In dieser Arbeit geht es um die Analyse des Dramas "Tamburlaine the Great". Als direkter Zeitgenosse Shakespeares wird Christopher Marlowe häufig als der zweite große Dramatiker der Elisabethanischen Zeit bezeichnet, obwohl die Literaturwissenschaft vor allem seine frühen Werke häufig als noch nicht ganz ausgereift bezeichnet. „Tamburlaine the Great“ ist so ein Drama, das viele Facetten des späteren Marlowe bereits andeutet und seine vielgepriesene "Mighty Line" schon hier zum Ausdruck bringt. Trotzdem wird dieses Stück häufig nur am Rande erwähnt, um danach detailliert auf spätere Dramen wie „The tragical History of Doctor Faustus“ einzugehen. Aber sind es nicht gerade die frühen Werke, die die Eigenheiten eines Autors am besten widerspiegeln und verraten können, warum sich dieser später in eine bestimmte Richtung hin entwickelt?
Welcher Gattung ließe sich „Tamburlaine the Great“ zuschreiben? Ist es eine Tragödie, eine nicht ganz gelungene Komödie oder gar eine völlig neue Art von Stück, der nicht mit herkömmlichen Maßen beizukommen ist? All diese Überlegungen zeigen die Notwendigkeit einer Beschäftigung mit einem oft vernachlässigten Drama, welches offensichtlich tragische Elemente beinhaltet, aber keine reine Tragödie zu sein scheint, das komische Momente aufweist, aber auch keine klassische Komödie darstellt. Die vorliegende Arbeit soll anhand der Analyse konkreter Textstellen verschiedene Aspekte des Dramas beleuchten und mit klassischen Gattungsmodellen konfrontieren, um schließlich eine begründete Aussage darüber anstellen zu können, ob eine Zuordnung zu einer bestimmten Gattung überhaupt möglich ist und falls nicht, als was dieses Stück dann anzusehen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff der Gattung
3. Analyse
3.1 Die dramatische Handlung
3.2 Aufbau und Struktur des Dramas
3.3 Der Charakter des Tamburlaine
4. Abschließende Bemerkungen
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Gattungszugehörigkeit von Christopher Marlowes Drama „Tamburlaine the Great“. Ziel ist es, das Stück anhand konkreter Textanalysen mit klassischen Gattungsmodellen der Tragödie und Komödie zu konfrontieren, um zu klären, ob eine eindeutige Einordnung möglich ist oder ob das Werk eine neue, eigene dramatische Form darstellt.
- Analyse des Begriffs der literarischen Gattung
- Untersuchung der dramatischen Handlung und Episodenstruktur
- Vergleichende Analyse mit dem aristotelischen und elisabethanischen Drama
- Charakterisierung des Protagonisten Tamburlaine im Kontext der Renaissance
- Evaluation der strukturellen Einzigartigkeit des Werkes
Auszug aus dem Buch
3.1 Die dramatische Handlung
Die Idee, daß es sich bei „Tamburlaine“ um eine Tragödie handeln könnte und nicht bloß um eine Aneinanderreihung von Episoden aus dem Leben eines Kriegers liegt vor allem im Prolog begründet, wo es heißt „View but his picture in this tragic glass, And then applaud his fortunes as you please“. Zumindest lassen sich bei dieser Formulierung tragische Momente in der Handlung erwarten, die hier mit tragic glass gemeint sein könnten.
Bei der Betrachtung des Dramas fällt zunächst auf, daß es keine Handlung zu geben scheint, die sich aus kausalen Zusammenhängen ergibt. Aristoteles fordert für die Tragödie aber genau dies: „Die Tragödie ist Repräsentation einer guten Handlung, die in sich geschlossen ist.“ Marlowe hingegen präsentiert einen episodenhaften Aufbau des Stückes, wobei sich der jeweils folgende Konflikt, beziehungsweise das folgende Gefecht nicht zwingend aus der Niederlage des vorherigen Gegners ergibt. Auch ließe sich eine der Episoden auslassen, ohne daß das Drama weniger verständlich werden oder gar in sich zusammenfallen würde. Tamburlaine hätte lediglich einen Sieg weniger errungen. Doch das bedeutet nicht zwingend, daß der Gedanke, es handele sich bei „Tamburlaine“ um eine Tragödie, falsch ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Rezeption Marlowes ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob „Tamburlaine the Great“ einer traditionellen Gattung wie Tragödie oder Komödie zugeordnet werden kann.
2. Zum Begriff der Gattung: Das Kapitel definiert den Arbeitsbegriff der Gattung als hilfsweises Ordnungsschema und grenzt literaturtheoretische Konzepte voneinander ab.
3. Analyse: Die Untersuchung analysiert das Drama in drei Teilen, wobei die Handlung, der dramatische Aufbau und die Charakterzeichnung kritisch mit klassischen Gattungsmodellen konfrontiert werden.
3.1 Die dramatische Handlung: Dieser Abschnitt untersucht, inwiefern der episodenhafte Aufbau und das Fehlen einer klassischen Katharsis gegen eine Einordnung als reine Tragödie sprechen.
3.2 Aufbau und Struktur des Dramas: Das Kapitel betrachtet die strukturelle Komposition des Stücks und bewertet, ob das Fünf-Akt-Modell nach Freytag auf Marlowes Werk anwendbar ist.
3.3 Der Charakter des Tamburlaine: Hier wird analysiert, ob Tamburlaine dem klassischen Bild des tragischen Helden entspricht oder eine neue Art des Renaissance-Individuums verkörpert.
4. Abschließende Bemerkungen: Das Fazit fasst zusammen, dass „Tamburlaine“ sich klassischen Gattungsmodellen entzieht und als innovative, auf der Bühne funktionierende dramatische Form zu betrachten ist.
5. Bibliographie: Dieses Verzeichnis listet die für die Untersuchung herangezogenen primären und sekundären Quellen auf.
Schlüsselwörter
Christopher Marlowe, Tamburlaine the Great, Gattungsfrage, Elisabethanisches Drama, Tragödie, Komödie, Aristoteles, literarische Analyse, Renaissance, Dramenstruktur, Charakterdarstellung, Bühnenwirkung, episodenhafter Aufbau, Held, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Drama „Tamburlaine the Great“ von Christopher Marlowe im Hinblick auf seine Gattungszugehörigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die dramatische Struktur, die Gattungstheorie, die Charakterzeichnung des Protagonisten sowie die Abgrenzung zu klassischen Tragödien- und Komödienmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das Stück als Tragödie, Komödie oder als eine neuartige dramatische Form einzustufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textnahe Analyse durchgeführt, die das Drama mit Gattungsmodellen (insbesondere nach Aristoteles und Freytag) und literaturwissenschaftlichen Sekundärquellen konfrontiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Handlung, der formalen Struktur sowie der Charakterentwicklung des Protagonisten Tamburlaine.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Marlowes Tamburlaine, Gattung, Elisabethanisches Theater, Drama-Struktur und Renaissance-Individuum.
Warum lässt sich das Stück nicht einfach als Tragödie einordnen?
Weil der Held Tamburlaine keinen tragischen Fall erlebt, sondern einen stetigen Aufstieg und Sieg nach dem anderen verzeichnet, was der klassischen Definition einer Tragödie widerspricht.
Welche Rolle spielt die Figur des Mycetes für die Gattungsdebatte?
Mycetes wird als komische, unfähige Figur dargestellt, was gemeinsam mit anderen humorvollen Elementen kurzzeitig komödiantische Züge ins Stück bringt, die jedoch nicht das gesamte Drama prägen.
Wie bewertet der Autor Marlowes Bruch mit den Gattungskonventionen?
Der Autor sieht darin ein Zeichen für Marlowes Innovation und die Anpassung des Dramas an die sich wandelnden politischen und sozialen Gegebenheiten der Renaissance.
- Arbeit zitieren
- Stefan Olschewski (Autor:in), 1999, Zur Gattungsfrage von Christopher Marlowes "Tamburlaine the Great". Eine selbstgemachte Familien-Romanze?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/926041