Diese Arbeit geht auf die theoretischen und institutionellen Hintergründe der Fair Value-Diskussion in Deutschland ein. Auf dieser Grundlage kann eine Vereinbarkeit der Fair Value-Bewertung mit der handelsrechtlichen Rechnungslegung untersucht wer-den. Anschließend werden die wesentlichen Argumente der Fair Value-Debatte vorgestellt und anhand kurzer Beispiele erläutert. Es gilt im vierten Abschnitt die etwaigen Vor- und Nachteile der Fair Value-Bewertung kritisch zu würdigen. Aus der Würdigung ergibt sich, inwiefern die Fair Value-Bewertung als zweckgerecht bezeichnet werden kann. Es lassen sich Implikationen für die deutsche Gesetzgebung ableiten, unter welchen Bedingungen eine Implementierung der Fair Value-Bewertung in die handelsrechtliche Rechnungslegung zu rechtfertigen ist.
In den International Financial Reporting Standards (IFRS) hat die Bewertung zum Fair Value in den letzten Jahrzehnten zunehmend an Bedeutung gewonnen. Eine zukünftige Ausweitung des Anwendungsbereichs erscheint als wahrscheinlich. Aufgrund der Internationalisierung der deutschen Rechnungslegung spielt die Fair Value-Bewertung bzw. die Bewertung zum beizulegenden Zeitwert auch für den deutschen Gesetzgeber eine immer größer werdende Rolle. Es stellt sich die Frage, ob der Anwendungsbereich auch im deutschen Handelsrecht ausgeweitet werden sollte, um die Informationsfunktion der Rechnungslegung zu stärken. Das für den Gläubigerschutz relevante Anschaffungskostenprinzip würde entsprechend an Bedeutung verlieren.
In der Folge wurde die deutsche Fair Value-Diskussion neu entfacht. Insbesondere im Zuge der Verabschiedung des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG), das die Ausweitung der Fair Value-Bewertung über das Niederstwertprinzip hinaus vorsah, wurden Kritiker und Befürworter des Bewertungskonzepts aktiv. Der Schritt verdeutlicht das Interesse des Gesetzgebers, die handelsrechtlichen Bewertungsprinzipien modernisieren zu wollen. Es gilt zu diskutieren, ob dieser Weg als sinnvoll erachtet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretischer und institutioneller Hintergrund
2.1 Gegenüberstellung der Rechnungslegungszwecke von HGB und IFRS
2.2 Bewertungsreform im Zuge des BilMoG – Fair Value als Bewertungskonzept
2.3 Die Saarbrücker Initiative gegen den Fair Value
3 Die Fair Value-Debatte in Deutschland – Zeitwertbewertung versus Anschaffungskostenprinzip
3.1 Argumente für eine Bewertung zum beizulegenden Zeitwert
3.1.1 Darstellung der tatsächlichen unternehmerischen Lage
3.1.2 Stärkung der Informationsfunktion
3.2 Argumente gegen eine Bewertung zum beizulegenden Zeitwert
3.2.1 Subjektivierung der Rechnungslegung und damit einhergehende Problematiken
3.2.2 Schwächung der Ausschüttungsbemessungsfunktion
4 Kritische Würdigung der Fair Value-Konzeption
4.1 Beurteilung der Fair Value-Debatte in Deutschland
4.2 Implikationen für die Gesetzgebung
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit der Fair Value-Bewertung mit dem deutschen Handelsrecht vor dem Hintergrund des Gläubigerschutzes. Ziel ist es, die Plausibilität der Saarbrücker Initiative gegen den Fair Value kritisch zu würdigen und Empfehlungen für eine sinnvolle Implementierung in das deutsche Recht zu erarbeiten.
- Gegenüberstellung von HGB und IFRS hinsichtlich ihrer Bilanzzwecke
- Analyse des Einflusses des BilMoG auf die deutsche Bewertungslogik
- Kritische Diskussion der Vor- und Nachteile einer Zeitwertbewertung
- Bewertung der Auswirkungen auf Volatilität und Rechnungslegungsqualität
- Diskussion der Implikationen für den deutschen Gesetzgeber
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Darstellung der tatsächlichen unternehmerischen Lage
Zweck der Bewertung zum beizulegenden Zeitwert ist es, den Abschlussadressaten ein genaueres Bild vom berichterstattenden Unternehmen zu vermitteln als bei Verwendung des Anschaffungskostenprinzips. Die Bewertungshierarchie ist so aufgebaut, dass auf erster Stufe Vermögensgegenständen und Schulden mit ihrem Marktwert angesetzt werden. Dem Marktwert wird als Rechnungslegungsinformation aufgrund der Zeit- und Marktnähe eine hohe Verlässlichkeit und Relevanz zugesprochen.30 Der Fair Value entspricht damit eher den tatsächlichen zugrundeliegenden Verhältnissen als die fortgeführten Anschaffungskosten.31
Sind keine aktiven Märkte zur Bestimmung des Fair Values vorhanden, so ist die Verwendung allgemein anerkannter Bewertungsmethoden zulässig. Zu diesen Methoden gehört das DCF-Verfahren. Befürworter der Fair Value-Bewertung argumentieren, dass Ersteller von Rechnungslegungsinformationen die Ermessensspielräume innerhalb solcher Verfahren nutzen, um private Informationen an Adressaten zu vermitteln.32 Diese Annahme stimmt mit der Signaling-Hypothese überein. Private Informationen können unter anderem Erwartungen hinsichtlich zukünftiger Cashflows, sowie unternehmensspezifischer Risiken sein. In der Folge wird Adressaten ein verbessertes Bild über die tatsächliche unternehmerische Lage vermittelt.33 Im Rahmen des Anschaffungskostenprinzips sind entsprechende Ermessensspielräume bei der Bilanzierung nicht vorhanden. Eine Vermittlung privater Informationen ist daher nur erschwert möglich. Um einem möglichen Verlust an Verlässlichkeit vorzubeugen, werden Anhangangaben zu den Bewertungsverfahren vorgeschrieben.34 Die Angaben beziehen sich auf die Wahl und Umsetzung der Bewertungsmethoden und können weitere Informationen zu der wirtschaftlichen Lage beinhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Fair Value-Bewertung und die Notwendigkeit, deren Integration in das deutsche Handelsrecht kritisch zu hinterfragen.
2 Theoretischer und institutioneller Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die fundamentalen Unterschiede der Rechnungslegungszwecke zwischen HGB und IFRS sowie die Reformbestrebungen durch das BilMoG.
3 Die Fair Value-Debatte in Deutschland – Zeitwertbewertung versus Anschaffungskostenprinzip: Das Kapitel strukturiert die Pro- und Contra-Argumente der Fair Value-Bewertung, insbesondere im Hinblick auf Informationsfunktion und subjektive Ermessensspielräume.
4 Kritische Würdigung der Fair Value-Konzeption: Hier erfolgt eine kritische Analyse der Debatte in Deutschland sowie eine Ableitung von Konsequenzen für die zukünftige Gesetzgebung.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine Fair Value-Bewertung nur unter strengen Voraussetzungen mit dem Gläubigerschutz vereinbar ist und ein genereller Paradigmenwechsel nicht zielführend erscheint.
Schlüsselwörter
Fair Value, Handelsgesetzbuch, IFRS, BilMoG, Gläubigerschutz, Anschaffungskostenprinzip, Rechnungslegung, Bewertungshierarchie, Zeitwertbewertung, Bilanzpolitik, Signaling-Hypothese, Entscheidungsnützlichkeit, Saarbrücker Initiative, Volatilität, Finanzkrise
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Kontroverse um die Implementierung der Fair Value-Bewertung in die deutsche Rechnungslegung unter Berücksichtigung des Gläubigerschutzes.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Rechnungslegung, die spezifischen Bewertungsansätze nach HGB und IFRS sowie deren Auswirkungen auf die Bilanzqualität.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit eine Fair Value-Bewertung mit dem Handelsrecht vereinbar ist und ob sie einen tatsächlichen Mehrwert für die Informationsfunktion der Rechnungslegung bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen und funktionsanalytischen Auseinandersetzung mit der Bilanztheorie sowie einer Auswertung bestehender Literatur und der Argumente der Saarbrücker Initiative.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert detailliert die Argumente für und gegen den beizulegenden Zeitwert, unter anderem zu den Themen Signaling, Bilanzpolitik und Volatilität.
Was sind die charakteristischen Schlüsselwörter?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie Fair Value, Gläubigerschutz, Anschaffungskostenprinzip und Bilanzzweck aus.
Welche Rolle spielt die Saarbrücker Initiative in diesem Dokument?
Die Saarbrücker Initiative liefert zentrale Kritikpunkte gegen die Einführung des Fair Values, welche in der Arbeit als Ausgangspunkt für die kritische Würdigung dienen.
Warum wird eine "Entobjektivierung" der Bilanz kritisiert?
Die Kritik basiert darauf, dass subjektive Schätzwerte die Verlässlichkeit der Bilanz mindern könnten, was dem deutschen Grundsatz der Vorsicht und Objektivität widerspricht.
Ist der Weg des Gesetzgebers laut der Arbeit empfehlenswert?
Die Arbeit bewertet den eingeschlagenen Weg als akzeptabel, sofern er auf ein "mixed model" begrenzt bleibt und strikte Voraussetzungen wie das Vorliegen aktiver Märkte beachtet werden.
- Quote paper
- Maximilian D. Thomas (Author), 2019, Die Saarbrücker-Initiative gegen den Fair Value, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/914792