In dieser Arbeit wird die Bedeutung der mit dem Druck verbundenen zunehmenden Verschriftlichung als historische Wurzel der Entwicklung zur Moderne genauer untersucht. Angeregt durch die Thesen Mc Luhans, der den Entwicklungen der Medien eher die mit ihnen verbundenen kognitiven Wirkungen auf individueller Ebene als die gesamtgesellschaftlichen Wirkungen gegenüberstellt, werden dabei weniger die von anderen historischen Kausalitäten schwerer zu trennenden gesellschaftlichen Wirkungen als vielmehr die möglichen Änderungen am Einzelnen untersucht. Nach einer kurzen einleitenden Reflexion über die Grundbegriffe sollen dazu im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Entwicklung der Schriftmedien vermuteten oder vermutbaren kognitiven Folgen gegenübergestellt werden; vor jedem der beiden Abschnitte soll der historische Kontext kurz umrissen werden. Als eine der gesellschaftlich prägenden technischen Entwicklungen in der Geschichte der abendländischen Kultur wird häufig der mit dem Namen Gutenberg verbundene Buchdruck betrachtet. Auch in wissenschaftlichen Betrachtungen (z.B. Hirner 1997) wird häufig von der „Erfindung des Buchdrucks“ und einer damit verbundenen „Revolution“ gesprochen und damit ganze Epochen charakterisiert, wie etwa in der Medientheorie von Marshall McLuhan, der die frühe Neuzeit bis zum Ende des 20. Jahrhunderts als Zeitalter des Buchdrucks, die „Gutenberg Galaxy“, betrachtet (McLuhan 1962). Ausgelöst durch die in der Vorlesung „Postmoderne, Informationsgesellschaft, Wissensgesellschaft“ mit der Moderne assoziierten Schlagwörtern wie „Zweckrationalisierung“ und „Entzauberung“, möchte ich in dieser Arbeit die Bedeutung der mit dem Druck verbundenen zunehmenden Verschriftlichung als historische Wurzel der Entwicklung zur Moderne genauer untersuchen. Angeregt durch die Thesen Mc Luhans, der den Entwicklungen der Medien eher die mit ihnen verbundenen kognitiven Wirkungen auf individueller Ebene als die gesamtgesellschaftlichen Wirkungen gegenüberstellt, sollen dabei weniger die von anderen historischen Kausalitäten schwerer zu trennenden gesellschaftlichen Wirkungen als vielmehr die möglichen Änderungen am Einzelnen untersucht werden. Nach einer kurzen einleitenden Reflexion über die Grundbegriffe sollen dazu im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Entwicklung der Schriftmedien vermuteten oder vermutbaren kognitiven Folgen gegenübergestellt werden; vor jedem der beiden Abschnitte soll der historische Kontext kurz umrissen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Vorüberlegungen
2.1 Medien und Verschriftlichung
2.2 Kognition und Kognitiver Wandel
3 Untersuchung: Verschriftlichung und kognitiver Wandel
3.1 Verschriftlichung und Kognitiver Wandel im Mittelalter
3.1.1 Vorbemerkungen und Kontext
3.1.2 Verschriftlichung, Medien und Medienwandel im Mittelalter
3.1.3 Kognitiver Wandel im Mittelalter
3.2 Verschriftlichung und kognitiver Wandel in der frühen Neuzeit
3.2.1 Vorbemerkungen
3.2.2 Medien und Medienwandel in der frühen Neuzeit
3.2.3 Kognitiver Wandel in der frühen Neuzeit
4 Nachwort und Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Verbindung zwischen dem Aufkommen von Printmedien und den damit einhergehenden Veränderungen kognitiver Prozesse des Einzelnen im Zeitraum von 800 bis 1700, um die Medien als Wurzel der Entwicklung zur Moderne zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Schriftmedien im Mittelalter und der frühen Neuzeit.
- Analyse kognitiver Auswirkungen durch veränderte Mediensysteme auf individueller Ebene.
- Vergleich der Medienwirkung in der oralen mittelalterlichen Gesellschaft zur frühen Neuzeit.
- Diskussion der Bedeutung von Buchdruck, Briefwesen, Zeitungen und Flugblättern.
- Reflexion über die medientheoretischen Thesen von Marshall McLuhan und anderen Autoren.
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Verschriftlichung, Medien und Medienwandel im Mittelalter
Im Mittelalter wurden manche der gesellschaftliche Funktionen, die in unserer Zeit von Massenmedien ausgeübt werden, von sozialen Ereignissen oder auch bestimmten Berufsgruppen wahrgenommen. Beispiele für letzteres ist der Narr (Faulstich 1996: 55 ff.), der in klerikalen wie adelige Kreisen als Unterhalter wie böszungiger Kritiker für den jeweiligen sozialen Kontext Funktionen hatte, die heute durch Medien wie beispielsweise Illustrierte oder Satirezeitungen wahrgenommen werden; neben ihm sind an dieser Stelle auch Epensänger für „gehobene Unterhaltung“ (Faulstich 1996: 75), und das Volk unterhaltenden Spielleute (Faulstich 1996: 222) zu nennen.
Neben den grundsätzlichen menschlichen Ausdrucksformen Sprache und Körpersprache war im europäischen Mittelalter natürlich auch schon die lateinische Buchstabenschrift bekannt; im Verlauf des Mittelalters wurde auch zunehmend in Nationalsprachen geschrieben (Faulstich 1996: 265). Wichtigstes Material für Dokumente aller Art war ab dem 4. Jahrhundert Pergament. Bei der Erstellung von Dokumenten, insbesondere von Büchern, diktierte der Autor seinen Text meist einem Schreiber, der diesen provisorisch auf eine Wachstafel übertrug; diese Tafel wurde abschließend auf Pergament gebracht (Faulstich 1996: 110). In sogenannten Skriptorien wurden in Klöstern Bücher kopiert, wobei die Schreiber nicht einmal unbedingt Latein lesen können mußten, ein Abmalen der Buchstaben genügte (Faulstich 1996: 111); der Zeitaufwand für eine solche Kopie lag selten unter einem Jahr (Faulstich 1996: 110).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, ob und wie Medienentwicklungen kognitive Veränderungen beim Menschen bewirkt haben, und grenzt den Untersuchungszeitraum auf 800 bis 1700 ein.
2 Theoretische Vorüberlegungen: Es werden die Begriffe Medium, Verschriftlichung und Kognition definiert, um einen methodischen Rahmen für die nachfolgende Untersuchung zu schaffen.
3 Untersuchung: Verschriftlichung und kognitiver Wandel: Dieser Hauptteil analysiert die historischen Zusammenhänge der Medienentwicklung und der damit verbundenen Wahrnehmungs- und Denkprozesse, unterteilt in die Zeitabschnitte Mittelalter und frühe Neuzeit.
4 Nachwort und Resümee: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei der Autor kritisch feststellt, dass die empirische Belegbarkeit der kognitiven Wirkungen schwierig ist und die Entwicklung eher als evolutionärer Prozess statt als plötzliche Revolution zu betrachten ist.
Schlüsselwörter
Verschriftlichung, Kognitiver Wandel, Mittelalter, frühe Neuzeit, Medienwandel, Buchdruck, Kommunikation, individuelle Kognition, Wissensgesellschaft, Gutenberg, Aufklärung, Informationssysteme, Medientheorie, Buchkultur, Postwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wechselbeziehung zwischen dem Aufkommen neuer Printmedien und den damit verbundenen Veränderungen mentaler Prozesse beim Menschen in Europa vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Entwicklung von Schriftmedien wie Büchern, Flugblättern und Briefen sowie deren Einfluss auf Wahrnehmung, Abstraktion und die kognitive Selbstbestimmung des Einzelnen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Bedeutung der zunehmenden Verschriftlichung als historische Wurzel moderner kognitiver Strukturen zu untersuchen und die Thesen der Medientheorie auf den Einzelfall zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medienhistorische Überblicksarbeit, die auf Basis vorliegender Literatur und wissenschaftlicher Medientheorien eine diskursive Analyse durchführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung des Mittelalters (800-1400) und der frühen Neuzeit (1400-1700), wobei jeweils der historische Kontext, die Mediensituation und die vermuteten kognitiven Folgen gegenübergestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Verschriftlichung, Kognitiver Wandel, Medienwandel, Buchdruck, Alphabetisierung und Medientheorie charakterisiert.
Inwiefern hat das Mittelalter bereits einen kognitiven Wandel erfahren?
Im Mittelalter zeigte sich durch den zunehmenden Bedeutungsgewinn schriftlicher Dokumente eine Tendenz, dem geschriebenen Wort mehr zu vertrauen als mündlichen Aussagen, was als erste Stufe des kognitiven Wandels gewertet wird.
Warum betont der Autor, dass es keine „Medienrevolution“ gab?
Der Autor argumentiert, dass technische Innovationen wie der Buchdruck auf einem bereits gut geebneten Boden entstanden sind und eher als starke Verbesserung bestehender Verfahren denn als plötzlicher Umbruch zu sehen sind.
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- M.A. Christopher Knapp (Author), 2002, Verschriftlichung und kognitiver Wandel im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/89797