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Die Quellengattung der Weistümer. Dokumente einer Gesellschaft im Aufbruch in die Schriftlichkeit

Titel: Die Quellengattung der Weistümer. Dokumente einer Gesellschaft im Aufbruch in die Schriftlichkeit

Hausarbeit , 2020 , 15 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Daniel Muchaier (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In dieser Arbeit wird die Quellengattung der Weistümer behandelt. Als eine der wenigen schriftlichen Quellen der mittelalterlichen Landbevölkerung wird ihre besondere Bedeutung im Zusammenhang mit dem Prozess der Rechtsverschriftlichung herausgestellt. Zunächst wird der Begriff der Weistümer und seine Eigenschaften geklärt und anschließend exemplarisch an zwei ausgewählten Weistümern Merkmale einer Gesellschaft, die sich für ihre Rechtstradierung sowohl skripturaler als auch oraler Mittel bediente, identifiziert und analysiert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Weistumsbegriff

3. Struktur der Weistümer

4. Die Quellen

4.1 Weistum über die Zentrügepflich der Bauern von Drügendorf

4.2 Die Offnung von Weiler

5. Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit

5.1 Die Bedeutung des kollektiven Gedächtnisses

5.2 Merkmale einer semiliteralen Gesellschaft in den Weistumstexten

6. Folgen der Rechtsverschriftlichung

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Weistümer als zentrale Dokumente des historischen Übergangs von einer oralen, gedächtnisorientierten hin zu einer schriftlich fixierten Rechtskultur im Mittelalter. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, welche spezifischen Merkmale diesen Transformationsprozess innerhalb der bäuerlichen Gesellschaft kennzeichnen und wie sich das Verhältnis zwischen mündlicher Tradition und schriftlicher Kodifizierung in den Quellen widerspiegelt.

  • Bedeutung der Weistümer als ländliche Rechtsquellen
  • Wandel von mündlicher Rechtsfindung zur Schriftlichkeit
  • Rolle des kollektiven Gedächtnisses in analphabetischen Gesellschaften
  • Analyse spezifischer Fallbeispiele (Drügendorf und Weiler)
  • Folgen der zunehmenden Professionalisierung und Entpersonalisierung des Rechts

Auszug aus dem Buch

5.2 Merkmale einer semiliteralen Gesellschaft in den Weistumstexten

Aus unserer heutigen Perspektive legitimiert sich ein Gesetzestext aus sich selbst heraus, denn sobald Rechte schriftlich fixiert werden, sind sie nicht mehr Gewohnheitsrecht, da sie nun über den kodifizierten Text und nicht über die Gewohnheit des Handelns legitimiert sind.30 Wenn Weistümer tatsächlich Dokumente einer Übergangszeit von einer mündlichen zu einer schriftlichen Gesellschaft sind, so müssten sich Spuren der oben erläuterten Mechanismen der oralen Rechtstradierung in den Weistumstexten finden lassen. Die Weistümer, die ja kodifiziertes Recht enthalten, zeigen, dass die Verschriftlichung allein nicht genügte, um dem Recht Legitimität zu verleihen. Dies erklärt auch die ständigen Verweise auf das „alt Herkommen“, welche in Weistümern aus allen Gebieten vorkommen. Feigl sieht die Begründung der „Verehrung“ des „alt Herkommens“ in der tief religiösen Weltanschauung des Mittelalters. Demnach ginge das weltliche Recht auch von Gott aus und muss folglich uralten Ursprungs sein.31 Im Weistum über die Zentrügepflicht von Drügendorf benutzen die Weisenden nicht die exakte Formulierung, berufen sich aber auf altes Gewohnheitsrecht. Als der Vogt sie fragt, welche Vergehen sie anzuzeigen hätten, antworten sie: „Daz ist ein Mörder und ein Dip und ein Notzoger, und hetten daz also herbraht mer danne sehezig Jar oder lenger, und alz lang si und [ir] Eltern gedehten ir Lebtag, und sölten das also fürpringen und rügen, als reht wer und ist on Geverd.“32 Der Rechtsweisung soll hier durch die Betonung der lang zurückgehenden Tradition Rechtmäßigkeit und Glaubhaftigkeit verliehen werden. Im Weistum von Weiler finden sich allein zehn Erwähnungen des „alt herkommen.“33 Besonders im Anfangsteil scheint die Berufung auf die alte Rechtsgewohnheit von Bedarf zu sein. Hier werden der Anlass der Aufzeichnung und die formellen Bedingungen des Weistums beschrieben.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Weistümer als authentische Quellen zur bäuerlichen Gesellschaft des Mittelalters und definiert den Fokus auf den Übergang von oraler zu schriftlicher Rechtskultur.

2. Zum Weistumsbegriff: Dieses Kapitel klärt die Definition und historische Einordnung des Weistumsbegriffs unter besonderer Berücksichtigung der Forschungsarbeit von Jacob Grimm.

3. Struktur der Weistümer: Es wird der ritualisierte Ablauf des Dinggerichts als Rahmen der mündlichen Rechtsfindung erläutert und die Form der Befragung durch den Amtsmann beschrieben.

4. Die Quellen: Anhand des Weistums von Drügendorf und der Offnung von Weiler werden zwei konkrete historische Fallbeispiele zur Untersuchung der bäuerlichen Rechtsverhältnisse vorgestellt.

5. Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit: Das Kapitel analysiert, wie Recht in einer oralen Gesellschaft durch ein kollektives Gedächtnis tradiert wurde und welche Auswirkungen die Einführung der Schrift auf dieses System hatte.

6. Folgen der Rechtsverschriftlichung: Hier werden die Konsequenzen der Schriftlichkeit, wie eine zunehmende Statik des Rechts und die Professionalisierung der Rechtsfindung durch Juristen, erörtert.

7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Weistümer eine Brückenfunktion einnahmen, die sowohl der mündlichen Tradition verpflichtet blieb, als auch die praktischen Vorteile der Schriftlichkeit erfolgreich integrierte.

Schlüsselwörter

Weistümer, Rechtsgeschichte, Mündlichkeit, Schriftlichkeit, Mittelalter, Dinggericht, kollektives Gedächtnis, alt Herkommen, Rechtsverschriftlichung, bäuerliche Gesellschaft, Rechtstradierung, Rechtsfindung, Urkundenwesen, semiliteral, Sozialgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit Weistümern als historischen Dokumenten, die den Übergang der ländlichen Gesellschaft des Mittelalters von einer mündlichen Rechtskultur zu einer schriftlich fixierten Rechtsordnung belegen.

Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die soziale Bedeutung der Rechtsfindung, die Funktion des Dinggerichts, das Konzept des kollektiven Gedächtnisses sowie die Auswirkungen der zunehmenden Verschriftlichung auf die bäuerliche Teilhabe am Recht.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die spezifischen Merkmale aufzuzeigen, die Weistümer als Zeugnisse einer Übergangsphase kennzeichnen, in der Recht zwar bereits schriftlich fixiert wurde, seine Legitimität jedoch weiterhin aus alten, mündlich überlieferten Gewohnheiten bezog.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?

Die Autorin oder der Autor nutzt eine quellenanalytische Methode, indem spezifische Texte wie das Weistum von Drügendorf und die Offnung von Weiler mit fachwissenschaftlicher Literatur zu Rechtsgeschichte und Mündlichkeitsforschung verknüpft werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Beschreibung der zeremoniellen Struktur der Weistümer, die detaillierte Untersuchung der beiden Quellbeispiele sowie eine theoretische Erörterung der Spannung zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Weistümer, kollektives Gedächtnis, alt Herkommen, Rechtsverschriftlichung und das Dinggericht als zentraler Ort der ländlichen Rechtskommunikation.

Warum war für die Bauern die Berufung auf das „alt Herkommen“ so essenziell?

Da in einer analphabetischen Gesellschaft die Legitimität des Rechts nicht durch kodifizierte Texte gegeben war, diente der Verweis auf das „alt Herkommen“ als notwendige Beglaubigung, um die Gültigkeit des Rechts vor Gott und der Gemeinschaft zu untermauern.

Welche Rolle spielte das Sterben von Schöffen bei der Entscheidung zur Verschriftlichung?

Das Ableben erfahrener, rechtskundiger Schöffen führte zum Verlust von Wissen im menschlichen Gedächtnis. Die Verschriftlichung wurde daher als notwendiges Instrument eingeführt, um dieses Wissen für kommende Generationen gegen die drohende Vergesslichkeit zu bewahren.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Quellengattung der Weistümer. Dokumente einer Gesellschaft im Aufbruch in die Schriftlichkeit
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Note
1,3
Autor
Daniel Muchaier (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V937641
ISBN (eBook)
9783346266637
ISBN (Buch)
9783346266644
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weistümer Jakob Grimm Mittelalter Landbevölkerung Rechtsgeschichte Rechtsbräuche Rechtsverschriftlichung Verschriftlichung Dorfgericht Hintersassen Weisthümer
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Daniel Muchaier (Autor:in), 2020, Die Quellengattung der Weistümer. Dokumente einer Gesellschaft im Aufbruch in die Schriftlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/937641
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Leseprobe aus  15  Seiten
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