R. L. Stines Gänsehaut-Reihe war eine der ersten Grusel- und erfolgreichste Bücherserien für jugendliche LeserInnen. Sein Werk „Die Puppe mit dem starren Blick“ ist das zu untersuchende Objekt dieser Arbeit. Dabei geht diese Arbeit der Frage nach, wie Stine in diesem Werk Horror erzeugt und an welcher Mittel er sich dabei bedient. Dabei wird die These aufgestellt, dass das Unheimliche durch die durchgängige Ungewissheit über die Lebendigkeit der Bauchrednerpuppen, Mister Wood und Slappy, und den Kontrollverlust über ihr Verhalten erzeugt wird. Darüber hinaus deutet Stine am Ende seiner Erzählung die Rückkehr des Bösen an und erzeugt damit ebenso für anhaltenden Grusel nach der Lektüre.
Im Rahmen dieser Arbeit wird auch ein Blick auf die Rolle verlebendigter Puppen innerhalb der Literatur und Horrorerzählungen geworfen. Jedoch wird das Thema Puppen in der Horrorliteratur nur eingeschränkt behandelt, da die aktuelle Forschungslage zu diesem Thema noch wenig untersucht ist. Ein wichtiger Faktor der Horrorliteratur ist der Begriff der Angstlust, den es neben den wichtigen Merkmalen im Rahmen dieser Arbeit ebenso zu klären gilt. Grusel- und Horrorerzählungen gehören schon lange zum festen Bestandteil der menschlichen Kultur. Einerseits wird durch Horrorerzählungen menschliche Ängste wie vor dem Tod, vor Gewalt, vor dem Bösen, vor Bestrafung und vor der Ungewissheit über ein Leben nach dem Tod. Andererseits begeben wir uns mit der Lektüre eines Grusel- oder Horrorromans freiwillig auf eine Art Achterbahnfahrt, die uns sicher zu sein scheint jedoch zugleich auch mit Ängsten und Unsicherheit verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Gruselliteratur
3. Erzählmuster der Horror- und Gruselliteratur
4. Die Angstlust als zentraler Motor
5. R.L Stines Mittel zur Erzeugung von Horror in „Die Puppe mit dem starren Blick“
6. Die Rolle verlebendigter Puppen in der Kinder- und Jugendliteratur
7. Erzeugung von Grusel durch Mr. Wood und Slappy
8. Fazit und Ausblick
9. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht, mit welchen spezifischen Mitteln R. L. Stine in seinem Werk „Die Puppe mit dem starren Blick“ Horror erzeugt, wobei der Fokus insbesondere auf der Rolle der verlebendigten Bauchrednerpuppen sowie dem Konzept der Angstlust liegt.
- Analyse klassischer Erzählmuster in der Horrorliteratur
- Die Funktion und Bedeutung der Angstlust für die Rezeption
- Untersuchung der Unheimlichkeit verlebendigter Puppen
- Die Bedeutung von Kontrollverlust als Bedrohungsinstanz
- Pädagogische Perspektiven auf Gruselwerke für Kinder und Jugendliche
Auszug aus dem Buch
Erzeugung von Grusel durch Mr. Wood und Slappy
Stines Figuren sorgen für Grusel und Schreck. Insbesondere der Gebrauch der Bauchrednerpuppen Slappy und Mr. Wood, die sehr einem Menschenkind ähneln, sorgt bei den LeserInnen für Verunsicherung und Grusel. Nicht nur sorgt das Erscheinungsbild der Puppen für das Unheimliche, sondern auch ihre dämonische Verlebendigung und Verselbständigung. Der Puppenmann trägt „einen grauen, zweireihigen Anzug über einem weißen Hemdkragen. Das Hemd zum Kragen fehlte. Stattdessen war die hölzerne Brust des Puppenmannes weiß angemalt. An den Enden seiner dünnen, herabbaumelnden Beine waren braune Lederschuhe angebracht“ (Stine 1993, S. 15).
Das Objekt der Puppe dient während der Kindheit häufig als Übergangsobjekt und ist somit ein Begleiter während dieser Phase. Stines Puppen sind jedoch keine typischen Spielzeugpuppen, sondern Bachrednerpuppen, die sich verlebendigen und unheimliche Züge annehmen (vgl. Weinmann 2014, S. 131-132). Die Puppen lösen altersspezifische Ängste aus, die weniger mit Todesangst, sondern vielmehr mit der Angst des Kontrollverlusts einhergehen. Diese spezifische Angst wird deutlich, wenn Slappy sich während einer Aufführung verselbstständigt und nicht mehr auf Anweisungen reagiert. Der Kontrollverlust ereignet sich innerhalb der Geschichte mehrmals und ist häufig mit Entsetzten verbunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema Grusel- und Horrorerzählungen ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Mittel der Horrorerzeugung in R. L. Stines Werk „Die Puppe mit dem starren Blick“.
2. Definition von Gruselliteratur: Hier wird der theoretische Rahmen gesteckt, indem Begriffe wie phantastische Literatur und Gruselliteratur definiert sowie deren spezifische Merkmale in Abgrenzung zum klassischen Schauerroman erläutert werden.
3. Erzählmuster der Horror- und Gruselliteratur: Dieses Kapitel beschreibt die schematisierten Handlungsstrukturen der Horrorliteratur, die durch den Einbruch des Bösen in die Alltagswelt Spannung erzeugen.
4. Die Angstlust als zentraler Motor: Die Angstlust wird als wesentlicher Grund für die Faszination von Gruselliteratur identifiziert, wobei deren Phasen und psychologische Funktionen für die LeserInnen analysiert werden.
5. R.L Stines Mittel zur Erzeugung von Horror in „Die Puppe mit dem starren Blick“: In diesem Kapitel werden die Protagonistinnen und Schauplätze des untersuchten Romans unter dem Aspekt ihrer Identifikationsmöglichkeiten und ihrer Wirkung als unheimliche Schauplätze betrachtet.
6. Die Rolle verlebendigter Puppen in der Kinder- und Jugendliteratur: Das Kapitel beleuchtet die kulturgeschichtliche Entwicklung von Puppenerziehungsgeschichten und die pädagogische Wandlung im Umgang mit Gruselmedien für Kinder.
7. Erzeugung von Grusel durch Mr. Wood und Slappy: Hier steht die zentrale Analyse des Kontrollverlusts und der Bedrohung durch die Bauchrednerpuppen im Mittelpunkt, welche für die Verunsicherung der Charaktere und Leser sorgt.
8. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, bestätigt die Wirksamkeit der von Stine eingesetzten Mittel zur Horrorerzeugung und reflektiert die Grenzen der aktuellen Forschungslage.
9. Literaturverzeichnis: Dies ist das abschließende Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Gruselliteratur, Horror, Angstlust, R. L. Stine, Die Puppe mit dem starren Blick, Bauchrednerpuppen, Unheimliches, Kontrollverlust, Kinder- und Jugendliteratur, Angstpädagogik, Schauerroman, Identifikationsmuster, Horrorerzeugung, Verselbständigung, Spannung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie R. L. Stine in seinem Jugendroman „Die Puppe mit dem starren Blick“ durch bestimmte Erzählmuster und Figurenkonstellationen Horror und Spannung für die jungen LeserInnen erzeugt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Definition der Horror- und Gruselliteratur, das Konzept der Angstlust, die Rolle von Puppen als unheimliche Motive sowie pädagogische Aspekte der Rezeption von Gruselgeschichten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die Mechanismen und Mittel der Horrorerzeugung in Stines Roman zu analysieren, insbesondere die Wirkung der unheimlichen Bauchrednerpuppen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die theoretische Grundlagen aus der Forschung zur Horrorliteratur und Angstpädagogik auf das konkrete Werk von Stine anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Beschreibung von Erzählmustern, die psychologische Bedeutung der Angstlust sowie eine detaillierte Untersuchung der Figuren Slappy und Mr. Wood.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Gruselliteratur, Angstlust, Kontrollverlust, unheimliche Puppen und die spezifische Erzählstrategie der nachhaltigen Verunsicherung.
Warum spielt das Konzept der Angstlust eine so wichtige Rolle?
Die Angstlust erklärt, warum LeserInnen freiwillig Gruselgeschichten rezipieren; sie beschreibt den Genuss an der Angst, sofern eine sichere Distanz zur fiktiven Welt gewahrt bleibt.
Wie trägt der Kontrollverlust zur Erzeugung von Horror bei?
Der Kontrollverlust, insbesondere wenn Puppen ein Eigenleben führen, erzeugt Unsicherheit und Bedrohung, da das Vertraute plötzlich als unberechenbar und gefährlich wahrgenommen wird.
Welche Bedeutung hat das Ende des Romans für die Analyse?
Das offene Ende, das eine dauerhafte Wiederkehr des Bösen andeutet, sorgt für einen anhaltenden Schockeffekt und verhindert eine beruhigende Desillusionierung der Leserschaft.
- Arbeit zitieren
- Yeganeh Khodaparast (Autor:in), 2020, Die Erzeugung von Horror in R.L. Stines „Die Puppe mit dem starren Blick“, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/931161