In der Arbeit möchte der Autor rekonstruieren, was genau Fred Adams und Ken Aizawa als alltägliches Verständnis von Kognition begreifen. Außerdem werden die zwei von ihnen genannten notwendigen Bedingungen für kognitive Prozesse erläutert und untersucht. Die These ist, dass Adams und Aizawa diese notwendigen Bedingungen in ihrer Argumentation als hinreichende Bedingungen benutzen, obwohl sie keinen expliziten Anspruch auf ihr Hinreichen erheben. Sollte dies der Fall sein, hätte das zur Folge, dass Adams und Aizawa vorgeben, eine schwächere Position zu vertreten als sie tatsächlich tun. Das würde dazu führen, dass nicht mehr klar ist, welche Position sie innerhalb der Debatte zwischen Internalisten und Externalisten einnehmen. Sie selbst bezeichnen sich als Kontingenz-Intrakranialisten, aber die Frage ist, wie kontingent ihr Kontingenz-Intrakranialismus wirklich ist.
Zwischen Internalisten und Externalisten herrscht in der Philosophie eine ungeklärte Debatte bezüglich kognitiver Prozesse: Der Internalist vertritt die These, dass kognitive Prozesse hirngebunden sind, während der Externalist die Gegenposition einnimmt, indem er davon ausgeht, dass auch externe Prozesse kognitiv sein können.
In "Die Grenzen der Kognition" argumentieren Adams und Aizawa für den Common Sense, worunter sie unser alltägliches Verständnis von Kognition verstehen, und vertreten somit eine internalistische Position. Dabei unternehmen sie den Versuch, notwendige Bedingungen für kognitive Prozesse zu definieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Adam und Aizawa über das alltägliche Verständnis von Kognition
2.1 Adams und Aizawas notwendigen Bedingungen für Kognition
2.2 Die erste Bedingung: Nichtabgeleiteter Gehalt
2.3 Die zweite Bedingung: Kausale Individuierung
3. Exkurs: Wann gelten Bedingungen als notwendig oder hinreichend?
4. Anwendung auf Adams und Aizawa
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Argumentation von Adams und Aizawa bezüglich der notwendigen Bedingungen für kognitive Prozesse und hinterfragt, ob diese Bedingungen in deren Theorie implizit als hinreichend verwendet werden, was Auswirkungen auf ihre Position als "Kontingenz-Intrakranialisten" hat.
- Rekonstruktion des alltäglichen Kognitionsverständnisses nach Adams und Aizawa.
- Analyse der notwendigen Bedingungen: Nichtabgeleiteter Gehalt und kausale Individuierung.
- Logische Untersuchung von notwendigen und hinreichenden Bedingungen im Kontext kognitiver Prozesse.
- Kritische Würdigung der internalistischen Abgrenzung gegenüber dem Externalismus.
Auszug aus dem Buch
3. Exkurs: Wann gelten Bedingungen als notwendig oder hinreichend?
Notwendige und hinreichende Bedingungen sind ein Mittel, um Begriffe aber auch Phänomene präzise zu definieren. In der klassischen Logik werden solche Wahrheitsbedingungen durch eine Subjunktion (A → B, d. h. wenn A, dann B.) dargestellt. Das Vorderglied der Subjunktion (A) ist das Antezedens, das Hinterglied (B) das Konsequens. Dabei gilt: Eine Subjunktion ist nur dann falsch, wenn das Antezedens wahr, aber das Konsequens falsch ist. Wahrheitsbedingungen für notwendige und hinreichende Bedingungen lassen sich somit wie folgt darstellen:
• Hinreichende Bedingung (A → B): Sobald A der Fall ist, ist auch B der Fall.
• Notwendige Bedingung (A → B): Sobald B der Fall ist, ist auch A der Fall.
Eine Bedingung ist also genau dann notwendig für einen Sachverhalt, wenn dieser nur bestehen kann, wenn sie erfüllt ist; sie ist genau dann hinreichend, wenn er bestehen muss, sobald die Bedingung erfüllt ist. Demnach nimmt die klassische Logik an, dass die Bedingungen in einer wechselseitigen Beziehung zueinander stehen und in jedem wahrheitsfunktionalen Satz sowohl notwendige als auch hinreichende Bedingungen vorkommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die philosophische Debatte zwischen Internalismus und Externalismus vor und formuliert die These, dass Adams und Aizawa ihre notwendigen Bedingungen für Kognition fälschlicherweise als hinreichende Bedingungen nutzen könnten.
2. Adam und Aizawa über das alltägliche Verständnis von Kognition: Dieses Kapitel erläutert das von Adams und Aizawa verteidigte Common-Sense-Verständnis von Kognition sowie deren Definition intrakorporaler Prozesse.
2.1 Adams und Aizawas notwendigen Bedingungen für Kognition: Hier werden die beiden zentralen Bedingungen für Kognition eingeführt, wobei betont wird, dass sie nur als notwendig, nicht aber als erschöpfend oder hinreichend gelten sollen.
2.2 Die erste Bedingung: Nichtabgeleiteter Gehalt: Das Kapitel definiert, dass kognitive Zustände intrinsischen, nichtabgeleiteten Gehalt aufweisen müssen, um als solche identifiziert zu werden.
2.3 Die zweite Bedingung: Kausale Individuierung: Es wird dargelegt, dass kognitive Prozesse kausal individuiert sein müssen, um sie von nicht-kognitiven, hirngebundenen Prozessen abzugrenzen.
3. Exkurs: Wann gelten Bedingungen als notwendig oder hinreichend?: Ein logischer Exkurs zur Unterscheidung von notwendigen und hinreichenden Bedingungen und deren formale Anwendung auf die Argumentation von Adams und Aizawa.
4. Anwendung auf Adams und Aizawa: Eine kritische Überprüfung der Argumente von Adams und Aizawa, insbesondere im Hinblick auf die Inkonsistenz ihrer internalistischen Abgrenzung und die Offenhaltung einer "Hintertür" zum Externalismus.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Argumentation von Adams und Aizawa an Glaubwürdigkeit verliert, da unklar bleibt, ob ihre Bedingungen hinreichend sind und ob ihre internalistische Position tatsächlich tragfähig ist.
Schlüsselwörter
Kognition, Internalismus, Externalismus, Notwendige Bedingungen, Hinreichende Bedingungen, Adams und Aizawa, Kontingenz-Intrakranialismus, Nichtabgeleiteter Gehalt, Kausale Individuierung, Mentale Repräsentation, Philosophie des Geistes, Logik, Common Sense.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die philosophische Position von Adams und Aizawa bezüglich der Definition kognitiver Prozesse und prüft die logische Stabilität ihrer notwendigen Bedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Debatte zwischen Internalismus und Externalismus, die Definition von Kognition und die logische Analyse von notwendigen gegenüber hinreichenden Bedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Adams und Aizawa ihre notwendigen Bedingungen implizit als hinreichend behandeln und ob sie sich damit weiterhin konsistent als "Kontingenz-Intrakranialisten" bezeichnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rekonstruktive Methode, kombiniert mit einer logisch-analytischen Prüfung der Argumentationsstruktur von Adams und Aizawa.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Kognitionsverständnis der Autoren, die spezifischen Bedingungen für Kognition (Gehalt und Individuierung) und deren logische Anwendung kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kognition, Internalismus, Externalismus, notwendige Bedingungen, hinreichende Bedingungen, Adams und Aizawa sowie Kontingenz-Intrakranialismus.
Warum kritisieren Sie die "Hintertür" zum Externalismus bei Adams und Aizawa?
Die Kritik richtet sich dagegen, dass die Autoren einerseits den Internalismus verteidigen, aber gleichzeitig theoretische Möglichkeiten für externalistische Prozesse einräumen, was ihre eigene Argumentation schwächt.
Inwieweit beeinträchtigt die logische Strenge der Bedingungen die Glaubwürdigkeit der Autoren?
Wenn die Bedingungen, die als notwendig eingeführt wurden, logisch als hinreichend umgedeutet werden, wird die Position der Autoren angreifbar, da sie ihr ursprüngliches Ziel, eine internalistische Theorie zu stützen, untergraben könnte.
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- Kim Ann Woodley (Author), 2019, Wie kontingent ist der Kontingenz-Intrakranialismus wirklich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/911126