Meine folgende Ausarbeitung setzt sich mit dem Artikel „Geld und Moral. Strategie der Sozialethik“ von Prof. Michael Schramm, Theologe und Wirtschaftsethiker an der Universität Hohenheim, auseinander.
Im ersten Schritt folgt eine Zusammenfassung dieses Artikels in Thesen, die im nächsten Schritt kritisch-diskursiv auf den Bereich von Sozial- und Gesundheitsdiensten übertragen werden.
Auf der Grundlage der zuvor gewonnen Erkenntnisse erfolgt abschießend eine begründete Stellungnahme zur Aussage: „Ethische Ziele werden durch eine (institutionell entsprechend ausgestaltete) Logik des Geldes anreizgestützt zur Geltung gebracht“ (Schramm, 1998, S. 228). Im Fokus des Artikels „Geld und Moral. Zur Strategie der Sozialethik“ von Prof. Michael Schramm steht auf der einen Seite die gepriesene profitorientierte Marktwirtschaft, auf der anderen Seite der moralische Umgang mit ihr.
Im ersten Schritt beschreibt er den Verlust der Tauschhandlungen zwischen Menschen bedingt durch wirtschaftliche Entwicklung und Einführung des Geldes. Der Zugang zur heutigen Marktwirtschaft wird somit über das Geld und nicht wie in der Vormoderne üblich über Naturalien reguliert. Als Zwischenschritt zum heutigen Papiergeld beschreibt Schramm die „bezifferten Depotbestätigungen“, heute würde man sie Wertpapiere nennen, die man vom Goldschmied erhielt, wenn man dort Gold hinterlegte. Da diese „bezifferten Depotbestätigungen“ niemals alle von ihren Besitzern gleichzeitig als Zahlungsmittel eingesetzt wurden, war es dem Goldschmied darüber hinaus möglich, weitere Wertpapiere auf der Basis verzinslicher Kredite auszustellen. Somit schuf er die Grundlage der heutigen Bankwirtschaft, mehr Geld in den Umlauf zu bringen, als gleichzeitig zu besitzen.
Genau dieser virituelle Prozess der Geldversorgung durch die Banken wird im zweiten Schritt erläutert. Würden etwa alle Kunden einer Bankfiliale gleichzeitig ihre Konten, Sparbücher, Sparbriefe usw. auflösen und auszahlen lassen, könnte diese Filiale schließen. Da dies jedoch in dieser Form nicht geschieht und die Banken nur einen gewissen Prozentsatz der Depotbestände auszahlen, ist es ihnen mit Hilfe der Giralgeldschöpfung möglich, eine fiktive Vermehrung, die als Realität angenommen wird, anzuwenden. Nach Schramm spiegelt sich im Geld „…die virtuelle Unendlichkeit des modernen Wirtschaftssystems“ wieder (Schramm, 1998, S. 225).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zusammenfassung des Artikels von Prof. Michael Schramm
3. Bedeutung für Gesundheits- und Sozialdienste
4. Stellungnahme zur These „Ethische Ziele werden durch eine (institutionell entsprechend ausgestaltete) Logik des Geldes anreizgestützt zur Geltung gebracht“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und moralischem Handeln in sozialen Einrichtungen. Auf Basis einer Analyse der sozialethischen Überlegungen von Prof. Michael Schramm wird kritisch hinterfragt, inwieweit eine institutionell verankerte Logik des Geldes dazu geeignet ist, ethische Ziele in Gesundheits- und Sozialdiensten effektiv zu fördern.
- Grundlagen der sozialethischen Betrachtung von Geld und Marktwirtschaft
- Die Rolle monetärer Anreizsysteme bei der Bekämpfung moralischer Fehlentwicklungen
- Übertragbarkeit ökonomischer Steuerungslogiken auf den Sozial- und Gesundheitssektor
- Bedeutung der Unternehmenskultur und Werteimplementierung in sozialen Organisationen
- Kritische Auseinandersetzung mit der These der Anreizsteuerung für ethisches Verhalten
Auszug aus dem Buch
3. Bedeutung für Gesundheits- und Sozialdienste
Die These „Zahlen oder Nichtzahlen – die Seinsfrage der modernen Wirtschaft“ von Michael Schramm trifft auf den ersten Blick auch auf Unternehmen in Gesundheits- und Sozialdiensten zu. Unternehmen müssen zunächst einmal Gewinne machen, im Sozial- und Gesundheitswesen zumindest kostendeckend wirtschaften. Sie sind in erster Linie für ihre Klienten, Kunden oder auch Patienten da. Darüber hinaus sind sie in der Regel dem Erwartungsdruck der Kostenträger, eine gute soziale Dienstleistung zu erbringen, ausgesetzt.
Eine gute soziale Dienstleistung setzt neben dem Einsatz fachlich fundierter Kenntnisse auch ein Höchstmass gesellschaftlich ethischer, wie moralischer Vorgehensweisen voraus. „Es geht über die materielle und ökonomische Überlebens- und Handlungsfähigkeit hinaus um die organisationale Rekonstruktion der Glaubwürdigkeit… sozialer Organisationen. Eine materielle Wertsteigerung wird sinnlos, wenn sie nicht auf geteilte Werte hin angelegt ist“ (Heller / Krobath, 2003, S. 10). An dieser Stelle sind wir bei den Unternehmen und ihren Akteuren im Gesundheits- und Sozialwesen angekommen.
Die Frage, ob der alleinige Tausch einer fachlich guten pädagogischen, pflegerischen oder auch medizinischen Dienstleistung gegen Geld eine soziale Organisation auszeichnet, verwirft sich hiermit. Betrachtet man nun diese Organisationen auf den zweiten Blick, erkennt man in ihren Leitbildern erste Ansätze moralischen, wie ethischen Handelns. „Werte sind das Herz der Ethik. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit, dienen unserem Handeln als Zwecke, unserem Sein und Tun als Maßstäbe, binden unsere innere Stimmung und Verfassung daran, ob wir sie befolgt oder ignoriert haben. Was für das individuelle Leben gilt, gilt auch für das Leben von Gruppen und Organisationen“ (Berkel / Herzog, 1997, S. 88).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt den Artikel von Prof. Michael Schramm vor und erläutert das Ziel der Arbeit, dessen Thesen kritisch auf den Sozial- und Gesundheitsbereich zu übertragen.
2. Zusammenfassung des Artikels von Prof. Michael Schramm: Dieses Kapitel fasst die wirtschaftsethische Analyse von Schramm zusammen, wobei insbesondere die Rolle des Geldes als Symbol der Macht und der Ansatz der institutionellen Anreizsteuerung im Fokus stehen.
3. Bedeutung für Gesundheits- und Sozialdienste: Hier wird untersucht, wie soziale Organisationen unter dem Druck wirtschaftlicher Effizienz ihre ethische Glaubwürdigkeit wahren und Werte in ihre Arbeit implementieren können.
4. Stellungnahme zur These „Ethische Ziele werden durch eine (institutionell entsprechend ausgestaltete) Logik des Geldes anreizgestützt zur Geltung gebracht“: In der abschließenden Stellungnahme wird kritisch reflektiert, dass finanzielle Anreize allein nicht ausreichen, um ethische Ziele im sozialen Sektor zu sichern, da moralische Integrität eine übergeordnete Notwendigkeit bleibt.
Schlüsselwörter
Sozialethik, Unternehmensethik, Geldlogik, Gesundheitswesen, Sozialdienste, Monetäre Anreize, Korruption, Moral, Marktwirtschaft, Organisationale Werte, Gemeinwohl, Soziale Organisationen, Steuermoral, Bürgergeld, Institutionelle Ethik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Schnittstelle zwischen ökonomischer Rationalität („Logik des Geldes“) und sozialethischen Zielsetzungen im Kontext von Gesundheits- und Sozialdiensten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle des Geldes in der modernen Wirtschaft, den Missbrauch von Sozialleistungen, Korruptionsprävention in Unternehmen und die Notwendigkeit einer werteorientierten Organisationskultur.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die von Prof. Michael Schramm vorgeschlagene Strategie, ethische Ziele durch monetäre Anreize zu steuern, für soziale Organisationen sinnvoll und praktikabel ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse, bei der existierende sozialethische Thesen zusammengefasst, kritisch diskutiert und auf die spezifischen Rahmenbedingungen des Gesundheits- und Sozialwesens übertragen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Zusammenfassung der Thesen von Schramm sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Übertragbarkeit dieser Ansätze auf soziale Einrichtungen, insbesondere im Hinblick auf Finanzierung und gesellschaftliche Verantwortung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Sozialethik, monetäre Anreize, Unternehmensethik, Gesundheitsmanagement, ethische Unternehmensführung und wertebasierte Steuerung.
Warum ist das Thema der „Seinsfrage“ für soziale Organisationen so relevant?
Soziale Organisationen stehen im Spannungsfeld zwischen notwendiger wirtschaftlicher Kostendeckung und dem ethischen Auftrag, benachteiligten Menschen zu helfen, was den Umgang mit Geld als Mittel zum Zweck (statt als Selbstzweck) kritisch macht.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Geldstrafen zur Korruptionsbekämpfung im sozialen Sektor?
Der Autor argumentiert, dass rein monetäre Anreize oder Sanktionen in sozialen Organisationen weniger stark im Vordergrund stehen sollten als die gesellschaftliche Verantwortung und die ethische Selbstverpflichtung der Organisation.
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- Sven Werny (Author), 2007, Geld und Moral, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/90440