Das Thema meiner Hausarbeit ist die Frage nach der Plausibilität der "Praktikalitäts- Forderung" ("Practicality Requirement").
Im Zuge dieser Hausarbeit werde ich folgende Fragen zu beantworten versuchen:
1. Inwiefern ist die Argumentation Streiffers für die "Praktikalitäts- Forderung" ( "Practicality Requirement") einleuchtend?
2.Aufgrund welcher Argumente wird die "Praktikalitäts- Forderung" innerhalb der philosophischen Forschung verteidigt bzw. zurückgewiesen?
Wie sind diese zu bewerten und aufgrund welcher Überlegungen ist die "Praktikalitäts- Forderung" als nicht plausibel zurückzuweisen?
Die Praktikalitäts- Forderung, wie Streiffer sie formuliert, lautet folgendermaßen:
Wenn jemand moralisch verpflichtet ist eine Handlung zu vollziehen, dann gibt es für den Handelnden einen Grund diese auszuführen.
Es scheint mir deswegen interessant zu sein, die Praktikalitäts- Forderung in Bezug auf ihre Plausibilität zu untersuchen, weil Streiffer diese im Rahmen seiner Argumentation gegen den Handelnden- Relativismus überhaupt nicht kritisch prüft.
Denn erst auf diese Weise wird eine wirkliche Auseinandersetzungen mit den Überlegungen Streiffers möglich. Die Widerlegung der zweiten Prämisse des Handelnden- Relativismus durch Streiffer ist meiner Ansicht nach schlüssig, so dass ich weder deren Schlüssigkeit noch deren Plausibilität untersuchen werde.
Das Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von Argumenten aus der philosophischen Forschung sowie eigenen Überlegungen zu zeigen, dass die Praktikaslitäts- Forderung nicht plausibel und somit auch der Handelnden- Relativismus zu verwerfen ist ( wenn auch nur eine Prämisse eines Arguments falsch ist, wird notwendigerweise dessen Konklusion falsch).
Der Aubau meiner Arbeit erklärt sich folgendermaßen:
Zuerst behandle ich die Frage danach, inwiefern die Streiffersche Verteidigung der Praktikalitäts- Forderung nachvollziehbar ist, um anhand dieser zu zeigen, welche angreifbaren Punkte die Streifferschen Überlegungen sowie die Praktikalitäts- Forderung selbst aufweisen.
Der zweite Teil meiner Arbeit steht insofern in Zusammenhang mit dem ersten Teil, als ich in diesem einige der Argumente sowohl für als auch gegen die Praktikalitäts- Forderung erörtere, um mittels dieser meine Annahme, dass siese angreifbar ist zu bestätigen bzw. gegebenfalls zu modifizieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE STREIFFERSCHE VERTEIDIGUNG DER PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG ( „PRACTICALITY REQUIREMENT“)
2.1 Die erste problematische Folge der Negation der Praktikalitäts- Forderung
2.2 Eigene Einwände gegen die genannte These Streiffers
2.3 Die zweite Konsequenz der Negation der Praktikalitäts- Forderung
2.4 Argumente, die gegen diese These sprechen
3. ALTERNATIVERKLÄRUNGEN ZUR SOWIE KRITIK AN DER PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG
3. 1 Die Kritik Copps an der von Smith postulierten Praktikalitäts- Forderung
3.2 Die erste Erklärung als Alternative zur Praktikalitäts- Forderung
3.3 Eine weitere Alternativerklärung zur Praktikalitäts- Forderung
3.4 Die Argumentation Copps gegen die Praktikalitäts- Forderung
3.5 Smiths Erwiderung auf die Kritik Copps
3.6 Smiths Einwände gegen die Alternativerklärung zur Praktikalitäts- Forderung
3.7 Eigene Überlegungen zur Kritik Smiths
4. DAS AMORALISTENPROBLEM: BRINKS ANGRIFF AUF DIE PRAKTIKALITÄTSFORDERUNG
4.1 Die begriffliche Unmöglichkeit des Amoralisten für den Internalismus
4.2 Die internalistische Verteidigung gegen die amoralistische Herausforderung
4.3 Die Forderung Brinks, das Amoralistenproblem ernst zu nehmen
4.4 Smiths Erwiderung auf das „Amoralistenproblem“
4.5 Eigene Kritik an dieser Analogie
5. DIE PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG- EINE PLAUSIBLE PRÄMISSE DES HANDELNDEN- RELATIVISMUS?
6. SCHLUßWORT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Plausibilität der „Praktikalitäts-Forderung“ (Practicality Requirement), welche als zentrale Prämisse des Handelnden-Relativismus fungiert. Das primäre Ziel ist es, mittels philosophischer Argumente und eigener Reflexionen zu zeigen, dass die Praktikalitäts-Forderung nicht plausibel ist und somit der Handelnden-Relativismus als Ganzes verworfen werden muss.
- Analyse der Streifferschen Verteidigung der Praktikalitäts-Forderung
- Kritische Auseinandersetzung mit der Position von Michael Smith
- Untersuchung der externalistischen Alternativerklärungen von David Copp
- Diskussion des Amoralistenproblems nach David Brink
- Reflexion über die Verbindung von moralischem Urteil, Motivation und Rationalität
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Argumentation Copps gegen die Praktikalitäts- Forderung
Copp zieht den Schluss, dass nicht nur Smiths Argument anhand dessen er die Verbindung zwischen moralischer Überzeugung und Motivation zu erklären versucht falsch sei, sondern auch die Praktikalitäts- Forderung, die dieser vertritt.
Diese sei jedenfalls dann falsch, wenn der Begriff praktischer Rationalität zugrundegelegt werde, wie Copp sie versteht. Er definiert vollkommene Rationalität als die Disposition, richtig zu überlegen- aber nicht als die Fähigkeit stets vollständig erfolgreich darin zu sein. Dies scheint mir eine einleuchtende Definition des Begriffs der Rationalität zu sein, denn sie ist nachvollziehbar, insofern sie auf die Realität anwendbar ist. Wäre dagegen der Begriff der Rationalität so zu verstehen, dass nur derjenige als rational zu bezeichnen ist, der stets hundertprozentig erfolgreich in seinen Überlegungen ist (also niemals falsche Schlüsse zieht), dann gäbe es wohl kaum einen Menschen der noch rational genannt werden könnte. Und es ist fraglich, ob der Begriff der Rationalität dann überhaupt noch eine Funktion hätte, wenn er überhaupt nicht auf die Realität angewandt werden könnte.
Anhand des folgenden Beispiels versucht Copp zu zeigen, dass die Praktikalitäts- Forderung falsch ist:
Angenommen, Aurelia ist vollkommen rational und der Überzeugung, sie sei moralisch verpflichtet x unter den Umständen C zu tun. Einerseits besteht die Möglichkeit, dass sie glaubt, dies liefere ihr keinen Grund, x unter den Umständen C zu tun. Genauso gut sei aber denkbar, dass sie der Überzeugung ist, dies gebe ihr zwar einen moralischen Grund x auszuführen, aber da sie moralischen Gründen keine Bedeutung beimisst, ist sie auch nicht motiviert, x zu tun.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Darstellung der Forschungsfrage nach der Plausibilität der Praktikalitäts-Forderung und deren Rolle innerhalb des Handelnden-Relativismus.
2. DIE STREIFFERSCHE VERTEIDIGUNG DER PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG ( „PRACTICALITY REQUIREMENT“): Analyse der Argumentation Streiffers sowie Einwände gegen dessen These der notwendigen Verbindung zwischen moralischer Verpflichtung und Gründen.
3. ALTERNATIVERKLÄRUNGEN ZUR SOWIE KRITIK AN DER PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG: Darstellung der Kritik Copps an Smith, Diskussion verschiedener externalistischer Erklärungsmodelle und Reflexion über den Begriff der rationalen Person.
4. DAS AMORALISTENPROBLEM: BRINKS ANGRIFF AUF DIE PRAKTIKALITÄTSFORDERUNG: Untersuchung des Internalismus-Problems anhand der Figur des Amoralisten und kritische Würdigung der Smithschen Farbbegriffs-Analogie.
5. DIE PRAKTIKALITÄTS- FORDERUNG- EINE PLAUSIBLE PRÄMISSE DES HANDELNDEN- RELATIVISMUS?: Zusammenfassendes Urteil, in dem die Unplausibilität der Praktikalitäts-Forderung aufgrund mangelnder empirischer und theoretischer Stützung konstatiert wird.
6. SCHLUßWORT: Resümee der Arbeit und Fazit zur Notwendigkeit, den Handelnden-Relativismus zu verwerfen.
Schlüsselwörter
Praktikalitäts-Forderung, Practicality Requirement, Handelnden-Relativismus, Moral, Internalismus, Externalismus, moralisches Urteil, Motivation, Rationalität, Amoralist, Michael Smith, David Copp, David Brink, moralische Gründe, metaethischer Relativismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretische Grundlage des sogenannten Handelnden-Relativismus, namentlich die Praktikalitäts-Forderung, und hinterfragt deren Plausibilität anhand aktueller philosophischer Debatten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Verknüpfung von moralischen Urteilen mit Motivation und Handlungsgründen, das Problem der praktischen Rationalität sowie die Frage nach der Existenz und Definition des Amoralisten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Praktikalitäts-Forderung philosophisch unhaltbar ist, wodurch der darauf aufbauende Handelnden-Relativismus ebenfalls als widerlegt betrachtet werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der kritischen Textanalyse und philosophischen Argumentation, indem sie Positionen prominenter Philosophen wie Michael Smith, David Copp und David Brink gegenüberstellt und reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Verteidigung der Praktikalitäts-Forderung durch Streiffer, die externalistischen Gegenpositionen von Copp sowie das Amoralistenproblem als Herausforderung für den moralischen Internalismus detailliert erörtert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Praktikalitäts-Forderung, moralischer Internalismus, Handelnden-Relativismus, Motivation, Rationalität und Amoralistenproblem charakterisieren.
Warum hält der Autor die Analogie von Smith zum Farbbegriff für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass moralische Urteile im Gegensatz zu Farbwahrnehmungen stark von Emotionen und Einstellungen beeinflusst sind, weshalb der Vergleich zwischen der moralischen Urteilsfähigkeit und der Farbwahrnehmung bei Blinden inhaltlich nicht tragfähig ist.
Kann eine Person trotz rationalen Handelns moralisch falsch handeln?
Ja, laut der Arbeit ist es möglich, dass eine Person rational im Sinne einer korrekten Mittel-Zweck-Relation handelt, aber dennoch moralisch unmotiviert bleibt oder anderen Motiven wie dem Eigennutz den Vorrang vor der Moral gibt.
- Quote paper
- Caroline Boller (Author), 2007, Die Praktikalitäts-Forderung - eine plausible Prämisse des Handelnden-Relativismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/86649