Sprache ist Handeln. Diesen Grundsatz der Pragmatik, der vor allem durch Searle und Austin geprägt wurde, möchte ich zum Bezugspunkt meiner Untersuchung von Sprachleistungsmessungen nehmen. Die Pragmatik gilt als ein wichtiger Bestandteil der Sprachfähigkeit (langage ) jedes Menschen. Zahlreiche Kommunikationsmodelle, wie die von Schulz von Thun oder Paul Watzlawick versuchen die menschliche Kommunikation modellhaft zu veranschaulichen und schreiben ihr einen Beziehungsaspekt zwischen Sender und Empfänger zu. Der Mensch verbalisiert damit seine Gedanken nicht nur auf sachlicher, sondern auch auf emotionaler und pragmatischer Ebene. Der Beziehungsaspekt wird maßgeblich durch nonverbale Kommunikationsweisen wie Intonation, Mimik, Gestik, Lautstärke usw. bestimmt. In dieser Arbeit soll erörtert werden, inwiefern allgemeine Sprachleistungstests pragmatische Gesichtspunkte als Teil der Sprachfähigkeit anerkennen und diese bei Sprachstandsmessungen berücksichtigen. Abschließend wird sich dabei die Frage stellen, ob pragmatische Aspekte als Teil der Sprachfähigkeit überhaupt messbar gemacht werden können.
Die kritische Betrachtung solcher Tests soll am Beispiel des Heidelberger Sprachentwicklungstest, einem allgemeinen Sprachleistungstest, durchgeführt werden und auf die genannte Anmerkung und Fragestellung hin überprüft werden.
Die Charakteristika und die Konstruktion von Sprachleistungsmessungen, sowie die Gütekriterien dieser, sollen mich hier ebenfalls interessieren und einer Untersuchung unter sprachwissenschaftlichen Gesichtspunkten unterzogen werden. Auch die Bedeutung von Sprachleistungsmessung im schulischen und gesellschaftlichen Kontext soll kurz erläutert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bedeutung von Sprachleistungsmessung
3. Merkmale von Sprache und Probleme der Bestimmung von Testkriterien
4. Aufbau von Sprachtests
5. Allgemeine Sprachtests
5.1 Heidelberger Sprachentwicklungstest – H-S-E-T
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz pragmatischer Kompetenzen im Rahmen von Sprachleistungsmessungen und stellt die grundlegende Frage, inwieweit diese bei Sprachstandserhebungen adäquat erfasst und messbar gemacht werden können.
- Rolle der Pragmatik als integraler Bestandteil der menschlichen Sprachfähigkeit
- Kritische Analyse von Sprachleistungstests hinsichtlich ihrer Gütekriterien
- Bedeutung der Objektivierung von Leistungsbewertungen im schulischen Kontext
- Einsatz des Heidelberger Sprachentwicklungstests als Fallbeispiel
- Widerspruch zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung bei der Messung nonverbaler Kommunikation
Auszug aus dem Buch
5.1 Heidelberger Sprachentwicklungstest – H-S-E-T
Der Heidelberger Sprachentwicklungstest ist ein spezieller Entwicklungstest zur differenzierenden Erfassung der sprachlichen Fähigkeiten von Kindern zwischen dem dritten und neunten Lebensjahr. Bei Kindern mit Entwicklungs- und Lernstörungen kann er auch noch in höheren Altersstufen eingesetzt werden. Seit seinem Erscheinen vor nun fast 30 Jahren ist der H-S-E-T in der Forschung und in der Praxis unvermindert und häufig eingesetzt worden. Der H-S-E-T zeichnet sich dadurch aus, dass er den Sprachbereich umfassend diagnostiziert. Er besteht aus 13 theoretisch und empirisch fundierten Untertests, die über die Diagnose der „sprachlich-linguistischen Kompetenz“ hinaus zu ermöglichen versuchen, Aussagen über „sprachlich-pragmatische Kompetenz“ zu treffen. Schöler und Grimm halten fest, dass sich die Sprachfähigkeit neben der Verstehens- und Produktionsfähigkeit auch aus der „kommunikativen Fähigkeit“ zusammensetzt, die „auf der Ebene der Intersubjektivität zum Anderen eine Beziehung sprachlich adäquat her- und dar[zu]stellen“ soll. Somit wird neben der verbalen Kommunikation auch nonverbale Kommunikation berücksichtigt, die für eine gelungene soziale Interaktion notwendig ist und nun als ein wichtiges Kriterium zum Bestandteil der Testgrundlage wurde. Schon in der Einleitung weisen Grimm und Schöler auf eine pragmatische Kompetenz hin, die als integrative Fähigkeit zu verstehen sei und einen festen Bestandteil der sprachlichen Kompetenz darstelle. „Ohne pragmatische Kompetenz gibt es keine linguistische Kompetenz…“. Ob jedoch diese Feststellung lediglich Teil der Grundüberlegungen des Tests ist, oder diese Überlegungen auch Teil der praktischen Umsetzung sind, bleibt zu prüfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Sprachleistungsmessung unter Berücksichtigung pragmatischer Aspekte ein und formuliert die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Bedeutung von Sprachleistungsmessung: Dieses Kapitel erörtert die Notwendigkeit von Leistungsbewertungen in der Schule und den angestrebten Nutzen der Objektivierung durch standardisierte Tests.
3. Merkmale von Sprache und Probleme der Bestimmung von Testkriterien: Hier wird die Komplexität der Sprachfähigkeit als Konstrukt beleuchtet und die Herausforderung diskutiert, präzise Messkriterien für sprachliche Leistungen festzulegen.
4. Aufbau von Sprachtests: Dieses Kapitel differenziert zwischen verschiedenen methodischen (Individual-/Gruppentests) und inhaltlichen Testformaten im sprachlichen Bereich.
5. Allgemeine Sprachtests: Hier wird die kritische Betrachtung allgemeiner Sprachtests eingeleitet und der Fokus auf den Heidelberger Sprachentwicklungstest als etabliertes Diagnoseinstrument gelegt.
5.1 Heidelberger Sprachentwicklungstest – H-S-E-T: Dieses Kapitel analysiert das Testdesign des H-S-E-T und hinterfragt, wie pragmatische und nonverbale Kompetenzen in der Praxis erfasst werden.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass Theorie und Praxis der Sprachleistungsmessung oft widersprüchlich sind und eine Weiterentwicklung der heuristischen Auswertungsmethoden erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Sprachleistungsmessung, Pragmatik, Sprachfähigkeit, Heidelberger Sprachentwicklungstest, H-S-E-T, Kommunikation, Sprachstandserhebung, Testtheorie, Objektivität, nonverbale Kommunikation, Sprachstandsmessung, pädagogische Diagnostik, Leistungsbewertung, Sprachwissenschaft, sprachliche Kompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse von Sprachleistungstests unter besonderer Berücksichtigung der Pragmatik als wesentlichem Bestandteil menschlicher Sprachfähigkeit.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum der Untersuchung?
Die zentralen Schwerpunkte bilden die theoretische Definition von Sprachfähigkeit, die Anforderungen an objektive Sprachstandsmessungen und die praktische Umsetzung dieser Konzepte in etablierten Testverfahren.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage des Autors?
Das Ziel ist es zu erörtern, ob allgemeine Sprachleistungstests pragmatische Gesichtspunkte tatsächlich als integralen Teil der Sprachfähigkeit anerkennen und ob diese Aspekte in der Praxis überhaupt reliabel messbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor wendet eine analytische und kritische Literaturarbeit an, die durch die exemplarische Untersuchung des Heidelberger Sprachentwicklungstests (H-S-E-T) konkretisiert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der Bedeutung von Leistungsbewertungen, die Problematisierung von Testkriterien angesichts komplexer Sprachmerkmale sowie eine detaillierte Prüfung von Aufbau und Durchführung des H-S-E-T.
Welche Schlüsselbegriffe prägen den Inhalt?
Die wesentlichen Begriffe umfassen Sprachleistungsmessung, pragmatische Kompetenz, Testtheorie, nonverbale Kommunikation und pädagogische Diagnostik.
Warum wird der Heidelberger Sprachentwicklungstest (H-S-E-T) als Beispiel herangezogen?
Der H-S-E-T dient als Fallbeispiel, weil er trotz seines Alters als ein umfassendes und in der Praxis häufig eingesetztes Instrument gilt, an dem sich die Diskrepanz zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzbarkeit gut aufzeigen lässt.
Welche Diskrepanz stellt der Autor zwischen Theorie und Praxis fest?
Der Autor stellt fest, dass zwar theoretisch die Bedeutung von Mimik, Gestik und pragmatischer Kompetenz anerkannt wird, diese jedoch in der praktischen Testdurchführung und Auswertung oft nicht adäquat protokolliert oder berücksichtigt werden können.
- Arbeit zitieren
- Stefan Wehe (Autor:in), 2007, Pragmatik als Teil von Sprachleistungsmessungen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/83826