Diese Arbeit geht der Frage nach, wie der Schriftspracherwerb, also die Erlangung basaler Lese- und Schreibkompetenzen, durch Lautgebärden erleichtert werden kann. Untersuchungsort sind dabei besonders inklusive Schulen.
Um den Kindern eine Unterstützung im Durchlaufen des Schriftspracherwerbs zu bieten, kann man als Lehrperson mit dem Eintritt der Kinder in die alphabetische Strategie die Lautgebärden im Unterricht einführen. Mit Beginn der ersten Klasse und dem Erlernen der Buchstaben in Kombination zu Lauten, wird das Anwenden der Lautgebärden sinnvoll, sie geben den Kindern einen direkten Bezug zu den Buchstaben und Lauten. Des Weiteren fördern die Lautgebärden das Herstellen und Speichern der Graphem-Phonem-Korrespondenz und die Artikulation der Kinder.
Für die Anwendung der Lautgebärden in inklusiven Schulen könnten gerade die motorischen, koordinativen und abstrahierenden Punkte bei der Durchführung von Lautgebärden überfordernd wirken, jedoch darf man hierbei nicht vergessen das dies ein methodisches Lern- und Entwicklungsfeld im Schriftspracherwerb darstellt, welches eher unterstützend wirkt. Lautgebärden gibt es noch nicht in allen Grundschulen und inklusiven Schulen in Deutschland und somit ist es auch den Schulen freigestellt diese im Unterricht zu integrieren. Wenn sich aber eine Schule dafür entscheidet Lautgebärden zu verwenden ist es wichtig, dass es sich um einheitliche Lautgebärden innerhalb einer Schule handelt, um eine angemessene Unterstützung des Schriftspracherwerbs in allen Fächern zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Informationen zum Schriftspracherwerb
1.1. Definition des Schriftspracherwerbs
1.2. Entwicklungsstufen des Schriftspracherwerbs
2. Unterschied zwischen Lautgebärden und der Deutschen Gebärdensprache
2.1. Die Deutsche Gebärdensprache
2.2. Lautgebärden zur Unterstützung des Schriftspracherwerbs
3. Theoretische Grundlagen von Lautgebärden
3.1. Leitlinie zur Auswahl von Lautgebärden
3.2. Stellung, Wirkung und Implementierung von Lautgebärden im Unterricht
3.3. Lautgebärden im Lehrplan und die Umsetzung in der Praxis
4. Beispiele für unterschiedliche Lautgebärdensysteme
4.1. Der Kieler Leseaufbau
4.2. Das „ABC der Tiere“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Potenzial von Lautgebärden als methodisches Hilfsmittel zur Förderung des Schriftspracherwerbs in inklusiven Schulen. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch die Verbindung von visuellen Gebärden und akustischen Lauten der Aufbau basaler Lese- und Schreibfertigkeiten bei Kindern unterstützt und motorisch sowie kognitiv verankert werden kann.
- Grundlagen und Entwicklungsphasen des Schriftspracherwerbs
- Abgrenzung zwischen Deutscher Gebärdensprache und pädagogischen Lautgebärdensystemen
- Methodische Kriterien für die Auswahl und Implementierung von Lautgebärden im Unterricht
- Analyse praxisnaher Systeme wie der Kieler Leseaufbau und das „ABC der Tiere“
- Bedeutung der multisensorischen Förderung für heterogene Lerngruppen
Auszug aus dem Buch
3.1. Leitlinie zur Auswahl von Lautgebärden
Da es keine bundesweit einheitlich festgelegten Lautgebärden gibt, ist es wichtig bestimmte Punkte beim Einsetzen und Entwickeln von Lautgebärden zu betrachten. Bei der Entwicklung von Lautgebärden sollte man verschiedene Bereiche mit einbeziehen, unter anderem die inhaltliche und methodische Ebene, sowie die sprachlich-artikulatorische und die motorische Ebene. Mit der Einbeziehung aller Bereiche bekommt man eine umfangreiche Sammlung angepasst an alle Förderbedürfnisse von Schülern. Bereits in älteren Schriften befinden sich Hinweise darauf, dass der Zugang zur Graphem-Phonem-Verbindung durch die motorische Aktivität der Lautgebärden besser erschlossen werden kann. Durch das Anwenden von Lautgebärden bieten sich dem Schüler umfangreiche Zugangsmöglichkeiten auf auditiven, visuellen und motorischem Wege.
Ein Teil der inhaltlichen Ebene ist, dass die Kinder eine unmittelbare und erlebbare Lautorientierung erfahren. Besonders bei Plosiv-Lauten sowie bei Rachen gebildeten Lauten können die Schüler die Nebenproduktion der Lautbildung besonders intensiv wahrnehmen. Je intensiver das erste Erleben einer Lautgebärde ist, desto sicherer können sie abgespeichert werden. Bei den Buchstaben „I“, „L“ und „O“ ist eine nachvollziehbare und umsetzbare Graphem Nachbildung möglich, wodurch in der visuellen Wahrnehmung durch die grafischen Merkmale und strukturellen Eigenarten die Buchstaben sehr schnell wieder erkannt werden. Dies ermöglicht den Schülern einen starken Bezug zu den Graphemen, da man Bild und Laut deutlich erkennt. Ein sehr bedeutsamer Teil ist auch die gegenwartsbezogene Assoziation zum Laut. Dazu gehört, zum Beispiel das Auflegen des Zeigefingers auf die Lippen, als Zeichen für das „ruhig sein“. Wenn man die Lautgebärden unter den bereits gezeigten Aspekten auswählt, wäre eine integrierte Sprachförderung sowohl unter dem Aspekt der Lautbildung sowie unter dem Punkt der Wortschatzerweiterung möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Allgemeine Informationen zum Schriftspracherwerb: Dieses Kapitel definiert den Schriftspracherwerb als mehrstufigen Prozess und erläutert die wesentlichen Phasen der Sprachentwicklung nach Uta Frith.
2. Unterschied zwischen Lautgebärden und der Deutschen Gebärdensprache: Hier wird der historische Kontext der DGS von pädagogischen Hilfsmitteln abgegrenzt und die Funktion von Lautgebärden als Unterstützung für den Lese- und Schreiblernprozess präzisiert.
3. Theoretische Grundlagen von Lautgebärden: Dieses Kapitel behandelt die Auswahlkriterien für Lautgebärdensysteme, deren motorische Umsetzung im Unterricht sowie deren Integration in den schulischen Alltag.
4. Beispiele für unterschiedliche Lautgebärdensysteme: Das Kapitel veranschaulicht anhand des „Kieler Leseaufbaus“ und des „ABC der Tiere“ wie unterschiedliche Konzepte Lautgebärden zur Lernförderung konkret einsetzen.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Lautgebärden, Inklusion, Deutsche Gebärdensprache, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Leseförderung, Anfangsunterricht, Motorik, Multisensorik, Kieler Leseaufbau, ABC der Tiere, Sprachförderung, Alphabetisierung, Silbenmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Nutzung von Lautgebärden, um Kindern den Schriftspracherwerb in inklusiven Schulumgebungen durch eine visuelle und motorische Unterstützung zu erleichtern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Schriftspracherwerbs, die Abgrenzung von Gebärdensprachen, methodische Leitlinien für den Einsatz von Gebärden und die Analyse spezifischer Schriftspracherwerbs-Methoden.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Lautgebärden methodisch sinnvoll in den Unterricht integriert werden können, um den Aufbau von Lese- und Schreibkompetenzen bei heterogenen Schülergruppen zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von fachpädagogischen Konzepten und Modellen zur Förderung der Schriftsprache.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Leitlinien für die Auswahl von Lautgebärden entwickelt und die Wirksamkeit sowie die praktische Implementierung in den Unterricht diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Schriftspracherwerb, Lautgebärden, Inklusion, Graphem-Phonem-Korrespondenz und Methoden wie der Kieler Leseaufbau.
Wie unterscheiden sich Lautgebärden von der Deutschen Gebärdensprache?
Während die DGS eine eigenständige, natürliche Sprache mit eigener Grammatik ist, dienen Lautgebärden im pädagogischen Kontext rein als unterstützende Hilfsmittel zur Veranschaulichung von Lauten und Buchstaben.
Welche Rolle spielt die Motorik bei der Anwendung von Lautgebärden?
Die Motorik ist essenziell, da die Ausführung der Gebärden die visuelle und auditive Wahrnehmung der Buchstaben verbindet und somit den Speicher- und Lernprozess bei den Schülern durch Bewegung intensiviert.
Warum ist eine einheitliche Nutzung innerhalb einer Schule so wichtig?
Ein einheitliches System stellt sicher, dass Schüler konsistente Signale erhalten, ihre Konzentration auf den Lerninhalt lenken können und keine kognitive Überforderung durch wechselnde Gebärdenformen stattfindet.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Wie kann der Schriftsprachenerwerb erleichtert werden? Erleichterung durch Lautgebärden in inklusiven Schulen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/934685