Krieg, Krankheiten, Armut, Korruption, Sklavenhandel, Kolonialismus, Stagnation, Unterentwicklung, Abgeschlossenheit, Primitivität: dieser Katalog könnte endlos weitergeführt werden und beschreibt die Klischees, die viele Europäer1 mit Afrika verbinden. Kann ein solches Bild in eine Arbeit über westafrikanische Stoffe passen, die als Zeichen von Kreativität, kultureller Dynamik und Modebewusstsein gelten? Die Antwort auf diese Frage ist klar mit einem „Nein“ zu beantworten und soll auf den Perspektivenwechsel verweisen, der in dieser Arbeit eingenommen wird und der sich eindeutig gegen die genannten Stereotypen der „Afrikanität“ richtet.
Die Stoffe, die in Reisereportagen oft einseitig als bunt, farbenfroh, wildgemustert und typisch afrikanisch beschrieben werden und unter den Bezeichnungen Waxprints und Fancyprints geläufig sind, sind ein Beleg für die modische Aktivität Westafrikas, die sich in der Aufnahme fremder Innovationen, ihrer Umgestaltung, Uminterpretation und ihrer Kombination mit Lokalem widerspiegelt. Diese Stoffe können nicht einfach unter dem europäischen Wunsch nach Exotik abgehandelt werden, sondern bedürfen einer differenzierten Betrachtung ihrer Geschichte, Herstellung und Nutzung um sich von eurozentristischen Sichtweisen zu lösen.
So „afrikanisch“, wie viele Medien die Stoffe darstellen, waren sie nicht immer. Ursprünglich sind es niederländische Kopien der indonesischen Batik, die über den frühen Transatlantikhandel nach Westafrika gelangten und dort eine anspruchsvolle Kundschaft fanden, die nicht jedes Produkt in ihre Konsumgewohnheiten aufnahm. Damit begann ein stetiger Handel mit den Waxprints und den kostengünstigeren Fancyprints zwischen Europa und Westafrika, der von dem europäischen Streben geprägt war, die Wünsche der Konsumenten an die Stoffe zu erfüllen und zu der Traditionalisierung der Stoffe führte, wie die vorliegende Arbeit es im Einzelnen noch aufzeigen wird.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 LITERATURLAGE, FRAGESTELLUNGEN, ARBEITSTHESEN UND VORGEHENSWEISE
1.2 GEOGRAPHISCHE EINORDNUNG WESTAFRIKAS
2. DEFINITIONEN
2.1 BEGRIFFSEINORDNUNG VON WAXPRINT UND FANCYPRINT
2.2 DER ETHNOLOGISCHE ANEIGNUNGSBEGRIFF
2.3 DAS MODELL DER KULTURELLEN ANEIGNUNG MATERIELLER GEGENSTÄNDE
3. GESCHICHTLICHE HINTERGRÜNDE
3.1 TEXILHANDEL ZWISCHEN EUROPA UND WESTAFRIKA
3.2 DIE KULTURGESCHICHTE DER WESTAFRIKANISCHEN INDUSTRIESTOFFE
4. DIE HERSTELLUNG
4.1 DIE INDONESISCHE BATIK
4.2 INDUSTRIELLE HERSTELLUNGSVERFAHREN
4.3 DIE WESTAFRIKANISCHEN FÄRBETECHNIKEN
5. DIE MOTIVE
5.1 DAS ARCHIV DER MOTIVE
5.2 Kategorisierung der Muster
6. DIE SPRACHE DER MOTIVE
6.1 NAMENSGEBUNG
6.2 NONVERBALE KOMMUNIKATION
7. INWIEFERN KANN MAN BEI DEN WAX- UND FANCYPRINTS VON EINEM ANEIGNUNGSPROZESS AUSGEHEN?
8. FAZIT
9. LITERATUR
KONVENTIONELLE QUELLEN
ELEKTRONISCHE QUELLEN
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern die in Europa hergestellten Wax- und Fancyprints in Westafrika als kulturell angeeignete und traditionalisierte Güter verstanden werden können. Dabei wird insbesondere hinterfragt, wie durch den Gebrauch dieser Stoffe als Kommunikationsmittel eine lokale Identität und soziale Dynamik jenseits europäischer Exportabsichten entsteht.
- Kulturelle Aneignung materieller Güter im westafrikanischen Kontext
- Geschichte des Textilhandels zwischen Europa und Westafrika
- Produktionsverfahren und die Rolle der Batik-Tradition
- Soziokulturelle Bedeutung der Motive und Namensgebung
- Nonverbale Kommunikation durch Stoffe in sozialen Konfliktsituationen
Auszug aus dem Buch
1. EINLEITUNG
Krieg, Krankheiten, Armut, Korruption, Sklavenhandel, Kolonialismus, Stagnation, Unterentwicklung, Abgeschlossenheit, Primitivität: dieser Katalog könnte endlos weitergeführt werden und beschreibt die Klischees, die viele Europäer mit Afrika verbinden. Kann ein solches Bild in eine Arbeit über westafrikanische Stoffe passen, die als Zeichen von Kreativität, kultureller Dynamik und Modebewusstsein gelten? Die Antwort auf diese Frage ist klar mit einem „Nein“ zu beantworten und soll auf den Perspektivenwechsel verweisen, der in dieser Arbeit eingenommen wird und der sich eindeutig gegen die genannten Stereotypen der „Afrikanität“ richtet.
Die Stoffe, die in Reisereportagen oft einseitig als bunt, farbenfroh, wildgemustert und typisch afrikanisch beschrieben werden und unter den Bezeichnungen Waxprints und Fancyprints geläufig sind, sind ein Beleg für die modische Aktivität Westafrikas, die sich in der Aufnahme fremder Innovationen, ihrer Umgestaltung, Uminterpretation und ihrer Kombination mit Lokalem widerspiegelt. Diese Stoffe können nicht einfach unter dem europäischen Wunsch nach Exotik abgehandelt werden, sondern bedürfen einer differenzierten Betrachtung ihrer Geschichte, Herstellung und Nutzung um sich von eurozentristischen Sichtweisen zu lösen.
So „afrikanisch“, wie viele Medien die Stoffe darstellen, waren sie nicht immer. Ursprünglich sind es niederländische Kopien der indonesischen Batik, die über den frühen Transatlantikhandel nach Westafrika gelangten und dort eine anspruchsvolle Kundschaft fanden, die nicht jedes Produkt in ihre Konsumgewohnheiten aufnahm. Damit begann ein stetiger Handel mit den Waxprints und den kostengünstigeren Fancyprints zwischen Europa und Westafrika, der von dem europäischen Streben geprägt war, die Wünsche der Konsumenten an die Stoffe zu erfüllen und zu der Traditionalisierung der Stoffe führte, wie die vorliegende Arbeit es im Einzelnen noch aufzeigen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der westafrikanischen Stoffe und Widerlegung gängiger Klischees über "Afrikanität".
2. DEFINITIONEN: Klärung der Begriffe Waxprint und Fancyprint sowie theoretische Einbettung in den ethnologischen Aneignungsbegriff.
3. GESCHICHTLICHE HINTERGRÜNDE: Analyse des historischen Textilhandels zwischen Europa und Westafrika sowie der Herkunft der Stoffe.
4. DIE HERSTELLUNG: Darstellung der technischen Herstellungsverfahren von indonesischen Batiken bis zur industriellen Fertigung in Europa und Westafrika.
5. DIE MOTIVE: Untersuchung des Motivreichtums und der unterschiedlichen Ansätze zur Kategorisierung der Muster.
6. DIE SPRACHE DER MOTIVE: Analyse der Namensgebung und der Funktion von Stoffen als Medium nonverbaler Kommunikation.
7. INWIEFERN KANN MAN BEI DEN WAX- UND FANCYPRINTS VON EINEM ANEIGNUNGSPROZESS AUSGEHEN?: Synthese der Forschungsergebnisse zur kulturellen Aneignung und Traditionalisierung.
8. FAZIT: Zusammenfassung der Kernergebnisse zur Metamorphose des Fremden zum Indigenen.
Schlüsselwörter
Waxprints, Fancyprints, Westafrika, Kulturelle Aneignung, Materielle Kultur, Textilhandel, Identität, Namensgebung, Nonverbale Kommunikation, Batik, Hans Peter Hahn, Traditionalisierung, Mode, Soziale Dynamik, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Bedeutung von Waxprints und Fancyprints in Westafrika und wie diese ursprünglich europäischen Produkte zu einem authentischen Teil der westafrikanischen Kultur wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Geschichte des Textilhandels, industrielle Produktionsmethoden, die Symbolik der Muster und die soziale Funktion der Stoffe als Kommunikationsmittel.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Prozess der kulturellen Aneignung dieser Stoffe durch die westafrikanische Bevölkerung zu analysieren und zu belegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Analyse und Interpretation ethnologischer und kunsthistorischer Literatur sowie der Anwendung des Modells der kulturellen Aneignung nach Hans Peter Hahn.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung, die verschiedenen Herstellungstechniken, die Bedeutung der Motiv-Kategorisierung sowie die komplexe "Sprache" der Stoffe in sozialen Interaktionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Waxprints, Kulturelle Aneignung, Materielle Kultur, westafrikanische Identität und nonverbale Kommunikation.
Was genau ist ein "visuelles Streitgespräch" zwischen Frauen?
Dies bezeichnet eine soziale Praktik, bei der Frauen über das Tragen spezifisch benannter Stoffmuster Botschaften, Warnungen oder Anklagen gegen Rivalinnen austauschen, ohne dabei die direkte, konfrontative Sprache nutzen zu müssen.
Warum spielt die Namensgebung für die Stoffe eine so große Rolle?
Die Namen verleihen den maschinell gefertigten Stoffen eine lokale Bedeutung und verknüpfen sie mit Sprichwörtern und kulturellen Ereignissen, wodurch sie in den sozialen Alltag und das Wertesystem der Akan und anderer Ethnien integriert werden.
- Arbeit zitieren
- Rebecca Schramm (Autor:in), 2007, Waxprints und Fancyprints - Zeichen eines kulturellen und kreativen Aneignungsprozesses?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/85557