1 Mensch ärger dich nicht ?!
Man regt sich auf, man ärgert sich - bekommt gesagt, man solle sich zügeln, denn sonst drohe bald ein Herzinfarkt. Dieser, oftmals nur so dahin gesagten Floskel, geht die Wissenschaft jedoch schon länger nach. Seit nunmehr 65 Jahren wird in psychosomatischer Forschungsliteratur intensiv die Beziehung zwischen negativen Emotionen und gesundheitlichen Problemen diskutiert.
Es stellt sich also die Frage ob Ärger zu den negativen Emotionen gehört und die Gesundheit ebenso beeinflusst. Diese und die Frage nach den Funktionen des Ärgers soll in vorliegender Seminararbeit geklärt werden. Ein weiteres Problemfeld ist die Diagnostik des Ärgers, welche sich, aufgrund gesellschaftlicher Zwänge und Kontrollsucht, nicht einfach gestaltet.
2 Ärger – eine Frage der Definition und seine Entstehung
Ärger eine Emotion, welche kaum aus dem Alltag wegzudenken ist. Selbst ein psychologischer Laie weiß sich unter diesem Begriff etwas vorzustellen. Ärger ist eine fundamentale Emotion, jedem Kulturkreis bekannt und macht auch vor dem Tierreich nicht halt.
Die Korrelation zum negativen Emotionshaushalt eines Tiers, wird bei Plutchiks (1980) Auffassung von Ärger deutlich. Nach ihm ist Ärger eine primäre, prototypische Emotion, welcher er eine evolutionäre Geschichte zuschreibt. Alle Emotionen ermöglichen dem Organismus die Bewältigung überlebensrelevanter Situationen. Diese tritt im Regelfall bei der Emotion Ärger in einer bestimmten Reihenfolge auf. Zunächst nimmt der Organismus einen Reiz wahr und interpretiert ihn als Hindernis oder Feind. Um dieses Hindernis oder gar den Feind zu beseitigen, wird eine negative Emotion wie Ärger oder Wut ausgelöst. Resultat daraus ist eine destruktive Handlung.
Inhaltsverzeichnis
1 Mensch ärger dich nicht ?!
2 Ärger – eine Frage der Definition und seine Entstehung
3 Die funktionale Bedeutung des Ärgers
4 Die Diagnostik von Ärger
4. 1 Fragebogen zu Ärger und Ärgerausdruck
4.1.1 State-Trait Anger Expression Inventory (STAXI)
4.1.1.1 Beispiel für einen State-Trait Anger Expression Inventory (STAXI)
4.1.2 Multidimensional Anger Inventory (MAI)
4.1.3 Ärgerverarbeitungsskala
4.1.4 Jenkins Activity Survey (JAS)
4.1.5 Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI)
4.2 Interviewgestützte Verfahren
4.2.1 Das strukturierte Interview (SI)
4.3 Probleme der Ärgerdiagnostik
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der psychologischen Analyse von Ärger als negative Emotion mit funktionalem Charakter sowie der Herausforderung, dieses Phänomen wissenschaftlich korrekt zu diagnostizieren. Dabei wird untersucht, inwiefern Ärger gesundheitliche Auswirkungen hat und wie verschiedene diagnostische Instrumente zur Erfassung von Ärger und dessen Ausdrucksformen in der Praxis Anwendung finden.
- Definition und evolutionäre sowie soziale Entstehung von Ärger
- Multifunktionalität von Ärger (adaptive und maladaptive Funktionen)
- Vergleich standardisierter Fragebögen zur Ärgerdiagnostik (z.B. STAXI, MAI)
- Analyse interviewgestützter Verfahren zur Erfassung von Ärger
- Kritische Diskussion der methodischen Probleme bei der Ärgererfassung
Auszug aus dem Buch
4.2 Interviewgestützte Verfahren
Ebenso wie Fragebogen, sind Interviews in der psychosomatischen Forschung wichtige Analyseinstrumente zur Erfassung von Ärger und Feindseligkeiten. Speziell um das Verhalten von Typ A und seinem Gegenspieler Typ B zu erfassen, wurde das Strukturierte Interview (SI) entwickelt.
Roseman entwickelte 1978 das strukturierte Interview mit der Grundidee, die zu interviewende Person herauszufordern. Die deutsche Version wurde 1985 von Langosch, Schmidt und Rüddel konstruiert. Die Reaktionen auf Herausforderungen werden bestenfalls in Situationen erfasst, welche auch tatsächlich eine Herausforderung darstellen. Im Interview soll daher bewusst das Typ A-Verhalten provoziert werden. Fragen werden ungeduldig, forciert und teils schleppend formuliert. Vermeintliche Widersprüche in den Antworten sollen von den Fragenden angeklagt werden. Das Interview umfasst 22 Fragen. Lediglich eine bezieht sich direkt auf den Ärger, nämlich wie er zum Ausdruck gebracht wird und ob dies für andere sichtbar werde.
Nur vermeintlich sind die Inhalte der Antworten ausschlaggebend für die Klassifikation nach Typ A oder B. Wichtig für die Analyse ist das im Interview gezeigte Verhalten, insbesondere Merkmale des Sprechstils. Erst nach dem Hören des Tonbandprotokolls erfolgen die Ratings. Ein apruptes, lautes Sprechen, oder sich steigerndes Tempo der Sprache zählt zu den Eigenschaften, welche ausschlaggebend sein können. Bis 1985 wurde das SI in zwei prospektiven Studien zu koronaren Herzkrankheiten eingesetzt, der Western Collaborative Group Study (WCGS, Roseman et al., 1975) und der Multiple Risk Intervention Factor Trial Studie (MRIFT; Shekelle et al. 1985).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Mensch ärger dich nicht ?: Einleitung in die wissenschaftliche Relevanz von Ärger und dessen Beziehung zur Gesundheit.
2 Ärger – eine Frage der Definition und seine Entstehung: Theoretische Auseinandersetzung mit Ärger als fundamentale Emotion und deren phylogenetische sowie soziale Wurzeln.
3 Die funktionale Bedeutung des Ärgers: Untersuchung der verschiedenen Funktionen von Ärger, unterteilt in adaptive und maladaptive Aspekte.
4 Die Diagnostik von Ärger: Detaillierte Darstellung verschiedener diagnostischer Methoden wie Fragebögen und Interviews sowie deren wissenschaftliche Validität.
4. 1 Fragebogen zu Ärger und Ärgerausdruck: Vorstellung standardisierter Testverfahren zur quantitativen Erfassung von Ärger.
4.1.1 State-Trait Anger Expression Inventory (STAXI): Fokus auf das einflussreichste Inventar zur Messung von Ärgerintensität und Ausdrucksformen.
4.1.1.1 Beispiel für einen State-Trait Anger Expression Inventory (STAXI): Praktische Veranschaulichung des STAXI-Fragebogens.
4.1.2 Multidimensional Anger Inventory (MAI): Diskussion eines Verfahrens, das versucht, verschiedene Risikofaktoren des Ärgererlebens zu vereinen.
4.1.3 Ärgerverarbeitungsskala: Vorstellung eines Instruments zur Analyse von Ausdrucksformen und Umgang mit Ärger.
4.1.4 Jenkins Activity Survey (JAS): Analyse der Erfassung von Reizbarkeit im Kontext des Typ A-Verhaltens.
4.1.5 Freiburger Persönlichkeitsinventar (FPI): Betrachtung der Erfassung von Ärgerneigung innerhalb der Leistungsorientierung.
4.2 Interviewgestützte Verfahren: Einordnung qualitativer Erhebungsmethoden in die psychosomatische Forschung.
4.2.1 Das strukturierte Interview (SI): Beschreibung des Interviews zur Provokation von Typ A-Verhaltensmerkmalen.
4.3 Probleme der Ärgerdiagnostik: Kritische Reflexion über die Messbarkeit von Emotionen und die Künstlichkeit diagnostischer Situationen.
Schlüsselwörter
Ärger, Emotion, Diagnostik, STAXI, MAI, Fragebogen, Interview, Typ A Verhalten, Psychosomatik, Ärgerausdruck, Ärgerverarbeitung, Aggression, Gesundheit, Stress, Emotionspsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht Ärger als eine negative Emotion mit spezifischer Funktion und beleuchtet die Schwierigkeiten sowie die Methoden ihrer wissenschaftlichen Diagnostik.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Arbeit umfasst theoretische Grundlagen zur Entstehung von Ärger, dessen funktionale Bedeutung, verschiedene psychometrische Testverfahren und qualitative Interviewmethoden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Rolle des Ärgers zu entwickeln und die Instrumente zu evaluieren, die in der psychosomatischen Forschung zur Messung dieser Emotion eingesetzt werden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die theoretische Ansätze und verschiedene etablierte Diagnostikinstrumente (wie STAXI oder SI) analysiert und vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die funktionale Bedeutung des Ärgers sowie eine detaillierte Vorstellung und kritische Auseinandersetzung mit Fragebögen und Interviews zur Ärgererfassung.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Ärgerdiagnostik, STAXI, Ärgerausdruck, Typ A Verhalten und psychosomatische Forschung.
Was unterscheidet den STAXI von anderen Testverfahren?
Der STAXI ist das derzeit einflussreichste standardisierte Instrument, das eine kombinierte Erfassung von Ärgerzuständen (State), Ärgerneigung (Trait) und verschiedenen Formen des habituellen Ärgerausdrucks ermöglicht.
Welches Problem identifiziert die Autorin bei der Ärgerdiagnostik?
Ein Hauptproblem ist, dass künstlich geschaffene Diagnosesituationen oft nicht die natürliche Alltagsreaktion widerspiegeln und Probanden dazu neigen, ihre Emotionen sozial erwünscht zu kontrollieren oder zu verbergen.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Anger-In und Anger-Out eine Rolle?
Diese Unterscheidung ist entscheidend, um zu verstehen, ob Ärger explosiv nach außen gerichtet wird (Anger-Out) oder unterdrückt wird (Anger-In), was unterschiedliche gesundheitliche Auswirkungen haben kann.
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- Ulrike Franke (Author), 2007, Ärger, eine negative Emotion mit Funktion und ihre Diagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/87172