In der Frühphase der Städte hatte das Rathaus nach Ermisch eine völlig andere Bedeutung als in der Neuzeit. Bis in das 15.Jh. hinein, war das mittelalterliche Rathaus vor allem das Kaufhaus der Stadt. Dabei hat das Rathaus immer in Beziehung zur wichtigsten durch den Ort verlaufenden Handelsstrasse gestanden und seinen Platz oft auf einem repräsentativen Eckgrundstück erhalten. Der Baukörper wurde meist betont durch weithin sichtbare Türme (z.B.. Leipzig u. Gera) oder Giebel (wie z.B. Pirna, Eilenburg) und schuf damit ein symbolisches Gegengewicht für die aufstrebende Macht des erstarkenden Bürgertums gegenüber Adel und Kirche. Das Stadtbild wurde dominiert von den mächtigen Türmen und Giebeln der Kirchen und Rathäuser...
Nach einer allgemeinen Betrachtung der veränderlichen Rolle von Rathäusern vom frühen Mittelalter bis zur Neuzeit, wird detailliert auf die Gestalt und Baugeschichte des Rauthauses zu Meißen eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Die Entwicklung der Stadt Meißen und des Marktplatzes
Gestalt des Baus
Baugeschichte
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die historische Entwicklung und bauliche Gestalt des gotischen Rathauses zu Meißen im Kontext der städtischen Transformation vom mittelalterlichen Handelsstützpunkt zur bürgerlichen Stadt.
- Ursprung und Entwicklung der Stadt Meißen sowie des Marktplatzes
- Die architektonische Gestalt und ästhetische Wirkung des Rathausbaus
- Bau- und Nutzungsgeschichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit
- Einfluss städtebaulicher und politischer Veränderungen auf das Gebäude
- Wandel der Repräsentationsfunktion des Rathauses über die Jahrhunderte
Auszug aus dem Buch
Gestalt und Wirkung des Baus
Steht man auf dem Meißner Marktplatz und lässt den spätgotischen, auf eine ursprüngliche Fassung um 1500 zurückgehenden Rathausbau auf sich wirken, bestechen vor allem Ruhe und Geschlossenheit. Die ungewöhnlich ungegliederte, asymmetrische Fassade lässt den üppigen, reichen Schmuck und die aufstrebende Betonung der Vertikalen seiner gotischen Zeitgenossen vermissen und beschränkt sich auf rundbogige Blendmotive im Putz der Giebel. Die Gestaltung der drei Zwerchhäuser ist dabei fast identisch, lediglich der mittlere Giebel weicht in wenigen Details ab. So befindet sich im Zentrum des Giebels eine Uhr und die untere Zone wird nur durch fünf etwas breitere statt der üblichen sechs schmaleren Blendbögen verziert sowie durch ein zusätzliches drittes Fenster geöffnet.
Die ca. 33 cm starken Zwerchgiebel mit Katzentreppen wurden laut Kern erst kurz nach dem Dach aus einfachem Material, dem Gliederungsprinzip des Westgiebels folgend errichtet und mit Eisenankern eingehängt. Sie gehörten ursprünglich farblich und durch ein Gesims getrennt zur Dachzone und wurden erst später optisch der Fassade angegliedert, was heute vor allem an der fehlenden vertikalen Vermittlung zwischen diesen Zonen deutlich wird. Neben den drei Giebelfassaden und ihren ungekrönten Fialen wird das Dach nur durch acht regelmäßig angeordnete Gaupen strukturiert. Die auffällige Unregelmäßigkeit der Fassadengliederung war wahrscheinlich von Anfang an durch den Einbezug des Vorgängerbaus angelegt und resultiert aus der Innenraumaufteilung und der Abschüssigkeit des Geländes. Dadurch besitzt nur der östliche Gebäudeteil ein Zwischengeschoß.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die historische Entstehung von Meißen als Handels- und Kulturzentrum beschrieben und die wandelnde Bedeutung des Rathauses vom mittelalterlichen Kaufhaus zum Verwaltungszentrum erörtert.
Die Entwicklung der Stadt Meißen und des Marktplatzes: Dieses Kapitel beleuchtet den Aufstieg der Stadt aus einem wehrhaften Vorposten zur bürgerlich geprägten Marktstadt und die städtebauliche Bedeutung des Marktplatzes.
Gestalt des Baus: Hier wird die spätgotische Architektur des Rathauses analysiert, wobei besonders das Verhältnis zwischen dem massiven Dach und dem eigentlichen Baukörper hervorgehoben wird.
Baugeschichte: Der Abschnitt dokumentiert die Entstehung des Bauwerks, diskutiert die kontroversen Thesen zur ursprünglichen Nutzung des Geländes und verfolgt die baulichen Veränderungen über die Jahrhunderte.
Schlüsselwörter
Meißen, Rathaus, Stadtgeschichte, Marktplatz, Gotik, Baukunst, Stadtentwicklung, Spätmittelalter, Bürgergesellschaft, Baudenkmal, Repräsentation, Nutzungsgeschichte, Fassadengestaltung, Denkmalschutz, Sachsen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die bau- und kulturhistorische Geschichte des spätgotischen Rathauses in Meißen und dessen Einbettung in die städtische Entwicklung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die architektonische Analyse, die städtebauliche Historie von Meißen sowie der Wandel der sozialen und politischen Funktionen des Rathausgebäudes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Rathaus als zentrales Bauwerk der Meißner Geschichte im Spannungsfeld zwischen ökonomischer Repräsentation und städtischer Machtausübung zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche, die Auswertung stadtgeschichtlicher Quellen sowie die kunsthistorische Analyse der Fassadengestaltung und Bausubstanz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsgeschichte des Gebäudes, die Einflüsse auf die Fassadengestaltung und die kontinuierlichen baulichen Anpassungen des Rathauses bis in die Moderne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Meißen, Rathausbau, Gotik, Marktplatz, Baugeschichte und bürgerliche Selbstverwaltung.
Welche Rolle spielte der Baumeister bei der Errichtung?
Die Rolle der Baumeister, insbesondere die mögliche Mitwirkung von Arnold von Westfalen, wird diskutiert, wobei die Quellenlage zur klaren Zuschreibung kritisch beleuchtet wird.
Warum wird das Dach als „schmückendes Organ“ bezeichnet?
Der Autor argumentiert, dass das überdimensionale Dach vor allem der ästhetischen Repräsentation und dem Wunsch nach städtischer Machtdemonstration diente, da ein zusätzliches gemauertes Stockwerk finanziell nicht möglich war.
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- Markus Schmidt (Author), 2003, Das gotische Rathaus zu Meißen - eine Darstellung der Baugeschichte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/87635