Durch einen dramatischen Einbruch der finanziellen Mittel im Bundeswehretat hat sich die Auftragsvergabe an die wehrtechnische Industrie erheblich verringert.
Dabei ist der betriebswirtschaftliche Erhalt von Mindestkapazitäten in den Unternehmen der Rüstungsindustrie nur noch schwer sicherzustellen. Jedoch bildet gerade dieser Er-halt von Mindestkapazitäten aus technologischer Sicht die Grundlage für technologi-sches und technischen Know-how in der wehrtechnischen Industrie.
Der Verlust dieses wehrtechnischen Know-how führt unweigerlich zu einem langsamen Sterben der hochqualifizierten wehrtechnischen Unternehmen und deren Arbeitsplätze.
Diese drohende Existenznot veränderte in den 90iger Jahren das Gefüge der gesamten wehrtechnischen Industrie in Deutschland. Einige Unternehmen zogen sich aus dem wehrtechnischen Geschäftsfeld zurück, andere verringerten ihre Kapazitäten und wieder andere bildeten nationale oder internationale Kooperationen und Fusionen.
Diese vertieften Kooperationen der deutschen Rüstungsindustrie zur materiellen Be-darfsdeckung der Bundeswehr haben dabei aus politischen, militärischen und wirt-schaftlichen Gesichtspunkten einen hohen Stellenwert.
Im Verlauf der Arbeit soll hierbei nun untersucht werden, welche Arten und Formen der Kooperation, insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung, in der wehr-technischen Industrie in Deutschland vorhanden sind und welche genauen Ziele damit verfolgt werden. Dabei sollen auch die Hintergründe und Ursachen dieser Kooperationsbildungen genauer beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kooperationen in der Forschung und Entwicklung
2.1. Der Kooperationsbegriff
2.2. Gegenstand und Ziele von F&E-Kooperationen
2.3. Ausrichtung von F&E-Kooperationen
2.4. Kooperationsarten
3. Die deutsche Rüstungsindustrie
3.1. Aufgabe und Struktur der deutschen Rüstungsindustrie
3.2. Markbestimmende Rahmenbedingungen
4. F&E-Kooperationen in der deutschen Rüstungsindustrie
4.1. Forschung und Entwicklung in der Bundeswehr und der Rüstungsindustrie
4.2. Kooperationen in der Marineschiffbauindustrie
4.3. Kooperationen in der Luft- und Raumfahrtindustrie
4.4. Kooperationen in der Panzerindustrie
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Arten und Formen von Kooperationen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) innerhalb der deutschen Rüstungsindustrie, analysiert deren Ziele und Hintergründe sowie die spezifischen Rahmenbedingungen, die zur Bildung solcher Kooperationen führen.
- Grundlagen der Kooperation in der Forschung und Entwicklung
- Struktur und markbestimmende Rahmenbedingungen der deutschen Rüstungsindustrie
- Analyse von F&E-Kooperationen in der Marineschiffbauindustrie
- Analyse von F&E-Kooperationen in der Luft- und Raumfahrtindustrie
- Analyse von F&E-Kooperationen in der Panzerindustrie
Auszug aus dem Buch
4.2. Kooperationen in der Marineschiffbauindustrie
Die Marineschiffbauindustrie ist einer der drei Hauptbereiche der Rüstungsindustrie und besteht heutzutage aus insgesamt acht Werften und rund 400 Zulieferbetrieben. Die federführenden Systemfirmen, die Planung, Konstruktion und Fertigung der komplexen Marineschiffe tragen, sind die vier großen Anbieter die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG (HDW), die Blohm+Voss GmbH, die Lürssen Werft GmbH & Co. und die Nordseewerke GmbH. In der deutschen Marineschiffbauindustrie sind ca. 27.000 Mitarbeiter beschäftigt, wobei 4.500 davon direkt am Schiffbau tätig sind. Abgesehen von Forschung und Entwicklung sowie dem Schiffbau selbst, steht auch die Integration von Waffen- und Elektroniksysteme, Klima und Lüftung sowie Einrichtung und Ausrüstung bei den Werften im Vordergrund.
Die Howaldtswerke-Deutsche Werft AG ist mit eine der führenden Werften in Europa. Mit der Übernahme der schwedischen Werft Kockums und der griechischen Werft Hellenic Shipyards hat sich HDW international ausgerichtet. Heute ist HDW der größte U-Boothersteller der Welt. „HDW ist heute Weltmarktführer im Bau von konventionellen U-Booten, weil man sich hier auf eine einzigartige Kombination von Erfahrung und technologischer Innovation stützen kann.“ Die Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss ist Teil des Werftverbundes der ThyssenKrupp Marine Systems AG und innerhalb dieses Verbundes auf den Bereich Marineschiffe spezialisiert. Dabei ist Blohm+Voss im Schwerpunkt im Fregatten- und Korvettenbau tätig. Mit Hilfe einer Mehrzweckkombinationstechnologie (sog. MEKO Technologie), bei der verschiedene Anlagen und Systeme aufgrund standardisierter, modularer Bauweise kombiniert werden können, hat Blohm+Voss eine weltweite technologische Spitzenstellung im Marineschiffbau erobert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Notlage der wehrtechnischen Industrie durch rückläufige Mittel und die daraus resultierende Notwendigkeit zu Kooperationen.
2. Kooperationen in der Forschung und Entwicklung: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen der Kooperation, ihre verschiedenen Ausrichtungen sowie konkrete Kooperationsarten.
3. Die deutsche Rüstungsindustrie: Hier werden die Struktur sowie die sicherheitspolitischen und ökonomischen Rahmenbedingungen der Branche dargelegt.
4. F&E-Kooperationen in der deutschen Rüstungsindustrie: Dieses Kapitel analysiert spezifisch die F&E-Praktiken in den Bereichen Bundeswehr, Marineschiffbau, Luft- und Raumfahrt sowie Panzerindustrie.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst zusammen, dass Kooperationen eine essenzielle Existenzstrategie darstellen, deren Ausprägung stark von den jeweiligen sektoralen Anforderungen abhängt.
Schlüsselwörter
Rüstungsindustrie, F&E-Kooperation, Bundeswehr, Marineschiffbau, Luft- und Raumfahrt, Panzerindustrie, Technologiemanagement, Innovation, Projekt System & Management, Eurofighter, Konsortium, Joint Venture, Arbeitsgemeinschaft, Wehrtechnik, Wettbewerbsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer Bestandsaufnahme von Kooperationen in der Forschung und Entwicklung innerhalb der deutschen Rüstungsindustrie.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Unternehmenskooperation, die Struktur der deutschen Rüstungsbranche und die spezifische Ausgestaltung von F&E-Partnerschaften in verschiedenen Teilbereichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Untersuchung der Arten und Formen von Kooperationen in der wehrtechnischen Industrie sowie der Hintergründe und Ziele, die mit diesen Kooperationsbildungen verfolgt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Bestandsanalyse der rüstungswirtschaftlichen Strukturen und Kooperationsstrategien der untersuchten Industriebereiche.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Kooperationen, die Analyse der Rüstungsindustrie als Wirtschaftszweig und eine detaillierte Betrachtung der Sektoren Marineschiffbau, Luft- und Raumfahrt sowie Panzerindustrie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rüstungsindustrie, F&E-Kooperationen, Innovationsmanagement, Wehrtechnik, Marktrahmenbedingungen und Unternehmenszusammenschlüsse.
Welche Besonderheit weist der Marineschiffbau bei Kooperationen auf?
Der Marineschiffbau setzt vorrangig auf projektbezogene Arbeitsgemeinschaften, da aufgrund geringerer Exportbeschränkungen und moderaterer Entwicklungskosten die Selbstständigkeit der Werften leichter gewahrt werden kann.
Warum spielt das Projekt „SPz PUMA“ eine zentrale Rolle in der Analyse?
Das Projekt verdeutlicht die weitgehende Konsolidierung in der Panzerindustrie, bei der Rheinmetall Landsysteme und KMW ein Joint Venture gründeten, um gemeinsam ein hochkomplexes Großprojekt zu realisieren.
- Quote paper
- Tobias Müller (Author), 2007, F&E-Kooperationen in der Rüstungsindustrie - Eine Bestandsaufnahme, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/86124