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Die Bedeutung des Gattungs- und Fiktionalitätsbegriffs im „Erec“-Roman Hartmanns von Aue

Title: Die Bedeutung des Gattungs- und Fiktionalitätsbegriffs im „Erec“-Roman Hartmanns von Aue

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anonym (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies

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Warum ist der Gattungs- oder Fiktionalitätsbegriff bedeutend? Muss man die Perspektive des Autors wirklich bis hin zur theoretischen Kategorisierung seines eigenen Werkes und zur Definition der jeweiligen Gattung kennen, um es angemessen interpretieren zu können?
Diese Fragen sollen hier an ausgewählten Beispielen behandelt werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Verständnis von „Gattung“ im Mittelalter

1.1 Der mittelalterliche Gattungsbegriff

1.2 Reflektierte Fiktionalität im Werk

2. Analyse der Sattelbeschreibung im „Erec“-Roman

2.1 Wahrheitsbeteuerungen und Unfassbarkeit

2.2 Descriptio als Spiegel der Handlung

2.2.1 Antike Stoffe und Kosmos

3. Die Krönungsszene bei Chrétien und Hartmann

4. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verständnis von „Gattung“ und „Fiktionalität“ im „Erec“-Roman von Hartmann von Aue unter Einbeziehung des Vergleichs zu Chrétien de Troyes. Im Zentrum steht die Frage, wie die Autoren durch künstlerische Reflexion, narrative Strukturen und den bewussten Einsatz von Fiktion ihr Werk legitimieren und die Gattung des Artusromans formen.

  • Das mittelalterliche Verständnis von Gattung und Fiktionalität
  • Die Funktion der „dilatatio“ (Erweiterung) in der Sattelbeschreibung
  • Der Kontrast zwischen fiktionaler und extratextueller Realität
  • Die Analyse der Krönungsszene als Beispiel für abweichende narrative Strategien
  • Die Rolle des Autors als Konstrukteur einer glaubhaften Fiktion

Auszug aus dem Buch

2.1) Wahrheitsbeteuerungen und Unfassbarkeit

Es finden sich mehrere Textbeispiele dafür, dass der fiktive Erzähler ein fingiertes Publikum im Vortrag direkt anspricht. Diese direkt adressierten Unterbrechungen des eigentlichen Vortrags sind oft kombiniert mit artistischen Reflexionen der Sprecherrolle. Ganz gleich, wie schlüssig der Autor sein fiktives Gerüst konstruiert und vorträgt, damals musste er bedenken, dass Stoffe aus der matière de Bretagne – hauptsächlich Inhalte keltischer Sagen, u. a. um König Artus – nicht besonders hoch geschätzt wurden. Wahrheitsbeteuerungen wie „zewâre sage ich iu daz“ oder „ir sult mir des wol gunnen, / daz ich iu sage die wârheit.“ sind also stilisierte, ironisierende Reflexionen der Fiktionalität und der Bewusstheit über dieselbe im Vortrag.

Genauso wie diese Beteuerungen lassen Quellenverweise die Intention erkennen, dass eine Illusion der historischen Wahrheit innerhalb der Fiktion entstehen soll, nach der das Publikum verlangte. Der Erzähler ironisiert die eigene Rolle und Bedeutung merklich, indem er sich beispielsweise selbst mehrfach zur Kürze mahnt und bemüht ist, dass seine Erzählung nicht „ze lanc“ wird. Zudem reflektiert Hartmann mit solchen Sätzen die dilatatio der Beschreibung und ironisiert auch diese, da er die Sätze immer dann einschiebt, wenn eine längere Passage folgt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Verständnis von „Gattung“ im Mittelalter: Dieses Kapitel erörtert die theoretischen Grundlagen des mittelalterlichen Gattungsbegriffs und die bewusste Reflexion von Fiktionalität als konstitutives Element im Werk.

2. Analyse der Sattelbeschreibung im „Erec“-Roman: Der Hauptteil untersucht die detaillierte Sattelbeschreibung bei Hartmann als Beispiel für „dilatatio“ sowie die erzählerischen Mittel wie Wahrheitsbeteuerungen und Dialoge mit dem fiktiven Publikum.

3. Die Krönungsszene bei Chrétien und Hartmann: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze bei der Darstellung der Krönungsszene und beleuchtet die narrativen Strategien der beiden Autoren.

4. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese über die unterschiedlichen Legitimationsstrategien von Hartmann von Aue und Chrétien de Troyes zur Begründung der Fiktionalität.

Schlüsselwörter

Erec, Hartmann von Aue, Chrétien de Troyes, Fiktionalität, Gattungsbegriff, Artusroman, Dilatatio, Sattelbeschreibung, Descriptio, Wahrheitsbeteuerungen, Erzählerrolle, Mittelalterliche Literatur, Narratologie, Literaturtheorie, Höfischer Roman.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse des Gattungs- und Fiktionalitätsbegriffs im „Erec“-Roman von Hartmann von Aue und kontrastiert diesen mit dem Vorbild von Chrétien de Troyes.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die poetologische Reflexion der Fiktion, die Technik der „dilatatio“ (Erweiterung) von Erzählstoffen und die Art und Weise, wie die Autoren die Glaubwürdigkeit ihrer fiktiven Welten konstruieren.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, das Selbstverständnis der Autoren als Gestalter fiktiver Literatur zu durchleuchten und zu zeigen, wie literarische Techniken genutzt wurden, um die Gattung des Artusromans innerhalb eines mittelalterlichen Kontexts zu etablieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, bei der Textpassagen (insbesondere Beschreibungen) auf ihre erzähltechnischen Merkmale und ihre Funktion innerhalb der narrativen Gesamtstruktur untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse der Sattelbeschreibung als zentrales Beispiel für die künstlerische Gestaltung und auf den Vergleich der Krönungsszene zwischen Chrétien und Hartmann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Fiktionalität, Artusroman, Hartmann von Aue, Dilatatio, Erzählerrolle, Wahrheitsbeteuerungen und poetische Reflexion.

Wie unterscheidet sich Hartmanns Vorgehensweise bei der Sattelbeschreibung von der Vorlage?

Hartmann nutzt die „dilatatio“, um die Vorlage von Chrétien massiv zu erweitern und durch Details sowie fiktive Dialoge die literarische Konstruktion und das eigene Können stärker hervorzuheben.

Welche Funktion hat das fiktive Publikum in Hartmanns „Erec“-Roman?

Das fiktive Publikum dient dem Autor dazu, durch ironisierte Dialoge die eigene Erzählerrolle zu reflektieren, die Fiktionalität offenzulegen und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit der erzählten Welt durch den Anspruch auf eine höhere Quelle zu untermauern.

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Details

Title
Die Bedeutung des Gattungs- und Fiktionalitätsbegriffs im „Erec“-Roman Hartmanns von Aue
College
RWTH Aachen University
Grade
1,0
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V91380
ISBN (eBook)
9783638049092
Language
German
Tags
bedeutung gattungs- fiktionalitätsbegriffs erec hartmanns
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2008, Die Bedeutung des Gattungs- und Fiktionalitätsbegriffs im „Erec“-Roman Hartmanns von Aue , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/91380
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