Das Militär, das die Gesamtheit der Streitkräfte eines Staates darstellt, ist Schutz und Bedrohung politischer Herrschaft zugleich. Zum einen muss das Militär so stark sein, dass es effektiv äußere Feinde abschrecken und besiegen kann, also die Existenz des Staates vor äußeren Eingriffen schützt. Zum anderen muss sichergestellt sein, dass sich dieses mit dem Gewaltmonopol entstehende Machtzentrum nicht gegen die eigene politische Herrschaft richtet. Ausgehend von diesem Dilemma stellt der folgende Aufsatz einige ideengeschichtliche Kerngedanken dar, um vor dem Hintergrund der allgemeinen Problematik den Blick auf Süd- und Mittelamerika zu wenden. Hier wird sich zeigen, dass durch die historischen Gegebenheiten ganz andere Beziehungen von Militär und Staat entstanden sind als die europäische Entwicklung zeigte. Welche Rolle spielt also das Militär bei der Formierung von Staatlichkeit in der westlichen Welt und welche Tendenzen lassen sich im lateinamerikanischen Raum vorfinden?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die komplexe und historisch gewachsene Beziehung zwischen dem Militär und dem Staat in den politischen Systemen Süd- und Mittelamerikas theoretisch einzuordnen und ihre spezifische Entwicklung zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit das Militär zur Formierung von Staatlichkeit beiträgt und welche abweichenden Tendenzen sich im Vergleich zur europäischen Entwicklung zeigen.
- Ideengeschichtliche Grundlagen der zivil-militärischen Beziehung
- Staatstheoretische Konzepte von Institutionen und Kontrolle
- Besonderheiten der lateinamerikanischen Staatsentstehung
- Die historische Rolle des Militärs von der oligarchischen Phase bis zur Moderne
- Legitimation militärischer Interventionen durch Sicherheitsdoktrinen
Auszug aus dem Buch
Hauptteil
Beginnen wir also mit einigen Gedanken zur idealen Beziehung von Staat und Militär. Schon Platon (427-348 v. Chr.) und Aristoteles (384-322 v. Chr.) haben sich auf der Suche nach einer guten und gerechten Staatsordnung mit dieser Beziehung beschäftigt. Aristoteles formuliert in starker Anlehnung an Platon: „Eine Polis, die nicht imstande wäre, sich zu verteidigen – und damit ihre Freiheit -, wäre nicht autark und folglich auch kein Staat.“ (Kernic 2001: 74). Beide Denker verfolgen militärische Staatskonzeptionen, bei denen der Staatszweck in der Durchführung von Kriegen liegt. Die Entscheidung über Krieg und Frieden wird jedoch nicht vom Militär, sondern von der Politik getroffen. Es gilt das Primat der Politik, die das Militär als Instrument zur Durchsetzung des „Guten“ nutzt.
Die politische Teilhabe ergibt sich auch aus der Leistung des Militärdienstes. Die Rolle des Militärs ist klar nach außen gerichtet. Militärische Gewaltanwendung im Innern ist ein schweres Übel, während militärische Auseinandersetzungen nach außen als Notwendigkeit betrachtet wird. (vgl. Kernic 2001: 68).
Niccoló Machiavelli (1469-1527), Politiker und Philosoph in Florenz, sucht nach militärpolitischen Lösungen, um die Gefahr, die das Militär für den herrschenden Fürsten darstellt, zu begrenzen. Unter der Prämisse, dass ein Staat niemals in Abhängigkeit zu seinem Militär geraten darf und das Heer als Instrument bedingungslos der politischen Führung zu dienen habe, entwirft er ein Konzept, dass eine Verbesserung durch die Schaffung nationaler Milizen vorsieht. Am ungefährlichsten würden dem Fürsten Männer vom Lande, die man nach erfolgreichem Einsatz wieder entlässt. Auf Machiavellis Argumentation, die auf die Erhaltung des Staates um jeden Preis und mit allen Mitteln abzielt, begründet sich in den darauffolgenden Jahren die Idee der neuen Staatsräson und damit auch für die Legitimation militärischer Gewalt (vgl. Kernic 2001: 137 f).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel erläutert das Grunddilemma des Militärs als Schutzmacht und potenzielle Bedrohung für den Staat und führt in die Fragestellung zur spezifischen Rolle des Militärs in Lateinamerika ein.
Hauptteil: Hier werden theoretische Grundlagen von der Antike bis zu Huntington analysiert und auf den historischen Kontext, die Staatskrise und die verschiedenen Rollenbilder des Militärs in Süd- und Mittelamerika angewendet.
Schlüsselwörter
Militär, Staat, Lateinamerika, Zivile Kontrolle, Politik, Staatsräson, Intervention, Militärregime, Staatlichkeit, Huntington, Machtmonopol, Sicherheitsdoktrin, Professionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Staat und Militär sowie deren historische Entwicklung und staatstheoretische Einordnung in Süd- und Mittelamerika.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Rolle des Militärs bei der Formierung von Staatlichkeit, das Primat der Politik, zivile Kontrolle sowie die Ursachen für militärische Interventionen in politische Systeme.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Es wird untersucht, welche Rolle das Militär bei der Formierung von Staatlichkeit in der westlichen Welt spielt und welche spezifischen Tendenzen und Besonderheiten sich im Vergleich zur europäischen Entwicklung in Lateinamerika zeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine ideengeschichtliche und politikwissenschaftliche Analyse, gestützt auf klassische Staatstheoretiker sowie moderne Studien zur vergleichenden Militärforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst theoretische Perspektiven (Platon, Aristoteles, Machiavelli, Kant, Huntington) dargelegt und anschließend auf die historischen Besonderheiten der Staatlichkeit und die Rolle der Streitkräfte in Lateinamerika (z.B. von der Prätorianerrolle bis zum Modernisierer) übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Militär, Staat, Lateinamerika, Zivile Kontrolle, Intervention und Staatskrise.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Militärs in Lateinamerika von der europäischen Theorie?
Während die Theorie das Primat der Politik und ein nach außen gerichtetes Militär fordert, zeigt die lateinamerikanische Realität oft eine starke Verflechtung von Militär und Innenpolitik aufgrund schwacher staatlicher Strukturen.
Was bedeutet der Begriff des „Modernisierers“ in diesem Kontext?
Der „Modernisierer“ beschreibt ein Rollenbild, bei dem das Militär seine Interventionen mit dem Ziel der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung legitimiert, da die zivile Politik hierbei versagt habe.
Welchen Einfluss hatte der Kalte Krieg auf das Militär in der Region?
Der Kalte Krieg und insbesondere die kubanische Revolution führten zur Herausbildung neuer Sicherheitsdoktrinen, die den Verteidigungsauftrag des Militärs direkt an den Erfolg wirtschaftlicher Entwicklung knüpften.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2008, Zum Verhältnis von Staat und Militär in den politischen Systemen Süd- und Mittelamerikas vor dem Hintergrund der politischen Ideengeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/93581