Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik
1. Einleitung
„Es gibt bekanntlich nicht nur eine Grammatik (und damit eine Lehre vom Satzbau) für die deutsche Sprache, sondern mehrere, und diese unterscheiden sich voneinander in Vorgehen, Ergebnissen und Terminologie. […]. Man kann das, wenn man will als geistige Vielfalt begrüßen;“1 Diese positiv ausgedrückte Vielfalt hat natürlich auch ihre Kehrseite: Grammatische Phänomene können nicht einheitlich bestimmt, benannt und erklärt werden; es gibt unterschiedliche Definitionen und sogar widersprüchliche Standpunkte, die es nicht ermöglichen grammatische Probleme übereinstimmend zu lösen. Diese wissenschaftlich äußerst heterogene Interpretation der deutschen Grammatik kann zu Verwirrung führen, vor allem bei den jüngeren „Wissenschaftlern“, den Schülern. Lange Zeit war es üblich, dass unterschiedliche und inhaltlich nicht kompatible Sprachbücher entworfen und schulspezifisch nebeneinander eingesetzt wurden, sodass ein Schulwechsel, sogar innerhalb einer Stadt, zum Problem werden konnte. Seit der deutschen Kultusministerkonferenz von 1982 ist ein „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“ festgesetzt, und somit auch die Basis für eine einheitliche Schulgrammatik – zumindest, was die wichtigsten Grundbausteine der deutschen Grammatik angeht – gelegt.
Die Wissenschaft hingegen konnte sich nicht so schnell einigen, was auch heute noch die unvereinbare Pluralität fachwissenschaftlicher Termini zur Folge hat.
Bei der anschließenden Untersuchung der Satzglieder und ihrer Darstellung in der Grammatik, werde ich mich im Wesentlichen – aufgrund der lokalen Fakultätszugehörigkeit – auf die sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse des Institutes für deutsche Philologie der Universität Würzburg beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Verb als strukturelles Zentrum des Satzes
3. Ergänzungen und Angaben
3. 1. Ergänzungen
3. 2. Angaben
4. Grammatische Proben
4. 1. Ersatzprobe
4. 2. Umstellprobe
4. 3. Weglassprobe
4. 4. Anreihungsprobe
4. 5. Prädikationsprobe
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die Struktur und Klassifizierung von Satzgliedern im Deutschen. Das primäre Ziel ist es, die theoretische Grundlage der Würzburger Sprachwissenschaft zur Unterscheidung zwischen valenzabhängigen Ergänzungen und fakultativen Angaben zu beleuchten und gängige grammatische Proben zur Identifizierung dieser Satzglieder darzustellen.
- Valenztheoretische Betrachtung des Verbs als strukturelles Zentrum des Satzes.
- Differenzierung zwischen Ergänzungen und Angaben.
- Formale Klassifizierung von verschiedenen Ergänzungsklassen.
- Systematische Anwendung grammatischer Proben (Ersatz-, Umstell-, Weglass-, Anreihungs- und Prädikationsprobe).
Auszug aus dem Buch
4. 1. Ersatzprobe (Substitutionstest)
Die Ersatzprobe dient zur Ermittlung der Arten einzelner Satzglieder. Vorgehensweise dabei ist, einzelne Satzglieder durch andere satzgliedwertige sprachliche Einheiten zu ersetzen. Sinnvoll ist eine Ersetzung durch Fragepronomen, da man sie gleichzeitig als Ersetzungs- und Identifikationsmittel zur Ermittlung der Arten der Satzglieder verwenden kann:
- Nominativergänzung (wer oder was?)
- Genitiv-, Dativ-, oder Akkusativergänzung (wessen, wem, wen oder was?)
- Adverbialangaben bzw. Adverbialergänzungen (wann, wo, wie, warum?)
Beispielsatz: Der Knabe küsst das Mädchen leidenschaftlich im Dunkeln.
Der Knabe = Wer? = Nominativergänzung
das Mädchen = Wen? = Akkusativergänzung
leidenschaftlich = Wie? = modale Adverbialangabe
im Dunkeln = Wo? = lokale Adverbialangabe
→ Der verbale Kern küsst lässt sich nicht durch ein Fragepronomen ersetzen
Wenn man die Substitution nicht mit Fragepronomen, sondern anderen strukturell gleichwertigen Elementen durchführt, muss man darauf achten, dass dieses Element nicht nur scheinbar gleich ist. „So ist z. B. mit dem Auto kein adäquates Substitut für mit ihrem Freund in dem Satz Monika fährt mit ihrem Freund nach Würzburg.“
Mit diesem scheinbaren Äquivalent ließe sich keine korrekte Ermittlung der Satzgliedarten durchführen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Vielfalt und Heterogenität grammatischer Theorien und definiert den Fokus der Arbeit auf die sprachwissenschaftlichen Erkenntnisse des Institutes für deutsche Philologie der Universität Würzburg.
2. Das Verb als strukturelles Zentrum des Satzes: Dieses Kapitel erläutert die Valenztheorie des Verbs und dessen Rolle als zentrales Element, das die Satzstruktur determiniert und Leerstellen für Mitspieler öffnet.
3. Ergänzungen und Angaben: Hier wird zwischen den vom Verb geforderten Ergänzungen und den syntaktisch eigenständigen Angaben unterschieden, die den Satzinhalt lediglich näher bestimmen.
3. 1. Ergänzungen: Es werden verschiedene formale Ergänzungsklassen wie Nominativ-, Akkusativ-, Dativ- oder Präpositionalergänzungen detailliert aufgelistet und definiert.
3. 2. Angaben: Dieser Abschnitt klassifiziert Angaben nach ihrer Funktion, etwa als Adverbial-, Prädikativ-, Limitativ- oder Modalitätsangabe, und grenzt sie von Ergänzungen ab.
4. Grammatische Proben: Es wird die Methodik linguistischer Operationen vorgestellt, die als Testverfahren zur Ermittlung und Abgrenzung von Satzgliedern dienen.
4. 1. Ersatzprobe: Die Substitution durch Fragepronomen oder strukturell gleichwertige Elemente wird als Identifikationsmittel für Satzglieder erklärt.
4. 2. Umstellprobe: Diese Methode nutzt die Verschiebbarkeit von Satzteilen, um die Anzahl und Abgrenzung der primären Bauteile eines Satzes zu bestimmen.
4. 3. Weglassprobe: Der Deletionstest dient dazu, fakultative Elemente von obligatorischen zu unterscheiden, wobei kontextuelle Faktoren beachtet werden müssen.
4. 4. Anreihungsprobe: Die Erweiterung von Satzgliedern mittels der Konjunktion „und“ wird zur Identifizierung gleichartiger Elemente beschrieben.
4. 5. Prädikationsprobe: Dieses Verfahren überführt Satzglieder in eigene Sätze, um zu prüfen, ob es sich um Angaben oder Ergänzungen handelt.
5. Schluss: Das Fazit fasst zusammen, dass trotz unterschiedlicher Terminologien in der Linguistik Einigkeit über das Verb als Zentrum und die grundlegende Differenzierung in Ergänzungen und Angaben besteht.
Schlüsselwörter
Satzglieder, Deutsche Grammatik, Valenztheorie, Verb, Ergänzungen, Angaben, Sprachwissenschaft, Grammatische Proben, Ersatzprobe, Umstellprobe, Weglassprobe, Prädikationsprobe, Syntaktische Konstituenten, Wortbau, Satzbau.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Analyse von Satzgliedern und deren theoretischer Darstellung innerhalb der deutschen Grammatik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Valenz des Verbs, die Unterscheidung von Ergänzungen und Angaben sowie die Anwendung grammatischer Proben zur Satzanalyse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die systematische Erläuterung der Würzburger Sichtweise auf die Satzgliedstruktur und die Vorstellung von Methoden zu deren Identifizierung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden linguistische Operationen, sogenannte grammatische Proben (u.a. Ersatz-, Umstell- und Weglassprobe), als methodisches Instrumentarium zur Satzuntersuchung eingesetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Verbs als Zentrum des Satzes, die Klassifizierung von Ergänzungen und Angaben sowie die praktische Durchführung linguistischer Testverfahren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Satzglieder, Valenz, Ergänzungen, Angaben und grammatische Proben charakterisiert.
Warum unterscheidet die Würzburger Sprachwissenschaft zwischen Ergänzungen und Angaben?
Die Unterscheidung erfolgt, weil Ergänzungen vom Verb in ihrer Anzahl und Form valenzbedingt gefordert werden, während Angaben eigenständige syntaktische Konstituenten darstellen, die den Satzinhalt nur optional ergänzen.
Welche Rolle spielt das Verb bei der Satzstruktur?
Das Verb fungiert als strukturelles Zentrum, das durch seine Valenz Leerstellen eröffnet, die von spezifischen Satzgliedern besetzt werden müssen.
Wann ist eine Ersatzprobe zur Satzgliedbestimmung sinnvoll?
Sie ist dann sinnvoll, wenn man Satzglieder durch Fragepronomen oder äquivalente sprachliche Einheiten ersetzen möchte, um deren Art und Funktion eindeutig zu bestimmen.
Warum ist die Weglassprobe nicht immer eindeutig?
Die Weglassprobe ist nicht immer eindeutig, da auch einige Ergänzungen in bestimmten Kontexten fakultativ weglassbar sind, was die Abgrenzung zu den eigentlich fakultativen Angaben erschweren kann.
- Arbeit zitieren
- Irena Eppler (Autor:in), 2007, Die Satzglieder und ihre Darstellung in der Grammatik, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/91964