Die vorliegende Arbeit soll die Entwicklung der Fachdiskussion über die Erhebung von Benutzungsgebühren sowie die Auswirkungen auf die Benutzung aufzeigen. Die Beantwortung der Gebührenfrage ist von großer bildungs- und gesellschaftspolitischer Bedeutung. Denn keine andere öffentliche Einrichtung hat eine solche Breitenwirkung wie die öffentliche Bibliothek. Nach Art. 5 GG muß sie für jedermann zugänglich sein. Aus diesem Grund werden die bildungs- und gesellschaftspolitischen Aspekte in der vorliegenden Arbeit eingehend behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gebühren: Definition und Abgrenzung
2.1 Definition des Begriffs >Gebühren<
2.2 Verwaltungsgebühren
2.3 Benutzungsgebühren
3. Das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen
3.1 Die Kommune als Gebührennormgeber
3.2 Grundsätze der Gebührenbemessung
4. Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken
5. Die Entwicklung der Fachdiskussion seit Anfang der 80er Jahre
5.1 Die Einführung von Benutzungsgebühren und ihre Ursachen
5.2 Die wirtschaftlichen und bibliothekspolitischen Aspekte
5.2.1 Wirtschaftlichkeit von Benutzungsgebühren
5.2.2 Zusätzlicher Personal- und Verwaltungsaufwand
5.2.3 Benutzer- und Ausleihrückgänge
5.2.4 Mißbrauch von Benutzungsausweisen und Verfälschung von statistischen Daten
5.3 Der Gesamtvertrag zur Bibliothekstantieme und der Sammelrevers als Argumente für die Benutzungsgebührenfreiheit
5.4 Die kultur-, bildungs- und gesellschaftpolitischen Aspekte
5.4.1 Die öffentliche Bibliothek als kulturelle Einrichtung
5.4.2 Grundrecht auf freien Informationszugang
5.4.3 Chancengleichheit
5.4.4 Leseförderung durch öffentliche Bibliotheken
5.4.5 Unterstützung der Aus-, Fort- und Weiterbildung
5.5 Einfluß elektronischer Informationsdienste auf die Gebührenfrage
6. Ein aktuelles Beispiel: Einführung von Benutzungsgebühren in der Stadtbibliothek Viersen (Nordrhein-Westfalen)
7. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert die seit Anfang der 80er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland kontrovers geführte Fachdiskussion über die Einführung und Auswirkungen von Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken unter Berücksichtigung rechtlicher, wirtschaftlicher sowie bildungs- und gesellschaftspolitischer Aspekte.
- Rechtliche Grundlagen und Abgrenzung von Gebührenarten
- Wirtschaftlichkeit und Auswirkungen auf Benutzerzahlen
- Rolle der Bibliothek als kulturelle und Bildungseinrichtung
- Einfluss elektronischer Informationsdienste auf die Gebührenfrage
- Fallstudie zur Einführung von Benutzungsgebühren in der Stadtbibliothek Viersen
Auszug aus dem Buch
5.2.4 Mißbrauch von Benutzungsausweisen und Verfälschung von statistischen Daten
Der Rückgang der aktiven Benutzer und der Neuanmeldungen ist nach der Einführung einer Jahresbenutzungsgebühr unter anderem auf die Mehrfachnutzung eines Benutzungsausweises zurückzuführen. Um die Zahlung einer Benutzungsgebühr zu umgehen, entleihen auch Familienmitglieder oder Freunde mit einem einzigen Benutzungsausweis. Doch gehen die Meinungen über den Zusammenhang zwischen Einführung von Benutzungsgebühren und Mißbrauch in bibliothekarischen Kreisen auseinander.
Die einen sahen im Ausweismißbrauch nicht den alleinigen Faktor für den Rückgang. So war Frau Beaujean von den Stadtbüchereien Hannover 1983 überzeugt, daß viele Benutzer der Bibliothek tatsächlich wegen der Erhebung von Benutzungsgebühren einfach fernblieben und daß nur ein Teil der Benutzer den Benutzungsausweis als Gruppenausweis (>Familien- bzw. Freundesausweis<) mißbrauchte.
Anfang der neunziger Jahre sieht Reichelt in der nicht übertragbaren Jahresbenutzungsgebühr die häufig genutzte Möglichkeit einer Medienausleihe über dritte Personen, die zu einem Mißbrauch mit für Kinder und Jugendliche ermäßigten Jahresbenutzungsausweisen führe. Darüber hinaus könne der Ausweismißbrauch nicht wirksam kontrolliert werden. Infolge des Ausweismißbrauchs können keine zuverlässigen Benutzerdaten in der Bibliotheksstatistik nachgewiesen werden. Es entsteht ein verfälschtes Bild über die tatsächliche Benutzerschaft. Daraus ergeben sich Probleme für den Bestandsaufbau. Selbst der ansonsten Reichelts Thesen widersprechende Obberg sieht bei der Erhebung einer Zeitgebühr die Möglichkeit eines Ausweismißbrauchs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Entwicklung der Debatte um Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken, geprägt durch kommunale Finanznöte und bibliothekspolitische Standpunkte seit den 1980er Jahren.
2. Gebühren: Definition und Abgrenzung: Dieses Kapitel klärt juristische Begriffe wie Verwaltungs- und Benutzungsgebühren und stellt den rechtlichen Rahmen für deren Erhebung in öffentlichen Bibliotheken dar.
3. Das Selbstverwaltungsrecht der Kommunen: Hier werden die verfassungsrechtlichen Grundlagen der kommunalen Selbstverwaltung und die Befugnis der Kommunen zur Gebührenerhebung als Gebührennormgeber erläutert.
4. Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken: Das Kapitel beschreibt die verschiedenen Modelle der Gebührenerhebung, wie Zeit- oder Bandgebühren, und den damit verbundenen administrativen Aufwand.
5. Die Entwicklung der Fachdiskussion seit Anfang der 80er Jahre: Dieser zentrale Abschnitt beleuchtet detailliert die Pro- und Contra-Argumente, wirtschaftliche Aspekte, Benutzerstatistiken, sowie kultur- und bildungspolitische Implikationen der Gebührendebatte.
6. Ein aktuelles Beispiel: Einführung von Benutzungsgebühren in der Stadtbibliothek Viersen (Nordrhein-Westfalen): Anhand der Stadtbibliothek Viersen werden praktische Auswirkungen, wie Benutzerreaktionen und Einnahmen nach der Gebühreneinführung 1995, konkret analysiert.
7. Schlußbetrachtung: Das Fazit fasst die kontroversen Standpunkte zusammen und reflektiert die zukünftige Entwicklung öffentlicher Bibliotheken im Spannungsfeld zwischen Finanzbedarf und gesellschaftlichem Auftrag.
Schlüsselwörter
Benutzungsgebühren, öffentliche Bibliothek, Kommunalverwaltung, Bibliotheksrecht, Gebührenbemessung, Bildungsauftrag, Kulturpolitik, Informationsfreiheit, Benutzerstatistik, Wirtschaftlichkeit, Bibliothekstantieme, Leseförderung, elektronische Informationsdienste, Stadtbibliothek Viersen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und die Auswirkungen der Einführung von Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland seit den 1980er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Schwerpunkte sind die juristischen Grundlagen der Gebührenerhebung, die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Bibliotheksbudgets sowie die bildungs- und gesellschaftspolitische Bedeutung der gebührenfreien Bibliotheksnutzung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Fachdiskussion über die Erhebung von Benutzungsgebühren aufzuzeigen und die Auswirkungen dieser Gebühren auf die Bibliotheksbenutzung zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Der Autor führt eine Literatur- und Fachdiskussionsanalyse durch und ergänzt diese durch eine aktuelle Fallstudie und statistische Auswertungen der Stadtbibliothek Viersen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Definitionen, die Analyse der Kommunalpolitik, eine ausführliche Darstellung der Fachdiskussion (inklusive der Argumente für und gegen Gebühren) sowie die Untersuchung des Einflusses elektronischer Informationsdienste.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Benutzungsgebühren, öffentliche Bibliothek, kommunale Selbstverwaltung, Informationsfreiheit und Bildungsauftrag beschreiben.
Was ist das Ergebnis der Fallstudie zur Stadtbibliothek Viersen?
Die Studie zeigt, dass die Einführung von Benutzungsgebühren zu einem deutlichen Rückgang bei Benutzer- und Ausleihzahlen führte, während gleichzeitig der administrative Aufwand für das Personal anstieg.
Welche Haltung nimmt der Autor bezüglich der "Wert-These" ein?
Der Autor hinterfragt die oft politisch angeführte These "Was nichts kostet, ist nichts wert" kritisch und betont, dass für die öffentliche Bibliothek als Bildungseinrichtung der freie Zugang von zentraler gesellschaftspolitischer Bedeutung ist.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Bibl. Andreas Lücke (Autor:in), 1995, Benutzungsgebühren in öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/85532