In dieser Arbeit versucht die Autorin die Frage zu beantworten, welche Rolle Lucia Moholy für das Bauhaus spielte und dabei auch darlegen, wie sie sich von ihren Fotografenkollegen, die ebenfalls am Bauhaus tätig waren, unterscheidet.
Im folgenden Abschnitt werden zunächst zwei Architekturfotografien von Lucia Moholy eingehend beschreiben und interpretiert. Danach geht die Autorin auf ihre Besonderheiten und ihren Wert für das Bauhaus in Dessau ein, indem sie eine weitere, nicht von ihr stammende Fotografie, den ihren gegenüberstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fotografien von Lucia Moholy des Bauhausgebäudes in Dessau
2.1. Bildbeschreibung und Interpretation: „Blick aus dem Vestibülfenster zum Werkstattflügel“ 1926
2.2. Bildbeschreibung und Interpretation: „Bauhausgebäude Dessau, Werkstattfassade“ 1926
3. Lucia Moholys Fotografien im Gegensatz zu anderen Aufnahmen des Bauhauses
3.1. Bildbeschreibung und Interpretation „Der größte und der kleinste Bauhäusler“ um 1930
3.2. Lucia Moholy - Bereicherung für das Bauhaus
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die bisher zu wenig gewürdigte Rolle der Fotografin Lucia Moholy bei der visuellen Dokumentation des Bauhausgebäudes in Dessau. Dabei wird analysiert, inwiefern sich ihr sachlich-objektiver Stil von zeitgenössischen Aufnahmen anderer Fotografen abhebt und welche Bedeutung ihr Beitrag für die Rezeption der Bauhausarchitektur besitzt.
- Analyse ausgewählter Architekturfotografien von Lucia Moholy.
- Gegenüberstellung von Moholys Aufnahmen mit Arbeiten anderer Fotografen.
- Untersuchung des "Neuen Sehens" in der Bauhaus-Fotografie.
- Kritische Beleuchtung der historischen Rezeption weiblicher Bauhaus-Künstler.
Auszug aus dem Buch
2.1. Bildbeschreibung und Interpretation: „Blick aus dem Vestibülfenster zum Werkstattflügel“ 1926
Die Fotografie lässt sich in Vorder-, Mittel- und Hintergrund aufteilen. Der Vordergrund dominiert das Bild durch seine teilweise tiefe Schwärze. Zu sehen ist die Wand des Innenraums, in dem sich die Fotografin befindet. In der Mitte der Innenwand ist das Fenster angebracht, aus dem heraus fotografiert wurde. Moholy stand links vor dem Fenster, in einem etwa 45°-Winkel, um die Aufnahme zu machen. Von dem Innenraum ist nur ein dünnes Geländer zu erkennen, das waagrecht durch das untere Viertel des Fensters verläuft und mit zwei senkrechten Verstrebungen gestützt wird. Das Geländer steht auf einem kleinen Absatz vor dem Fenster, welcher unterhalb der Scheibe angebracht ist und auf dem Fußboden leicht nach innen ragt. Am linken Ende dieser Fensterbank liegt ein nicht zu erkennender kleinerer Gegenstand, welcher an der Oberseite eine kleine weiße Fläche aufweist. Am oberen Innenrand des Fensters ist eine etwas breitere Verstrebung angebracht, die am inneren Fensterrahmen befestigt ist. Das Fenster besteht aus einer großen durchgängigen Glasfläche, welche die Hälfte des gesamten Bildes einnimmt und einen Ausblick auf einen Nebenflügel des Gebäudes gewährleistet.
An dieser Stelle befindet sich der Mittelgrund des Bildes. Zu sehen ist der Ausblick aus dem Fenster, der größtenteils die Sicht auf den Nebenflügel des Gebäudes einnimmt. Die Architektur, die sich außerhalb des Fensters erstreckt, ist mit einer Vorhangfassade versehen. Die große Glasfläche wird durch senkrechte und waagerechte Stahlverstrebungen gehalten, wodurch das Gebäude eine in Quadrate gerasterte Oberfläche erhält. Die dominanten waagerechten Verstrebungen erzeugen eine starke Flucht in die linke Mitte des Bildes. Dem Betrachter wird durch die offene Fassade ermöglicht, einen Einblick in den Innenraum des Nebenflügels zu erhaschen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die oft mangelnde Anerkennung von Bauhausfrauen und stellt die Forschungsfrage nach der spezifischen Rolle Lucia Moholys sowie ihrer Unterscheidung zu Kollegen.
2. Fotografien von Lucia Moholy des Bauhausgebäudes in Dessau: Dieses Kapitel analysiert zwei Architekturaufnahmen Moholys und zeigt auf, wie sie durch die Wahl der Perspektive einen individuellen, sachlichen Ausdruck findet.
3. Lucia Moholys Fotografien im Gegensatz zu anderen Aufnahmen des Bauhauses: Durch den Vergleich mit einer anonymen Aufnahme wird verdeutlicht, wie stark sich Moholys Architekturfokus von anderen Ansätzen unterscheidet, was sie als Bereicherung für das Bauhaus auszeichnet.
4. Schluss: Der Schlussteil resümiert die künstlerische Leistung Moholys und fordert eine gerechte historische Aufarbeitung ihres Namens in der Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Bauhaus, Lucia Moholy, Architekturfotografie, Neues Sehen, Bauhausgebäude Dessau, László Moholy-Nagy, Frauen am Bauhaus, Sachlichkeit, Bildinterpretation, Architektur, Objektivität, Fotografie, Kunstgeschichte, Bauhausbücher, Meistergattin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem fotografischen Werk von Lucia Moholy am Bauhaus in Dessau und hinterfragt ihre historische Unterrepräsentanz.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Architekturfotografie des Bauhauses, die Rollenverteilung von Künstlerinnen und Künstlern in der Bauhaus-Zeit sowie der Stil des "Neuen Sehens".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Rolle von Lucia Moholy als eigenständige Fotografin herauszuarbeiten und zu begründen, warum ihre Arbeiten qualitativ und stilistisch als Bereicherung zu werten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die formale Bildbeschreibung und kunstwissenschaftliche Interpretation von Fotografien im Vergleich zu anderen Werken.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Fotografien vom Bauhausgebäude, stellt diese einem Vergleichsbeispiel gegenüber und erörtert Lucia Moholys Bedeutung für die Bauhaus-Rezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Architekturfotografie, Bauhaus, Lucia Moholy, Neues Sehen, Sachlichkeit und historische Anerkennung.
In welchem Maße wird der "Bauhaus-Gedanke" in Moholys Bildern sichtbar?
Moholy vermittelt durch ihre sachliche Reduziertheit und den Fokus auf die ästhetische Wirkung von Materialien wie Glas und Beton den Geist der modernen Bauhaus-Architektur.
Warum wird die Bezeichnung „Meistergattin“ im Schlusskapitel kritisiert?
Die Autorin argumentiert, dass dieser Titel die eigenständige künstlerische Leistung von Lucia Moholy in den Hintergrund drängt und zu ihrer geringeren historischen Bekanntheit beigetragen hat.
- Arbeit zitieren
- Felicitas Fendel (Autor:in), 2017, Die Frauen im Bauhaus. Welche Rolle spielt Lucia Moholys Architekturfotografie am Bauhaus in Dessau?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/916369