In diesem Unterrichtsentwurf erarbeiten die SuS das Prinzip des traditionellen Brandrodungswanderfeldbaus problemorientiert, indem sie in kooperativen Lernformen aus einem kontinuierlichen Text einen diskontinuierlichen Text erstellen, diesen präsentieren und erläutern.
Die in dieser Unterrichtsreihe zu erwerbenden sachlichen und methodischen Kompetenzen erschließen sich aus dem "Kernlehrplan Erdkunde für das Gymnasium – Sekundarstufe I (G8) in Nordrhein-Westfalen". Die Inhalte der hier vorgestellten Reihe werden im Inhaltsfeld 5 "Leben und Wirtschaften in verschiedenen Landschaftszonen", mit dem inhaltlichen Schwerpunkt "naturgeographisches Wirkungsgefüge des tropischen Regenwaldes und daraus resultierende Möglichkeiten und Schwierigkeiten wirtschaftlich angepassten Nutzens" behandelt.
Sie sind unter anderem eine Grundlage für das Verständnis weiterer Bausteine wie zum Beispiel dem Schwerpunkt „Bedrohung von Lebensräumen durch unsachgemäße Eingriffe des Menschen in den Naturhaushalt“ aus dem Inhaltsfeld 4 "Naturbedingte und anthropogen bedingte Gefährdung von Lebensräumen". Im schuleigenen Curriculum, welches sehr eng an den Kernlehrplan angelegt ist, ist das dargestellte Unterrichtsthema für die Jahrgangsstufe 7 ebenfalls als Unterrichtsvorhaben vorgesehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.1 Curriculare Legitimation der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.2 Auflistung der Stundenthemen mit Darstellung des inhaltlichen und didaktischen Schwerpunktes inklusive des angestrebten Kompetenzzuwachses
1.3 Leitgedanken und Intention für die längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
1.4 Lehr-Lernvoraussetzungen und Konsequenzen
2. Planungsentscheidungen zur Unterrichtsstunde
2.1 Kernanliegen
2.2 Lernziele/Kompetenzen
2.3 Sachstrukturelle Analyse
2.4 Verlaufsplan
2.5 Didaktische Entscheidungen
2.6 Methodisch-mediale Entscheidungen
Zielsetzung & Themen
Die Unterrichtsstunde verfolgt das Ziel, den traditionellen Brandrodungswanderfeldbau als spezifische Landnutzungsform im tropischen Regenwald problemorientiert zu erschließen, wobei die Schülerinnen und Schüler durch die Umwandlung eines Sachtextes in ein Fließschema die Prozesshaftigkeit und die ökologische Einbettung der Wirtschaftsweise verstehen lernen.
- Traditionelle Landnutzung im tropischen Regenwald
- Prozessanalyse des Brandrodungswanderfeldbaus
- Transformation kontinuierlicher in diskontinuierliche Texte
- Ökologische Nachhaltigkeit und anthropogene Eingriffe
- Förderung der Urteils- und Präsentationskompetenz
Auszug aus dem Buch
M3: Brief von Giomar
Liebe Klasse 7,
heute ist der 05.05.1999! mein Name ist Giomar, ich bin 11 Jahre alt und gehöre zum Volk der Yanomani. Ich lebe mit meiner Familie in Brasilien am Rande des Amazonas. Wir leben in einem sehr kleinen Dorf mit 21 Hütten und 63 Einwohnern. Gleich hinter unserer Hütte beginnt der Regenwald. Weil wir abgeschieden, tief im tropischen Regenwald leben, müssen wir uns selbst versorgen (Subsistenzwirtschaft). Ich möchte euch gerne erklären, wie unser Volk noch heute mit der Methode des Brandrodungswanderfeldbaus nachhaltig und im Einklang mit der Natur Landwirtschaft betreibt.
Um Nutzpflanzen anbauen zu können, müssen wir Felder anlegen und diese bewirtschaften. Dafür suchen wir im Regenwald als erstes einen geeigneten, fußläufig vom Dorf entfernten, „unberührten“ Platz in etwa der Größe eines Fußballfeldes, welcher Primärwald genannt wird. Dann beginnen wir zunächst damit, kleinere Bäume und Pflanzen zu fällen, was man Rodung nennt. Die großen Bäume müssen stehen bleiben, weil ihr schützendes Blätterdach und ihre den Boden durchdringenden Wurzeln unverzichtbar für eine ertragreiche Ernte sind. Die abgeschlagenen Äste und Bäume lassen wir dann einige Zeit zum Trocknen auf der gerodeten Fläche liegen. Anschließend werden sie kontrolliert verbrannt. Diesen Vorgang nennt man Brandrodung. Wie ihr wisst, sind die Böden der Tropen sehr nährstoffarm und nahezu alle Nährstoffe sind in den Pflanzen enthalten und zirkulieren im kurzgeschlossenen Nährstoffkreislauf. Die bei der Brandrodung entstehende nährstoffreiche Asche fügen wir dem Boden darum als Dünger wieder zu.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge: Dieses Kapitel verortet die Unterrichtsreihe im Kernlehrplan und erläutert die didaktischen Schwerpunkte sowie die Ausgangslage der Lerngruppe.
2. Planungsentscheidungen zur Unterrichtsstunde: Hier werden das spezifische Kernanliegen der Stunde, die Lernziele, die inhaltliche Sachanalyse sowie der detaillierte Verlaufsplan und die methodischen Entscheidungen dargelegt.
Schlüsselwörter
Brandrodungswanderfeldbau, tropischer Regenwald, Subsistenzwirtschaft, Nährstoffkreislauf, Nachhaltigkeit, Landnutzung, Primärwald, Sekundärwald, Fließschema, Methodenkompetenz, Urteilskompetenz, Geographieunterricht, Amazonas, Yanomani, Bodenfruchtbarkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Unterrichtseinheit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Formen der Landnutzung im tropischen Regenwald, insbesondere mit dem traditionellen Brandrodungswanderfeldbau.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsreihe?
Die Reihe behandelt das naturgeographische Wirkungsgefüge des Regenwaldes, die wirtschaftliche Nutzung durch indigene Völker sowie die Folgen von Regenwaldzerstörung und Möglichkeiten nachhaltiger Bewirtschaftung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Stunde?
Das Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler den Prozess des traditionellen Brandrodungswanderfeldbaus verstehen und diesen anhand eines selbst erstellten Fließschemas erläutern können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine problemorientierte Erarbeitung genutzt, bei der die Schülerinnen und Schüler durch Textanalyse Informationen in ein diskontinuierliches Fließschema überführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die längerfristige Planung der Unterrichtsreihe, die Analyse der Lernvoraussetzungen sowie die konkreten Planungsentscheidungen für die Unterrichtsstunde inklusive Verlaufsplan und didaktischer Begründung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Brandrodungswanderfeldbau, nachhaltige Landnutzung, Nährstoffkreislauf und Methodenkompetenz im Geographieunterricht.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärwald für die SuS wichtig?
Sie verdeutlicht den zeitlichen Nutzungswandel und die Regenerationsfähigkeit des Ökosystems Regenwald, was für das Verständnis der Nachhaltigkeit essenziell ist.
Welchen Stellenwert nimmt die Binnendifferenzierung ein?
Sie ist ein zentrales Element, um die Heterogenität der Klasse zu berücksichtigen, etwa durch die Bereitstellung von Hilfsmaterialien für schwächere oder Zusatzaufgaben für leistungsstärkere Schülerinnen und Schüler.
Inwiefern spielt der "Brief von Giomar" eine Rolle für den Unterricht?
Er dient als altersgerechter, lebensweltbezogener Zugang zum Thema und ermöglicht einen Perspektivwechsel, um die traditionelle Lebensweise der Yanomani nachvollziehbar zu machen.
- Quote paper
- Ann-Christin Fingerhut (Author), 2016, Warum brennt der Wald? Eine problemorientierte Erarbeitung der traditionellen Form des Brandrodungswanderfeldbaus im Amazonas anhand eines Fließschemas (Geographie 7. Klasse Gymnasium), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/907062