Im Verhältnis zur Gesamtzahl in der Bundesrepublik Deutschland lebender Flüchtlinge stellen „unbegleitete Minderjährige“, wie sie im Fachjargon heißen, eine verschwindend kleine Minderheit dar. Aber schon allein aufgrund ihres niedrigen Lebensalters sind sie in besonderer Weise auf Schutz und Unterstützung angewiesen, damit sie lernen können, mit den Konflikten und Belastungen umzugehen, die sich aus ihrer jeweiligen Lebensgeschichte ergeben.
Es gibt viele Organisationen und Menschen, die sich dafür einsetzen, dass diesen Kindern Hilfe und Schutz zukommt, beispielsweise die kommunalen Jugendämter, Hilfsorganisationen, Anwälte und Anwältinnen. Diese können aber nicht die Probleme lösen, die dadurch entstehen, dass das vorhandene rechtliche Instrumentarium oft keine geeignete Antwort auf die Fragen bietet, die sich aus der besonderen Situation von unbegleiteten Minderjährigen ergeben.
Mein Interesse gilt diesem Thema, da ich seit einiger Zeit mit Kindern- darunter auch minderjährigen Flüchtlingen- in einer Einrichtung des Jugendamtes „Bau-Kinder“ arbeite. Dort werden nachmittags Spielmöglichkeiten und kulturelle Aktivitäten für Kinder (6-12J.) angeboten. Das Einzugsgebiet der Einrichtung besteht zu 90 % aus Kindern, die rund um den Block des Jugendstilgebäudes an der Himmelgeisterstrasse (Salzmannbau) in Düsseldorf- Bilk wohnen. Insgesamt leben dort ca. 3000 Personen, darunter 600 Kinder aus 17 unterschiedlichen Nationen, von denen einige Kinder - begleitete und unbegleitete Flüchtlinge – den „Bau-Kinder“– Bereich besuchen. Für den Themenschwerpunkt „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ habe ich mich entschieden, weil ich denke, dass diesen Kindern aufgrund ihrer „entwurzelten“ Situation in der Bundesrepublik Deutschland besonderer Schutz zukommen sollte und mich daher interessiert, wie ihre Betreuung und Versorgung hier zu Lande rechtlich- durch die Bestimmungen des KJHG- gesichert ist.Ziel dieser Arbeit wird es sein, herauszustellen in welchem Rahmen unbegleitete Minderjährige durch das KJHG geschützt sind, d. h. welche Aufgaben und Leistungen u. a. diesbezüglich rechtlich im SGB VIII verankert sind. Dazu gilt es zunächst festzuhalten aus welchen Haupteinreiseorten wie viele UMF in die Bundesrepublik Deutschland einreisen und welche Beweggründe sie dazu veranlassten. Weiterhin ist zu untersuchen wie die Unterbringung und Erstversorgung durch die Jugendhilfe gesichert ist und wie es um die pädagogische Betreuung von UMF hier in Deutschland bestellt ist.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. Anzahl und Haupteinreiseorte unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF)
2. Einreisesituation und Clearingverfahren
3. Erstversorgung und Unterbringung
4. Aufenthaltsrechtliche Situation - rechtlicher Schutz durch das KJHG
5. Bildungs- bzw. Ausbildungssituation
6. Pädagogische Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF)
SCHLUSSBETRACHTUNG
PERSÖNLICHES FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Betreuungssituation und Versorgungslage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) in der Bundesrepublik Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der rechtlichen Grundlagen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). Ziel ist es, den Schutzrahmen für diese Personengruppe kritisch zu beleuchten, Defizite in der praktischen Umsetzung aufzuzeigen und Handlungsbedarfe für ein kindgerechtes Jugendhilfekonzept abzuleiten.
- Analyse der Einreise- und Erstversorgungssituation von UMF.
- Prüfung des rechtlichen Schutzes durch das SGB VIII (KJHG).
- Untersuchung der Bildungs- und Ausbildungschancen minderjähriger Flüchtlinge.
- Darstellung pädagogischer Standards in der Arbeit mit UMF.
- Kritische Reflexion der Diskrepanz zwischen Rechtsanspruch und Lebenswirklichkeit.
Auszug aus dem Buch
1. ANZAHL UND HAUPTEINREISEORTE UNBEGLEITETER MINDERJÄHRIGER FLÜCHTLINGE (UMF)
Unbegleitete Flüchtlingskinder leben in der Regel in den Nachbarländern ihres Fluchtlandes. Nur einige wenige können sich bis nach Deutschland durchschlagen. Die Datenlage der unbegleiteten Minderjährigen ist eher schlecht. Einige Bundesländer erfassen die Datenlage nicht, andere geben entweder nur Zugangszahlen oder nur Bestandszahlen an. Manche wiederum erfassen nur Jugendliche, die unter 16 Jahren alt sind, andere dokumentieren lediglich die Zahl der unter 18jährigen. (Vgl. Angenendt, Steffen, 2000, S. 25)
Die ersten unbegleitete Flüchtlingskinder kamen 1979 in die Bundesrepublik. In den Jahren 1979 bis 1983 wurden 1500 unbegleitete Flüchtlingskinder aus Südostasien als Kontingent- Flüchtlinge in der Bundesrepublik aufgenommen. Diese Kinder kamen überwiegend aus Vietnam, in wesentlich kleineren Teilen aus Kambodscha und Laos. (Vgl. Jockenhövel- Schiecke, Helga, 1997, S. 405)
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Autorin begründet ihre Themenwahl durch ihre berufliche Erfahrung in einer Jugendhilfeeinrichtung und stellt den Fokus auf die prekäre Lage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge im Kontext des KJHG dar.
1. Anzahl und Haupteinreiseorte unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF): Dieses Kapitel beleuchtet die schwierige Datenlage und die historischen Fluchtbewegungen, die zur Einreise von minderjährigen Flüchtlingen in Deutschland führten.
2. Einreisesituation und Clearingverfahren: Es wird der Prozess der ersten Sachverhaltsermittlung und die Bedeutung des Clearingverfahrens für die Feststellung der weiteren Perspektive des Minderjährigen erörtert.
3. Erstversorgung und Unterbringung: Die Autorin beschreibt die Anforderungen an Erstunterbringungseinrichtungen und kritisiert die häufige Praxis der Unterbringung in Erwachsenenunterkünften sowie die problematische Altersbestimmung.
4. Aufenthaltsrechtliche Situation - rechtlicher Schutz durch das KJHG: Ein zentrales Kapitel, das das Recht auf Erziehung und die Anwendbarkeit des KJHG bzw. des SGB VIII auf junge Flüchtlinge rechtlich einordnet.
5. Bildungs- bzw. Ausbildungssituation: Hier wird die prekäre Lage bezüglich des Schulbesuchs und der beruflichen Ausbildung sowie die Barriere durch Arbeitsverbote analysiert.
6. Pädagogische Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF): Dieses Kapitel definiert Aufgabenfelder für Pädagogen, darunter die Wahrung der kulturellen Identität und die Vermittlung deutscher Kulturtechniken.
SCHLUSSBETRACHTUNG: Eine Zusammenfassung der Ergebnisse, in der die Autorin ein kindgerechtes Clearingverfahren fordert und die Ausgrenzung von Jugendlichen ab 16 Jahren kritisiert.
PERSÖNLICHES FAZIT: Die Autorin hinterfragt kritisch, ob bei der Versorgung von UMF das Kindeswohl hinter ökonomischen Interessen zurücksteht und plädiert für eine konzeptionelle Weiterentwicklung der Jugendhilfe.
Schlüsselwörter
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, UMF, KJHG, SGB VIII, Jugendhilfe, Clearingverfahren, Kindeswohl, Erstversorgung, Unterbringung, Aufenthaltsrecht, Fluchtgründe, pädagogische Betreuung, Ausbildungssituation, Integration, Rechtsanspruch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen (UMF) in Deutschland und analysiert, inwieweit das Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG) ihren Schutz und ihre Versorgung gewährleistet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit thematisiert die Einreisesituation, die rechtliche Einordnung durch das SGB VIII, die Praxis der Erstunterbringung sowie die Bildungs- und Betreuungschancen für UMF.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unbegleitete Minderjährige durch das KJHG geschützt sind und wo in der Praxis Diskrepanzen zwischen dem gesetzlichen Auftrag und der realen Versorgung bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse rechtlicher und fachwissenschaftlicher Quellen sowie auf der Verknüpfung dieser Erkenntnisse mit Beobachtungen aus der sozialpädagogischen Praxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in sechs Kapitel, die von den Einreisebedingungen und dem Clearingverfahren über die rechtliche Schutzfunktion des KJHG bis hin zur pädagogischen Arbeit und den Bildungschancen reichen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind UMF, Kindeswohl, gewöhnlicher Aufenthalt, Clearingverfahren, Jugendhilfe, rechtlicher Schutz und Integration.
Wie bewertet die Autorin die Situation von Jugendlichen ab 16 Jahren?
Die Autorin kritisiert, dass diese Altersgruppe oft aus dem Bereich der stationären Jugendhilfe ausgegrenzt wird, obwohl sie denselben Schutzbedarf wie jüngere Kinder hat.
Warum wird das Clearingverfahren in der Arbeit als so zentral betrachtet?
Es dient als essenzielle Weichenstellung für den weiteren Aufenthalt und Schutz des Minderjährigen, weshalb die Autorin eine kindgerechte und beschleunigte Durchführung fordert.
- Arbeit zitieren
- Christel Liegl-Prokein (Autor:in), 2002, Betrachtung der Betreuungssituation und Versorgungslage unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in der BRD- im Kontext rechtlicher Grundlagen (KJHG), München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/9349