„Die Kardinalfrage der Pädagogik seit der Aufklärung ist, ob die Menschengattung zur Vernunft erziehbar ist.“ (Kelle 1992: 39)
Diese zunächst quasi zusammenhangslos in den Raum geworfene Fragestellung, die neben der Formulierung „ob“ natürlich auch die Frage nach dem „wie“ kennt, erhielt mit den Inhalten und Darstellungen der Kritischen Theorie einen neuen, weiteren Bedeutungsgehalt. Eben einen solchen, der sich im weitesten Sinne um die Einheit der Vernunft sowie deren Probleme drehte und zunächst vornehmlich von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aufklärungskritisch betrachtet und bearbeitet wurde. Die späteren hierzu veröffentlichten, teils sehr komplexen Argumentationslinien in den Theorien von Adorno und später natürlich auch von Jürgen Habermas enthielten bzw. erzeugten dabei Fragen, die nun eben diese Einheit der Vernunft betrafen und sich dabei an drei wesentlichen Geltungsbereichen der Vernunft orientierten: dem Wahren, dem Richtigen und dem Schönen. (vgl. ebd.)
In der Pädagogik gibt es hierzu bis zum heutigen Tage einen ganz ähnlich lautenden Dreiklang in der Frage nach der „Befähigung des Menschen“ (ebd.): nämlich zum einen das Wahre zu erkennen, zum zweiten das Richtige zu tun und drittens das Schöne zu leben. Diese drei Komponenten werden dabei jedoch unter dem Begriff der „Bildung“ zusammengefasst, offensichtlich sehr unstrittig und eben auch in einer Aktualität, die „bis in neueste wissenschafts-theoretische Überlegungen von Erziehungswissenschaftlern“ (ebd.) hinein-reicht.
Die bisherigen kurzen Darstellungen festhaltend, möchte ich in meiner Hausarbeit ein besonderes Augenmerk auf die sich eben schon andeutenden, jedoch noch weit ausführlicher herauszuarbeitenden Begründungen der Kritischen Erziehungswissenschaft/Pädagogik legen. Eine ganz wesentliche Frage kann demnach bspw. lauten: Welche, evtl. sogar anhaltenden, Ideen und/oder Orientierungen hat die Kritische Erziehungswissenschaft bzw. Pädagogik also hervorgebracht?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Fragestellungen
2 Kritische Theorie
2.1 Die Kritische Theorie als Vorläufer und Grundlagengeber
2.2 Die frühe Kritische Theorie bis 1933
2.3 Die spätere Kritische Theorie ab 1933
2.4 Nachkriegsjahre oder: am Vorabend der 1968er
3 Kritische Erziehungswissenschaft
3.1 Die Geburtsstunde der Kritischen Erziehungswissenschaft
3.2 Kritische Erziehungswissenschaft: Anknüpfungen an die Kritische Theorie
3 Abschließende Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Genese und theoretische Begründung der Kritischen Erziehungswissenschaft. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche Impulse und Orientierungen die Kritische Theorie für die Pädagogik hervorgebracht hat und wie diese vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Entwicklungen, insbesondere der Studentenbewegung der 1968er Jahre, wirksam wurden.
- Entwicklung der Kritischen Theorie (Frühe und Späte Phase)
- Die Rolle von Adorno und Horkheimer im Frankfurter Institut für Sozialforschung
- Einfluss der gesellschaftlichen Politisierung und der Studentenbewegung
- Etablierung der Kritischen Erziehungswissenschaft als Reaktion auf traditionelle Ansätze
- Theoretische Verknüpfung von Mündigkeit, Emanzipation und Gesellschaftskritik
Auszug aus dem Buch
Die frühe Kritische Theorie bis 1933
Innerhalb des eben skizzierten inneren Autorenkreises (im Folgenden konkret bezogen auf Horkheimer und Adorno) und der ersten dargestellten Phase der Kritischen Theorie (d.h. also vor 1933) kann nun im Folgenden näher auf die Anfangsjahre eingegangen werden, wobei bei einer Betrachtung eben dieses inneren Autorenkreises jedoch zunächst eine kurze Einleitung zu den wesentlichen Autoren, Horkheimer und Adorno, hilfreich ist.
Horkheimers akademischer Weg ist dabei besonders durch seine früheren Untersuchungen über Immanuel Kant und dessen Kritik der Urteilskraft gekennzeichnet, über welchen und welche er im Jahr 1925 auch habilitierte. (vgl. Kelle 1992: 130) Ab 1926 übernahm Horkheimer eine Stelle als Privatdozent an der Frankfurter Universität und wurde im Jahr 1930 schließlich zum „Ordinarius für Sozialphilosophie“ (ebd.) berufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Fragestellungen: Einführung in die zentrale Fragestellung der Aufklärbarkeit des Menschen und die Relevanz der Kritischen Theorie für die pädagogische Bildungsdebatte.
2 Kritische Theorie: Detaillierte Darstellung der historischen Entwicklung, der methodischen Ansätze und der Phasen der Kritischen Theorie von ihren Anfängen bis zur Nachkriegszeit.
3 Kritische Erziehungswissenschaft: Analyse der Entstehung dieser pädagogischen Richtung unter dem Einfluss der Studentenbewegung und der Rückkopplung an gesellschaftskritische Theorien.
3 Abschließende Betrachtung: Reflexion über die Bedeutung der Kritischen Erziehungswissenschaft und deren Abhängigkeit von den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Zeit.
Schlüsselwörter
Kritische Theorie, Kritische Erziehungswissenschaft, Adorno, Horkheimer, Aufklärung, Emanzipation, Mündigkeit, Pädagogik, Studentenbewegung, Frankfurter Schule, Ideologiekritik, Gesellschaftskritik, Positivismusstreit, Bildung, Sozialphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entstehung und den theoretischen Grundlagen der Kritischen Erziehungswissenschaft, insbesondere im Hinblick auf deren Verbindung zur Kritischen Theorie der Frankfurter Schule.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die Geschichte der Kritischen Theorie, das Theorie-Praxis-Verhältnis, der Einfluss der Studentenbewegung sowie die theoretische Fundierung von Bildung und Emanzipation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Spurensuche zu betreiben, welche Anknüpfungspunkte die Kritische Erziehungswissenschaft an die Kritische Theorie aufweist und warum dies für die Pädagogik der Nachkriegszeit bedeutsam war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretisch-historischen Literaturanalyse, die wesentliche Diskurse und Ansätze der Kritischen Theorie und der Pädagogik aufarbeitet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kritischen Theorie (Phasen vor und nach 1933), die Analyse der politischen Einflüsse durch die 1968er-Bewegung und die explizite Herleitung der Kritischen Erziehungswissenschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Emanzipation, Mündigkeit, Gesellschaftskritik und den interdisziplinären Ansatz der Frankfurter Schule charakterisiert.
Welche Bedeutung kommt Theodor W. Adorno zu?
Adorno fungiert als Brückenfigur, der sowohl die Kritische Theorie maßgeblich mitprägte als auch durch seine pädagogischen Beiträge, etwa zur „Erziehung nach Auschwitz“, wichtige Impulse für die kritische Pädagogik lieferte.
Welche Rolle spielte der "Positivismusstreit" für die Erziehungswissenschaft?
Der Positivismusstreit diente dazu, sich gegen eine vermeintlich wertfreie, rein empirische Wissenschaftsauffassung abzugrenzen und die Notwendigkeit einer gesellschaftskritischen Perspektive in der Pädagogik zu untermauern.
Warum war die Studentenbewegung für die Entstehung der Disziplin wichtig?
Die Studentenbewegung schuf ein kritisches Klima, das die Auseinandersetzung mit Autoritäten und die Forderung nach Aufklärung über die NS-Vergangenheit forcierte, was wiederum den Nährboden für eine "kritische" Pädagogik bereitete.
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- Ludwig Finster (Autor:in), 2008, Von der Kritischen Theorie zur Kritischen Erziehungswissenschaft, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/91807