschaftskritik, Konsumgesellschaft, Isolation, Literaturvergleich, Adoleszenzroman
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Debütromane „Faserland“ von Christian Kracht und „Unter Null“ von Bret Easton Ellis hinsichtlich ihrer erzählerischen und inhaltlichen Merkmale.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Gestaltung der Protagonisten, den Einsatz von Rückblenden, die elterliche Erziehung, die Darstellung von Gewalt sowie die Erzählperspektive.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll geklärt werden, ob Kracht den Stil von Ellis lediglich nachahmt oder ob es sich bei beiden Werken um eigenständige, kritische Auseinandersetzungen mit ihrer jeweiligen Gesellschaft handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt Methoden der literaturwissenschaftlichen Analyse, insbesondere der Erzähltheorie (nach Genette), um Struktur und Intention der Texte zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zu Gestaltung, Erinnerungssequenzen, die Rolle des Elternhauses sowie den Umgang mit Tod, Gewalt und Grausamkeit in beiden Romanen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Pop-Literatur, Entfremdung, Isolation, Erzählstruktur, Identifikationsfigur und Gesellschaftskritik.
Wie unterscheidet sich die Erzählweise bei Kracht und Ellis gemäß der Arbeit?
Während Kracht stärker mit einer subjektiven, verunsicherten Erzählstimme arbeitet, tritt bei Ellis der Erzähler häufiger als beobachtende Instanz in Erscheinung, wobei die Gewalt bei Ellis drastischer geschildert wird.
Welche Bedeutung haben die Eltern für die Protagonisten der Romane?
Die Arbeit zeigt, dass die Elternfiguren in beiden Romanen weitgehend abwesend, selbstsüchtig oder gefühlskalt agieren, was maßgeblich zur emotionalen Bindungslosigkeit der Protagonisten beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Christian Austermann (Autor:in), 2007, Bret Easton Ellis „Unter Null“ im Vergleich mit „Faserland“ von Christian Kracht, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/93825