Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Exogamieverbot, dem Verbot der Ehe zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten. Wer genau mit Nicht-Israeliten gemeint ist und welche Auswirkung das Verbot hatte, wird im späteren Teil der Arbeit erklärt. Die Arbeit versucht den Begriff Mischehen und "fremd sein" genauer zu erläutern. Danach folgt eine kurze Darstellung von relevanten Bibelstellen, die die Mischehe betreffen. Der Autor fokussiert sich auf eine Untersuchung ausgewählter Textstellen aus Esra und Nehemia.
Esra und Nehemia sind zwei Bücher im Alten Testament, die als weniger häufig gelesene Schriften gelten. Doch hinter diesen beiden unscheinbaren Büchern verbirgt sich eine Welt, die die anderen Bücher der Bibel nicht gerecht beschreiben könnten. Es geht um die Wiederkehr des Volkes Israels aus dem Exil, die Wiederherstellung des israelischen Kultes und den Wiederaufbau Jerusalems.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Mischehen
2.1 Geschichte
3 Esra
3.1 Einleitung
3.2 Datierung
3.3 Esra 9,1-4
3.4 Esra 9,10-12
3.5 Esra 10
4 Nehemia
4.1 Einleitung
4.2 Datierung
4.3 Nehemia 10,29-32
4.4 Nehemia 13,1-3
4.5 Nehemia 13,23-31
5 Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das in den biblischen Büchern Esra und Nehemia thematisierte Exogamieverbot, das Ehen zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten untersagt. Ziel ist es, die soziologische Bedeutung der Begriffe Mischehe und Fremdheit in diesem Kontext zu ergründen sowie die theologischen und kultischen Hintergründe dieser Forderung im nachexilischen Israel zu analysieren.
- Soziologische Betrachtung von Ethnie und Fremdheit
- Analyse der Pentateuch-Grundlagen zum Mischehe-Verbot
- Untersuchung von Esra 9 und 10 im Hinblick auf Zwangsscheidungen
- Untersuchung von Nehemia 10 und 13 zur Identitätsfestigung
- Die Rolle von Heiligkeit und Absonderung im postexilischen Israel
Auszug aus dem Buch
3.3 Esra 9,1-4
In Esr 9,1-4 wird dem Priester Esra berichtet, dass sich die Priester und Leviten und ganz Israel Frauen aus den >Völkern der Länder< genommen und mit diesen Nachkommen gezeugt haben. Mit den >Völkern der Länder< kommt vermutlich zum Ausdruck, dass sich Israel nun im persischen Vielvölkerstaat befindet, da zum Zeitpunkt der Esra Handlung die Nachexilszeit beschrieben wird. Der Plural Völker schließt auch die These aus, dass dabei die Unterscheidung zwischen exilierten und zurückgebliebenen Israeliten gemeint ist. Die Aufzählung der Völker in Esr 9,1 ist in ähnlicher Weise mehrfach zu finden; unter anderem in Dtn 7,1; Dtn 20,17 und Ex 34,11.
Unklar bleibt, welche Israeliten Mischehen eingegangen sind. In Esr 9,4 wird von den aus der >Gefangenschaft/Exil< Zurückgekehrten gesprochen. Ob nur dieser erlesene Kreis aus der Elite des Volkes Mischehen eingegangen ist, bleibt unklar. Schließlich ist in Esr 9,1 vom Volk Israel die Rede.
Der Text bezeichnet die >Mischehen< als Treulosigkeit (Esr 9,2), da der >heilige Same< sich mit Nicht-Israeliten vermischte. Die Treulosigkeit gilt als Treuebruch gegenüber Gott, die Mischehe wird unter kultischer und theologischer Kategorie abgelehnt. Die kultische Kategorie setzt eine Heiligkeit des Volkes Israels voraus, das durch Verehelichung mit Nicht-Israeliten in Gefahr gerät. Der Heiligkeitsgedanke wird explizit in Dtn 7,6 erwähnt, wo das Volk Israel von Gott als heilig und ausgewählt bezeichnet wird. Die theologische Kategorie bezieht sich auf den Treuebruch des Bundes mit Gott, d.h., dass das Volk Israel das Gesetz bewusst gebrochen hat und nun die Konsequenzen tragen muss.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird der Kontext der Bücher Esra und Nehemia sowie die Relevanz des Exogamieverbots als zentrales Forschungsanliegen skizziert.
Mischehen: Eine soziologische Einordnung der Begriffe Fremdheit, Ethnie und Volk bildet die theoretische Basis für das Verständnis der späteren Texte.
Esra: Die Kapitel analysieren anhand spezifischer Textstellen die strenge Durchsetzung des Exogamieverbots und die Zwangsscheidungen als Mittel zur religiösen Reinigung.
Nehemia: Hier wird die Identitätsfestigung durch Tora-Treue und die Erweiterung der Verbotsregeln auf das gesamte Volk inklusive Frauen untersucht.
Conclusio: Die Ergebnisse fassen die Bedeutung des Exogamieverbots als kultisches Mittel zur Abgrenzung und Identitätssicherung zusammen.
Schlüsselwörter
Esra, Nehemia, Exogamieverbot, Mischehe, Altes Testament, Israel, Nachexilszeit, Heiligkeit, Tora, Identität, Fremdheit, Ethnie, Bundesschluss, Zwangsscheidung, Religion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Verbot der Ehe zwischen Israeliten und Nicht-Israeliten, wie es in den biblischen Büchern Esra und Nehemia dargestellt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Identitätsfindung, religiöser Abgrenzung und dem soziologischen Verständnis von Fremdheit im Kontext des antiken Israels.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird erforscht, warum und unter welchen kultischen sowie theologischen Bedingungen das Exogamieverbot in der Nachexilszeit so radikal durchgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-kritische Textanalyse biblischer Quellen, ergänzt durch soziologische Ansätze zur Begriffsbestimmung von Ethnie und Nation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Auslegung relevanter Textstellen aus Esra 9-10 und Nehemia 10 sowie 13, um die Praxis der Zwangsscheidungen zu beleuchten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Exogamieverbot, Nachexilszeit, Tora, Identität, Heiligkeit und die Abgrenzung von fremden Völkern.
Welche Rolle spielt der Begriff "heiliger Same" in den untersuchten Texten?
Er dient als theologische Begründung für die Ablehnung von Mischehen, da die Vermischung als Gefährdung der rituellen Reinheit und des Bundes mit Gott gesehen wird.
Warum wird in Nehemia 13 eine Verbindung zur Sprache gezogen?
Nehemia befürchtet einen Traditionsabbruch, da die Kinder in Mischehen nicht mehr Hebräisch sprachen und somit den Zugang zu den religiösen Überlieferungen verloren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2018, Das Exogamieverbot im Alten Testament, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/907356