Die USA sind ein gläubiges Land. Anhand des Begriffes der Zivilreligion und des Protestantismus möchte ich auf die Bedeutung der Religion für die USA näher eingehen. Um die Bedeutung der Religion in den USA verstehen zu können, ist eine kurze Auseinandersetzung mit dem Begriff der „Zivilreligion“ unerlässlich. Anhand der Präsidenten werde ich versuchen, diesen Begriff noch präziser darzustellen, da die Zivilreligion das Zwischenstück zwischen der Religion und dem Staat bildet. Der zweite Teil dieser Hausarbeit befasst sich mit der Religion, und zwar insbesondere mit dem Protestantismus in den USA. Der Protestantismus stellt nicht nur die größte Glaubensgemeinschaft in den USA da, er ist auch in den letzten 25 Jahren durch das Auftreten der „Christlichen Rechten“ zunehmend ins Rampenlicht gerückt. Der Protestantismus besteht jedoch nicht nur aus den „Christlichen Rechten“. Vielmehr soll er Anhand seiner „mainline“ Kirchen, den afro-amerikanischen Kirchen und den Sekten näher beschrieben werden. Ein Thema soll dabei besonders erläutern werden: die Auseinandersetzung mit der Homosexualität im Protestantismus. Gerade hier stellt man eine Besonderheit fest, während die „mainline“ Kirchen dieses Thema eher aussparen, so verwenden die „Christlichen Rechten“ all ihre Energie auf diesen Themenbereich. Beginnen soll diese Hausarbeit mit der Zivilreligion, welche als religiöser Teil der amerikanischen Politik angesehen werden kann und die, nach Robert N. Bellah notwendig ist, damit eine demokratische Gesellschaft funktioniert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Zivilreligion in den USA
2.1. Die Zivilreligion in den USA - Eine Begriffsklärung
2.2. Der erste Verfassungszusatz
2.3. Die Zivilreligion in Amerika – Ein kurzes Fazit
2.4. Zur Erläuterung der Zivilreligion: Der Präsident und sein Gebrauch der Zivilreligion
3. Der Protestantismus in den USA
3.1. Der weiße Protestantismus und die „mainline“ Kirchen
3.2. Der afro-amerikanische Protestantismus
3.3. Die (neuen) „Christlichen Rechten“
3.4. Die Sekten im Protestantismus
3.4. Homosexualität als aktuelles Konfliktpotenzial im Protestantismus
4. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Bedeutung von Religion in der US-amerikanischen Gesellschaft, wobei der Fokus auf dem Konzept der Zivilreligion und der Struktur sowie dem Wandel des Protestantismus liegt. Es wird analysiert, inwieweit religiöse Wertvorstellungen politische Prozesse beeinflussen und welche Rolle dabei Identität, Sozialmoral und gesellschaftliche Polarisierung spielen.
- Konzept und Funktion der US-amerikanischen Zivilreligion
- Die Rolle des Präsidenten als Träger zivilreligiöser Ideologie
- Differenzierung zwischen „mainline“ Kirchen, afro-amerikanischem Protestantismus und den „Christlichen Rechten“
- Einfluss religiöser Gruppierungen auf die politische Agenda
- Konfliktpotenzial durch sozialmoralische Themen wie Homosexualität
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Zivilreligion in den USA - Eine Begriffsklärung
Trotz oder vielleicht auch gerade wegen des enormen sozialen Wandels im letzten Jahrhundert sind die religiösen Grundeinstellungen der Amerikaner nahezu gleich geblieben. Neun von zehn Amerikanern glauben an Gott. Derzeit schätzt man die Anzahl von Kirchen, Bekenntnisse, Sekten und religiösen Vereinigungen auf ungefähr 300.000 (vgl. Steer 2000 S. 1). Wie ist es möglich ein Land zu Einen, was hinsichtlich der Religionen vielfältig ist? Zum einen ist die Gesellschaft durch einen wirtschaftlichen Austausch verbunden. Was diese Gesellschaft aber weitaus mehr verbindet, ist ein Konstrukt aus Ideen, Einstellungen und Glaubenshaltungen. Trotz aller religiösen Glaubensunterschiede teilen die Amerikanischer ein gemeinschaftliches Glaubensgrundverständnis welches Gunnar Myrdal 1945 als „American Creed“ beschreibt (vgl. Brocker in: Brocker/ Stein (Hrsg.): 2006a: S. 215). „American Creed“ meint damit einen Zusammenschluss von „Glaubensansätzen, Symbolen und Rituale, welche die Bürger an ihr Gemeinwesen bindet und dessen Institutionen und Repräsentanten in letzter Instanz als religiös legitimiert erscheinen lässt.“ (Brocker in: Brocker/ Stein (Hrsg.): 2006a: S. 216). Der Bürger sieht seine politische Gemeinschaft auf eine bestimmte Weise. „Amerikaner jeder nationalen Herkunft, aller Klassen, aller Regionen, aller Glaubensrichtungen, jeder Hautfarbe haben etwas gemeinsam: sein soziales Ethos, ein politisches Credo.“ (Myrdal 1944 S.3). Begriffe wie „vision“ oder auch „A Nation under God“ sind dafür ganz klare Zeichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die USA als zutiefst religiöses Land, in dem Religion eine Konstante im öffentlichen und politischen Leben bildet, und führt in die zentralen Begriffe Zivilreligion und Protestantismus ein.
2. Die Zivilreligion in den USA: Erläutert das Konzept der Zivilreligion als integratives Ideologiekonstrukt, das trotz gesellschaftlicher Fragmentierung den Zusammenhalt sichert, und beleuchtet die Rolle des US-Präsidenten in diesem Kontext.
3. Der Protestantismus in den USA: Analysiert die größte Glaubensgemeinschaft der USA, unterteilt in „mainline“ Kirchen, afro-amerikanische Kirchen, „Christliche Rechte“ sowie Sekten, und untersucht deren jeweilige politische Rolle und interne Spannungen.
4. Schlussbetrachtungen: Fasst zusammen, dass Religion in den USA weiterhin eine zentrale Rolle spielt, sich jedoch eine zunehmende Polarisierung zwischen säkularen Kräften und konservativen Evangelikalen beobachten lässt.
Schlüsselwörter
Zivilreligion, Protestantismus, USA, American Creed, Christliche Rechte, Politik, Religion, Religiosität, mainline Kirchen, afro-amerikanischer Protestantismus, Homosexualität, Sozialmoral, Evangelikalismus, Polarisierung, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Religion für das politische und gesellschaftliche Selbstverständnis der USA, insbesondere unter den Aspekten der Zivilreligion und der Struktur des Protestantismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung der Zivilreligion, die historische und aktuelle Entwicklung des amerikanischen Protestantismus sowie der Einfluss religiöser Akteure auf die politische Meinungsbildung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie religiöse Symbole und Überzeugungen dazu beitragen, eine kulturell und religiös fragmentierte Gesellschaft zu einen, und wie sich diese Dynamik im politischen Prozess widerspiegelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und religionssoziologische Literaturarbeit, die auf Basis bestehender Studien und Umfragen (z.B. General Social Survey) Zusammenhänge analysiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Zivilreligion und eine differenzierte Betrachtung verschiedener protestantischer Gruppierungen, inklusive einer Untersuchung zu aktuellen Konflikten wie der Homosexualität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen zählen Zivilreligion, Protestantismus, American Creed, Christliche Rechte und politische Polarisierung.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Präsidenten innerhalb der Zivilreligion?
Der Präsident fungiert als „Hohenpriester“ und „Interpreter-in-chief“, der in seinen Reden zivilreligiöse Symbole nutzt, um die nationale Identität und die Ziele der amerikanischen Politik zu stabilisieren.
Warum haben die „mainline“ Kirchen laut der Autorin Probleme?
Sie kämpfen mit Mitgliederschwund und Relevanzverlust, weil sie als zu liberal, akademisch und bürokratisch wahrgenommen werden und Schwierigkeiten haben, klare Positionen in moralisch aufgeladenen Konfliktthemen zu beziehen.
Was ist das spezifische Konfliktpotenzial bei der Frage der Homosexualität?
Das Thema stellt einen Spaltpilz dar, da konservative Evangelikale es als Sünde ablehnen, während „mainline“ Kirchen versuchen, die Harmonie innerhalb ihrer Mitgliedschaft zu wahren, und dadurch oft zur Entscheidungslosigkeit tendieren.
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- Ellen Ziegler (Author), 2007, A Nation under God – Zivilreligion und Protestantismus in den USA, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/84989