Das sogenannte Kiezdeutsch, wird immer mehr in unserer Gesellschaft gesprochen, besonders in der jungen Generation. Neben Anglizismen oder Neologismen wird es oft als Teil der Jugendsprache behandelt. Meist wird es mit einer negativen Entwicklung der Standardsprache assoziiert und als etwas Fremdes abgewertet. Dabei ist Kiezdeutsch ein neuer Sprachstil, mit multiethnischen Einflüssen und auf keinen Fall ein Zeichen des Verfalls der deutschen Sprache, mangelnder Integration und fehlender Sprachkompetenz.
Auf sprachwissenschaftlicher Ebene lassen sich tiefe Verankerungen in die deutsche Grammatik erkennen. Außerdem ist Kiezdeutsch keine Entwicklung eines neuen, belanglosen Soziolekts oder einer irrelevanten Variante der Jugendsprache, sondern die deutsche Sprache einer ganzen Generation. Deshalb ist es wichtig, dass man diesen neuen Sprachstil nicht missversteht und auch als eine Bereicherung der deutschen Sprache ansieht.
Inhaltsverzeichnis
1. Was ist Kiezdeutsch?
1.1 Äußere und Innere Mehrsprachigkeit
1.2 Definitionen von Standsprache, Dialekt, Soziolekt und Jugendsprache mit Einordnung des Kiezdeutschen
1.3 Entstehungsgeschichte Kiezdeutsch
1.4 Mehrsprachige Einflüsse als Merkmal des Kiezdeutschen
2. Grammatische Innovationen in Kiezdeutsch
2.1 Was heißt „typisch deutsch“?
2.2 Neue Ortsangaben
2.3 Neue Aufforderungswörter und Partikeln
2.4 Neue Aufgaben für so
3. Ist Kiezdeutsch gebrochenes Deutsch?
3.1 Die Vorurteile
3.2 Die Realität
4. Der Film „Fack ju Göhte 2“ und Kiezdeutsch
4.1 Kurzinhaltsangabe des Filmes
4.2 Analyse im Hinblick auf Darstellung der Figuren
4.3 Überprüfung des Realitätsgehalts
4.4 Zusammenfassung der Analyse
5. Persönliche Stellungnahme mit Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Kiezdeutschen und analysiert, ob es sich dabei um eine Bereicherung der deutschen Sprache oder einen Verfall der Sprachkompetenz handelt. Anhand des Kinofilms "Fack ju Göhte 2" wird aufgezeigt, wie dieses Sprachphänomen in der Medienlandschaft dargestellt wird und inwiefern diese Darstellung mit der linguistischen Realität übereinstimmt.
- Linguistische Definition und Einordnung von Kiezdeutsch.
- Analyse grammatikalischer Neuerungen und Strukturen.
- Dekonstruktion von Vorurteilen gegenüber der Sprachvarietät.
- Medienanalyse am Beispiel populärer Jugendkultur.
- Untersuchung des Verhältnisses von Identität und Sprache.
Auszug aus dem Buch
3. Ist Kiezdeutsch gebrochenes Deutsch?
Kiezdeutsch weist, wie schon geklärt, Unterschiede zur Standardsprache auf. Dialekte tun dies auch, sie haben eine Aussprache oder grammatikalische Eigenheiten, die sich vom Standardabheben. Bei den wissenschaftlich untersuchten und anerkannten Dialekten wird diese Normabweichung seltener als „Fehler“ wahrgenommen als bei der Beschreibung von Kiezdeutsch.
Die Jugendsprache Kiezdeutsch wird in Diskussionen oft als „falsches“ oder „defizitäres“ Deutsch betitelt und mit dem Label „Kanak Sprak“ abgestempelt. In der sprachwissenschaftlichen Debatte wurden das Kiezdeutsch, besonders in den Anfängen (2000er), in Zeitschriften und Artikeln eher negativ dargestellt: „
Diese Beschreibungen des Kiezdeutschen vermitteln den Eindruck, dass das sprachliche Phänomen Kiezdeutsch eine reduzierte Form des Deutschen ist und keinerlei Grammatik oder Regeln beinhaltet. Es gibt Vorurteile, die in diese negative Richtung gehen. Der Erste wäre, dass Kiezdeutsch ein missglückter Versuch ist ein grammatikalisch einwandfreies Deutsch zu sprechen welches somit fehlerhaft und nicht „richtig“ ist. Es setzt die sprachlichen Besonderheiten von Kiezdeutsch mit Fehlern gleich.
Der Zweite besagt, dass Kiezdeutsch ein verarmtes und verkürztes Deutsch ist, dass im Wesentlichen nur aus Beleidigungen und sehr unvollständigen Sätzen besteht. Der dritte Mythos meint, dass Kiezdeutsch keinerlei Grammatik oder Regelwerk besitzt. Mythos zwei und drei stellen es einfach als „mangelhafte Version des Standarddeutschen“ dar. Obwohl Kiezdeutsch eine sprachliche Varietät des Deutschen ist, genauso wie Bairisch, ist die soziale Wahrnehmung deutlich anders. Wer dieses „falsche Deutsch“ spricht, will sich nicht in die deutsche Gesellschaft integrieren. Es sei angeblich ein Zeichen mangelnder Sprachkompetenz. Kiezdeutsch erlebt mit seiner besonderen Aussprache, seinen grammatikalischen Innovationen sowie den multiethnischen Einflüsse eine negative Be- und Abwertung im deutschen Sprachraum.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Was ist Kiezdeutsch?: Dieses Kapitel definiert Kiezdeutsch als eigenständige Sprachvarietät und bettet es in den Kontext der Mehrsprachigkeit sowie der historischen Entwicklung ein.
2. Grammatische Innovationen in Kiezdeutsch: Hier werden spezifische strukturelle Neuerungen im Kiezdeutschen, wie Ortsangaben oder der Gebrauch der Partikel "so", linguistisch erläutert.
3. Ist Kiezdeutsch gebrochenes Deutsch?: Das Kapitel entkräftet Vorurteile, die Kiezdeutsch als bloß fehlerhaftes Deutsch oder "Kanack Sprak" abwerten, und ordnet es als vollwertige Varietät ein.
4. Der Film „Fack ju Göhte 2“ und Kiezdeutsch: Die Analyse untersucht die mediale Repräsentation von Kiezdeutsch anhand von Filmfiguren und prüft, ob die Darstellung der Realität entspricht.
5. Persönliche Stellungnahme mit Fazit & Ausblick: Der Autor resümiert, dass Kiezdeutsch eine sprachliche Bereicherung darstellt, die lebendigen Wandlungsprozessen unterliegt.
Schlüsselwörter
Kiezdeutsch, Jugendsprache, Mehrsprachigkeit, Grammatik, Soziolekt, Dialekt, Fack ju Göhte 2, Sprachvarietät, Ethnolekt, Identität, Sprachwandel, Integration, Sprachkompetenz, Linguistik, Medienanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit primär?
Die Arbeit behandelt die Sprachvarietät Kiezdeutsch und hinterfragt kritisch, ob diese als Sprachverfall oder als Bereicherung der deutschen Sprache zu betrachten ist.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die linguistische Definition des Kiezdeutschen, die Analyse seiner grammatikalischen Strukturen sowie die mediale Darstellung und gesellschaftliche Wahrnehmung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Vorurteile gegenüber dem Kiezdeutschen wissenschaftlich zu entkräften und aufzuzeigen, dass es sich um eine regelhafte Varietät handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine Kombination aus sprachwissenschaftlicher Literaturanalyse und einer deskriptiven Filmanalyse des Kinofilms "Fack ju Göhte 2" angewendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Sprachmerkmale (Grammatik, Soziolekte) und die praktische Anwendung durch die Analyse des Filmbeispiels.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kiezdeutsch, Mehrsprachigkeit, Soziolekt, Sprachwandel, grammatikalische Innovationen und die kritische Auseinandersetzung mit Identitätsbildern.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Kiezdeutschen im Film?
Der Autor stellt fest, dass der Film Kiezdeutsch stark überspitzt, um komische Effekte zu erzielen, und dadurch das Phänomen eher klischeehaft darstellt.
Warum wird Kiezdeutsch oft fälschlicherweise als "falsches Deutsch" bezeichnet?
Dies beruht laut Autor auf Vorurteilen, die davon ausgehen, dass Abweichungen vom Standarddeutschen zwangsläufig "Fehler" und Ausdruck mangelnder Integrationsbereitschaft sind.
Inwieweit spielt die soziale Herkunft für Kiezdeutsch eine Rolle?
Kiezdeutsch weist Züge von Soziolekten auf, da die Sprecher häufig in bestimmten Wohnvierteln aufwachsen, jedoch ist es primär als generationsspezifisches Phänomen zu verstehen.
Was ist die Schlussfolgerung des Autors zur Zukunft von Kiezdeutsch?
Der Autor sieht Kiezdeutsch als einen stetigen, lebendigen Prozess, der als feste Größe innerhalb der Jugendkultur erhalten bleibt und sich dynamisch weiterentwickelt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Kiezdeutsch. Bereicherung oder Verfall der deutschen Sprache?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/937473