In dieser Arbeit wird das Wirken von einem der wichtigsten und umstrittensten Politiker in der griechischen Antike dargestellt. Perikles war im 5ten Jahrhundert vor Christus ein Politiker, dessen Wirken in vielen Quellengattungen kontrovers diskutiert wurde, da er teils umstrittene Entscheidungen in Athen umgesetzt habe, wie zum Beispiel die Teilnahme von Athen im Peloponnesischen Krieg. Auch seine Rolle in der Errichtung der ersten Demokratie auf der Welt, nämlich in der sogenannten athenischen Demokratie, wird in dieser Arbeit untersucht.
Zentraler Gegenstand der Analyse wird die Frage sein, wie Perikles in den antiken Quellen dargestellt wird und inwiefern die Quellen am Beispiel des Ausbruchs des Peloponnesischen Krieges, aussagekräftig, glaubwürdig und unterschiedlich in der Beurteilung des Perikles sind. Dazu soll diskutiert werden, welche Schuld Perikles am Ausbruch des Peloponnesischen Krieges trägt. Es ist zu vermuten, dass die Darstellung des Perikles in den Quellen, wie zum Beispiel in der Geschichtsschreibung von THUKYDIDES, stark überhöht und positiv vermittelt wird, während Perikles in den antiken Komödien persifliert wird. Die Quellen sind zudem stark an ein bestimmtes historisches Ereignis geknüpft, was in den für die Arbeit herangezogenen Quellen insbesondere Perikles umstrittenes Auftreten zum Ausbruch des Peloponnesischen Krieges war.
Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass Perikles nur zum Teil für den Ausbruch des Krieges verantwortlich war. Denn Athen führte schon vor Perikles‘ Regentschaft als Stratege Athens ein zerrüttetes Verhältnis zu Sparta., das im Peloponnesischen Krieg gegen Athen kämpfte. Perikles verkörperte zudem nicht die einzige politische Instanz in Athen, die für den Ausbruch des Krieges verantwortlich war: Denn sowohl die anderen neun Strategen als auch beispielsweise die Mitglieder der Volksversammlung hatten ebenso ein Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrecht in Athen. Folglich trug Perikles mit anderen Machthabern zusammen die politische Verantwortung in Athen während des Kriegsausbruchs.
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
1. DAS POLITISCHE WIRKEN DES PERIKLES
1.1 Perikles‘ politische Anfänge
1.2 Die Außenpolitik Athens bis zum Kriegsausbruch
2. DIE PERZEPTION DES PERIKLES IN DEN ANTIKEN QUELLEN
2.1 Die Beurteilung des Thukydides über Perikles‘ politisches Wirken
2.2 Perikles‘ Darstellung in den antiken Komödien
3. DAS PROPAGIERTE BILD DES PERIKLES WÄHREND DES PELOPONNESISCHEN KRIEGES
3.1 Die Situation der Athener während des Kriegsausbruchs
3.2 Beurteilung des Perikles als Feindbild
3.3 Beurteilung der Quellen
FAZIT: WIE WURDE DAS BILD DES PERIKLES ÜBERLIEFERT?
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
Verwendete Quellen
Verwendete Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die kontroverse Wahrnehmung und Darstellung von Perikles in den antiken Quellen. Das primäre Ziel besteht darin zu analysieren, inwiefern diese Quellen – insbesondere im Hinblick auf den Ausbruch des Peloponnesischen Krieges – als glaubwürdig einzustufen sind und inwieweit sie zur Konstruktion eines Perikles-Bildes beigetragen haben, das sowohl heroisiert als auch in der Satire persifliert wurde.
- Analyse des politischen Aufstiegs und Wirkens des Perikles in Athen.
- Untersuchung der Rezeption durch den Historiographen Thukydides.
- Auswertung der Darstellung in den Komödien von Aristophanes, Kratinos und Eupolis.
- Kritische Diskussion der Schuldfrage am Ausbruch des Peloponnesischen Krieges.
- Bewertung der Glaubwürdigkeit und Aussagekraft der unterschiedlichen Quellengattungen.
Auszug aus dem Buch
2.2 Perikles‘ Darstellung in den antiken Komödien
Aussagen über Perikles tätigte ebenfalls die dichterische Elite der griechischen Antike. ARISTOPHANES, KRATINOS und EUPOLIS urteilten mehrfach in spöttischer Ausdrucksweise über das Wirken des Perikles während des Peloponnesischen Krieges. Die folgende Interpretation der von den Autoren dargestellten Bilder des Perikles erfolgt mit Hilfe der Kommunikation der Figuren in den einzelnen Komödien.
Die Komödie Die Acharner, deren Erstaufführung 425 v. Chr. bei den Lenäen war, ist ein Beispiel für ARISTOPHANES‘ Friedenskomödien. Die Friedensthematik war zu Zeiten des Peloponnesischen Krieges ein in der Bevölkerung weit verankertes Thema und wurde in den Komödien thematisiert. Bereits zu Beginn der Komödie beklagen die Figuren Amphitheos und Dikaiopolis die kriegerische Haltung der Volksversammlung für eine Fortsetzung des Peloponnesischen Krieges, weshalb sie vom Prytanen unterdrückt wurden. Besonders Dikaiopolis tritt pazifistisch auf und spiegelt das Friedensbedürfnis der athenischen Bevölkerung in der Wirklichkeit wider. Dennoch ist in der Forschung die Figur Dikaiopolis umstritten. Zwar gilt er durch die Entlarvung von betrügerischen Diplomaten und seines Wunsches nach Frieden als Idealbürger Athens, aber er verbündet sich durch seine private Allianz mit Sparta mit dem Feind Athens und weist faktisch die Schuld am Ausbruch des Peloponnesischen Krieges nur Athen und Perikles zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. DAS POLITISCHE WIRKEN DES PERIKLES: Dieses Kapitel zeichnet den Werdegang des Perikles nach und analysiert seine Rolle als Stratege sowie seine Einbindung in die athenische Außen- und Innenpolitik bis zum Kriegsausbruch.
2. DIE PERZEPTION DES PERIKLES IN DEN ANTIKEN QUELLEN: Hier werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Perikles in der Geschichtsschreibung des Thukydides und in den antiken Komödien gegenübergestellt und auf ihre Aussagekraft geprüft.
3. DAS PROPAGIERTE BILD DES PERIKLES WÄHREND DES PELOPONNESISCHEN KRIEGES: In diesem Teil wird das Schicksal der Athener während des Krieges beleuchtet und diskutiert, inwiefern Perikles als Sündenbock oder Feindbild für die gesellschaftlichen Umbrüche instrumentalisiert wurde.
Schlüsselwörter
Perikles, Athen, Peloponnesischer Krieg, Thukydides, Aristophanes, Antike Quellen, Demokratie, Kriegsschuld, Außenpolitik, Historiographie, Komödie, Persiflage, Perzeption, Machtpolitik, Krisengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Figur des Perikles im antiken Athen und analysiert, wie sein Bild durch die verschiedenen antiken Quellen geformt und überliefert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentral sind die politische Rolle des Perikles, die verschiedenen Quellengattungen (Historiographie vs. Komödie) sowie die Schuldfrage am Ausbruch des Peloponnesischen Krieges.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie Perikles in den Quellen dargestellt wird, welche Motive hinter diesen Darstellungen liegen und wie glaubwürdig diese für die historische Rekonstruktion sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine quellenkritische Analyse und vergleicht verschiedene antike Texte, um Diskrepanzen und Tendenzen in der Überlieferung zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Ereignisgeschichte, die Quellenperzeption durch Thukydides und Komödiendichter sowie die Analyse des Perikles als Feindbild während des Krieges.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Perikles, Peloponnesischer Krieg, Quellenkritik, Thukydides und Aristophanes bestimmt.
Wie unterscheidet sich die Sicht des Thukydides von der der Komödiendichter?
Während Thukydides Perikles als besonnenen Strategen charakterisiert, zeichnen die Komödien ein spöttisches Bild und nutzen ihn oft als Sündenbock für die Kriegsfolgen.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Schuld am Kriegsausbruch?
Der Autor argumentiert, dass Perikles nicht allein verantwortlich gemacht werden kann, da die politische Verantwortung in Athen auf mehreren Ebenen verteilt war und die Schuldfrage oft populistischen Interessen diente.
- Arbeit zitieren
- Lauritz Tufan (Autor:in), 2018, Der antike Politiker Perikles und die athenische Demokratie. Wie wurde das Bild des Perikles in den antiken Quellen überliefert?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/918419