In dieser Arbeit wird ein kritischer Blick auf die Struktur der deutschen Entwicklungspolitik geworfen. Dabei sollen die Fragen im Vordergrund stehen, ob die Geldmittel in der Entwicklungszusammenarbeit wirklich effektiv genutzt werden und ob es Widersprüche in der Organisation gibt.
Näher betrachtet wird dabei die politische Struktur und Organisation der deutschen Entwicklungszusammenarbeit von der staatlichen Behörde bis hin zum Empfänger am Beispiel Afrika, das sich hierfür gut anbietet, da dieser Kontinent immer noch als Musterbeispiel für Entwicklungsregionen gilt und vor allem, je nach Region, auch heute noch genauso wie im 20. Jahrhundert mit diversen Krisen zu kämpfen hat. Aspekte der kurzfristigen humanitären und Katastrophenhilfe werden bei der Bearbeitung nicht mitberücksichtigt, denn das Hauptaugenmerk soll auf der Bewertung der Organisation und Arbeitsweise des BMZ und seiner Partner liegen.
Zur Unterstützung wird die Betrachtung der längerfristigen Wirkungen von praktischer Entwicklungszusammenarbeit herangezogen. Um einen ersten Einblick in die Entwicklungspolitik zu bekommen, wichtige Begriffe zu klären und später richtig argumentieren zu können, wird zunächst eine Einführung in die entwicklungspolitische Theorie gegeben und dabei zwei verschiedene klassische Entwicklungstheorien vorgestellt, da die meisten Entwicklungskritiker vom Standpunkt einer solchen aus argumentieren.
Dann wird ein ausführlicher Überblick über die Instrumente der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gegeben und in deren konzeptionellen Rahmen werden ausgewählte Akteure bilateraler und multilateraler Kooperation aufgelistet. Zuletzt werden ausgehend von der erarbeiteten Struktur Kritikpunkte der deutschen Entwicklungspolitik anhand von Fallbeispielen und logischen Argumenten festgehalten.
Da es in der Forschung sehr viele verschiedene Meinungen zum Thema Entwicklung und der damit verbundenen Politik gibt, wird sich in dieser Arbeit literarisch an politikwissenschaftlichen Einführungswerken zur Entwicklungspolitik orientiert und ein eigener Begriff erarbeitet. Um einen besseren Einblick in die komplexe Struktur der Entwicklungszusammenarbeit zu erlangen, werden außerdem Statistiken und Papiere des BMZ benutzt und aktuelle Nachrichten zur Erleichterung des Sachverhaltes herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklungstheorien
2.1 Modernisierungstheorien
2.2 Dependenztheorien
3. Instrumente deutscher Entwicklungspolitik
3.1 Finanzielle Zusammenarbeit
3.2 Technische Zusammenarbeit
3.3 Zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit
3.4 Multilaterale Zusammenarbeit
4. Kritikpunkte der deutschen Entwicklungspolitik
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die Struktur und Organisation der deutschen Entwicklungspolitik sowie deren Effektivität. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob die eingesetzten Finanzmittel ihr Ziel erreichen oder ob systemimmanente Widersprüche eine nachhaltige Entwicklung eher behindern als fördern, wobei das Beispiel Afrika als Schwerpunkt dient.
- Analyse klassischer Entwicklungstheorien (Modernisierung vs. Dependenz).
- Darstellung der Instrumente und Akteure der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.
- Kritische Evaluation der Mittelverwendung und Zielsetzung.
- Untersuchung struktureller Probleme anhand konkreter Fallbeispiele.
- Reflektion über das Machtverhältnis zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern.
Auszug aus dem Buch
4. Kritikpunkte der deutschen Entwicklungspolitik
Die SDGs und die Konzeption der Agenda 2030 mit einem neuen Marshallplan für Afrika sind sicherlich edle Ziele, aber die Umsetzung, deren Erfolg und positive langfristigen Folgen zählen, was bei den MDGs größtenteils misslang. Kritik an den SDGs und der Entwicklungspolitik gibt es deshalb in Deutschland reichlich, getragen sowohl von der Opposition und Sozialwissenschaftlern, als auch Empfängern der Fördermittel, genauer gesagt den Teilnehmern. Zum Beispiel wird der Entwicklungs-diskurs von den Post-Developmentalisten, die das Ende der Entwicklungspolitik und Recht der kulturellen Selbstbestimmung fordern, als eurozentrisch betrachtet, da er den Westen als Norm für Entwicklung betrachtet und alles weniger entwickelte automatisch als defizitär einstuft.
Im letzten Kapitel wurden die Formen und Akteure deutscher Entwicklungszusammenarbeit dargestellt. Die Durchführungsorganisationen sind dabei nicht frei von strukturellen Umsetzungsproblemen. In Sierra Leone braucht es erst ein deutsches Fernsehteam, das den alleinigen Vertreter von tausenden Kleinbauer_innen nach Deutschland und, mit Unterstützung eines Abgeordneten der Linken in den Bundestag holt, damit sich die DEG mit einem katastrophal gescheiterten Projekt befasst, das von ihr gefördert wird. Der Schweizer Energiekonzern Addax Bioenergy wollte Zuckerrohr anbauen, um Ethanol zu gewinnen und beim Verbrennen der Pflanzenreste sogar noch Strom erzeugen. Bei der DEG fand man die Idee gut und sah in ihr ein Zukunftsmodell für die nachhaltige Agrarentwicklung in Afrika, deshalb förderte sie das Projekt finanziell mit mehreren Millionen Euro. Der Konzern pachtete zunächst 54.000 Hektar Land von lokalen Reisbauer_innen für 12$ pro Hektar jährlich, bei einer Laufzeit von 50 Jahren. Die Produktion lief allerdings nur kurz, stoppte komplett und liegt seitdem brach. Versprechungen von neuen Feldern für die Bauer_innen und Verbesserungen der Lebensbedingungen für die betroffenen Dörfer blieben aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der deutschen Entwicklungspolitik, deren Zielsetzungen und die kritische Fragestellung hinsichtlich der Effektivität der eingesetzten Milliardenbeträge.
2. Entwicklungstheorien: Vorstellung der theoretischen Grundlagen, insbesondere der Modernisierungs- und Dependenztheorien, als Basis für den entwicklungspolitischen Diskurs.
3. Instrumente deutscher Entwicklungspolitik: Detaillierte Auflistung der Instrumente wie finanzielle, technische, zivilgesellschaftliche und multilaterale Zusammenarbeit sowie deren organisatorische Durchführung.
4. Kritikpunkte der deutschen Entwicklungspolitik: Kritische Auseinandersetzung mit der praktischen Umsetzung, belegt durch Fallbeispiele, die strukturelle Mängel und Zielkonflikte aufzeigen.
5. Schlussbetrachtungen: Fazit zur Organisation der Entwicklungspolitik, das die Notwendigkeit grundlegender struktureller Reformen und einer kritischen Selbstreflexion betont.
Schlüsselwörter
Entwicklungspolitik, BMZ, Entwicklungszusammenarbeit, Modernisierungstheorie, Dependenztheorie, KfW, GIZ, Kritik, Strukturprobleme, Nachhaltigkeit, Post-Developmentalismus, Afrika, Kapitalismus, Ausbeutung, Fördermittel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Analyse der Strukturen, Organisation und Effektivität der deutschen Entwicklungspolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Entwicklungstheorien, die verschiedenen Instrumente der Entwicklungszusammenarbeit (finanziell, technisch, zivilgesellschaftlich, multilateral) sowie die Kritik an der praktischen Umsetzung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob die eingesetzten Gelder der Entwicklungszusammenarbeit effektiv genutzt werden oder ob systemimmanente Widersprüche den Erfolg behindern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt eine literarische Auseinandersetzung mit politikwissenschaftlichen Einführungswerken, ergänzt durch Statistiken, offizielle Papiere des BMZ und die Analyse aktueller Fallbeispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, eine detaillierte Erläuterung der Instrumente und Akteure sowie eine fallbasierte kritische Würdigung der Problematiken.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Entwicklungspolitik, BMZ, Entwicklungszusammenarbeit, Strukturprobleme, Kapitalismus und Nachhaltigkeit.
Welches spezifische Beispiel für ein strukturelles Problem wird angeführt?
Ein prominentes Beispiel ist das Projekt der Firma Addax Bioenergy in Sierra Leone, bei dem lokale Bauern ihr Land verloren und durch das Scheitern des Projekts in eine prekäre Lage gerieten, während das Projekt von der DEG finanziell unterstützt wurde.
Wie bewertet der Autor die Rolle des BMZ und der KfW?
Der Autor übt scharfe Kritik an der mangelnden Kontrolle und den strukturellen Problemen in der Verwaltung der Fördermittel sowie der teilweise widersprüchlichen Rhetorik der Verantwortlichen.
Warum wird der Begriff "Entwicklungshilfe" weitgehend vermieden?
Der Begriff wird als veraltet und paternalistisch abgelehnt, da er ein Machtgefälle suggeriert, das dem modernen Verständnis einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit widerspricht.
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- Anonym (Author), 2019, Die Struktur der deutschen Entwicklungspolitik. Effektive Nutzung von Geldmitteln und Widersprüche in der Organisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/900348