Die Arbeit geht auf Diskurse und textuelle Strategien ein, die von der nationalsozialistischen Zivilverwaltung in Luxemburg benutzt wurden, um die Luxemburger, ähnlich den Elsässern und Lothringern "Heim ins Reich" zu führen. Anhand von Victor Delcourts autobiographisch-dokumentarischer Schilderung der Okkupationsjahre, "Luxemburg unter dem Hakenkreuz", ist es möglich sowohl Texte (Pressemitteilungen, plakatierte Aufrufe, Reden) wie auch die Reaktionen, das Leiden und den Widerstand der Bevölkerung zu analysieren in jenen für das luxemburgische Nationalbewusstsein und für das Letzeburgische schweren und wichtigen Jahren.
"Die Nazis griffen in ihrer Propaganda u.a. das Sprach- und Identitätsproblem der Luxemburger immer wieder auf. Und schon bald nach dem Einmarsch sollte deutlich werden, dass die Besatzung diesmal anders verlaufen würde als im Ersten Weltkrieg. „L’instrument principal de la politique de germanisation des nationaux-socialistes fut sans aucun doute le „Volksdeutsche Bewegung“, dont l’animateur et le guide sera le professeur Kratzenberg.“ Man würde versuchen Luxemburg mit der „Heim ins Reich“-Bewegung zu einem integralen Bestandteil des nationalsozialistischen Deutschlands zu machen. Dabei spielte natürlich die Propaganda eine eminente Rolle. „Der Kampf um die Massen ist zunächst ein Kampf um deren Köpfe.“"
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erste Phase der Besatzung – Eure Sprache sei Deutsch!
3. Brücken in die Vergangenheit und Luxemburgs Zukunft
4. Einführung der Wehrpflicht und Scheitern des Gauleiters
5. Fazit
6. Literatur
6.1. Quellen
6.2. Sekundärliteratur
6.3. Dokumentarfilm
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Strategien und propagandistischen Methoden der nationalsozialistischen Besatzungspolitik im Großherzogtum Luxemburg zwischen 1940 und 1945. Dabei wird analysiert, wie die Besatzer versuchten, die Luxemburger Bevölkerung ideologisch zu vereinnahmen und durch sprachliche Umpolung und Identitätsmanipulation in das „Großdeutsche Reich“ zu integrieren, sowie die Reaktionen der Bevölkerung darauf.
- Analyse der NS-Propagandastrategien zur Etablierung des „Deutschtums“ in Luxemburg.
- Untersuchung der Instrumentalisierung luxemburgischer Geschichte und Mythen durch die Zivilverwaltung.
- Darstellung des Widerstandes der Bevölkerung gegen die Zwangs-Germanisierung und Wehrpflicht.
- Analyse der Rolle der Sprache als Identitätsmerkmal und Instrument des passiven Widerstands.
Auszug aus dem Buch
2. Erste Phase der Besatzung – Eure Sprache sei Deutsch!
Die in Luxemburg eingerichtete Feldkommandatur der Wehrmacht hatte sich im großen Ganzen damit abgefunden das okkupierte Gebiet zu verwalten; sie erklärte, dass aufgrund der Hilfeanforderung der geflohenen Regierung an die Alliierten Luxemburg „grundsätzlich als feindliches Land zu behandeln“ (LH., S. 24) sei. „Es gibt keine von uns anerkannte luxemburgische Regierung mehr.“ (ebd.) Die Zeitungen unterlagen sofort der Zensur und erschienen erst am 17. Mai 1940 wieder, nachdem sie gleichgeschaltet worden waren, d.h. die Direktoren und unbequeme Redakteure wurden verhaftet und nach Deutschland abgeführt, um durch Reichsdeutsche ersetzt zu werden (vgl. ebd. und S.26f.). Der öffentliche Sprachgebrauch der Feldkommandatur unterschied sich nicht von dem der luxemburgischen Regierung, es wurden „keine sprachenpolitischen und ideologischen Ziele verfolgt“18; Plakate wurden in der Regel zweisprachig verfasst und angebracht.
„Mit der Okkupation hatte man sich mit innerem Grollen abfinden müssen.“(LH., S. 47) Doch die Hoffnung, sie würde ähnlich verlaufen wie im Ersten Weltkrieg, wurde spätestens am 5. August zerstört, als der kurz vorher zum Chef der Zivilverwaltung ernannte Gustav Simon, Gauleiter des Gaues Koblenz-Trier, den Einmarsch der deutschen Polizei in Luxemburg würdigte. „Die Abwendung von der Militärverwaltung und die Hinwendung zur Zivilverwaltung war Ausdruck einer besonderen deutschen und nationalsozialistischen >Aufmerksamkeit< für (...) [Luxemburg], die das Land stärker als nur verwaltungsmäßig unter den Einfluß des »Neuen Europa« -so lautete die ideologische Vorgabe für die besetzten Länder des europäischen Norden und Nordwesten- bringen sollte.“19 Es war Simons erster öffentlicher Auftritt und dieser war in einigen Punkten schon richtungsweisend für die Propaganda mit der Luxemburg in den nächsten Jahren überzogen werden würde: „Es wird euch, Männer der Polizei, bekannt sein, daß Ihr hier nicht zu einer Bevölkerung kommt, die Deutschland entgegengesetzt ist, denn das Land Luxemburg ist altes deutsches Siedlungsgebiet. Die Bevölkerung dieses Landes ist deutschstämmig, sie ist moselfränkisch, genau wie die Bevölkerung von Trier und von unserem schönen Moselland. Lassen Sie sich daher nicht täuschen von dem äußeren französischen Firnis, der nur künstlich aufgetragen ist. Ich verspreche Ihnen, daß dieser französische Firnis, diese jämmerliche Tünche, in wenigen Wochen spurlos verschwunden sein wird.“ (LH., S. 49)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der historischen Ausgangslage Luxemburgs nach dem Einmarsch der Wehrmacht im Mai 1940 sowie der labilen Identitätssituation des Landes in der Zwischenkriegszeit.
2. Erste Phase der Besatzung – Eure Sprache sei Deutsch!: Analyse der anfänglichen Zivilverwaltung unter Gustav Simon und der Etablierung erster propagandistischer Maßnahmen zur ideologischen Gleichschaltung der luxemburgischen Bevölkerung.
3. Brücken in die Vergangenheit und Luxemburgs Zukunft: Untersuchung der propagandistischen Instrumentalisierung von Geschichte, Mythen und der Großherzogin zur Schwächung der nationalen Eigenständigkeit und Förderung der NS-Ideologie.
4. Einführung der Wehrpflicht und Scheitern des Gauleiters: Dokumentation des eskalierenden Widerstands gegen die Zwangsrekrutierungen und der zunehmenden Repression durch das NS-Regime, die schließlich zum Scheitern der Integrationsbemühungen führte.
5. Fazit: Zusammenfassende Bilanz der gescheiterten nationalsozialistischen Propaganda und der Resilienz der luxemburgischen Identität, die sich maßgeblich über die Sprache definierte.
6. Literatur: Verzeichnis der herangezogenen Quellen, Sekundärliteratur und Dokumentarfilme.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Luxemburg, Propaganda, Zivilverwaltung, Gustav Simon, Sprachpolitik, Identität, Widerstand, Zwangsrekrutierung, Wehrpflicht, Zweiter Weltkrieg, Besatzungspolitik, Germanisierung, Volksdeutsche Bewegung, Kollaboration
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die NS-Besatzungspolitik in Luxemburg zwischen 1940 und 1945 mit einem besonderen Fokus auf die propagandistischen Strategien und deren Wirkung auf die luxemburgische Identität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Rolle der Sprache als Instrument der Unterdrückung und des Widerstands, die Vereinnahmung historischer Mythen durch die Nazis sowie die Reaktionen der Zivilgesellschaft auf die zunehmende Totalisierung der Besatzungspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die nationalsozialistische Zivilverwaltung versuchte, die Bevölkerung durch geschickte Propaganda, symbolische Politik und später durch Zwang zu germanisieren, und warum diese Strategie trotz massiver Bemühungen scheiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer diskursanalytischen Auswertung zeitgenössischer Dokumente, wie Verordnungen, Zeitungsartikel und Reden der Besatzungsverwaltung, ergänzt durch historische Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Phasen der Besatzung: beginnend mit dem ersten Auftreten der Zivilverwaltung unter Gustav Simon, über die ideologische Umdeutung der Geschichte bis hin zur Eskalation durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie NS-Propaganda, luxemburgische Identität, Sprachpolitik, Widerstand gegen die Besatzung und der Konflikt zwischen „Schicksalsgemeinschaft“ und nationaler Eigenstaatlichkeit charakterisiert.
Wie reagierte die Bevölkerung auf die sogenannte „Personenstandsaufnahme“ von 1941?
Die überwältigende Mehrheit der Luxemburger lehnte die deutsche Volkszugehörigkeit ab, was den Gauleiter zwang, die Befragung unter einem Vorwand abzubrechen und stattdessen zu offener Repression überzugehen.
Welche Rolle spielte die luxemburgische Sprache im Widerstand?
Die Sprache fungierte als inoffizielles, aber starkes Symbol der Identität. Trotz der Versuche der Besatzer, das Luxemburgische als minderwertigen Dialekt oder „Kauderwelsch“ abzuwerten, hielten die Menschen fest daran, da sie es als Abgrenzungsmerkmal zum erzwungenen Deutschtum nutzten.
Warum wurde die Großherzogin von den Besatzern diffamiert?
Die Großherzogin symbolisierte für die Bevölkerung die nationale Unabhängigkeit und Identität. Durch Kampagnen gegen ihre Person versuchte das NS-Regime, die Loyalität der Luxemburger zur Exilregierung in London zu untergraben.
- Arbeit zitieren
- Steve Hoegener (Autor:in), 2006, "Die besten Deutschen des Reiches überhaupt" - NS-Propaganda im besetzten Luxemburg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/92648