In der folgenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem Kunstkritiker Hal Foster, sowie mit seinen kritischen Schriften und seiner Rolle innerhalb des kunstkritischen Magazins „October“. In erster Linie soll es um die Aufsätze Fosters und um die Inhalte seiner Kritiken gehen.
Kunstkritische Diskurse sind heutzutage nicht unbedingt ein offenes Buch für jedermann. Eine eigene Meinung zu Kunst hat zwar fast jeder, doch genauere Analysen und Interpretation von Kunstwerken und vor allem von ihren Hintergründen, ihren Kontexten und den Künstlern an sich, entziehen sich dem Betrachter bzw. Interessenten oft, weil sie einfach zu komplex sind. Zusätzlich werden kritische Texte zu Kunst meist nur in Fachzeitschriften abgedruckt und sind auch im Internet nur vereinzelt anzufinden und dann auch ohne in den Zusammenhang gesetzt zu werden. Dabei ist es doch genau das, was Avantgarde, moderne und postmoderne Kunst erst interessant macht. Die Zusammenhänge im Netzwerk des Genres und die Absichten der Künstler, die mit ihren Werken eine Message vermitteln wollen, das aber meist ohne narrative Unterstützung nicht mehr schaffen. Das beste Beispiel ist hier die Documenta in Kassel, auf der man 90% der Werke erst versteht, nachdem man sich über ihre Hintergründe informiert hat und hier spreche ich aus eigener Erfahrung. Kunst hat sich verändert. Im Laufe der Jahrzehnte sind die offensichtlichen Dinge in den Hintergrund getreten und die feinen Details scheinen wie mit einer Lupe vergrößert plötzlich im Vordergrund zu stehen. Doch wirken sie nun so abstrakt, dass man sie auf den ersten Blick nicht mehr erkennen kann und erst beim zweiten und dritten Hinsehen entsteht ein komplettes Bild des Werkes. Hier spielt auch die Thematik der Ästhetik eine große Rolle, die sich gleichzeitig vom Sichtbaren zum Unsichtbaren entwickelt hat. Nun sind es kaum mehr die schönen Farben und die tolle Technik, die eine Ästhetik ausmachen, sondern die Message hinter dem Werk, die plötzlich eine ästhetische Wirkung entfaltet.
Die Welt des kritischen Kunstdiskurses, und ich spreche hier absichtlich von „Welt“, denn sie ist eindeutig vergleichbar mit der „Welt“ der Politik oder der „Welt“ des Finanzmarktes, ist ein wichtiger Bestandteil des Kunstverständnisses an sich und soll nun etwas näher erörtert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hal Foster Biographie
3. Die Zeitschrift October – Über October
3.1 Über October (orig. „about October“)
4. Über den kritischen Diskurs von Hal Foster
5. Zu: „Hier wird der falsche Leichnam bestattet“
6. Interview mit Hal Foster zu: „Hier wird der falsche Leichnam bestattet“
7. Zu: Hal Foster: „The Crux of Minimalism“
8. Zu: Hal Foster: „The Art of Cynical Reason“
9. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Rolle des Kunstkritikers Hal Foster und seine kritischen Schriften im Kontext des kunstkritischen Magazins "October" zu analysieren. Durch die Untersuchung und den Vergleich zentraler Aufsätze sowie die Einbeziehung eines Experteninterviews soll ein tieferes Verständnis für Fosters Beitrag zur kunstkritischen Szene zwischen 1996 und 2002 geschaffen werden.
- Biographischer Werdegang von Hal Foster
- Die Bedeutung und Ziele des Kunstmagazins "October"
- Analyse von Fosters Thesen zum Ende der Kunst
- Diskurs um Minimalismus und Neo-Avantgarde
- Kritik an postmodernen Strömungen wie dem "Neo-Geo"
Auszug aus dem Buch
Zu: „Hier wird der falsche Leichnam bestattet“
Zu Beginn des Textes führt Foster die Frage ein, führt die aktuelle Lage, in der sich die Kunst befindet zu einem Ende der Kunst? Diese Frage gilt es zu klären, doch vorab muss gesagt werden, dass es sich hier natürlich nicht um ein buchstäbliches bzw. tatsächliches Ende der Kunst handelt, sondern um ein Ende der formalen Innovationen und der historischen Bedeutung von Kunst. Kunst galt lange als wesentlicher Fürsprecher der Kultur und wird von manchen sogar als die Verwirklichung des Geistes im in der Geschichte bezeichnet.
Doch diese Bild der Kunst hat sich über die Jahrzehnte verändert und zeigt sich heute als ein ganz anderes. Heutzutage hat sie keine Funktion als Wegweiser der Geschichte mehr und auch keine Notwendigkeit für historische Problematiken. Kunst hat ihren privilegierten Zugang zur Gegenwart verloren, ist kein Spiegel der Gesellschaft mehr, oder ein Ausdruck von Idealen. Sie ist nicht mehr symptomatisch.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die zunehmende Komplexität kunstkritischer Diskurse und definiert den Fokus der Arbeit auf die Schriften von Hal Foster und dessen Rolle im Magazin "October".
2. Hal Foster Biographie: Ein kurzer Abriss über das Leben, das Studium und die beruflichen Stationen von Hal Foster, inklusive seiner Lehrtätigkeit und Autorenschaft.
3. Die Zeitschrift October – Über October: Vorstellung des "peer-review" Journals, seiner Gründung durch Krauss und Michelson und der theoretischen Ausrichtung.
3.1 Über October (orig. „about October“): Vertiefung der Ziele des Magazins, das künstlerische Innovationen mit kritischer Theorie und sozialem Wandel verknüpfen möchte.
4. Über den kritischen Diskurs von Hal Foster: Betrachtung von Fosters Position zum Postmodernismus und seinem Versuch, Avantgarde und zeitgenössische Kritik in Einklang zu bringen.
5. Zu: „Hier wird der falsche Leichnam bestattet“: Analyse von Fosters Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Ende der Kunst und dem Verlust ihrer historischen Bedeutung.
6. Interview mit Hal Foster zu: „Hier wird der falsche Leichnam bestattet“: Zusammenfassung eines Interviews, das Fosters Sicht auf aktuelle Kunstpraktiken und die Disfunktionalität klassischer Modelle beleuchtet.
7. Zu: Hal Foster: „The Crux of Minimalism“: Erörterung der Entwicklung des Minimalismus und dessen Rolle als historische Schnittstelle, die den Weg in die Postmoderne ebnete.
8. Zu: Hal Foster: „The Art of Cynical Reason“: Untersuchung der Veränderungen in Malerei und Skulptur sowie der Kritik an der als "Neo-Geo" bekannten Strömung.
9. Fazit: Zusammenfassende Würdigung von Fosters Arbeit und Reflexion über die Grenzen der vorliegenden Untersuchung.
Schlüsselwörter
Hal Foster, October, Kunstkritik, Postmoderne, Avantgarde, Minimalismus, Neo-Geo, Kunsttheorie, Simulationismus, Ästhetik, Kunstgeschichte, zeitgenössische Kunst, kritischer Diskurs, Modernismus, künstlerische Praxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Person Hal Foster, einem einflussreichen amerikanischen Kunstkritiker, und untersucht seine Schriften sowie seinen maßgeblichen Beitrag zum theoretischen Diskurs des Magazins "October".
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Auseinandersetzung mit dem Postmodernismus, die Rolle des Minimalismus, die Bedeutung von "Neo-Geo" und die Frage nach dem Ende der Kunst im zeitgenössischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Zusammenfassung und Nebeneinanderstellung von Fosters Texten ein Verständnis für seine Rolle innerhalb der internationalen kunstkritischen Szene zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und Interpretation von Fosters Texten sowie die Auswertung eines Experteninterviews, um seine theoretischen Positionen nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen spezifischer Aufsätze Fosters, darunter sein Werk zum Minimalismus sowie seine kritische Sicht auf die Entwicklung der Malerei und Bildhauerei in den 80er und 90er Jahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Postmoderne", "Avantgarde", "Kunstkritik" und "Oktober-Magazin" definiert.
Wie bewertet Foster das Konzept der "Neo-Avantgarde"?
Foster betrachtet die "Neo-Avantgarde" kritisch und hinterfragt das "Neo" als eine oft zu schwache Strategie, um den künstlerischen und kritischen Anforderungen der Moderne gerecht zu werden.
Warum ist das Magazin "October" für Fosters Arbeit so wichtig?
Es fungiert als zentrale Plattform für seine publizistische Tätigkeit und stellt einen Rahmen für den Austausch mit anderen einflussreichen Kritikern wie Rosalind Krauss dar.
- Quote paper
- Mag. Art. Julian Simmer (Author), 2013, Der Kunstkritiker Hal Foster. Über seinen kritischen Diskurs und seiner Rolle im Magazin "October", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/936690