Ort, Gemeinde, Bezirk, Landkreis, Region, Bundesland, Staat, Kontinent, die Welt – die Globalisierung verbindet das kleinste mit dem größten Glied. Mit dem Beitritt zur Europäischen Union (EU) beginnen viele Staaten damit, sich neben ihrer nationalen Identität auch eine europäische Identität zu schaffen. Für den Geschichtsstudenten ermöglichen sich an dieser Stelle verschiedene Blickrichtungen. Vor allem Lehramtsstudenten begegnen in Rahmenplänen und Schulbüchern diverse Unterrichtssequenzen, diee die deutsche Vergangenheit als Schwerpunkt erkennen lassen. Längst haben sich die Kultusminister in Deutschland aber auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Dänemark, Schweden, den USA und Frankreich auf einen europäischen und weltumspannenden historischen Diskurs geeinigt. Das aktuelle Geschichtsbewusstsein ist bemüht, möglichst viele Aspekte aufzugreifen. Regionale, nationale, europäische und globale Geschichtsbetrachtung sind das erklärte Ziel der Forscher und Didaktiker. Das Verständnis und die Wahrnehmung von historischen Prozessen beginnt schließlich schon in der Schule und prägt den späteren geschichtlichen Denkprozess. Die historischen, politischen und sozialen Umbrüche einzelner Regionen und Länder hatten oft Auswirkungen auf benachbarte Staaten. Unlängst drängen sich hier Parallelen zur Völkerwanderung, der Französischen Revolution, der Reformation oder den beiden Weltkriegen auf. Viele Ereignisse sind deshalb nicht nur als regionale oder einzelstaatliche Phänomene zu betrachten. Dozenten weisen während des Studiums häufig auf die verschiedenen Blickwinkel hin, mit denen man als gewissenhaft und wissenschaftlich arbeitender „Forscher“ eine historische Tatsache betrachten und bewerten kann und muss. Genauso wie die Welt und die Gesellschaft sich wandeln, ändert sich auch der Anspruch an die Geschichtswissenschaft. Als angehender Geschichtslehrer sieht der Autor seine Aufgabe in der Verbindung regionaler Ereignisse mit nationaler und internationaler Geschichte. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Verknüpfung von schwedischer und deutscher Geschichte so eng wie in kaum einem anderen Bundesland. Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 fielen die Norddeutschen Territorien, darunter Vorpommern und Rügen, an das schwedische Königreich. Während die meisten Gebiete bereits 1718 nach dem Tod des Schwedenkönigs Karl XII. zurückgegeben werden mussten, fiel Rügen erst 1815 in preußischen Besitz.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Europäisierung und globale Aspekte als pre-moderne Phänomene
1.1 Begriffserklärungen
1.1.1 Weltgeschichte
1.1.2 Globalisierung und globales Lernen im Kontext europäisierter Geschichtsbetrachtungen
2. Die Renaissance verändert das europäische Weltbild – Die Neuzeit
3. Der schwedische Staat auf dem Weg zur Großmacht
4. Der Gotizismus als Faktor der Legitimierung
4.1 Der schwedische Gotizismus
5. Der Weg in den Dreißigjährigen Krieg
5.1 Der Prager Fenstersturz
6. Der politische Glaubenskrieg in seinen unterschiedlichsten Facetten
6.1 Der Niedersächsisch-Dänische Krieg (1625-1630)
6.2 Schwedens politische Wende – Die Jahre 1628-1630
6.3 Der Schwedische Krieg (1630-1634)
6.3.1 Erste Blitzerfolge
6.3.2 Grauen und Terror werden Zeichen des Krieges
6.3.3 Die protestantische Union wuchs und erzielte Erfolge im Eilgang
6.3.4 Der Rheinübergang der Protestanten
6.3.5 Die Endphase des Krieges
7. Der Westfälische Friede von 1648
7.1 Die politischen Bestimmungen
7.2 Territoriale Bestimmungen
7.3 Konfessionelle Bestimmungen
8. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle Schwedens im Dreißigjährigen Krieg vor dem Hintergrund europäischer Globalisierungstendenzen. Ziel ist es, den schwedischen Aufstieg zur Großmacht, die Bedeutung des Gotizismus als Legitimationsfaktor sowie die militärischen und politischen Entwicklungen während des Krieges historisch einzuordnen und didaktisch aufzubereiten.
- Schwedische Großmachtpolitik im 17. Jahrhundert
- Gotizismus als Legitimationsideologie für Krieg und Herrschaft
- Einfluss der Reformation und konfessionelle Konflikte
- Vernetzung von Regionalgeschichte mit europäischer und globaler Perspektive
- Wissenschaftliche Aufarbeitung zur Vorbereitung für den Geschichtsunterricht
Auszug aus dem Buch
Der Gotizismus als Faktor der Legitimierung
Nachdem Kimbern, Teutonen, Vandalen und Goten ihre Heimat im Norden Europas verlassen hatten, ahnte noch niemand, welche Rolle ihnen in der Geschichte zukommen sollte. Während die Spuren einiger Stämme schon recht zeitig in den Wirren und Auseinandersetzungen der Völkerwanderungszeit verloren gingen, begannen die Goten damit, (West- und Ostgoten) eigene Reiche in Spanien und Italien zu gründen. Letztendlich trugen sie zum Untergang des Römischen Imperiums bei. Der byzantinische Geschichtsschreiber Jordanes (um 500-552) berichtete über die Besiedlung Europas durch gotische Stämme:
Von dieser Insel Skandza also sollen einst wie aus einer Werkstatt der Völker oder einer Mutter der Nationen die Goten mit ihrem König Berig ausgefahren sein. Sobald sie ihre Schiffe verließen und ans Land stiegen, gaben sie demselben ihren Namen. Denn noch heute heißt, wie man erzählt, dort ein Land Gothiskandza[…]. Im Siegeslauf gelangten sie dann bis an den entferntesten Teil Skythiens, der an den Pontus grenzt, wie das in ihren alten Liedern insgemein fast nach einer Art eines Geschichtsbuches erzählt wird.
Jordanes berichtete sogar von Kämpfen der Goten gegen die alten Ägypter und in Asien. Die Goten und die Beziehungen zu den oströmischen Kaisern –auch nach der Eroberung Roms –waren nicht die schlechtesten. Es wurde eine umfangreich Bündnispolitik betrieben. Diese drückt sich vor allem in der Heiratspolitik aus.
Der Ruf der gotischen Völker war also nach dem Fall des Römischen Imperiums nicht der schlechteste. Das negative Bild entwickelte sich erst von der Wende des Mittelalters zur Neuzeit. Die deutschen Kaiser, die sich als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation in der Tradition der Cesaren wähnten, versuchten in regelmäßigen Abständen, Italien in ihr Einflussgebiet einzugliedern.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert den Anspruch einer global orientierten Geschichtsbetrachtung, die regionale, nationale und internationale Ereignisse wie den Dreißigjährigen Krieg verknüpft.
1. Europäisierung und globale Aspekte als pre-moderne Phänomene: Das Kapitel reflektiert, dass globale Strukturen und Informationsaustausch bereits lange vor der Moderne existierten.
2. Die Renaissance verändert das europäische Weltbild – Die Neuzeit: Es wird beschrieben, wie der Umbruch vom mittelalterlichen Weltbild zur humanistischen Philosophie und die Reformation die europäische Gesellschaft transformierten.
3. Der schwedische Staat auf dem Weg zur Großmacht: Hier wird der Aufstieg Schwedens durch innere Reformen, eine starke Marine und den Willen zur Hegemonie im Ostseeraum analysiert.
4. Der Gotizismus als Faktor der Legitimierung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie der schwedische Gotizismus durch die Rückbesinnung auf gotische Ahnen als Legitimationsgrundlage für Machtansprüche diente.
5. Der Weg in den Dreißigjährigen Krieg: Die religiösen und politischen Spannungen innerhalb des Reiches, gipfelnd im Prager Fenstersturz, werden als Auslöser des Konflikts beleuchtet.
6. Der politische Glaubenskrieg in seinen unterschiedlichsten Facetten: Das Kapitel schildert den Verlauf des Krieges, von den dänischen Interventionen über die schwedische Landung bis hin zu den entscheidenden Schlachten und dem Tod Gustav II. Adolfs.
7. Der Westfälische Friede von 1648: Die Ergebnisse der Friedensverhandlungen hinsichtlich politischer Souveränität, territorialer Neuordnung und konfessioneller Regelungen werden dargelegt.
8. Schlussfolgerung: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Krieges als Wendepunkt, der religiöse Freiheit ermöglichte und Machtverhältnisse in Europa grundlegend veränderte.
Schlüsselwörter
Dreißigjähriger Krieg, Schweden, Gotizismus, Europäisierung, Globalisierung, Gustav II. Adolf, Westfälischer Friede, Reformation, Hegemonie, Ostseeraum, Glaubenskrieg, Nationalstaat, Geschichtsunterricht, Machtpolitik, Konfession
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle Schwedens im Dreißigjährigen Krieg unter Berücksichtigung ideologischer Legitimationsfaktoren und globaler historischer Zusammenhänge.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen den schwedischen Aufstieg zur Großmacht, die ideologische Begründung durch den Gotizismus, die Kriegsentwicklung und die geopolitischen Auswirkungen des Westfälischen Friedens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, den schwedischen Weg zur Großmacht nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie historische Ereignisse regionale Rahmen sprengten, um dies didaktisch für den Geschichtsunterricht aufzubereiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Seminararbeit, die auf der Analyse von Fachliteratur und historischen Quellen basiert, um politische Prozesse und Ideologien einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt den Aufstieg Schwedens, die Bedeutung des Gotizismus, den Weg in den Krieg, den militärischen Verlauf unter Gustav II. Adolf und die Friedensschlüsse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Dreißigjähriger Krieg, Gotizismus, Schwedische Großmachtzeit, Europäisierung und Westfälischer Friede charakterisiert.
Warum war der Gotizismus für Schweden so bedeutend?
Er diente als Identitätsstifter und Legitimationsideologie, die den schwedischen Anspruch auf regionale Hegemonie und militärische Expansion durch die edle Abstammung von den Goten untermauerte.
Welchen Einfluss hatte der Tod von Gustav II. Adolf auf den Krieg?
Sein Tod bei Lützen führte zu einer Umstrukturierung der schwedischen Führung und zu einer defensiveren Politik durch Reichskanzler Oxenstierna, während der Krieg ohne entscheidenden Sieg für eine Seite weiterging.
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- Sebastian Putzier (Author), 2007, Tendenzen der Europäisierung zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges am Beispiel Schwedens, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/84048