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Parzivals Gottesbezug - Untersuchung der narrativen Inszenierung

Title: Parzivals Gottesbezug - Untersuchung der narrativen Inszenierung

Thesis (M.A.) , 2007 , 134 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christoph Monnard (Author)

German Studies - Modern German Literature

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Summary Excerpt Details

Eine der wohl umstrittensten Fragen der Mediävistik formiert sich um den Parzival Wolframs von Eschenbach. Es handelt sich hierbei um den zweiten erfolgreichen Versuch der Erringung des so genannten Grals durch den Titelhelden Parzival. Als problematisch erweist sich in diesem Zusammenhang, dass der Gral dem Berufenen nur eine Chance eingeräumt hatte, ihn zu erreichen und eine zweite ausdrücklich ausschloß. Das Erreichen des Grals und das damit verbundene Erlösen des noch amtierenden Gralskönigs, der an einer unheilbaren Verletzung leidet, werden von dem Gral selbst an bestimmte Bedingungen geknüpft. Die zentrale Vorgabe ist die, wie der Hörer/ Leser nach der Hälfte der Erzählung erfährt, dass der Auserwählte bei seiner ersten Konfrontation mit dem Gral die Frage nach dem Leiden des noch amtierenden, aber an einer unheilbaren Verletzung erkrankten Gralskönigs stellen muss. Hinzu kommt, dass er diese Frage aus eigenem Antrieb stellen muss, ohne vorher zu wissen, dass genau dies seine Aufgabe ist. Ebenso erging von dem Gral das Verbot, dass der Auserwählte von niemandem vorher auf seine Aufgabe und die Form der Durchführung hingewiesen werden darf. Stellt er diese Frage nicht, so verwirkt er dadurch für immer sein Anrecht auf den Gral und der Gralskönig wird nicht von seinem Leiden erlöst. Da nun Wolframs Parzival bei seiner ersten Begegnung mit dem Gral diese Frage nicht stellt, erhält er den Gral nicht, erlöst auch den Gralskönig nicht von seinem Leid und wird darüber hinaus von der Gralsbotin Cundrîe verflucht. Entgegen der zuvor deutlich gemachten Regel, erhält Parzival, der mittlerweile Artusritter geworden ist, jedoch eine zweite Chance, die Frage zu stellen und den Gral zu erwerben. Zudem wird er zuvor noch über den Hintergrund der Frage und der Tatsache, dass er diese stellen muss, aufgeklärt, was neben dem generellen Widerspruch der zweiten Möglichkeit auch noch gegen die damit verbundenen Bedingungen bzw. Verbote verstößt. Es scheint demnach ein innerlitarischer Widerspruch innerhalb Wolframs Werk vorzuliegen.
Wolfram belässt es jedoch nicht bei der einfachen Gegenüberstellung von Gral und Berufenem, sondern verknüpft diese beiden Krisenherde mit einer weiteren, übergeordneten Instanz: und zwar dem christlichen Gott. Im Gesamtbild ergibt sich daraus, dass der zum Gral (...)

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wolfram von Eschenbach

2.1 Der Dichter und sein Publikum

2.2 Wolframs Wirkungsästhetik

2.3 Die Religiosität Wolframs und das Religiöse in seinen Werken

3. Gottesbilder in der mittelalterlichen Dichtung

3.1 Gottesvorstellung und Gottesdienst im hohen Mittelalter

3.2 Gottes Gnade und das Gottesgnadentum

3.3 helfe und triuwe

4. Zwischenmenschliche Beziehungen in der mittelalterlichen Gesellschaft

4.1 Das Lehnswesen

4.2 Die Stellung der Kirche im hohen Mittelalter

5. Parzival: Artusritter oder Ausnahmeheld?

5.1 Parzivals art

5.2 Parzivals Wissen über Gott

5.2.1 Gotteslehre von Herzeloyde

5.2.2 Gotteslehre von Gurnemanz

5.2.3 Gotteslehre von Trevrizent

6. Parzivals Gottesbezug

6.1 Die Ritterbegegnung (Vers 120,11 – 124,24)

6.2 Verfluchung durch Sigune (Vers 251,29 – 255,30)

6.3 Verfluchung durch Cundrîe (Vers 312,2– 319,19)

6.4 Parzivals Aufbruch vom Artushof (Vers 329,14 – 333,30)

6.5 Parzival und der graue Ritter (Vers 446,1 – 452,9)

6.6 Einkehr bei Trevrizent (Vers 452,15 – 502,30)

6.7 Feirefizkampf (Vers 734,18 – 754,30)

6.8 Berufung Parzivals durch Cundrîe (Vers 778,13 – 786,12)

6.9 Anfortas´ Erlösung (Vers 787,1– 799,13)

7. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die narrative Inszenierung der weltlich-geistlichen Beziehung zwischen dem Titelhelden Parzival und Gott als höchster geistlicher Instanz. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die religiöse Komponente und Parzivals Gottesbild in Wolframs Werk konstruiert sind und inwieweit daraus eine Erklärung für seine Berufung zum Gralskönig abgeleitet werden kann.

  • Analyse der narrativen Darstellungsweise von Parzivals Beziehung zu Gott
  • Untersuchung der religiösen Thematik in Wolframs Parzival im Vergleich zur zeitgenössischen Literatur
  • Einordnung von Wolframs Werk in den Kontext des Lehnswesens und der mittelalterlichen Gesellschaft
  • Auseinandersetzung mit der literarischen Struktur des "Doppelweges" und der Rolle des Grals

Auszug aus dem Buch

6.4 Parzivals Aufbruch vom Artushof (Vers 329,14 – 333,30)

Parzival wurde in seinen bisherigen Gotteslehren jedoch nicht darüber aufgeklärt, was eine Sünde ist. Allerdings muss er wissen, was die Hölle für eine Bedeutung trägt, da ihm Herzeloyde den tiuvel als Herrn der Hölle vorgestellt und gleichsam negativ belegt hat, als Opposition zu Gott. Parzival reagiert nun auf diese Anklage jedoch nicht, indem er auf die Verfluchung zur Hölle eingeht. Laut Huber resultiert dies daraus, „da sich Parzival keiner Schuld bewusst ist.“ Huber berücksichtigt aber nicht, dass Parzival seine Fehlhandlung, die er an dem leidenden Anfortas begangenen hat, und die daraus resultierende Schuld erkennt und reflektieren kann, was wiederum impliziert, dass ihm seine Schuld bewusst ist. Parzival ist daher vielmehr verärgert über Gott, da dieser es zugelassen hat, dass Parzival zu dieser Schuld kommt. Daher kann Parzival bei seinem Aufbruch vom Plimizoel und der Artusrunde den Grund und mit sich selbst den Verantwortlichen für das weitere Leiden Anfortas´ benennen:

(V. 330,29) ay helfelôser Anfortas,

waz half dich daz ich pî dir was?

Den Grund, weshalb Parzival ihm nicht helfen konnte, sieht er jedoch nicht bei sich selbst begründet. Er erkennt zwar, dass er in diesem Moment falsch gehandelt hat, die Verantwortung für sein Handeln weist er jedoch von sich, wodurch Hubers Annahme teilweise zutreffend ist. In diesem Sinne begründet Parzival seine Schuld mit einer weiteren Schuld. Er macht Gott dafür verantwortlich, ihm nicht beigestanden zu haben in einer Notsituation. Enttäuscht und verärgert wendet erklärt er, diesen ab sofort zu hassen:

(V. 332,1) Der Waleis sprach ´we waz ist got?´

wær der gewaldec, sölhen spot

het er uns pêden niht gegebn,

kunde got mit kreften leben.

ich was im diens undertân,

sît ich genâden mich versan.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Problemstellung um Parzivals Erringung des Grals ein und thematisiert das Spannungsfeld zwischen göttlicher Gnade und menschlichem Handeln.

2. Wolfram von Eschenbach: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Person des Dichters, seinem Publikum und den allgemeinen literarischen Bedingungen seines Schaffens.

3. Gottesbilder in der mittelalterlichen Dichtung: Hier werden die theologischen und gesellschaftlichen Grundlagen mittelalterlicher Gottesvorstellungen untersucht, insbesondere im Kontext von Gnade, Gottesdienst und der Rolle der Kirche.

4. Zwischenmenschliche Beziehungen in der mittelalterlichen Gesellschaft: Dieses Kapitel erläutert das mittelalterliche Lehnswesen und dessen soziale Interaktionsmuster, um diese auf die Beziehung zwischen Mensch und Gott zu übertragen.

5. Parzival: Artusritter oder Ausnahmeheld?: Hier wird Parzival als Protagonist analysiert, seine Herkunft beleuchtet und die Lehren seiner verschiedenen Mentoren (Herzeloyde, Gurnemanz, Trevrizent) im Hinblick auf sein Gottesbild untersucht.

6. Parzivals Gottesbezug: Das zentrale Kapitel analysiert anhand konkreter Textstellen, wie sich Parzivals Verhältnis zu Gott im Verlauf der Erzählung durch verschiedene Begegnungen und Krisen entwickelt.

7. Schlussbetrachtung: Dieses Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Resultat, dass Parzivals Gottesverhältnis nicht primär auf christlicher Gnadenlehre, sondern eher auf einem auf Treue und Reziprozität basierenden Lehnswesen-Schema beruht.

Schlüsselwörter

Wolfram von Eschenbach, Parzival, Gral, Mittelalter, Gottesgnadentum, Lehnswesen, Religiosität, Literaturanalyse, Artusroman, Schuld, Sünde, Gnade, Triuwe, Helfe, Heilsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Hausarbeit untersucht, wie die Beziehung zwischen dem Titelhelden Parzival und Gott narrativ inszeniert wird und welche Rolle diese Beziehung für seine Berufung zum Gralskönig spielt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf religiöse Fragestellungen im Mittelalter, die Bedeutung von Lehnswesen und Reziprozität sowie die literarische Analyse von Wolframs Parzival.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, zu klären, warum Parzival trotz seiner Sünden und seines "Gotteshasses" dennoch Gottes Gnade erfährt und zum Gral berufen wird, indem die Entwicklung seines Gottesbildes analysiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine literaturwissenschaftliche Analyse zentraler Textstellen unter Einbeziehung von mediävistischer Forschungsliteratur sowie soziologischer Modelle zum Verständnis mittelalterlicher Interaktionsformen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wolframs Dichterkontext, mittelalterlichen Gottesbildern, sozialen Strukturen (Lehnswesen) und der detaillierten Analyse von Parzivals Handeln in verschiedenen Schlüsselszenen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Parzival, Gral, Gottesgnadentum, Lehnswesen, Triuwe, Schuld und mittelalterliche Religiosität.

Warum ist Parzivals Verhältnis zu Gott als "Lehnsverhältnis" interpretierbar?

Weil Wolfram das Konzept der Reziprozität – das Geben und Nehmen von Dienst und Schutz – aus dem Lehnswesen auf die Interaktion zwischen Mensch und Gott überträgt, was Parzival in seinem Handeln widerspiegelt.

Ist Parzival nach Ansicht des Autors ein Heiliger oder ein "Artusritter"?

Der Autor argumentiert, dass Parzival kein klassischer Heiliger ist, da er keine innere Bußgesinnung zeigt, sondern bis zum Ende eher den Mustern eines Artusritters folgt, dessen Glück und Ehre von göttlicher Fügung abhängen.

Wie bewertet die Arbeit Parzivals Verhalten gegenüber den Lehren von Trevrizent?

Die Arbeit stellt fest, dass Parzival Trevrizents Lehren nur oberflächlich aufnimmt und sie in seinen eigenen, ritterlich geprägten Denkrahmen integriert, ohne sein grundlegendes Gottesverständnis substanziell zu wandeln.

Excerpt out of 134 pages  - scroll top

Details

Title
Parzivals Gottesbezug - Untersuchung der narrativen Inszenierung
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Deutsches Institut)
Grade
1,3
Author
Christoph Monnard (Author)
Publication Year
2007
Pages
134
Catalog Number
V87329
ISBN (eBook)
9783638010672
ISBN (Book)
9783638918671
Language
German
Tags
Parzivals Gottesbezug Untersuchung Inszenierung Thema Parzival
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christoph Monnard (Author), 2007, Parzivals Gottesbezug - Untersuchung der narrativen Inszenierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/87329
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